Selber hosten als Auslaufmodell: Der Cloud gehört die Zukunft

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Cloud-Server Tipps

Die meisten Agenturen für Webdesign und Marketing bieten den Betrieb der Webseite nicht als Dienstleistung an. Und auch viele Firmen mit eigener IT-Abteilung lagern Hosting und Betrieb gerne an Spezialisten aus. Im zweiten Teil unseres Interviews mit Hannes Wilhelm von der WorNet AG geht es darum, wie die Zusammenarbeit zwischen Seitenbetreibern und Hostern aussehen sollte. Dabei erfahren Sie auch, wann es für Firmen und Agenturen Sinn macht, aus Kundensicht selbst zum Hoster zu werden. Etwa beim Betrieb eines eigenen Servers oder über das sogenannte „Reseller Hosting“.  

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Wer ein komplexes Web-Projekt betreibt, braucht schnell einen technischen Ansprechpartner im Haus oder beim Hoster. Wann sollten Seitenbetreiber dafür einen Spezialisten mit ins Boot nehmen?

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Hannes Wilhelm: Das Problem mangelnder Abstimmung darf man nicht unterschätzen.

Wieviel Absprache nötig ist, hängt stark von den Ansprüchen an eine Website ab. Bei einfachen Web-Projekten ist meistens wenig Abstimmung mit dem Hoster nötig. Darauf zielen ja auch die Angebote an die breite Masse ab.

Bei größeren Projekten findet die Abstimmung mit dem Hoster aber oft über die Web-Agenturen der Betreiber statt.

Wo gibt es da Probleme in der Zusammenarbeit?

Hannes Wilhelm: Meistens setzt eine Agentur das CMS auf; kümmert sich um Design und Inhalte. Die Prämisse ist, dass eine Seite gut aussieht und konvertiert. In vielen Agenturen kümmert sich aber keiner um die notwendigen CMS-Updates. Da herrscht eine Lücke: Und genau die ist sicherheitsrelevant. Die Updates sind ja notwendig, um Hacking-Angriffe über das CMS oder die Webserver-Software zu verhindern. Verbreitet sind zum Beispiel gefälschte .htaccess-Dateien mit Weiterleitungen zu Spam-Seiten. Diese Weiterleitungen sind oft der Ausgangspunkt für E-Mail-Spam. Nicht jeder Seitenbetreiber hat das selbst auf dem Schirm.

Wie sollte da der Hoster ins Spiel kommen?

Hannes Wilhelm: Indem er das Hosting-Angebot um einen Service-Teil ergänzt. Dazu gehört, dass er wichtige Updates am Betriebssystem und an der Webserver-Software eigenständig durchführt.

Wo liegen die Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen Hostern und Agenturen?

Hannes Wilhelm: Normalerweise sollte eine Agentur schon beim Konzept für eine Website sicherstellen, dass das Hosting richtig eingeplant ist. Umgekehrt muss der Hoster die Anforderungen einer Website kennen. Das scheitert aber oft von beiden Seiten an mangelndem Interesse. Sehr hilfreich sind deshalb Service-Partnerschaften zwischen Agenturen und Hostern.

Wie kann so eine Zusammenarbeit aussehen?

Hannes Wilhelm: Bei Wornet haben wir eine Partnerschaft mit der Design-Agentur Studio9. Wir schließen hier gar keinen Vertrag mit dem Endkunden, also dem Seitenbetreiber. Wir übernehmen den Betrieb der Webserver-Infrastruktur und vor allem auch die Wartung und Backups des Systems. Wir stehen der Agentur als Partner für alle technischen Belange rund um das Deployment und den Betrieb der Webseiten zur Verfügung, je nach Vereinbarung bis in das CMS hinein. Dabei agieren wir aber im Hintergrund. Die Abstimmung mit dem Kunden bleibt in der Verantwortung der Agentur. Bei so einer Zusammenarbeit muss die Agentur das notwendige technische Knowhow dann nicht mehr bei sich im Haus haben.

Ich vergleiche eine Agentur, die sich nicht um Hosting-Betrieb kümmert, mit einem Autohaus, das Karossen ohne Räder verkauft. Der Auto-Käufer muss nach dem Autokauf dann zuerst noch zum Reifenhändler bevor er fahren kann – das Produkt ist unvollständig.
Eine Agentur muss für sich entscheiden, wie weit eine Partnerschaft geht und wo die Schnittstelle mit dem Partner liegt. Das ist die Basis für eine gute Abstimmung.

Ein anderes Beispiel wäre das sogenannte Reseller-Hosting. Dabei bieten technisch versierte Agenturen als Reseller ihren Kunden das Hosting selber an.

Wie gut läuft die Zusammenarbeit zwischen Hostern und IT-Abteilungen in Firmen?

Hannes Wilhelm: Gerade in vielen Mittelstandsbetrieben ist die IT mit sehr vielen Projekten überfrachtet. Da fällt viel Zeit hinten runter. Beispielsweise findet die Wartung von Servern dann nicht regelmäßig statt. Deshalb versuchen viele Firmen möglichst viel auszulagern. Auch hier ist ein Dienstleistungspaket mit einem Hoster zu empfehlen. 

Und wenn die Firmen in Eigenregie selber hosten? 

Hannes Wilhelm: Zunächst hängt das vom Geschäftsmodell einer Firma und von den Kosten ab. Bisher gilt: Je größer eine Firma, desto mehr macht sie inhouse. Aber der Trend geht ganz klar zu Outsourcing und auch Cloud-Lösungen.

Lohnt es sich dann überhaupt für Firmen, einen eigenen Server zu betreiben?

Hannes Wilhelm: Viele Unternehmen kommen im Sinne des Outsourcing wieder davon weg. Das gilt aber für Inhouse-IT im allgemeinen. Solche Lösungen sind kostenintensiv und und widersprüchlich zur dezentralen Arbeitsweise (zum Beispiel Home Office ). Gerade bei Startups beobachte ich deswegen eine starke „Cloud-Orientierung“. Stark aufkommend sind Private-Cloud Lösungen. In diesen Bereichen spielt eigenes Hosting dann eine geringere oder keine Rolle mehr.

In der Regel hosten Firmen aus „historischen Gründen“, also weil sie eine gewachsene Infrastruktur inhouse haben. Bei großen Firmen spielt sicherlich auch der Datenschutz eine große Rolle. Aber auch Sie geben immer mehr raus um sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren – ein Maschinenbauer ist halt Maschinenbauer und kein IT-Unternehmen. Außerdem ist die Inhouse-IT teuer und bindet Ressourcen. Mit Outsourcing sparen sich die Firmen das und geben Verantwortung ab.

Und wie ist das speziell beim Webhosting?

Hannes Wilhelm: Es lohnt sich nur, einen Webserver selber zu betreiben, wenn man das nötige Know-how und ein Rechenzentrum schon da hat. Heute noch in beides zu investieren, lohnt sich in der Regel nicht. Auch hier ist die Cloud die bessere Alternative.

Wo muss es trotzdem sein?

Hannes Wilhelm: Zum Beispiel, wenn man gesetzlich dazu verpflichtet ist, Daten selber zu hosten. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert. Die Sicherheit der Daten ist so ja noch nicht garantiert und natürlich schafft das Kosten. Da wären einige Firmen (zum Beispiel Arztpraxen) glücklich, wenn sie das an zertifizierte Cloud Anbieter auslagern könnten.

Sie haben bereits das sogenannte Reseller Hosting erwähnt. Können Sie die Funktionsweise davon kurz erläutern?

Hannes Wilhelm: Das ist ein technisch vordefiniertes Hosting-Paket, das sich nicht an Endkunden richtet, sondern zum Beispiel an Agenturen oder Systemhäuser. Die nutzen diese Ressourcen, um einen eigenen Dienst zu erbringen den sie wiederum an ihre Kunden weiterverkaufen. 

Ein Beispiel aus der Praxis: Systemhäuser wollen Hosted Exchange selber anbieten, könnten aber selber die Hosted Exchange-Umgebung nicht betreiben. Oft sind sie deswegen gezwungen, Office 365 zu empfehlen. Für das Systemhaus ist es dann möglicherweise sehr hilfreich, wenn es einen Hoster findet, der eine passende Umgebung bereits definiert hat und als Resellerhosting-Paket betreibt. Die Systemhäuser bieten ihren Kunden dann den darauf basierenden Service an - als White Label und sozusagen „aus eigener Hand“. Alle profitieren dabei von den Synergie-Effekten weil nicht jedes Systemhaus das Rad neu und selbst erfinden muss und dann mehr Zeit für seine Kernaufgaben zu Verfügung hat.

Kommen wir nochmal zurück zum Thema Cloud. Sie haben schon erwähnt, dass bei Cloud Hosting Ressourcen flexibel zur Verfügung gestellt werden – man zahlt also nur das, was man auch wirklich an Kapazität nutzt. Auf den ersten Blick eine gute Methode, um Kosten zu senken; geeignet für Projekte unterschiedlicher Größenordnung. Wie schätzen Sie Cloud Hosting ein, wo liegen die Vor- und Nachteile?

Hannes Wilhelm: Zunächst sollten Kunden genau hinschauen: Rechnet der Provider wirklich so granular ab? Günstig-Hoster machen das sicher nicht. Amazon EC2 ist hier das große Vorbild. Es ist allerdings nicht ganz günstig und Support-Service für den „kleinen Mann“ gibt es nicht.

Einer der wichtigsten Vorteile von Cloud Hosting ist die flexible Skalierung. 

Ein Beispiel aus der Praxis: Für den Betrieb der Clever tanken App sind laufend viele Server im Einsatz. Kurzfristiger auftretende Leistungsspitzen (also z.B. hoher Traffic) können durch flexible Erweiterung der eingesetzten Ressourcen kompensiert werden. Früher war die gesamte Server-Hardware von Anfang an auf die größtmöglichen Spitzen auszurichten. Die gekaufte Hardware ist natürlich nicht kurzfristig austauschbar. Dank Cloud Hosting kann man die Ressourcen viel flexibler und kurzfristiger dazunehmen oder auch wieder abschalten. Das ist dann naturgemäß günstiger und leistungsfähiger.

Zusammenfassend kann man sagen, dass viele Probleme mit Cloud Services wegfallen.

Wer eine Private Cloud mietet, bekommt die Leistung mit dazu: Er muss sich nicht erst über Hardware Gedanken machen; sie nicht selber einbauen oder austauschen. Auch das Problem der Migration von Daten fällt weg.

Dem gegenüber steht ein gewisses Risiko: Bei Datenschutz-Regelungen fehlen oft Übereinkünfte und rechtliche Grundlagen. Etwa, wenn der Dienstleister seinen Sitz im nichteuropäischen Ausland hat und man die Daten, weil sie in der Cloud liegen, nicht mehr im eigenen Haus hat.

Fazit

Während heute vor allem Firmen mit gewachsenen Strukturen auf eigene Server und Inhouse-Hosting setzen, geht der Trend ganz klar in Richtung Cloud Hosting. Die Flexibilität bei der Ressourcen-Zuteilung und der Abrechnung gibt für Unternehmen den Ausschlag. Cloud Hosting bringt zudem den Vorteil, Verantwortlichkeit auszulagern und den Bedarf an eigenem KnowHow zu reduzieren.

Über Wornet:

Die Wornet AG aus Geretsried bei München bietet individuelles Hosting für Geschäftskunden an. Darüber hinaus gehören Service-Leistungen rund um Konzeption und Betrieb von komplexen gehosteten Infrastrukturen zum Portfolio.

Über Hannes Wilhelm:

Hannes Wilhelm ist Prokurist der Wornet AG und kümmert sich als Projektleiter um Hosting-Projekte für verschiedene Kunden.

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