Standard-Hosting oder Profi-Server? Expertentipps für Webmaster und Agenturen

Server-Tipps

Hosting erscheint vielen Seitenbetreibern als bloßer Kostenfaktor. Günstige Standard-Hostings, bei denen sich viele verschiedene Nutzer die selben Serverkapazitäten teilen, gibt es deshalb haufenweise. Das muss auch kein Problem sein, meint mein Interview-Partner Hannes Wilhelm von der Wornet AG. Wer seine Website aber als Marketing-Tool oder gar als Geschäftsplattform nutzen will, stößt bei solchen „Shared Hosting“-Modellen schnell an Grenzen. Wann ein dedizierter – also eigener – Server zu den Startvoraussetzungen gehört, lesen Sie in diesem Interview.

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Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man beim Hosting leicht die alte Weisheit vergisst: Qualität hat ihren Preis. Wo liegen die größten Risiken und Probleme, wenn man beim Hosting nur auf den (möglichst niedrigen) Preis achtet?

Server-Tipps

Hannes Wilhelm: „Vereinfacht gesagt: Man kriegt das, wofür man bezahlt. Die günstigen Hoster können bei ihren Preisen einfach nicht so viel Leistung bereit stellen. So teilen sich mehrere Seitenbetreiber die Infrastruktur, was zu Einschränkungen bei der Leistungsfähigkeit führt  –Verfügbarkeit rund um die Uhr können die wenigsten Shared Hostings garantieren. 

Auch die Flexibilität bei Hardware-Problemen lässt zu wünschen übrig. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Kunde hatte bei einem günstigen Hoster einen Root Server mit Raid 1 (Festplattenspiegelung). Normalerweise würde man davon ausgehen, dass eine Festplatte die andere bei einem Ausfall verlustfrei ersetzen könnte - also kein Datenverlust droht. In der Realität war es aber gar nicht erst möglich oder vorgesehen, die Platten auszutauschen – der Server musste komplett neu aufgesetzt werden.

Generell gibt es bei Shared Hostings auch nur eingeschränkten Support. Wer beispielsweise seine Website auf einen anderen Server umziehen will oder muss, ist auf sich alleine gestellt. Das verursacht Kosten, weil man eigene Arbeitskraft einsetzen oder einen Experten beauftragen muss - für eine Aufgabe, die leicht einen Manntag Arbeit kostet. Da egalisieren sich die Einsparungen auf lange Sicht oft, die man durch günstiges Hosting vermeintlich gemacht hat. 

Deshalb empfehle ich, die Anforderungen vorab zu prüfen und langfristig zu planen. Muss die Seite immer rund um die Uhr verfügbar sein? Kann ich mit (plötzlichen) Sprüngen beim Nutzeraufkommen rechnen? Benötige ich regelmäßig Support? Muss ich besondere Vorgaben beim Datenschutz einhalten? Wer betreibt und wartet die Installation?

Wer diese Fragen mit einem Ja beantwortet, spart mit günstigem Hosting an der falschen Stelle.“

Bis wann kann man seine Webseite auf einem Standard-Webhosting betreiben? Ab wann muss man auf eine professionelle und dedizierte Hosting-Lösung umsteigen?

Hannes Wilhelm: „Für einfache Websites, bei denen es keine speziellen Anforderungen gibt, genügt oft ein günstiger Server „von der Stange“. Ladengeschäfte oder lokale Dienstleister, die in Form einer Webvisitenkarte ihre Kontaktdaten und ihr Angebot präsentieren wollen, liegen hier nicht unbedingt falsch.

Aber wie schon gesagt: Shared Hosting heißt, dass sich X verschiedene Kunden die Infrastruktur teilen. Da kann man Glück oder Pech haben: Vielleicht teilt man sich den Server mit fünf, zehn oder aber auch 20 anderen Betreibern. Oft tun sich die Hoster schwer, die Ressourcen den einzelnen Nutzern zuzuteilen. Und die „Server-Nachbarn“ können ihrerseits unterschiedlich viele Ressourcen in Anspruch nehmen. Wer auf Kontinuität und Zuverlässigkeit setzt oder gar Hochleistungsbetrieb von seinem Server verlangt, kann sich dieses Risiko eigentlich nicht mehr leisten.

Eine wichtige Rolle spielen auch Content Management Systeme. Die sind sehr wartungsintensiv und müssen aktuell gehalten werden. Das gibt es, wie in Software-Dingen allgemein, bei Günstig-Hostern nur rudimentär. Das Gleiche gilt für den Support; einen persönlichen Ansprechpartner wird man bei solchen Dienstleistern nicht bekommen.

Ein Ausschlusskriterium für Shared Hostings sind Vorgaben zum Datenschutz. Websites und Online-Shops, bei denen Kundendaten, Kreditkartendaten oder sogar Patientendaten auflaufen, benötigen dediziertes Hosting!”

Checkliste für die Auswahl der passenden Hosting-Lösung

Diese Punkte sollten Sie prüfen, wenn Sie nach dem passenden Hosting für Ihr Projekt oder Ihre Kunden suchen:

  1. Datenschutz: Welche Daten Ihrer Kunden und Besucher sammeln Sie auf Ihrer Website? Wie sind hier die Datenschutz-Bestimmungen?
  2. Verfügbarkeit: Können Sie gelegentliche Ausfälle verkraften oder muss Ihre Website wirklich immer erreichbar sein?
  3. Support: Haben Sie voraussichtlich regelmäßig Rückfragen zu Ihrem Hosting?
  4. Besucherzahlen: Wieviele Seitenaufrufe erwarten Sie täglich? Könnte diese Zahl mit der Zeit oder auch ganz plötzlich ansteigen?
  5. Updates: Wieviel Wartung ist bei Ihrer Website und dem Content Management System nötig?
  6. Agentur: Will und kann sich meine Web-Agentur um Belange und Probleme rund um das Thema Betrieb kümmern? 

Angenommen, ich möchte meine Webseite(n) umziehen – was sind die größten Fallstricke beim Hoster-Wechsel?

Hannes Wilhelm: „Vorab sollten Sie die Kündigungsfrist des alten Vertrages recherchieren. Da sind die günstigen Hoster oft sehr anhänglich. Dann gilt es, Anbieter rauszusuchen, Anforderungen, benötigte Leistung und die machbaren Kosten zu definieren. Das erledigt man am besten auch schon im Vorfeld, dann gibt es keine bösen Überraschungen (unerwartete Kosten).

Insbesondere das passende Zeitfenster muss man finden, weil sich dabei einige Fragen ergeben: Welche Überschneidungen gibt es? Muss ich beide Hoster zahlen? Soll ich den Content schon umziehen, wenn der alte DNS-Eintrag noch auf den alten Server zeigt? Wie sollte ich die Downtime (den temporären Ausfall der Webseite) ankündigen? Welche Kunden müssen Bescheid wissen?

Auch auf der technischen Seite gibt es einiges zu beachten: Den DNS-Eintrag stellt man immer erst auf die IP-Adresse des neuen Providers, wenn der Server-Umzug fertig ist. Dabei darf man die Migrationszeit von bis zu 24 Stunden (TTL) nicht vergessen.

Nicht zu vergessen ist die Domain. Die wird üblicherweise auch vom neuen Hoster registriert. Wer das alte Hosting komplett abschalten will, sollte auch die Domain umziehen. Pro Domain muss ein KK-Antrag gestellt werden. Das erfordert einigen Papierkrieg. Da müssen mehrere Parteien mitspielen - wenn einer blockiert, kann es Probleme geben.”

9 Schritte zum Hoster-Wechsel 

  1. Kündigungsfrist des laufenden Vertrags recherchieren
  2. Anforderungskatalog definieren und danach den Hoster auswählen
  3. Zeitraum für Umzug und gegebenenfalls Downtime festlegen
  4. KK-Antrag beim bisherigen Hoster einreichen
  5. Datenbank und Dateien vom Server kopieren
  6. Domain, Datenbank und Verzeichnisse auf dem neuen Server anlegen
  7. Datenbank und Server-Dateien importieren
  8. Migrationszeit abwarten (bis die neuen DNS-Einstellungen Wirkung zeigen)
  9. DNS-Eintrag ändern 

Vor unserem Interview haben Sie kurz das Thema Mail-Server und Archivierung von Mails als Grund für ein Profi-Hosting erwähnt. Wer ist verpflichtet, E-Mails zu archivieren? Kann man mit gängigen Mail-Servern diese Anforderungen erfüllen?

Prinzipiell muss jeder, der mit Kunden im Verkehr steht, seinen E-Mail-Verkehr archivieren. Man denke zum Beispiel an Rechnungen, Verträge oder Angebote. Gängige Mailserver können das nicht leisten. Dafür braucht man eigene Serverkapazität. Das ergibt sich aus den speziellen rechtlichen Anforderungen: Archivierte E-Mails dürfen zum Beispiel nicht veränderbar sein.

Die meisten mittelständischen Unternehmen haben das auf dem Schirm, kleine Unternehmen eher nicht. In der Praxis wird es nicht so hart umgesetzt. Es wäre ja auch schwer zu kontrollieren. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, macht es aber für jeden kommerziellen Seitenbetreiber Sinn. 

Das Internet ist voll von Tutorials, wie man seinen eigenen Mailserver hostet. Wem würden Sie das empfehlen und welche Voraussetzungen sollte er mitbringen? 

Einen blanken „Mail-Relay Server“ kann man sich aus Open Source-Mitteln schon zusammenbauen. Aber das dann sicher und zuverlässig zu betreiben und das alles im laufenden Betrieb zu migrieren, wenn die Software nicht mehr aktuell ist, ist eine andere Sache. Je langfristiger und größer man denkt, desto schwieriger wird es. Nur um es zu veranschaulichen: Man muss sich mit Problemen bei der Archivierung und Sicherheit selber kümmern. Backups sind ebenso nötig, sowie Pläne für Redundanz und Skalierbarkeit und auch der Schutz vor Spam und Viren.

Hart gesagt: Für den Geschäftsgebrauch ist das nicht zu empfehlen. Der Trend geht auch hier zur Cloud. Viele IT-Systemhäuser haben da ein Problem. Einige Kunden gehen weg von den Mailservern und wechseln einfach zu Office 365 oder zu Cloud-Dienstleistern in ihrer Nähe.

Fazit: Nicht jeder kann es sich leisten, am Hosting zu sparen

Shared Hosting eignet sich für Web-Projekte mit geringen Anforderungen. Als Seitenbetreiber muss man sich dann aber auf mögliche Ausfallzeiten und eingeschränkten Support einstellen. Wer mit seiner Website ein Geschäft betreibt, auf Buchungen und Anfragen darüber angewiesen ist und Nutzerdaten sammelt, kann sich das Risiko geteilter Server-Infrastruktur aber nicht leisten. Standard-Hosting ist hier ein Risiko. Das gilt auch für eigenhändig betriebene Mailserver. Der Wartungsaufwand ist auf Dauer zu hoch – da ist eine Cloud-Lösung meist die naheliegende Lösung für den Geschäftsbetrieb. 

Über Wornet:

Die Wornet AG aus Geretsried bei München bietet individuelles Hosting für Geschäftskunden. Darüber hinaus gehören Serviceleistungen rund um Konzeption und Betrieb von komplexen gehosteten Infrastrukturen zum Portfolio.

Über Hannes Wilhelm:

Hannes Wilhelm ist Prokurist der Wornet AG und kümmert sich als Projektleiter um Hosting-Projekte für verschiedene Kunden.

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