Wer im Kunstunterricht zumindest ein wenig aufgepasst hat, wird schon einmal vom „Goldenen Schnitt“ gehört haben. Aber können Sie auch treffsicher erklären, was sich dahinter verbirgt? Und ist Ihnen jemals in den Sinn gekommen, dass Sie das Prinzip für Ihr Marketing verwenden können? Falls nicht, erfahren Sie hier alles Wissenswerte zur „Göttlichen Proportion“ des Goldenen Schnitts.

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Die perfekte Ästhetik ist berechenbar

Mit dem Goldenen Schnitt ist ein Phänomen gemeint, das ein mathematisches Teilungsverhältnis beschreibt, das in Natur und Kunst gleichermaßen zu finden ist: Viele Pflanzen wachsen im Sinne des Goldenen Schnitts, selbst das menschliche Gesicht lässt sich nach den Proportionen der daraus resultierenden „Goldenen Spirale“ einteilen. Entsprechend wurde das allgegenwärtige Größenverhältnis schon früh auch als „Göttliche Proportion“ bezeichnet.

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Quelle: Wikicommons

Aber auch Künstler erkannten das Prinzip für sich, dass Bilder, Bauwerke und andere Gebilde besonders harmonisch, natürlich und ästhetisch wahrgenommen werden. Ein besonders bekannter Vertreter ist der „vitruvianische Mensch“ von Leonardo da Vinci: Hier entspricht das Verhältnis des Radius des Kreises und der Seitenlängen des Quadrats dem Aufteilungsprinzip. Aber auch in der Mona Lisa, den Pyramiden von Gizeh und dem Pantheon in Athen lässt es sich finden.

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Quelle: Wikicommons

Von Fibonacci bis Phi – So berechnen Sie den Goldenen Schnitt

Was aber steckt nun genau hinter dem magischen Längenverhältnis? Um den Goldenen Schnitt zu verstehen, bedarf es ein wenig Mathematik:

Das Prinzip: Der größere Teil eines Ganzen verhält sich zum kleineren genauso, wie das Ganze sich zum größeren Teil verhält. Gehen wir von einer Gesamtstrecke (a+b) aus, die sich in eine größere (a) und eine kleinere Strecke (b) teilt, ergibt sich daraus also die Gleichung

a/b = (a+b)/a

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Quelle: Wikicommons

In engem Zusammenhang mit diesem Verhältnis stehen die Zahlen der sogenannten Fibonacci-Folge. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass – beginnend bei Null – jede Zahl die Summe der zwei vorangegangenen bildet: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13 etc. Wird hier die größere durch die jeweils kleinere Zahl geteilt, nähert sich das Ergebnis mit zunehmendem Fortschritt der Folge immer weiter der unendlichen Zahl Phi = 1,618034... an. Diese entspricht dem Seitenverhältnis im Goldenen Schnitt.

Das Ganze lässt sich noch weiterführen: Werden Quadrate in den entsprechenden Größenverhältnissen aneinandergelegt und der jeweilige Radius hindurchgezeichnet, ergibt sich die Goldene (bzw. Nautilus-) Spirale, die etwas komplexer ebenfalls harmonische Proportionen kennzeichnet.

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Quelle: Wikicommons

Kreditkarten, Logos, Fotografie – der Goldene Schnitt im Hier und Jetzt

Tatsächlich machen sich aber nicht nur historische Gemälde, sondern auch moderne Marken das faszinierende Seitenverhältnis zunutze. So entsprechen nicht nur die Seitenlängen handelsüblicher Kreditkarten, sondern auch die Logos von Apple, Twitter, National Geographic und Toyota dem Goldenen Schnitt.

goldener-schnitt-logosQuelle: Toushenne.de

Aber auch bei der Formatentscheidung für Flyer oder der Gestaltung von Messeständen können Marketer sich an dem spezifischen Seitenverhältnis orientieren.

Eine vereinfachte Form bietet das Drittel-Raster, bei dem ein Bild(ausschnitt) an einem 3x3-Raster ausgerichtet wird. Werden wichtige Elemente hier auf einer der Achsen platziert, entspricht das ungefähr dem Goldenen Schnitt und lenkt die Aufmerksamkeit auf den entsprechenden Teil, ohne dass er extra in den Fokus gerückt werden muss. Wichtig dabei: Damit der Effekt erhalten bleibt, sollten natürlich nicht alle Achsen auf diese Art und Weise genutzt werden, sondern nur ein bis zwei.

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Quelle: Wikicommons

Die Göttliche Proportion als Bauplan im Webdesign

Neben dem Markendesign ist das Gestaltungsprinzip auch im Webdesign hilfreich. Denn auch ganze Websites lassen sich nach der Drittel-Regel aufbauen. Dabei bietet es sich an, Kernelemente (wie beispielsweise Calls-to-Action) auf den Achsen unterzubringen. Der Goldene Schnitt kann außerdem das Seitenmenü vom Content trennen, die Goldene Spirale ist ein nützliches Hilfsmittel zur allgemeinen Aufteilung von Bild, Text und Farbflächen. Aus diesem Grund basieren viele Vorlagen auf genau solchen Rastern mit Dreiteilung. 

Goldener-Schnitt-HubSpot-Blog

Quelle: HubSpot

Selbst für die Gestaltung des Textkörpers kann der Goldene Schnitt herangezogen werden. Zum Beispiel können sich die Schriftgrößen von Überschrift und Fließtext am Verhältnis von ca. 1,618 orientieren.

Mit etwas Mathematik gelingt das harmonische Design früher wie heute

Die Prinzipien des Goldenen Schnitts sind vielfältig einsetzbar und werden oft schon intuitiv genutzt, da sie aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit unsere Sehgewohnheiten bestimmen. Die exaktere Ausrichtung am entsprechenden Längenverhältnis bietet sich für Marketer vor allem für die Gestaltung von Websites an, aber auch für nahezu jede erdenkliche andere Marketing-Maßnahme.

Wer sich hier bei der Umsetzung von zu vielen Zahlen überfordert fühlt, kann verschiedene Tools nutzen, die die Ausrichtung am Goldenen Schnitt vereinfachen:

  • Modular Scale hilft bei der Umrechnung von Schriftgrößen entsprechend bestimmter Relationen, unter anderem auch der magischen 1,618.
  • Golden Ratio legt die oben beschriebenen Goldenen Rechtecke über eine beliebige Website, sodass die Ausrichtung geprüft werden kann.
  • Atrise Golden Section bietet ein transparentes Fibonacci-Grid in allen Varianten, zum Beispiel auch als Goldene Spirale.

Photoshop-Leitfaden

Ursprünglich veröffentlicht am 31. Januar 2019, aktualisiert am August 12 2019

Themen:

Webdesign