Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ein beeindruckendes Produktfoto beschert Ihnen tausend Website-Besuche.

Leider konnten wir diese kühne Aussage noch nicht mit Daten hinterlegen. Dennoch kann Produktfotografie für Ihre E-Commerce-Strategie wirklich wertvoll werden.

Angaben von Trellis zufolge kaufen 51 % aller Amerikaner mit Internetzugang am liebsten online. Dieses Segment wird stetig anwachsen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass 49 % aller Amerikaner immer noch Ladengeschäfte bevorzugen. Dort können sie die Ware sehen, anfassen und ausprobieren, bevor sie dafür Geld ausgeben.Neu: Unser Leitfaden für Adobe Photoshop CC – mit praktischen Tipps, 9  Videotutorials und 5 benutzerdefinierten Filtern.

Die Bequemlichkeit des Online-Shoppings ist nicht für jeden Käufer das Nonplusultra. Obwohl die Auswahl von Waren vom Sofa aus natürlich zum Erfolg von Online-Geschäften beiträgt. Um die 51 % der Leute zu erreichen, die lieber online einkaufen, müssen Sie Ihren potentiellen Kunden klare, ins Auge fallende Fotos Ihrer Produkte bieten. Denn mit den Fotos steht und fällt das Vertrauen in Ihre Angebote. In einem Ladengeschäft können Kunden den Artikel schließlich hautnah begutachten und bewerten.

Bei der Produktfotografie geht es um mehr als nur Anvisieren und Abdrücken. Selbst für die grundlegendsten Produkte brauchen Sie die passende Ausrüstung, Belichtung und Platz. Nur wenn alles stimmt, können Sie Ihre Produkte richtig in Szene setzen.

Aber keine Sorge, Sie müssen dafür nicht allzu tief in die Tasche greifen. Einige Teile sind bei Ihnen sicher bereits vorhanden.

6 Tipps und Beispiele für ansprechende Produktfotos

Mit dieser Liste an Tipps und Tools können Sie loslegen. Außerdem zeigen wir Ihnen echte Beispiele von Produktfotos, bei denen unsere Ratschläge Anwendung fanden.

1. Smartphone-Kameras sind völlig in Ordnung

Sie hatten bestimmt erwartet, dass wir Ihnen jetzt eine Profi-Spiegelreflexkamera mit 50 Megapixeln (MP) und einer 100 mm Linse empfehlen würden. Das ist aber gar nicht unbedingt notwendig. Wenn Sie eine solche Kamera bereits besitzen, dann nutzen Sie sie. Aber für viele Produktarten ist es völlig ausreichend, eine Smartphone-Kamera zu verwenden.

Die ersten Smartphones auf dem Markt hatten Kameras mit weniger als 4 MP, wodurch es schwierig bis unmöglich war, detaillierte Produktaufnahmen zu machen.

Aber neuere Smartphones haben Kameras mit 12 oder 13 MP und verschiedene Temperatureinstellungen, mit denen Sie Ihre Fotos in verschiedenen Lichtumgebungen anpassen können. Auf das Thema Licht gehen wir später noch detailliert ein.

Dieses Produktfoto wurde – unglaublich aber wahr – mit einem iPhone 4S und einer gut ausgerichteten Schreibtischlampe aufgenommen:

HubSpot: Armbanduhr Produktfoto aufgenommen mit iPhone 4SBildquelle: Andrew Griswold

2. Stativ für einheitliche Fotos

Bevor wir auf die Stative eingehen, zunächst eine Grundregel: Lehnen Sie Ihr Smartphone nicht einfach nur mit der Linse in Richtung Objekt gerichtet an etwas Stabiles. Dieses improvisierte System kann während des Shootings ganz leicht verrutschen, wodurch Ihre Fotos nicht mehr einheitlich wirken. Wenn Sie Ihre Kamera beispielsweise auf einem Stapel Bücher platzieren, müssen Sie dafür sorgen, dass sich dieser Aufbau während des Shootings nicht ändert.

Natürlich können Sie Ihre Kamera auch in den Händen halten, wenn Sie nur wenige Produkte für Ihren Online-Shop fotografieren. Aber je größer Ihr Unternehmen wird und je mehr Fotos Sie von Ihren Produkten machen, desto schwieriger wird es, die Fotos in Bezug auf Produktausrichtung zu standardisieren.

Damit Ihre Produkte einheitlich aussehen, brauchen Sie ein Stativ. Heutzutage kosten Stative glücklicherweise auch kein Vermögen mehr. Es gibt zwei verschiedene Stativ-Typen, aus denen Sie wählen können. Außerdem benötigen Sie für Ihr Smartphone noch ein Zubehörteil.

Traditionelle und flexible Stative

HubSpot: Traditionelles StativHubSpot: Kleines flexibles Stativ mit beweglichen StativbeinenBildquelle: AmazonBasics | Amazon

Links sehen Sie ein traditionelles Stativ mit ausziehbaren Beinen. Rechts ist ein kleineres aber flexibles Stativ zu sehen, dessen Beine gebogen werden können, um beliebige Kamerastellungen zu erzielen.

Man kann es auf den Fotos nicht erkennen, aber das rechte Stativ ist ca. 25 cm hoch, also deutlich kleiner als das traditionelle Stativ, dessen Beine auf bis zu 122 cm ausgefahren werden können.

Smartphonehalterung

Bei beiden Produkten ist oben eine Schraube zu sehen. Auf diese wird die Kamera geschraubt. So bleibt die Kamera fest mit dem Stativ verbunden. Die meisten professionellen Kameras haben unten ein Gewinde für diesen Zweck. Für Smartphones benötigt man einen Adapter für das Stativ.

HubSpot: Stativadapter für SmartphonesBildquelle: Amazon

Der Adapter umgreift das Smartphone an der Seite und kann in jeden Stativtyp eingeschraubt werden. So können Sie die Kamera bequem steuern. Wenn Sie bestimmt haben, welches Stativ Sie einsetzen möchten, platzieren Sie es vor Ihrem Produkt. Ziehen Sie in Erwägung, den Standort der Stativbeine mit einem Stück Klebeband zu markieren, damit Sie stets die gleiche Position finden können.

3. Natürliches und künstliches Licht: Treffen Sie eine Wahl

Verschiedene Lichttypen können Ihre Fotos stark verbessern (oder verschlechtern). Bedenken Sie, dass Kunden ein Produkt in einem Ladengeschäft am besten bewerten können, weil sie sich jeden Blickwinkel des Produkts ansehen können. Mit dem richtigen Licht können Sie bei Ihrem Produktfoto die entscheidungsrelevanten Seiten zur Schau stellen.

Allerdings sollten Sie beachten, dass manche Produkte in einer bestimmten Lichteinrichtung hervorragend wirken und andere darin ausgesprochen schlecht aussehen. Nicht jede Lösung passt für alle Artikel. Ihnen stehen zwei Lichttypen zur Auswahl:

Natürliches Licht

Natürliches Licht bedeutet ganz einfach Sonnenlicht. Es wird als „weiches Licht“ bezeichnet, da sein Spektrum größer und weicher ist als beispielsweise das einer Lampe, die direkt auf das Produkt leuchtet. Produkte im Online-Handel wirken in diesen Fällen in natürlichem Licht gut:

  • Das Produkt soll draußen fotografiert oder verwendet werden.
  • Das Produkt wird von einem Menschen verwendet oder getragen. In aller Regel sehen Menschen in natürlichem Licht besser aus.
  • Die Umgebung des Produkts soll betont werden, statt die spezifischen Merkmale des Produktes.

Unten sehen Sie ein ansprechendes Produktfoto, das in natürlichem Licht aufgenommen wurde. Die Sonne von links leuchtet die Aktentasche perfekt an, schafft einen sanften Schatten auf die Beine des Mannes, der die Tasche trägt. So steht das Produkt im Mittelpunkt.

HubSpot: Aktentasche Produktfoto in natürlichem LichtBildquelle: WP Standard

Künstliches Licht

Zu künstlichem Licht zählt Kerzenschein, Feuer und natürlich auch die klassischen Glühbirnen. Es wird auch als „hartes Licht“ bezeichnet, da der Lichtschein kleiner aber konzentrierter ist. Dieses Licht bietet sich an, um Produkte zu fotografieren, deren Details besonders hervorgebracht werden müssen, um den Käufer zu beeindrucken.

Dieses ansprechende Produktfoto wurde unter künstlichem Licht fotografiert. Man kann erkennen, dass die Oberfläche und das Ziffernblatt-Design die wichtigsten Verkaufsfaktoren sind.

HubSpot: Armbanduhr Produktfoto in künstlichem LichtBildquelle: Modahaus

Als Grundregel sollten Sie sich einprägen, immer nur eine Art Licht pro Foto zu verwenden, entweder natürlich oder künstlich. Wenn Sie einem Produkt, das künstlich beleuchtet wird, natürliches Licht hinzufügen, kann dies das Bild weicher machen, obwohl es eigentlich scharfgestochen sein sollte. Das gleiche gilt umgekehrt auch für natürlich beleuchtete Produkte und künstliches Licht. Mit diesem Wissen stehen Sie sich nicht selbst im Weg.

4. Das Licht aufhellen oder reflektieren, um Schatten abzuschwächen

Ob Sie natürliches oder künstliches Licht verwenden, es wird immer Schatten geben. Diese müssen Sie bei beiden Lichtquellen verringern. Es gibt dafür drei Möglichkeiten:

Aufhellen

Sie können eine weitere, nicht so intensive Lichtquelle ergänzen. Diese zusätzliche Lichtquelle wird als Aufheller oder Füll-Licht bezeichnet. Sie soll den natürlichen Schatten des Hauptlichts verringern. Der Aufheller wird auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptlichtquelle positioniert, sodass sich das Produkt in der Mitte befindet.

Bounce Card als Aufsatz für den Blitz

Eine Bounce Card reflektiert das Hauptlicht auf die Oberfläche unterhalb des Produkts, um so den Schatten zu reduzieren.

Es gibt Bounce Cards, die auf den Blitz der Profikamera aufgesetzt werden und den Blitz streuen. Die Karte reflektiert von oben ein weicheres Licht auf das Objekt, statt direkt darauf zu strahlen. Dadurch sind die Schatten hinter Ihrem Objekt nicht so lang. Beide Bounce-Card-Varianten, weiß und reflektierende Folie, können den Blitz streuen.

HubSpot: Bounce Cards als Blitzaufsatz für Streuung des harten LichtsBildquelle: Andoer

Separate Bounce Card

Bei Fotografie mit Smartphone ist ein Bounce-Card-Aufsatz natürlich nicht möglich, da man keinen Blitz zur Verfügung hat, an den man den Aufsatz anbringen kann. Stattdessen können Sie sich eine eigene separate Bounce Card basteln, die Sie gegenüber Ihrer Hauptlichtquelle anbringen. Für Anfänger in der Produktfotografie kann diese Bounce Card den Aufheller ersetzen, welcher dem harten Blitzlicht der Kamera oder der Lampe entgegenwirkt, die auf die Vorderseite Ihres Produktes einwirken.

HubSpot: Bounce Card alleinstehend

Bildquelle: Procyc

Es ist ganz egal, welcher Art von Licht Sie entgegenwirken möchten, es ist Ihr Ziel, Schatten zu reduzieren und gleichzeitig die Merkmale Ihres Produkts in Szene zu setzen, die für Ihre Website-Besucher wichtig sind. In diesem Bild zeigt sich der riesige Unterschied:

HubSpot: Gegenüberstellung zweier Glühbirnen mit Schatten aus hartem und weichem LichtBildquelle: GetMeAShop

5. Fotohintergrund und Porträtmodus

Es gibt viele Arten, das Produkt zu positionieren sowie mit Licht und Reflexion zu arbeiten. Das Ergebnis ist auch davon abhängig, vor welchem Hintergrund die Fotos aufgenommen werden. Wählen Sie dabei nicht nur die Option aus, die am einfachsten zu gestalten ist. Der Hintergrund zeigt Ihren Käufern, wie Sie das Produkt gerne wahrgenommen haben wollen.

Überlegen Sie sich, ob Sie einen weißen oder einen dynamischeren, realistischen Hintergrund nutzen möchten. Beide Möglichkeiten können recht leicht geschaffen werden.

Weißer Hintergrund: Hohlkehle

Man könnte meinen, es würde für einen weißen Hintergrund reichen, einen Tisch gegen eine weiße Wand zu schieben. Aber sogar Smartphone-Kameras bemerken kleine Unebenheiten an weißen Wänden, die Ihnen selbst nicht ohne Weiteres aufgefallen wären. Um einen perfekten weißen Hintergrund ohne Ecken oder Unebenheiten zu erhalten, sollten Sie eine Hohlkehle verwenden.

HubSpot: Weiße Hohlkehle hinter Cupcake Produktfoto

Eine Hohlkehle ist ein großes, biegsames Blatt Papier, auf dessen unteren Hälfte Ihr Produkt platziert wird und dessen obere Hälfte gegen eine weiße Wand hinter dem Produkt gewölbt ist. Die Krümmung der Hohlkehle ist auf Fotos nicht sichtbar. Alle Produktdetails werden durch den weißen Hintergrund deutlich, was für die Käufer natürlich wichtig ist. In diesem Vergleich sehen Sie, was eine Hohlkehle leistet:

HubSpot: Vergleich Cupcake ohne und mit weißer HohlkehleBildquelle: Taylor Mathis

Realistischer Hintergrund: Porträtmodus

Dynamische, realistische Hintergründe sind dann besonders ansprechend, wenn Produkte fotografiert werden, die eine bestimmte Anwendung haben oder von einer Person präsentiert werden. Das Beispiel mit der Aktentasche war genau so ein Fall. Aber bei realistischen Hintergründen kommt es leicht vor, dass sie den Betrachter vom Produkt ablenken und es nicht mehr so deutlich ist, welches Teil im Foto beworben wird.

Sie können Ihr Produkt mit Tiefe präsentieren, indem Sie den Porträtmodus nutzen, über den fast jede Profi-Kamera verfügt und die es mittlerweile auf vielen neuen Smartphones gibt. Mit dieser Einstellung wird der Hintergrund unscharf und nur das Produkt ist klar und deutlich erkennbar. So hat man einen natürlichen Hintergrund, der dem Produkt nicht die Show stiehlt.

Dieses Bild von einem HubSpot-Kugelschreiber habe ich mit dem Porträtmodus eines Google Pixel 2 selbst aufgenommen. Man kann sehen, dass der Stift auf dem Tisch liegt und sich ein Laptop im Hintergrund befindet. Dennoch ist der Stift im zentralen Blickpunkt:

HubSpot: HubSpot Kugelschreiber im Porträtmodus des Google Pixel 2 aufgenommen

„Wow, was für ein tolles Foto, Braden. Jetzt will ich unbedingt auch so einen HubSpot-Kugelschreiber.“ Hier können Sie einen bestellen!

6. Viele verschiedene Bilder aufnehmen

Der letzte Tipp für gute Produktfotografie für Ihren Online-Shop ist, nicht nur ein Foto von Ihrem Produkt aufzunehmen. In einem Ladengeschäft können Kunden das Produkt ansehen, anfassen, austesten oder es anprobieren. Daher ist es wichtig, dass Sie auf Ihrer Website eine Vielzahl von Bildern anbieten, die dieses Erlebnis simulieren.

Wenn Sie beispielsweise Kleidungsstücke fotografieren, sollten Sie den Artikel zunächst ausgebreitet auf weißem Untergrund ablichten und dann auf einer Schaufensterpuppe, deren Farbe sich von der Produktfarbe unterscheidet. Weitere Bilder sollten dann vom Kleidungsstück an einem Model gemacht werden. So sind unterschiedliche Posen und Blickwinkel möglich.

Natürlich müssen Sie nicht jeden Tipp sofort umsetzen und alle vorgestellten Ausrüstungsgegenstände auf einmal kaufen. Aber wenn Sie die Tipps peu à peu umsetzen, um zu sehen, was sich für Ihren Online-Shop positiv auszahlt, dann sind Sie auf dem besten Wege zu besserer Produktfotografie.

Photoshop-Leitfaden

Ursprünglich veröffentlicht am 10. Mai 2019, aktualisiert am Mai 10 2019

Themen:

E-Commerce