Die Arbeit im Marketing erfordert immer wieder neue Denkansätze und die Fähigkeit, sich in andere Perspektiven hineinversetzen zu können. Das gilt insbesondere für das Content-getriebene Inbound-Marketing. Wer sich dabei aber immer nur mit Branchenkollegen unterhält – sei es persönlich oder mittels der entsprechenden Blogs – wird sich vermutlich früher oder später im Kreis drehen. Manchmal ist es einfach nötig, die eigene Businessblase zu verlassen, um auf wirklich innovative Ideen zu stoßen.

Dazu eignet sich kaum eine Adresse besser als die TED-Website. Die ursprünglich jährlich stattfindende Konferenz in Monterey hat sich zu einer Online-Ideenplattform weiterentwickelt, die „ideas worth spreading“ (Ideen, die es wert sind, geteilt zu werden) zu den Themen Technologie, Entertainment und Design sammelt.Digitales Marketing leicht gemacht: Ein Überblick zu den wichtigsten Aspekten  digitalen Marketings – von SEO bis Event-Marketing. Jetzt herunterladen!

Deshalb haben wir hier zehn der faszinierendsten und inspirierendsten Vorträge von Vordenkern, kreativen Köpfen und Ideenführern der verschiedensten Fachbereiche aus dem Jahr 2017 zusammengefasst.

TED-Talks zu den Themen Ideen, Kreativität und Zielerreichung

1.) Elon Musk: „The future we're building – and boring” (Die Zukunft, die wir bauen – und bohren)

Kaum ein anderer Name sorgt in der Tech-Welt heute für so starke Resonanz wie der Elon Musks. Der Erfolg des Unternehmers und Investors begann mit seiner Beteiligung am Bezahlsystem PayPal, international bekannt wurde er als CEO des Marktführers in Sachen Elektromobilität, Tesla. Zu seinen jüngsten Projekten gehört unter anderem auch SpaceX, dessen Vision die private Raumfahrt ist. Kein Wunder also, dass Musk als Inbegriff der „Think Big“-Mentalität gilt, die erfolgreiche Geschäftsleute auszeichnet.

Im Talk mit TED-Chefkurator Chris Anderson spricht er vor allem über das aktuelle Projekt seines Unternehmens The Boring Company, das die Stauproblematik in Metropolregionen durch unterirdische Tunnelsysteme lösen will. Anderson fasst Musks Inspirationskraft am Ende des Interviews wie folgt zusammen: „Die Tatsache, dass Sie von diesen Dingen träumen, von denen kein anderer zu träumen wagen würde, oder in der Lage wäre zu träumen, auf Ihrem Komplexitätslevel [...] ist wirklich bemerkenswert.“ Musks Reaktion: „Aber Sie sagen mir Bescheid, wenn es irgendwann wirklich verrückt wird, ja?“

 

2.) Ray Dalio: „How to build a company where the best ideas win” (Wie man ein Unternehmen aufbaut, in dem die besten Ideen sich durchsetzen)

Mit analytischer Entscheidungsfindung und strategischem Denken kennt der erfolgreiche Unternehmer und Hedgefonds-Manager Ray Dalio sich aus. Schließlich begann er bereits mit zwölf Jahren in Aktien zu investieren. Allerdings hat er in seiner langen Karriere auch die eine oder andere Niederlage einstecken müssen. Der Hauptgrund dafür war laut Dalio jedes Mal der gleiche: Die fehlende Bereitschaft, von der eigenen Intuition und Meinung abzurücken und aktiv Feedback von anderen einzuholen. Aus diesem Grund hat Dalio schon vor vielen Jahren ein Prinzip umgesetzt, dass er radikale Ideen-Meritokratie“ nennt.

Konkret bedeutet das: Jegliche Kommunikation ist zugänglich für jeden Mitarbeiter, kein Feedback bleibt verborgen, nie wird eine Entscheidung im Hinterzimmer getroffen. Während jeder Besprechung geben alle Mitarbeiter konkret Feedback über eine eigens geschaffene Online-Plattform – was auch bedeuten kann, dass die 24-jährige Uniabsolventin den CEO für fehlende Präzision abstraft. Nur diese absolute Transparenz zwischen allen Hierarchieebenen ermöglicht Dalio zufolge, dass am Ende eines Prozesses immer die uneingeschränkt beste Lösung steht – eine richtungsweisende Vorgehensweise, die wohl mehr Unternehmen ausprobieren sollten.

 

3.) OK Go: „How to find a wonderful idea” (Wie man fantastische Ideen findet)

Wie oft sitzen wir am Schreibtisch und zermartern uns den Kopf, weil wir DIE neue Idee schlechthin, etwas nie Dagewesenes, finden wollen. Aber ist das vielleicht der völlig falsche Ansatz? Der US-amerikanischen Rockband OK Go aus Chicago zufolge ja. Denn wenn Lead-Sänger und Regisseur Damian Kulash darüber spricht, wie die Band beim Songwriting oder der Konzepterstellung für ein Musikvideo verfährt, geht es vielmehr um das Finden statt das Kreieren von Ideen. Kulash betont die Bedeutung von vermeintlich abstrusen und belanglosen Gedankenimpulsen, zu denen uns unsere Umwelt jeden Tag inspiriert.

Werden diese wie Puzzlestücke zusammengesetzt, weil wir sie hinterfragen und verstehen wollen, entsteht oft etwas ganz Neues. Das Credo der Band, das sich durchaus auf das Marketing übertragen lässt: mit Ideen unbeschwert spielen statt sie stringent zu testen und nicht nur auf Altbewährtes setzen, sondern sich immer wieder in neue Gewässer wagen.

 

4.) Manoush Zomorodi: How boredom can lead to your most wonderful ideas” (Wie Langeweile die besten Ideen hervorbringen kann)

Als die Journalistin nach der Geburt eines von Schlafstörungen geplagten Kindes ganze Nächte mit dem stumpfen Hin- und Herschieben eines Kinderwagens verbrachte, empfand Manoush Zomorodi zum ersten Mal seit Jahren wirkliche Langeweile. In diesen Monaten fasste sie zahlreiche Pläne und startete kurze Zeit später mit ihrem Podcast-Projekt. Doch kaum war sie wieder im stressigen Berufsalltag angekommen, blieben die Ideen für spannenden Beiträge aus. Hier erkannte sie, was Neurowissenschaftler schon lange wissen: Wer wirklich produktiv sein will, muss sich auch manchmal so richtig langweilen. Denn in diesen Momenten schaltet unser Gehirn in einen „Standardmodus“, in dem es in der Lage ist, völlig neue gedankliche Wege zu gehen. Nur in diesen Momenten schauen wir wirklich auf unser Leben zurück, ziehen neue Schlüsse und planen für die Zukunft.

Genauso sei das allseits gelobte Multitasking eigentlich nur eine unglaubliche Ressourcenverschwendung. Denn tatsächlich sind wir nicht wirklich in der Lage, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten, sondern schalten ständig zwischen ihnen hin und her – auf Kosten unserer Konzentration und Produktivität. Fazit: Gerade in unserer immer stärker beschleunigten Welt lohnt sich der Mut zur Langweile.

 

5.) Tim Ferris: „Why you should define your fears instead of your goals” (Warum Sie Ihre Ängste und nicht Ihre Ziele definieren sollten)

Tim Ferris ist Tech-Investor, Bestsellerautor und Podcaster. Ihm ist in Zeiten seiner eigenen Depression aufgefallen, dass es häufig nicht der Mangel von Zielen ist, der uns von persönlichem Fortschritt abhält. Tatsächlich seien es meist eher die Ängste vor dem Versagen, die uns untätig bleiben lassen. „Wir leiden häufiger in der Vorstellung als in der Realität“ und beschäftigten uns ausführlich mit dem, was schlimmstenfalls schiefgehen kann, statt mit den „Costs of Inaction“ – dem Preis, den wir dafür zahlen, nicht gehandelt zu haben.

Deswegen plädiert Ferris dafür, Worst-Case-Szenarien aufzuschreiben, sich aber gleichzeitig mit Möglichkeiten zu befassen, wie diese verhindert oder ausgebügelt werden können. Zusätzlich schwört er auf die Prinzipien des Stoizismus: zu unterscheiden lernen, was beeinflusst werden kann und was nicht und sich dann ausschließlich auf ersteres zu konzentrieren. Nur so sei es möglich, lähmende Ängste zu überwinden und neue Wege zu gehen.

 

TED-Talks zu den Themen Technologie, Zukunft und Big Data

6.) Adam Alter: „Why our screens make us less happy“ (Warum unsere Bildschirme uns unglücklicher machen)

Studien zufolge ist 2017 nahezu die komplette Zeit, die uns täglich für uns selbst bleibt, mit Bildschirmen gefüllt – vorwiegend dem des Smartphones. Das beunruhigt den Psychologen Adam Alter, denn tatsächlich zeigen sich Menschen nach der Benutzung vieler Apps oft unglücklicher als zuvor. Den Grund dafür sieht Alter in dem Fehlen von Stopp-Signalen, wie es in einem Buch beispielsweise das Ende eines Kapitels darstellt. So verlieren wir unbemerkt Zeit und fühlen uns im Nachhinein entweder schuldig und unproduktiv oder ausgelaugt, weil wir bei der Arbeit kein Ende finden.

Die Aufgabe von Firmen sei es daher, bewusst solche Stopp-Signale zu setzen. Wie das funktionieren kann, macht der deutsche Konzern Daimler vor. Ist ein Mitarbeiter im Urlaub, wird in der obligatorischen Abwesenheits-Mail nicht darauf verwiesen, dass er sich nach seiner Rückkehr (oder sogar noch aus dem Urlaub) sofort zurückmeldet. Stattdessen erfährt der Empfänger: „Diese Person ist im Urlaub, deshalb haben wir Ihre E-Mail gelöscht.“

 

7.) Tom Gruber: How AI can enhance our memory, work and social lives” (Wie KI unser Gedächtnis, unsere Arbeit und unseren sozialen Alltag verbessern kann)

Tom Gruber ist KI-Produktdesigner und hat an der Entwicklung von Apples Sprachassistenten Siri mitgewirkt. In der kontroversen Debatte um künstliche Intelligenz ist er ein Verfechter dessen, was er „humanistische KI“ nennt: Maschinen, die die Menschen unterstützen, statt mit ihnen zu konkurrieren. Das könne beispielsweise dadurch geschehen, dass sie jedermann als externes Gedächtnis zur Verfügung stehen oder dass sie einem querschnittsgelähmten Blinden helfen, über sein Smartphone ein Sozialleben aufrechtzuerhalten.

Laut Gruber sollte die Kernfrage nicht lauten „Wie schlau können wir unsere Maschinen machen?“, sondern „Wie schlau können unsere Maschinen uns machen?“. Seine Überzeugung lautet daher: „Jedes Mal, wenn eine Maschine schlauer wird, werden wir es auch.“

 

8.) Anab Jain: „Why we need to imagine different futures” (Warum wir neue Zukunftsvisionen entwickeln müssen)

Anab Jains Beruf liest sich abenteuerlich: Sie ist futuristische Designerin, die es sich mit einem Team zur Aufgabe gemacht hat, Zukunftsszenarien im kleinen Rahmen Wirklichkeit werden zu lassen. So simuliert sie beispielsweise das Leben in einer Stadt mit Drohnen, die die Polizei für Patrouillen abgelöst haben. Ihrer Meinung nach ist das die beste Möglichkeit, Konsequenzen der technischen Entwicklung erfahrbar und somit greifbar zu machen. Das ermögliche Menschen, wirklich darüber nachzudenken, in welcher Zukunft sie leben wollen, statt sie einfach passieren zu lassen.

Denn viel zu häufig seien wir zu fatalistisch und der Auffassung, dass unser künftiges Ich die Dinge schon regeln wird. „Aber wie wir am nächsten Morgen herausfinden: Dieses künftige Du bist immer noch Du.“

 

9.) Cathy O’Neil: „The era of blind faith in big data must end” (Das Zeitalter des blinden Vertrauens in Big Data muss enden)

Ebenfalls eher kritisch betrachtet die Mathematikerin und Datenwissenschaftlerin Cathy O’Neil die bedingungslose Technikhörigkeit, in der Algorithmen als das ultimativ objektive Mittel zur Entscheidungsfindung gelten. Genau das seien sie aber nicht, denn schließlich haben Menschen sie mit einem bestimmten Ziel programmiert: „Algorithmen sind in Codes eingebettete Meinungen.“ Und als solche können sie durchaus Schaden anrichten. Denn da Algorithmen grundsätzlich nur analysieren können, was in der Vergangenheit erfolgsversprechend war, wiederholen sie letztlich alte Muster und automatisieren den Status quo.

Das Prinzip „Big Data“ führe also keineswegs zwangsläufig zu Innovation. Besonders gefährlich seien Algorithmen, wenn sie nicht mehr nachvollziehbar, geheim und dennoch wesentlich in der Entscheidungsfindung sind. Gerade als Marketer sollten wir bei unserer Begeisterung über die Möglichkeiten von Big Data also nie blind undurchsichtigen Zahlencodes vertrauen.

 

10.) Shonda Rhimes und Cyndi Stivers: „The future of storytelling” (Die Zukunft des Storytelling)

Shona Rhimes gehört als Autorin und Produzentin von Serien wie „Grey’s Anatomy“ und „Scandal“ zu den großen Namen Hollywoods. Als solcher muss sie sich aber natürlich auch mit den strukturellen Veränderungen im Film- und Serienbereich weg vom linearen Fernsehen und hin zu Video-on-Demand über diverse Plattformen beschäftigen. Im Interview mit Cyndi Stivers von TED spricht sie über die Auswirkungen für das Storytelling, die denen in der Marketinglandschaft sehr ähnlich sind: Die Demokratisierung von Content-Erstellung sei eine große Chance, sorge aber gleichzeitig auch für eine erdrückende Auswahl von Inhalten, von denen sich jeder einzelne nur umso mehr abheben müsse.

Aber auch Unternehmen und der Politik wirft sie vor, viel zu wenig auf Storytelling zu setzen. Oftmals scheitere der Erfolg schlicht am fehlenden Narrativ. Ihre grundsätzliche Aussicht für die Zukunft ist allerdings positiv: „Für mich fühlt es sich an, als würden wir uns gerade in einer Art Wild-West-Periode befinden – niemand weiß wirklich, wo die Reise hingeht. Stories können wirklich überall eingebunden werden und wenn wir erst einmal herausgefunden haben, wie wir die Technologie und die Kreativität des Storytelling optimal verbinden, sind die Möglichkeit endlos.“

 

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Ursprünglich veröffentlicht am 15. Januar 2018, aktualisiert am Januar 15 2018

Themen:

Content-Marketing