Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ So läuft es in vielen Unternehmen ab, wenn es Umbrüche und einen Wandel gibt – beispielsweise bei der Einführung einer neuen Software. Mit dem 3-Phasen-Modell nach Lewin ist es möglich, den Change-Prozess schrittweise zu begehen.

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Was ist das 3-Phasen-Modell?

Das Kurt Lewin erdachte 1947 ein dreistufiges Modell, das heutzutage als 3-Phasen-Modell bekannt ist. Im Englischen heißt es „Model of Change“. Dieses einfache Modell dient dazu, Veränderungen in gesellschaftlichen Gruppen umzusetzen.

Woher stammt das 3-Phasen-Modell?

Lewin wurde 1890 in der damaligen preußischen Provinz Posen (heute Polen) als Kurt Tsadek Lewin geboren. Er gilt als einer der bekanntesten Psychologen, beeinflusste stark die moderne experimentelle Sozialpsychologie und entwickelte die „Berliner Schule der Gestaltungspsychologie“ mit. 1933 emigrierte er in die USA und unterrichtete unter anderem am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT).

In seiner Arbeit „Gleichgewichte und Veränderungen in der Gruppendynamik“ (Original: „Frontiers in group dynamics“) beschreibt er zum ersten Mal sein 3-Phasen-Modell. Hierbei beleuchtet Lewin nicht den Wandel in Unternehmen, sondern die Veränderungsprozesse, die Gesellschaften durchlaufen müssen – zum Beispiel, um soziale Konflikte zu lösen. Er beschäftigte sich in dieser Zeit unter anderem mit der „Umerziehung“ des deutschen Volkes von der ehemaligen NS-Diktatur zur Demokratie.

Das Konzept von Lewins 3-Phasen-Modell lässt sich auf verschiedene Bereiche anwenden, in denen es um Veränderungen geht, zum Beispiel beim Change-Management in Unternehmen.

Die Ausgangslage: Das Kräftemessen der zwei Parteien

Im Change-Management gibt es üblicher Weise zwei sich gegenüberstehende Kräfte:

  • Widerstrebende Kraft: Diese Kraft lehnt Veränderungen ab. Sie möchte den Status quo und damit Sicherheit und Stabilität erhalten. 

  • Antreibende Kraft: Die zweite Kraft befürwortet Veränderungen. Damit will sie bestehende Prozesse und Gewohnheiten aufbrechen und verbessern. Das geschieht beispielsweise, wenn Mitarbeiter nach dem japanischen Kaizen-Prinzip vorgehen.

Es treffen somit – wie eingangs im chinesischen Sprichwort beschrieben – die Mauern-Errichter auf die Windmühlen-Verfechter aufeinander. Das führt zu Spannungen und emotionalen Reaktionen. Nach Lewin ist es wichtig, die feindliche Haltung der Verweigerer in eine freundliche Haltung zu verändern. Es muss eine „Umerziehung“ (Englisch: Reeducation) erfolgen. Allerdings sollte diese mehr auf Freiheit und Spontanität als auf echte Umerziehungsmaßnahmen setzen.

Lewin war der Überzeugung, dass einzelne Individuen selten aus eigenem Antrieb einen Veränderungsprozess vollziehen. Deswegen sollte dieser in Gruppen erfolgen, um die Gruppendynamik auszunutzen.

Die einzelnen Schritte des 3-Phasen-Modells

Lewin benannte seine drei Phasen in:

  • Unfreezing

  • Changing/Moving

  • Refreezing

Übersetzt bedeuten sie so viel wie:

  • Auftauen/Auflockern

  • Bewegen/Verändern

  • Einfrieren/Stabilisieren

Im Detail betrachtet bedeutet das:

Unfreezing: 

Die aktuelle Situation soll verändert werden. Dafür müssen die Verantwortlichen eine IST-Aufnahme machen und bei den Mitarbeitern ein Problembewusstsein für den notwendigen Wandel schaffen. Sie stehen bei der Vorbereitung auf die Veränderung vor der Hürde, die Ängste der Verweigerer abzubauen und sie im gleichen Maße für die Veränderung zu motivieren.

Changing/Moving:

Ist die Veränderungsbereitschaft in der breiten Masse vorhanden, beginnt der Überleitungsprozess. Die Gruppe wird mit den Neuerungen vertraut gemacht und diese beispielsweise durch Fortbildungen eingeführt.

Refreezing:

In der dritten Phase etabliert sich die Neuerung. Die Verantwortlichen im Change-Prozess achten darauf, dass alle Gruppenmitglieder die Veränderung zukünftig mittragen.

3_Phasen_Kurt_Lewin_Schaubild: Von Stefan Bonemann auf lead & conduct

Ein Praxisbeispiel: Die Einführung einer neuen Vertriebssoftware

Ein Unternehmen hat über viele Jahre einen funktionierenden Vertriebsprozess aufgebaut. Dieser sorgt für einen stetigen Kundenstrom und wachsende Umsätze. Doch es zeichnet sich ab, dass der Vertriebsprozess durch die Digitalisierung ins Wanken gerät. Er basiert auf vielen analogen Schritten, die über die Jahre ineffizient und teuer wurden. Es ist also an der Zeit für eine digitale Lösung. Die Geschäftsführung beschließt, eine CRM-Software einzuführen, mit der sich die bisherigen Prozesse deutlich beschleunigen lassen.

Allerdings stößt die Einführung des CRM auf Widerstände im Unternehmen. Die Software sei zu teuer und zu kompliziert, so die Gegenstimmen. Außerdem würde die digitale Lösung die Arbeitsplätze von einigen Mitarbeitern gefährden. 

Die Geschäftsführung beschließt daraufhin, ein Change-Management nach dem 3-Phasen-Modell einzuführen. Zusammen mit den Bereichs- und Teamleitern werden die Vorteile der neuen digitalen Lösung erklärt und zugleich die Schwächen der alten Vertriebsstrukturen erläutert. In mehreren großen Meetings zeigen die Verantwortlichen die Funktionsweise der CRM-Software. Zudem gibt die Geschäftsführung die Zusicherung, dass alle Arbeitsplätze gesichert sind.

Nachdem die Mitarbeiter im Zuge des Veränderungsprozesses „aufgetaut“ wurden, erfolgt die schrittweise Einführung der neuen Software-Lösungen (Bewegungsphase). Die Erfolge sind transparent im Intranet und im Unternehmensmagazin nachzulesen. Nach ein paar Monaten arbeiten alle Vertriebsmitarbeiter mit dem neuen CRM und durch regelmäßige Schulungen bleiben sie immer auf dem neuesten Stand. 

Lässt sich der Change-Prozess in nur drei Phasen aufteilen?

Das 3-Phasen-Modell nach Lewin wirkt einfach, da es  aus nur drei Schritten besteht. Genau hier sehen Kritiker den Nachteil des Models: Es fällt zu einfach und theoretisch aus. Realität und Praxis zeigen, dass sich der Change-Prozess – ob in der Gesellschaft oder einem Unternehmen – nicht immer in drei simple Phasen teilen lässt. Das 5-Phasen-Modell nach Krüger oder das 8-Stufen-Modell von Kotter sind da detaillierter.

Außerdem gilt das Model of Change heute als zu oberflächlich. Lewin habe es mit zu wenigen konkreten Ratschlägen gefüllt, so ein weiterer Kritikpunkt. 

Dem 3-Phasen-Modell wird ebenfalls vorgeworfen, dass es nicht mehr zeitgemäß sei. In der heutigen Zeit gibt es kein „Freezing“, also keinen Stillstand mehr, denn Wandel ist allgegenwärtig.

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Ursprünglich veröffentlicht am 5. Mai 2020, aktualisiert am Mai 05 2020

Themen:

Change Management