Ausgangspunkt und Endstation münden in denselben Hafen: Beim Design Thinking wird bedürfnisorientiert vorgegangen, indem der Nutzer mit seinen Herausforderungen und Wünschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen gestellt wird. Bunte Teams in bunten Räumen tüfteln am Ergebnis. Der Prozess fängt beim Kunden an und hört auch genau dort wieder auf.

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In diesem Beitrag erfahren Sie, warum flexible Räumlichkeiten Design Thinking begünstigen und warum im kreativen Denkprozess nicht immer ein Schritt nach dem anderen befolgt werden muss.  

Abgeleitet aus der Arbeitswelt von Designern, wurde der Prozess maßgeblich vom IDEO-Gründer David Kelley, dem Informatiker Terry Winograd und Stanford-Professor Larry Leifer weiterentwickelt.

Worauf basiert Design Thinking?

Design Thinking ist ein kreativer Prozess, der in verschiedenen Branchen eingesetzt wird, um Problemlösungen zu entwickeln. Vom Gesundheitswesen über digitale Produkte bis hin zur Eventbranche wird mittels der Design-Thinking-Methode versucht, Lösungen zu finden, die auf die entsprechende Zielgruppe zugeschnitten sind.

Im Fokus stehen dabei das gemeinsame Denken und Arbeiten. Die drei Elemente, auf denen die Arbeitsweise basiert, sind:

  • Ein durchmischtes Team,

  • flexible Räumlichkeiten und

  • der Prozess selbst.

In einem Team aus vier bis sechs Personen arbeiten Mitglieder mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen zusammen. Durch das multiperspektivische Arbeiten soll eine besonders innovative Lösungsfindung gewährleistet werden.

Die räumliche Umgebung sollte so gestaltet werden, dass sie den Denk- und Entwicklungsprozess unterstützt. Flipcharts, große Tische, Stehplätze und verschiedene Materialien können dabei zum kreativen Klima beitragen. Sowohl flexibel nutzbare Büroräumlichkeiten (wie etwa bei WeWork) als auch Konzepte wie „Work from Everywhere“ sind hier empfehlenswert. Letzteres bezeichnet eine Arbeitssituation, bei der sich das Team beispielsweise in einem Café oder einem Co-Working-Space zusammenfindet.

Iterativer Prozess: Wie funktioniert Design Thinking?

Design Thinking ist ein Prozess, bei dem unterschiedliche Bausteine zur Innovationsfindung genutzt werden. Abgeleitet ist das Modell vom iterativen Prozess, der vielfach im Design Anwendung findet. Durchlaufen werden dabei die folgenden Schritte:

1. Verstehen

Zunächst einmal wird das Problem definiert. Außerdem geht es im ersten Schritt darum, einen gemeinsamen Wissensstand herzustellen, sodass jedes Teammitglied inhaltlich abgeholt wird.

2. Beobachten

Im zweiten Schritt soll die Zielgruppe besser kennengelernt werden. Der IST-Zustand und die Kundenbedürfnisse werden dabei in den Fokus gerückt. Der Alltag der Zielgruppe wird eingehend betrachtet und durchdacht. Interviews und Befragungen reichern die Beobachtungen zusätzlich an.

3. Standpunkt definieren (Synthese)

Die Synthese aus Schritt eins und zwei lässt das Gesamtbild entstehen. Der Blickwinkel, der anfangs eingenommen wurde, wird mit den Bedürfnissen der Zielgruppe verschmolzen. So lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen eine klare Fragestellung sowie die Zieldefinition ableiten.

4. Ideen finden

Anschließend ist Brainstorming angesagt: Im aktiven Austausch werden Ideen entwickelt und visualisiert. Ein Merkmal von Design Thinking ist, dass besonders viele Ideen gesammelt werden. Das Stichwort lautet hier ganz klar: Quantität. Anschließend werden alle Konzepte hinsichtlich der drei Faktoren Mensch (Attraktivität), Technologie (Umsetzbarkeit) und Wirtschaft (Wirtschaftlichkeit) gefiltert.

5. Prototypen entwerfen

Im Rahmen der Prototypenentwicklung wird nun überprüft, ob die Idee tatsächlich umgesetzt werden kann. Von einfachen Modellen aus verschiedenen Materialien über Skizzen bis hin zu Rollenspielen kann dieser Schritt in ganz unterschiedlichen Formen durchgeführt werden. Der finanzielle Aufwand sollte in dieser Phase so gering wie möglich gehalten werden. Dennoch ist es wichtig, den Prototypen validieren zu können. 

6. Testen und Verfeinern

Die Testphase läuft: Zusammen mit der Zielgruppe wird das entwickelte Produkt oder die Dienstleistung erprobt. Das Feedback kann direkt in den Prozess aufgenommen werden und sorgt für die Re-Evaluierung des Design-Thinking-Prozesses.

Gegebenenfalls werden alle Schritte noch einmal durchlaufen, bis das Produkt schließlich der Zielvorstellung entspricht. In einem iterativen Prozess müssen die Phasen jedoch nicht linear durchlaufen werden, sondern können sich in Schleifen wiederholen. Beim Design Thinking kann zu jeder Zeit zu jedem Schritt der Prozesskette zurückgesprungen werden.

Design Thinking: User Experience durch nutzerzentriertes Denken verbessern

Im Fokus des Design-Thinking-Prozesses steht die Optimierung des Nutzererlebnisses (User Experience). Denn die Zielgruppe wird bei der Problemlösung in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt und ist so zumindest indirekt an der Produktentwicklung beteiligt. Als Voraussetzung für erfolgreiches Design Thinking sollte deshalb ein gutes Verständnis für die Bedürfnisse und Probleme der Zielgruppe vorliegen. Nur so kann die Kundenperspektive eingenommen und das Produkt optimal auf die kundenseitigen Ansprüche angepasst werden.

Auch die Feedbackkultur ist ein entscheidender Aspekt. Werden Fehler zugelassen, können Optimierungen vorgenommen werden und Rückschlüsse auf den Prozess gezogen werden. Dazu zählt auch, zahlreiche User zu befragen, zu interviewen und zum Testen aufzufordern.

Auf diese Weise kann das Produkt im kreativen Spannungsfeld zwischen Entwickler, Team und Zielgruppe entstehen und hat damit beste Voraussetzungen, um den späteren Kunden bzw. Nutzer zufriedenzustellen, da es im Vorfeld von unterschiedlichsten Seiten beleuchtet und durchdacht wurde. 

Der nicht-lineare (iterative) Prozess sorgt außerdem dafür, dass stets Anpassungen vorgenommen werden können. Sein größtes Charakteristikum ist die Wiederholung in Rekursiv-Schleifen: Diese helfen Designern dabei, Probleme und Optimierungspotenziale des Produktes zu erkennen, noch während es sich in der Entwicklungsphase befindet.

Design Thinking anwenden

Design Thinking lässt sich am besten in einem entsprechenden Workshop lernen. Der Prozess wird vor allem durch das Hasso-Plattner-Institut gefördert und an der Stanford University sowie der HPI School of Design in Potsdam gelehrt. Letztere bietet eine Vielzahl von ein- bis mehrtägigen Kursen, die Teams besuchen können, um gemeinsam einen Einblick in die Methoden zu erhalten.

Fazit

Im Design-Thinking-Prozess werden durch eine offene, flexible und kundenzentrierte Herangehensweise Lösungen für komplexe Herausforderungen gesucht. Inspiriert von der Arbeits- und Denkweise von Designern birgt der Ansatz großes Potential für Unternehmen. Indem Feedback direkt in den Entwicklungsprozess mit einfließt, wird das (spätere) Nutzererlebnis bereits vor Markteintritt des Produkts auf Basis konkreter Kundeneinschätzungen optimiert.

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Titelbild: Agor2012 / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 15. Juni 2020, aktualisiert am Juni 15 2020