Delphi galt in der griechischen Antike als Mittelpunkt der Erde, denn das gleichnamige Orakel wurde bei wichtigen Entscheidungen befragt. Kein Wunder, dass die Delphi-Methode heute noch immer eine wichtige Rolle spielt, wenn Unternehmen auf der Suche nach strategischen Entscheidungshilfen sind.

In diesem Artikel gehen wir darauf ein, was es mit der Delphi-Methode auf sich hat, welche Vor- und Nachteile das Verfahren bietet und welche Erfolge Unternehmen damit erzielen können.

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Wie funktioniert die Delphi-Methode?

Der Ablauf der Delphi-Methode findet über mehrere Stufen statt. Dazu wird zunächst ein Expertenkreis einberufen und das Ziel der Delphi-Studie definiert. Mithilfe eines Umfragebogens werden nun alle Mitglieder des Kreises anonym zu einem bestimmten Thema befragt. Hierfür bieten sich vor allem Likert-Skalen mit geschlossenen Fragen an. Die Ergebnisse lassen sich so besser untereinander vergleichen.

Die Befragung wird dann mit den Auswertungen der ersten Runde wiederholt. Die Abweichungen in den Antworten sollen bei den Fachleuten dazu führen, ihre eigene Position zu überdenken. Dies geht so lange, bis Konsens gefunden wurde oder das zuvor definierte Befragungsziel eingetreten ist.

Delphi-Methode: Anwendungsbereiche und Formen

Die Delphi-Befragung geht auf das griechische Orakel von Delphi zurück, das Hilfesuchenden Rat versprach. Die heutige Form der Delphi-Befragung bietet eine Möglichkeit, Prognosen zu treffen – selbst wenn nicht ausreichend Daten oder Beweise vorliegen. Es wird nämlich davon ausgegangen, dass Experten und Expertinnen aufgrund ihres Fachwissens Trends frühzeitig erkennen.

Die Delphi-Befragung arbeitet in der Regel unter der Voraussetzung, dass die Anonymität bei den Umfrageantworten bestehen bleibt. Es kann jedoch in zwei verschiedene Arten der Delphi-Studie unterschieden werden:

  1. Standard-Delphi-Methode: Diese Version der Delphi-Studie bewahrt die Anonymität der Teilnehmenden. Somit wird verhindert, dass sich der Expertenkreis durch äußere Umstände beeinflussen lässt.
  2. Breitband-Delphi-Methode: Bei diesem Ansatz wird auf die Anonymität verzichtet. Die Expertengruppe tritt stattdessen in einen direkten Austausch, um durch Diskussionen schließlich einen Konsens zu finden.

Beide Methoden können für unterschiedliche Projekte verwendet werden. Die Einsatzbereiche der Delphi-Methode sind in der Regel:

Delphi-Methode: Vorteile und Nachteile im Überblick

Wie bereits deutlich wurde, eignet sich die Delphi-Methode für verschiedene Einsatzgebiete. Dennoch ist die Befragungstechnik nicht ohne Kritik. Die nachfolgende Übersicht fasst für Sie deshalb die wesentlichen Vor- sowie Nachteile zusammen:

Vorteile der Delphi-Methode Nachteile der Delphi-Methode
  • Durch die Anonymität während der Befragung werden die Personen des Fachkreises nicht beeinflusst.
  • Die Befragung von Experten und Expertinnen lässt auf fachkundige und realistische Meinungen und Prognosen schließen.
  • Die Delphi-Studie ist gegenüber mehrtägigen Konferenzen eine günstige Möglichkeit der Konsensbildung.
  • Es besteht die Möglichkeit, die Befragung digital durchzuführen, wodurch eine zeit- und raumunabhängige Durchführung möglich wird.
  • Indem die Meinungen über mehrere Stufen relativiert werden, werden Extreme reduziert. Das wiederum führt auch zur Verringerung von Fehleinschätzungen.
  • Das Delphi-Verfahren ist recht aufwendig und langwierig.
  • Die Auswahl der Personen hat eine starke Auswirkung auf das Ergebnis.
  • Bei der Breitband-Delphi-Methode besteht die Gefahr, dass sich die lautesten Meinungen am Ende durchsetzen.
  • Es ist zweifelhaft, ob Experten und Expertinnen tatsächlich relevante Prognosen abgeben können.

Delphi-Methode: Beispiel aus dem Projektmanagement

Für Unternehmen bietet die Delphi-Methode spannende Potenziale, um mithilfe einer mehrstufigen Befragung die besten Ideen und Meinungen zu sammeln. Vor allem im Projektmanagement eignet sich das Verfahren, um über Entwicklungen und Prozesse zu entscheiden.

Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie möchten einen neuen Prototypen Ihrer CRM-Software entwickeln. Dazu ist es notwendig, künftige Trends in den Bereichen Marketing, Social Media, Design, Hardware sowie Nutzungsverhalten miteinzubeziehen. Sie rufen ein Expertenteam zusammen, das aus Produktmanagerinnen, Testkunden, Marketern, Grafik-Designerinnen und weiteren Entscheidern besteht, deren Expertenwissen gefragt ist.

Sie setzen nun einen Fragebogen auf, der von allen Personen beantwortet wird. Im Anschluss verdichten Sie die Auswertungen. Weichen die Ergebnisse stark voneinander ab, dann führen Sie den Prozess immer wieder durch, bis schließlich das bestmögliche Konzept Ihres Prototypens entstanden ist.

Die Delphi-Befragung ist im Projektmanagement ein hervorragendes Tool, um ein nutzerorientiertes Produkt zu entwickeln. Indem unterschiedliche Stakeholder und Fachbereiche mit einbezogen werden, können Qualität, Leistung und Nutzerfreundlichkeit gleichermaßen Beachtung finden.

Fazit: Delphi-Studie dient Unternehmen als Entscheidungshilfe

Die Delphi-Methode ist eine Befragungstechnik, die in mehreren Stufen vollzogen wird. So soll unter einer Expertengruppe ein Konsens gefunden werden, der als bestmögliches Ergebnis der Umfrage gilt. Die Delphi-Studie ist somit anders als in der griechischen Antike nicht nur ein Orakel für zukünftige Trends, sondern bietet Unternehmen eine wichtige Entscheidungshilfe im Projektmanagement.

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Titelbild: fizkes / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 15. Februar 2022, aktualisiert am Februar 15 2022

Themen:

Marktforschung