Der standardisierte Fragebogen wird dazu eingesetzt, in kurzer Zeit vergleichbare Daten und Informationen zu beschaffen. Sein Inhalt und Aufbau sind streng reglementiert. Andere bekannte Formen sind teil- und nicht standardisierte Fragebögen. Besonders in der Marktforschung und in der Psychologie finden die drei Arten von Fragebögen ihre Anwendung.

Wann ein standardisierter Fragebogen Sinn ergibt und welche Vorteile und Nachteile er hat, erfahren Sie in unserem Text.

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Standardisierte Befragung: So wird sie eingesetzt

Fast jede Person hat nach einem Kauf, der Rückkehr aus dem Urlaub oder bei besonderen Ereignissen des Tagesgeschehens schon einmal eine E-Mail im Postfach gefunden, in der sie gebeten wird, ihre Meinung dazu zu teilen. Die allermeisten dieser Umfragen bestehen aus einem standardisierten Fragebogen. Alle Befragten erhalten genau den gleichen Fragebogen.

Die Antworten sind vorgegeben und können von der befragten Person ausgewählt werden. Um das übliche Antwortspektrum abzudecken, ist häufig eine Skala von positiv über neutral bis negativ vorhanden. Die Durchführung einer solchen Befragung kann aber auch mündlich oder schriftlich per Post erfolgen.

Das typische Einsatzgebiet standardisierter Fragebögen ist die Online-Umfrage. Online-Befragungen, beispielsweise zur Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit, werden meist in vollstandardisierter Form gestaltet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Fragebögen haben eine hohe Reichweite und erlauben die einfache Sammlung und Auswertung quantifizierbarer Daten.

Standardisierter Fragebogen: Beispiel 9-Euro-Ticket

Um zu veranschaulichen, wie das in der Praxis funktioniert, folgt ein Beispiel. Die vollstandardisierte Frage greift ein aktuelles Thema auf:

Frage: „Werden Sie das 9-Euro-Ticket nutzen, um deutschlandweit mit den Regionalbahnen zu fahren?“

Mögliche Antworten: „Ja“ - „Eher ja“ - „Unentschieden“, - „Eher nein“, - „Nein“.

Anhand dieser standardisierten Befragung können Sie vergleichbare Daten erheben, wie häufig das 9-Euro-Ticket wahrscheinlich genutzt wird.

Vollstandardisierter Fragebogen: Diese Parameter sind kennzeichnend

Ein fester Rahmen kennzeichnet den vollstandardisierten Fragebogen. Um klar quantifizierbare Ergebnisse zu erhalten, müssen alle Befragten genau den gleichen Inhalt, Aufbau und Struktur in der Befragung vorfinden. Um diese Anforderungen zu gewährleisten, setzen Umfrageinstitute geschlossene Fragen (Ja/Nein-Fragen) und vorgegebene Antwortmöglichkeiten als Multiple-Choice-Option ein. Freie Textfelder oder andere Möglichkeiten, selbst Anmerkungen zu formulieren, sind für diese Art des Fragebogens nicht vorgesehen.

Teilstandardisierter Fragebogen und nicht standardisierter Fragebogen: Das sind die Unterschiede

Teilstandardisierte Fragebögen unterscheiden sich hauptsächlich durch die Kombination aus geschlossenen und offenen Fragen sowie eine größere Freiheit bei den Antwortmöglichkeiten vom vollstandardisierten Fragebogen. Teilstandardisierte und nicht standardisierte Fragebögen werden auch in Interviews eingesetzt. Die Fragen können bei teilstandardisierten Fragebögen in der vorgegebenen Reihenfolge oder in einer anderen Reihenfolge von den Teilnehmenden beantwortet werden. Sie können sowohl geschlossen als auch offen gestellt sein.

Die offenen Fragen werden frei beantwortet, also nicht standardisiert, denn für sie gibt es keine vorformulierten Antworten. Freie Textfelder sind ebenfalls regelmäßig beim teilstandardisierten Fragebogen vorhanden. In die Textfelder können die Befragten ihre Meinung, aber auch Anregungen und Kritik hineinschreiben. Diese Anteile markieren den nicht standardisierten Teil des teilstandardisierten Fragebogens. Die Vergleichbarkeit nicht standardisierter Elemente ist naturgemäß kleiner als die Vergleichbarkeit standardisierter Fragebogenanteile.

Vor allem für die qualitative Forschung eignen sich nicht standardisierte Fragebögen. Sie geben meist nur das Thema und einige Stichwörter vor. Vor allem bei Interviews werden die Fragen je nach Situation unterschiedlich formuliert und angeordnet. Es besteht dadurch die Möglichkeit der Individualisierung. Befragte Personen sind gehalten, ihre Meinung in eigenen Worten zu äußern, Feedback zu geben oder auch Kritik frei zu formulieren.

Standardisierter Fragebogen: Vorteile der Methode

Um ein deutliches Meinungsbild vieler Befragter zu erhalten, ist die Vergleichbarkeit der Antworten wichtig. Ein hoher Grad an Normierung, wie er beim standardisierten Fragebogen gegeben ist, stellt die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicher. Darüber hinaus vereinfacht die Standardisierung die statistische Auswertung und spart Zeit, da weder unklare, freie Formulierungen noch Rechtschreibprobleme die Auswertung behindern.

Weitere Vorzüge sprechen für das standardisierte Verfahren:

  1. Die Teilnahme ist unkompliziert, wodurch die Rücklaufquote gesteigert wird.
  2. Aktuelle Themen des Tagesgeschehens können schnell aufgegriffen werden.
  3. Klar definierte Antworten vermeiden Missverständnisse.
  4. Die Ergebnisse können leicht quantifiziert werden.
  5. Der Aufwand für die statistische Analyse der Daten ist überschaubar.
  6. Die Kosten halten sich in Grenzen.

Trotz aller Vorteile haben auch standardisierte Fragebögen Schwächen. Ein Nachteil besteht beispielsweise darin, dass die Befragten zeitweise keine der vorgegebenen Antworten passend finden, sondern eine weitere Antwortmöglichkeit bevorzugen würden. Bei einem standardisierten Fragebogen gibt es keine Möglichkeit, das zu kommunizieren.

Möglicherweise haben die Erstellerinnen und Ersteller von Fragebögen bei der Formulierung der Fragen auch einen Aspekt übersehen, den viele Teilnehmende für wichtig erachten. Darauf wird naturgemäß nicht eingegangen, sodass das Ergebnis der Umfrage zwar richtig ist, aber möglicherweise eine wichtige Facette des Themas nicht berücksichtigt. Die Aussagekraft der Umfrage wäre damit beschädigt.

Fazit: Standardisierte Fragebögen vereinfachen die Statistik

Standardisierte, teilstandardisierte und nicht standardisierte Fragebögen unterscheiden sich durch das Ausmaß der Vereinheitlichung. Streng reglementierte Fragen und ein Set vorformulierter Antworten sorgen beim standardisierten Fragebogentyp für einen festen Rahmen. Neben der einfachen Teilnahme und der unkomplizierten quantitativen Auswertung ist vor allem der relativ sparsame Einsatz von personellen und monetären Ressourcen für eine solche Umfrage als Vorteil zu vermerken.

Größter Nachteil ist sicherlich die fehlende Flexibilität: Den Befragten wird kein Input außerhalb der Musterantworten ermöglicht. Teilstandardisierte Fragebögen bieten den Befragten dagegen die Möglichkeit, auch nicht standardisierte Antworten zu geben. Damit sind sie flexibler, aber auch aufwändiger in der Auswertung.

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Titelbild: Golden Sikorka / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 5. Juli 2022, aktualisiert am Juli 11 2022

Themen:

Marktforschung