Den Begriff der Bounce Rate oder Absprungrate gibt es in der Welt der Marketing-Analytics in verschiedenen Zusammenhängen. Am bekanntesten ist das Wort wohl im Kontext von E-Mails, wenn es um „Hard Bounces“ oder „Soft Bounces“ geht, anhand derer Aussagen zur Zustellbarkeit von E-Mails gemacht werden können.

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Wenn es jedoch um die Analyse von Webseiten geht, ist die Bounce-Rate nicht unbedingt ein so geläufiger Begriff, doch es gibt sie auch hier. Doch wofür steht die Kennzahl in diesem Kontext? Ist es gut oder schlecht, wenn die Bounce-Rate bei fast 100 Prozent liegt? Sollte man diese Kennzahl überhaupt weiter beachten? Und falls ja, wie ließe sie sich verbessern?

Viele Marketing-Teams stehen vor solchen oder ähnlichen Fragen und sehnen sich nach einer klaren Antwort. Deshalb möchten wir in diesem Artikel etwas Licht ins Dunkel bringen und der Absprungrate auf den Grund gehen. Dafür sehen wir uns zunächst an, was eine Bounce Rate eigentlich ist – und was nicht. Anschließend verraten wir Ihnen, wie Sie Ihre Absprungrate optimieren können.

Was ist eine Bounce Rate?

Um die wahrscheinlich brennendste aller Fragen gleich eingangs zu beantworten: Nein, die Bounce Rate Ihrer Webseite hat nichts mit den „E-Mail-Bounces“, also mit unzustellbaren E-Mails, zu tun.

Die Bounce Rate bezeichnet den Anteil an Webseiten-Besuchern, der auf einer Ihrer Webseiten landet und diese nach einer bestimmten Zeit wieder verlässt. Diese Besucherinnen und Besucher machen keinen einzigen Klick. Sie kommen auf eine Ihrer Seiten, bleiben dort eine Weile und verlassen sie dann wieder.

Bitte beachten Sie, dass die Absprungrate nicht mit der Ausstiegsrate (Exit-Rate) zu verwechseln ist. Absprungraten messen ausschließlich einzelne Seitenaufrufe: Die Besucherinnen und Besucher landen auf Ihrer Webseite und verlassen diese wieder, ohne irgendeine Unterseite anzuklicken oder auf eine andere Seite zu gehen. So wird die Bounce-Rate einer Webseite in den Traffic-Analytics von HubSpot dargestellt:

Der Bounce-Raten-Bericht für Websites in HubSpot

Ausstiegsraten sind da schon ein bisschen komplizierter. Sie beschreiben den Anteil an Besuchenden, die Ihre Webseite auf einer bestimmten Seite verlassen, wobei das nicht unbedingt die einzige Seite sein muss, die sie auf Ihrer Webseite besucht haben.

Die Besucherinnen und Besucher können eine ganze Reihe von Seiten aufgerufen haben und am Ende auf einer bestimmten Seite Ihre Webseite wieder verlassen. Deshalb bereitet die Ausstiegsrate für gewöhnlich weniger Sorgenfalten als die Absprungrate.

Bounce Rate und Ausstiegsrate: ein Vergleich

Nehmen wir einmal an, Sie würden die Absprungs- und Ausstiegsraten für eine Dankesseite vergleichen. Eine hohe Absprungrate auf dieser Seite wäre ein echter Grund zur Besorgnis, denn sie würde bedeuten, dass Ihre Besucherinnen und Besucher diese Seite nur ansehen und dann wieder wegklicken, ohne irgendeine andere Seite aufzurufen. Und was noch schlimmer ist: Diese Besuchenden füllen nicht einmal ein Formular aus, um auf diese Seite zu gelangen, wodurch Ihnen viele Konversionen durchs Netz gehen.

Eine hohe Ausstiegsrate wäre hingegen keineswegs beunruhigend. Denn sie zeigt nur an, dass diese Seite der letzte von mehreren Seitenaufrufen war. Besucherinnen und Besucher, die auf dieser Seite Ihren Webauftritt verlassen, sind wahrscheinlich über die vorhergehende Landing-Page auf diese Seite gekommen, haben das Angebot auf der Dankeschön-Seite heruntergeladen und die Seite dann verlassen, um den soeben heruntergeladenen Inhalt zu verwenden.

Natürlich ist dieses Szenario reine Spekulation, das viele andere wichtige Seitenkennzahlen außen vor lässt. Doch hilft dieses einfache Beispiel dabei, den Unterschied zwischen Absprungs- und Ausstiegsrate zu veranschaulichen.

So senken Sie eine hohe Bounce Rate

Da Sie nun wissen, was eine Bounce Rate eigentlich ist, interessiert Sie jetzt bestimmt, was Sie gegen hohe Absprungraten unternehmen können.

Allgemein können hohe Absprungraten ein Anzeichen dafür sein, dass Webseiten-Besucher eine Seite als irrelevant oder verwirrend empfinden. Aber bitte überstürzen Sie jetzt nichts! Eine komplette Neugestaltung der Seite oder ihre gänzliche Löschung ist vielleicht gar nicht notwendig. Analysieren Sie Ihre Webseite besser Schritt für Schritt, um herauszufinden, wo das Problem liegt und welche Maßnahmen am zielführendsten sind.

Nicht vergessen: An den Absprungraten können Sie nur ablesen, dass jemand auf einer Webseite gelandet ist und diese wieder verlassen hat, ohne irgendeine andere Seite Ihrer Website zu besuchen. Sie verraten Ihnen nicht, wie diese Person mit Ihrer Seite interagiert hat.

Deshalb ist es so wichtig, auch andere Kennzahlen und Elemente Ihres Webauftritts genauer unter die Lupe zu nehmen. Nur so kommen Sie einer hohen Absprungrate auf den Grund. Dabei sollten Sie wie folgt vorgehen:

1) Stellen Sie sicher, dass Ihre Webseite für Mobilgeräte optimiert ist

Laut einer Studie von StatCounter, einer Webseite zur Analyse des Webverkehrs,  erfolgten 2020 bereits über die Hälfte aller Seitenaufrufe weltweit über Mobiltelefone. Deswegen sollte das Nutzererlebnis für Mobilgeräte nicht nur optimiert sein, sondern auch noch gezielt zur Interaktion anregen.

Denn mal ehrlich: Es ist wirklich nervtötend, wenn man auf eine mobile Webseite gelangt und dann ewig heranzoomen muss, um die Inhalte lesen zu können. Eine Webseite mit responsivem Design ist schön und gut, aber noch nicht optimal. Die Interaktion muss in der mobilen Version benutzerfreundlich und interaktiv sein.

Videos sind eine Art von Inhalten, die die Interaktion besonders stark anregen. Mit Videos können Sie komplexe Sachverhalte oft viel präziser darstellen als mit Text. Vermutlich ist das der Grund, warum 4x mehr Kundinnen und Kunden lieber ein Video über ein Produkt ansehen, als einen Text darüber zu lesen.

Lange Videos verbrauchen jedoch viel Datenvolumen, was das Nutzererlebnis auf Mobilgeräten unter Umständen verlangsamen kann – und die genervten Nutzerinnen und Nutzer „abspringen“ lässt. Deshalb empfiehlt es sich, längere Videos von Ihrer mobilen Webseite zu entfernen und stattdessen kürzere Versionen zu erstellen, die nur die wichtigsten Punkte abdecken.

Dieser Tipp gilt selbstverständlich nicht nur für Videos. Analysieren Sie das gesamte Nutzererlebnis Ihrer mobilen Webseite und überlegen Sie sich, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt.

2) Analysieren Sie Ihre Bounce Rate im Zusammenhang mit der jeweiligen Besucher-Quelle

Manchmal haben die Traffic-Quellen, aus denen die Besucherinnen und Besucher einer bestimmten Seite stammen, etwas mit deren Absprungrate zu tun. Deswegen können Sie mit der HubSpot-Software für Dashboards und Reporting die Absprungrate auch nach den einzelnen Quellen aufschlüsseln:

Der Bounce-Raten-Bericht von HubSpot für eine einzelne Besucherquelle (Social Media).

Nehmen wir einmal an, Ihre Absprungrate ist vor allem bei jenen Besuchenden besonders hoch, die über die sozialen Netzwerke auf Ihre Webseite gelangen. In diesem Fall sollten Sie die Botschaften, die Sie in Ihren Social-Media-Inhalten vermitteln, in Augenschein nehmen.

Fragen Sie sich ganz ehrlich: „Passen die verbreiteten Botschaften wirklich zu den jeweiligen Inhalten auf meiner Webseite? Wenn Besucherinnen und Besucher auf Twitter oder Facebook auf diesen Link klicken, erwarten sie sich dann diese Überschrift und dieses Bild?“ Wenn die Antwort auf eine dieser beiden Fragen „Nein“ lautet, dann braucht Ihre Strategie zur Content-Promotion wahrscheinlich mehr als nur einen Neuanstrich.

Passen Sie bei der Verbreitung Ihrer Webseiten-Inhalte auf, dass die Botschaften tatsächlich mit der Seite, auf der Sie Ihre Besucherinnen und Besucher leiten möchten, zusammenpassen. Sie müssen die Erwartungen Ihrer Besuchenden unbedingt erfüllen – egal aus welcher Quelle diese stammen.

3) Vermeiden Sie andere Störfaktoren, die das Nutzererlebnis beeinträchtigen

Die Bedeutung eines optimalen Nutzererlebnisses auf Mobilgeräten haben wir bereits angesprochen. Dieser Grundsatz gilt selbstverständlich für alle Plattformen. Webseiten mit Pop-ups oder ähnlichen Elementen, die sich über den ganzen Bildschirm erstrecken, sind nicht nur ärgerlich, sondern werden seit einer Aktualisierung des Google-Algorithmus im August 2016 auch noch mit einem schlechteren Ranking in den Suchergebnissen bestraft.

An erster Stelle sollten sowieso immer die Nutzerinnen und Nutzer stehen. Sie sollten das Interesse Ihrer Besuchenden wecken, damit sie so lange auf Ihrer Webseite bleiben, bis sie schlussendlich konvertieren. Obwohl manche Pop-ups gut funktionieren – etwa gut formulierte Inbound-Nachrichten, die zusätzlichen Kontext liefern – sollten Sie störende Pop-ups unbedingt vermeiden.

Denn im schlechtesten Fall beeinträchtigen sie das Nutzererlebnis so stark, dass Besucherinnen und Besucher Ihre Seite verlassen.

4) Finden Sie heraus, mit welchen Keywords Ihre Seiten ranken, und ob Ihre Inhalte diese Themen auch ausreichend abdecken

Wir haben weiter oben bereits beschrieben, wie gefährlich es ist, Besucherinnen und Besucher in den sozialen Medien auf die falsche Fährte zu bringen, was den Inhalt Ihrer Webseite anbelangt. Bei den Keyword-Rankings ist es nicht anders: Es ist extrem wichtig, dass Ihre Keywords zu Ihrem Inhalt passen. Nur so gewährleisten Sie, dass Besuchende, die über organische Suchergebnisse auf Ihre Webseite gelangen, auch wirklich den erwarteten Inhalt vorfinden.

Angenommen jemand gibt die Suchbegriffe „Marketing Automatisierung Software Lösungen“ ein, dann sucht diese Person wahrscheinlich nach einer Software, mit der sie ihre Leads pflegen und in Kundinnen und Kunden konvertieren kann.

Wenn eine Person hingegen die Suchanfrage „Was ist Marketing-Automatisierung?“ eintippt, dann ist sie wahrscheinlich noch nicht in einer Phase, in der sie ein Produkt kaufen möchte. Vielmehr sucht sie nach informativen Inhalten.

Wenn Sie also die Keywords begutachten, mit denen Ihre Seite rankt, sollten Sie dafür sorgen, dass sie mit dem tatsächlichen Inhalt übereinstimmen. Sobald das gegeben ist, sollten Sie versuchen,  Themencluster zu erstellen – also die Seiten Ihrer Webseite in thematische Cluster einzuteilen –, um organischen Traffic auf die richtigen Seiten zu locken.

Die Bounce Rate in Google Analytics anzeigen

Für die Untersuchung Ihrer Absprungrate lässt sich auch Google Analytics nutzen. Dort können Sie sich die Bounce Rate Ihrer Webseiten im Menü „Verhalten“ über den Reiter „Websitecontent“ für Ihren gewünschten Zeitraum anzeigen lassen. Ändern Sie dafür unter dem Punkt „Explorer“ einfach das Feld „Seitenaufrufe“ in „Absprungrate“. Google Analytics bietet Ihnen anschließend unter anderem die Möglichkeit, die Bounce Rate mit anderen Messwerten Ihrer Webseite zu vergleichen.

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Fazit: Keine Angst vor dem Absprung!

Wenn Sie Ihre Absprungraten unter die Lupe nehmen, sollten Sie sich nicht in Details verlieren, sondern lieber das Gesamtbild betrachten. Analysieren Sie, wie lange Besucherinnen und Besucher auf Ihrer Webseite bleiben, woher sie kommen und welches Gerät sie verwenden – und ob Ihre Inhalte und das angebotene Nutzererlebnis mit all diesen Faktoren übereinstimmen.

Im Idealfall erkennen Sie ein Muster, das Ihre Absprungrate erklärt. Anhand dieser Daten können Sie Ihre Bounce Rate dann gezielt optimieren.

Die Absprungraten sind gewissermaßen wie die „Motorwarnleuchte“ Ihres Autos. Wenn Sie aufleuchtet, dann wissen Sie, dass es wahrscheinlich irgendein Problem gibt. Um dem eigentlichen Problem auf die Spur zu kommen, müssen Sie jedoch das gesamte Auto überprüfen.

Bei der Bounce Rate ist es genauso. Es gibt keine Patentlösung, wie Sie optimale Absprungraten erreichen. Doch solange Sie Ihre Absprungraten im Blick haben und sie in Ihrer Marketingstrategie berücksichtigen, wird die Performance-Kurve Ihrer Webseite nach oben zeigen.

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Ursprünglich veröffentlicht am 30. April 2021, aktualisiert am April 30 2021

Themen:

Marketing-Analytics