Hand aufs Herz: Würden Sie gerne wissen, was Ihre Vorgesetzten von Ihrer Arbeitsleistung halten? Beantragen Sie doch einfach ein Zwischenzeugnis! Erfahren Sie hier, wie Sie geschickt eine Leistungsbeurteilung anfordern und welcher Inhalt in ein Zwischenzeugnis gehört.

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Zeugnis ist dabei nicht gleich Zeugnis: Ein einfaches Zwischenzeugnis ist nicht das gleiche wie ein qualifiziertes Zwischenzeugnis. Das einfache Zeugnis ist eine grobe Übersicht über das Beschäftigungsverhältnis und beschreibt den Tätigkeitsbereich, die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Aufgaben.

Ein qualifiziertes Zeugnis umfasst sowohl die Tätigkeiten als auch die Beurteilung von Leistung und Sozialverhalten des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin und kommt somit einem Arbeitszeugnis nahe.

Wann bekommt man ein Zwischenzeugnis?

Besteht seitens der Arbeitnehmenden berechtigtes Interesse, muss der Wunsch nach einem Zwischenzeugnis konkret beim Arbeitgeber begründet werden. Anders als bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis, auf das Sie nach einem sechswöchigen Beschäftigungsverhältnis einen gesetzlichen Anspruch haben, besteht kein Recht auf eine Zwischenbeurteilung Ihrer Leistung. Ausnahmen gelten häufig in Tarifverträgen, individuellen Vertragsvereinbarungen oder in einem Aufhebungsvertrag.

Dennoch können Sie Ihren Anspruch auf eine schriftliche Beurteilung geltend machen, wenn es triftige Gründe für ein Zwischenzeugnis gibt:

Vorgesetztenwechsel

Bekommen Sie einen neuen Vorgesetzten oder eine neue Chefin, haben Sie einen triftigen Grund für ein Zwischenzeugnis. Sollten Sie mit Ihrem neuen Chef nicht so gut zurechtkommen wie mit seiner Vorgängerin, kann sich die negative Stimmung auf die produktive Zusammenarbeit der letzten Jahre auswirken. Sprich: Die Beurteilung im Zwischenzeugnis fällt weniger gut aus.

Neues Aufgabengebiet

Bei einem internen Jobwechsel haben Sie ebenfalls Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Vor allem in einer neuen Abteilung innerhalb des Unternehmens mit anderer Tätigkeitsbeschreibung steht Ihnen eine Leistungsbeurteilung der vorherigen Aufgaben zu. Verläuft der Wechsel nicht optimal, haben Sie dennoch die Sicherheit des Zeugnisses.

Berufliche Weiterbildung

Heutzutage gehören Fortbildungen im Beruf dazu – sei es, um neues Fachwissen zu erlangen, andere Aufgabenbereiche zu übernehmen oder sich auf eine höhere Position, auch in anderen Unternehmen, zu bewerben. Eine berufliche Weiterbildung ist ein guter Grund, ein Zwischenzeugnis zu beantragen, da viele Bildungsstätten den Nachweis haben wollen.

Beförderung

Egal ob mit oder ohne berufliche Weiterbildung – wenn Sie befördert werden, warten neue Aufgaben auf Sie. Eine Beförderung ist daher ein triftiger Grund, sich ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen. So haben Sie eine positive Beurteilung zu Ihren vorherigen Aufgaben und können Ihre Erfahrungen nachweisen.

Längere Betriebszugehörigkeit

Bei einer Betriebszugehörigkeit über längere Zeit besteht Ihrerseits berechtigtes Interesse für ein Zwischenzeugnis, sofern Ihnen in den letzten Jahren keine Leistungs- und Verhaltensbeurteilung ausgestellt wurde. Nach vielen Jahren lässt sich ohne Zwischenbeurteilung nur schwer ein fehlerfreies Endzeugnis erstellen.

Vorübergehende Pause

Ob Elternzeit oder Sabbatical, bei längerer Abwesenheit sollten Sie sich frühzeitig um ein Zwischenzeugnis bemühen. Vielleicht ist die Weiterführung des Beschäftigungsverhältnisses aufgrund von Stellenabbau nicht gesichert oder Sie müssen bei Rückkehr wegen interner Umstrukturierungen plötzlich andere Aufgaben übernehmen.

Betriebsübergang

Bei einem Betriebsübergang wechseln Betrieb oder Betriebsteile auf einen neuen Inhaber, sodass sich meist auch die Personalabteilung ändert. Da eine inhaltlich korrekte Beurteilung Ihrer Leistung in diesem Fall wohl nicht gegeben ist, sollten Sie frühzeitig ein Zwischenzeugnis bei Ihrer Vorgesetzten beantragen.

Jobwechsel

Wenn Sie einen Jobwechsel anstreben, dürfen Sie für Ihre Bewerbungsunterlagen ein Zwischenzeugnis anfragen. Ein zufriedener Chef sieht diesen Grund allerdings nicht gerne, sodass das aktuelle Beschäftigungsverhältnis darunter leiden könnte. Alternativ können Sie auch Referenzen bei Ihrer Jobsuche angeben, um die Auswirkungen zu vermeiden.

Wie fragen Sie geschickt nach einem Zwischenzeugnis?

Bitten Sie Ihre Vorgesetzte um ein Mitarbeitergespräch, in dessen Rahmen Sie dann ruhig und sachlich um ein Zwischenzeugnis bitten. Legen Sie Ihre Gründe dar, ohne sich gegebenenfalls allzu sehr in die Karten schauen zu lassen. Achten Sie vor allem darauf, das Thema nicht unnötig emotional aufzuladen.

Da kein Chef seine Mitarbeitenden an andere Unternehmen verlieren will, sollten Sie damit rechnen, dass Ihr Vorgesetzter Sie künftig mehr beobachtet oder vielleicht auch mehr fordert. Wenn Sie offen sind und weiterhin mit viel Engagement Ihren Aufgaben nachkommen, geben Sie Ihrem Chef keinen Grund zum Zweifeln.

Welcher Inhalt gehört in ein Zwischenzeugnis?

Die Zeugnissprache ist nicht immer verständlich, es gibt sogar Codes, die negative Botschaften übermitteln sollen. Der Inhalt vom Zwischenzeugnis ist dabei immer gleich: Neben grundsätzlichen Angaben zu Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden, wird die Leistung in häufig ähnlichen Formelsätzen beschrieben.

Die allermeisten Zwischenzeugnisse sehen folgendermaßen aus:

1. Daten des Unternehmens/ der Organisation

2. Personenbezogene Daten der arbeitnehmenden Person

3. Aufgabenbeschreibung, Verantwortlichkeitsbereiche, Projekte

4. Dauer des Beschäftigungsverhältnisses

5. Beurteilung von Leistungs- und Sozialverhalten

6. Gesamteinschätzung der Beurteilung

7. Schlussformel wie Dank für die bisherige gute Zusammenarbeit oder Glückwünsche

Übrigens: Die Beurteilung von Leistung und sozialem Verhalten gleicht mit Formulierungen wie „stets bemüht“, „sehr gut“ oder „zur vollsten Zufriedenheit“ häufig einem Schulzeugnis.

Ein Zwischenzeugnis unterliegt wie ein Arbeitszeugnis nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses formellen Anforderungen und muss auf Geschäftspapier gedruckt, unterschrieben und mit dem Firmenlogo versehen sein. Eine korrekte Rechtschreibung wird vorausgesetzt. Zwischenzeugnisse sollten in Vergangenheitsform geschrieben sein, damit die Beurteilung nicht nach einer Kündigung klingt.

Wie lange muss man auf ein Zwischenzeugnis warten?

Wie lange Sie auf ein Zwischenzeugnis warten müssen, lässt sich pauschal nicht sagen. Es gibt keine gesetzliche Zwischenzeugnis-Frist und keine Regelung, wie oft Sie ein Zwischenzeugnis beantragen dürfen. Im Idealfall sollten Sie zwei bis vier Wochen nach Anforderung das Zeugnis erhalten. Eine Beantragung ist immer dann möglich, wenn ein triftiger Grund vorliegt. Kostenlose Zwischenzeugnis-Muster gibt es im Internet.

Alternativen zum Zwischenzeugnis

Sie müssen nicht immer ein Zwischenzeugnis anfordern. Manchmal erfüllen auch folgende Alternativen den Zweck:

Referenzen

Abteilungsleitung, mitarbeitende Personen oder Kundschaft, die Ihre Arbeitsleistung und das Sozialverhalten realistisch beurteilen können, erstellen Ihnen vielleicht aufgrund positiver Erfahrungen ein Referenzschreiben.

Testimonial

Für Selbstständige und Freelancerinnen, die zurück in eine Festanstellung wollen, sind Testimonials ideal. Möglicherweise haben Sie einen guten Kontakt unter Ihrer Kundschaft, der Ihre Qualifikationen bestätigen kann.

Aufgabenprofil

In einem Aufgaben- oder Tätigkeitsprofil sind all Ihre Fähigkeiten und Ihre Erfahrungen aufgelistet, sodass sich neue Vorgesetzte ein gutes Bild von Ihrer Arbeitsleistung machen können. Wenn Sie selbst ein Aufgabenprofil erstellen, sollten Sie dieses von Ihrem Abteilungsleiter oder Ihrer Chefin unterschreiben lassen.

Fazit: Mit Zwischenzeugnis eigene Kompetenzen beim Arbeitgeber belegen lassen

Bei Beförderung, neuer Tätigkeitsbereich, Elternzeit oder Jobwechsel – ein Zwischenzeugnis ist immer sinnvoll, um sich die eigenen Kompetenzen und Erfahrungen von Vorgesetzten schriftlich bescheinigen zu lassen. Gerade weil die Anforderung eines Arbeitszeugnisses häufig den Verdacht auf einen Jobwechsel mit sich bringt, sollten Sie offen und direkt darüber sprechen. So schaffen Sie etwaige Zweifel aus dem Weg, die Ihr Arbeitsverhältnis negativ beeinflussen könnten.

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Titelbild: Portra / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 23. August 2022, aktualisiert am August 23 2022