Was sind die drei größten Herausforderungen von Startups? Die Antwort: Kundengewinnung, Kapitalbeschaffung und Liquidität. Das fand der Bundesverband Deutsche Startups e.V. in seiner Studie „Deutscher Startup Monitor 2020“ heraus. Zwei der drei Top-Probleme haben mit Geld zu tun. Damit es hier besser läuft, können Gründer sich unter anderem Unterstützung bei Business Angels holen.

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Was macht einen Business Angel aus?

Die „Geschäftsengel“ sind keine normalen Investoren. In der Regel handelt es sich um wohlhabende Manager oder Geschäftsführer, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind – oder um Startup-Gründer, die mit einem Exit zu Geld gekommen sind.

Business Angels möchten mit ihrer Investition in ein junges Unternehmen etwas bewegen. Sie sind an der Geschäftsidee interessiert und sehen das Potenzial dahinter. Mit ihrem Geld helfen sie den Gründern, ihre Konzepte umzusetzen und ihre Innovationen voranzubringen. Sie bieten somit eine finanzielle Anschubhilfe.

Zudem zeichnen zwei weitere Eigenschaften die Business Angels aus: Sie besitzen viel Know-how in gewissen Geschäftsbereichen und verfügen über „Vitamin B“, also über wichtige Branchenkontakte.

Mit den drei wichtigen Elementen Geld, Wissen und Netzwerk können sie Startups unter die Arme greifen (sie coachen) und das Wachstum des jungen Unternehmens (die Skalierung) beschleunigen.

Wann und wie steigen Business Angels bei Startups ein?

Jedes Startup durchläuft mehreren Phasen. Es beginnt in der Orientierungsphase (Pre-Seed), geht dann in die Planung (Seedphase) und landet dann in der Gründungsphase (Start-up). Danach folgen die Aufbau-, Wachstums- und Reifephase.

Business Angels steigen in der Regel zwischen Seed- und Aufbauphase ein. Dabei investieren sie durchschnittlich zwischen 30.000 und 100.000 Euro. Wird mehr Geld benötigt, zum Beispiel für das Wachstum, tun sich oft mehrere Business Angels mit anderen Investoren zusammen.

Business Angels arbeiten kostenlos für ihre Startups, sie erhalten kein Honorar oder ähnliches. Dafür bekommen sie Anteile an den jungen Unternehmen. Der genaue Prozentsatz hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Höhe des Investments und dem Verhandlungsgeschick des Startup-Teams.

Ist ein Business Angel an einem Startup beteiligt, unterstützt er den oder die Gründer mit seiner Expertise, um das frischgebackene Unternehmen schnell voranzubringen. Voranbringen bedeutet: Prototypen entwickeln, Markteintritt, Wachstum, Erreichen der Gewinnzone.

Letzteres ist wichtig, denn auch die „Startup-Engel“ sind keine reinen Wohltäter. Sie möchten ihr Geld vermehren und mit einem lukrativen Exit aussteigen. Typischerweise hält ein Business Angel seine Anteile vier bis sieben Jahre. In dieser Zeit geht das Unternehmen entweder pleite (Worst Case) oder es etabliert sich am Markt und wird interessant für weitere Investoren (Best Case).

Was unterscheidet BAs von VC-Investoren?

VC steht für Venture Capital, was übersetzt Beteiligungs- oder Risikokapital bedeutet. Hinter VC-Gebern stecken Unternehmen oder Gesellschaften, die ihr Geld in aussichtsreiche Startups investieren. Die Investitionen belaufen sich oft auf 10 bis 25 Millionen Euro, die „Kapitalspritzen“ großer VC-Fonds können 100 Millionen Euro und mehr betragen.

VC-Investoren erhalten für ihre hohen Beteiligungen große Anteile an den jungen Unternehmen, damit sie bei wichtigen strategischen Entscheidungen mitreden können. Viele Venture-Capital-Geber bieten wie die Business Angels neben dem Kapital auch Unterstützung in Form von Fachwissen und Netzwerken an.

Bei VCs ist die Rendite beziehungsweise die Renditeaussicht äußerst wichtig, da sie meist nach wenigen Jahren aus dem Startup aussteigen.

Die Vor- und Nachteile eines Business Angels

Hier eine Übersicht:

Vorteile

  • Er investiert Geld in ein Startup, zum Beispiel ergänzend zu einem Bankkredit.

  • Er trägt das Risiko für sein Investment, nicht die Existenzgründer.

  • Er arbeitet kostenlos mit, wodurch er eine wichtige Fachkraft ist.

  • Er besitzt Know-how, welches das Startup dringend benötigt.

  • Er hat Berufserfahrung und kann so das junge Team vor unnötigen Fehlern bewahren.

  • Er ist gut vernetzt, wodurch dem jungen Unternehmen ein schnellerer Markteintritt gelingt.

  • Er steht mit seinem guten Namen ein, was den „Trust“ des Startups steigert.

  • Er kann weitere Business Angels oder einen VC-Investor überzeugen, ebenfalls zu investieren.

Nachteile

  • Er möchte Beteiligungen an dem Unternehmen.

  • Er redet bei allen Entscheidungen mit.

  • Er passt eventuell nicht zum Team.

  • Er kann nur schwer aus dem Unternehmen entfernt werden.

  • Er denkt mehr an seine Rendite als an andere Ziele.

Business Angel finden: So geht es

Das Finden eines passenden Business Angels gestaltet sich oft schwieriger, als einen Bankkredit zu erhalten. Denn ein „Geschäftsengel“ ist mehr als nur ein Geldgeber. Er erhält Anteile an dem Unternehmen und arbeitet intensiv mit. Möchte man Reibereien vermeiden, muss unbedingt die Chemie zwischen den Gründern und dem Business Angel stimmen.

Wo finden Startups einen Business Angel in Deutschland?

Dafür gibt es mehrere Wege. Ein erster, guter Start sind Startups-Events. Diese gibt es mittlerweile in fast jeder Stadt oder Region. Auf den Pitch-Veranstaltungen, Netzwerktreffen, Startup-Wettbewerben und Gründermessen sind nicht nur Entrepreneure, sondern ebenso Kapitalgeber anzutreffen. So können sich beide Seiten gegenseitig „beschnuppern“.

Eine weitere Möglichkeit: die Internetrecherche. Die meisten Business Angels besitzen eine Webseite und sind auf LinkedIn beziehungsweise XING vertreten. Oft schließen sich mehrere BAs zu einem lokalen Netzwerk zusammen. Und diese Netzwerke sind in der Regel im BAND (Business Angels Netzwerk Deutschland e.V.) organisiert.

Zudem kann es helfen, sich an lokale Startup-Unterstützer wie Acceleratoren (Einrichtungen, welche Startups bei der Geschäftsentwicklung unterstützen) und Inkubatoren zu wenden, bei namhaften Startup-Webseiten zu schauen und Onlinegruppen beizutreten (zum Beispiel auf Facebook oder XING).

Worauf ist bei der BA-Suche zu achten?

Ein Business Angel ist ein Geschäftspartner, mit dem das Startup-Team eng zusammenarbeiten wird. Deshalb ist es wichtig, schon bei der Suche eine Vorauswahl zu treffen, damit es später zu keiner herben Enttäuschung kommt. Diese Punkte sollten Gründer bedenken:

Fachgebiet

In welchem Bereich ist der Business Angel aktiv? Kennt er sich mit der Branche und dem Markt des Startups aus?

Netzwerk

Ist der BA in speziellen Verbänden tätig? In welche anderen Startups hat er investiert? Kennt er wichtige Entscheider oder Unternehmen, die für den Aufbau wichtig sind?

Kapital

Wie viel Geld investiert der Business Angel in der Regel? Ist er solvent? Woher hat er sein Kapital?

Ort

Ist der „Engel“ in der gleichen Region oder weit weg? Hat er seinen Wohnsitz in Deutschland oder agiert er vom Ausland aus?

Kultur

Spricht der Business Angel Deutsch oder zumindest gut Englisch? Aus welcher Kultur stammt er? Passt diese zu denen der Gründer?

Vorstellungen

Welche Ziele verfolgt der BA hauptsächlich mit seinem Investment? Schielt er nur auf seinen Gewinn? Oder ist für ihn die Unterstützung einer guten Idee mehr eine Herzenssache?

Zeit

Lässt sich abschätzen, wie viel Zeit der Business Angel hat? Ist er gut erreichbar oder ständig unterwegs?

Menschliches

Hat der Business Angel einen guten oder schlechten Ruf? War er in Skandale verstrickt? Wird viel Gutes über ihn gesagt beziehungsweise geschrieben?

Einige der hier genannten Punkte lassen sich über eine reine Onlinerecherche nur schwer oder gar nicht herausfinden. Deswegen ist es wichtig, dass junge Unternehmen über andere Wege die benötigten Informationen erhalten – zum Beispiel über einen persönlichen Austausch auf einem Event.

Wie bewirbt sich ein Startup bei einem Business Angel?

Hat ein Startup einen passenden Business Angel gefunden oder persönlich kennengelernt, muss es sich bewerben. Die Bewerbung erfolgt über eine kurze Präsentation, das sogenannte Pitch Deck. Erfolgt die Kontaktaufnahme per Mail, so kann eine Executive Summary beziehungsweise Management Summary nicht schaden. Bei dieser Zusammenfassung wird die Geschäftsidee auf wenige Sätze reduziert.

Läuft die Bewerbung über ein Netzwerk oder einen Verein wie BAND muss das Startup einen sogenannten One Pager ausfüllen. Bei diesem muss es seine Geschäftsidee, sein Produkt, den Kundennutzen, die Alleinstellungsmerkmale, Marktinformationen und weitere Angaben auf ein bis zwei Seiten zusammenfassen.

Zeigt ein Business Angel Interesse an einem Startup, wird er noch einen Businessplan einfordern. Darüber hinaus erhält er weitere wichtige Einblicke in die Geschäftsstrategie der Gründer.

Sagen dem Business Angel oder dem BA-Netzwerk die ersten Informationen zu, gibt es ein persönliches Kennenlernen. Bei diesem muss das Startup-Team wichtige Detailfragen zu seinem Business beantworten. Die Bewerbung und Vorstellung münden im besten Fall in einer Due Diligence – einer genauen Prüfung durch den Business Angel.

Wie bereiten sich Gründer am besten auf ein BA-Gespräch vor?

Ein Business Angel ist ein Geschäftsmann. Er möchte schnellstmöglich verstehen, was er für sein Investment (Geld, Zeit, Wissen) erhält. Ihn interessieren zum einen wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Zielgruppendefinition, Marktpotenzial, Umsatzerwartungen, Kapitalbedarf und Gewinnspanne.

Zum anderen sind die Mission und Vision des Startup-Teams wichtig. Der Business Angel möchte spüren, dass die Existenzgründer für ihr Geschäftsmodell brennen und mit Leidenschaft ihre Idee verfolgen. Bei einem Startup geht es nicht nur um Konzepte, sondern hauptsächlich um die tatsächliche Umsetzung in die Realität. Damit die gemeinsame Umsetzung klappt, müssen der Business Angel und das Team auf einer Wellenlänge schwimmen.

Vor einem Gespräch mit einem Business Angel müssen Startups…

  • …ihr Konzept und ihre Vision verständlich zusammenfassen, damit sie es bei einem Elevator Pitch überzeugend vermitteln können.

  • …ihre Zielgruppe und ihren Zielmarkt genau analysiert haben und ihre Erkenntnisse mit Zahlen belegen können.

  • …ein Team besitzen, das mit Leidenschaft an einem Strang zieht.

  • …ein MVP (Minimum Viable Product), einen Prototyp oder ein anderes Proof of Concept in der Tasche haben.

  • …genau wissen, was sie von dem Business Angel haben möchten. Zum Beispiel: Wie viel Kapital benötigen sie und wie viele Anteile an ihrem Unternehmen geben sie dafür ab?

  • …möglichst viel über ihre(n) Ansprechpartner in Erfahrung gebracht haben, um auf ihn oder sie eingehen zu können.

  • …für vermeintlich fiese oder provokante Nachfragen gewappnet sein.

Passende Business Angels finden: In Deutschland nicht so einfach

Business Angels bieten mehr als nur Geld – sie bieten „Smart Money“. Neben dem reinen finanziellen Investment legen sie noch andere Werte in die Waagschale, die für Startups sehr wichtig sein können.

Laut BAND gibt es rund 5.000 Business Angels in Deutschland, dem gegenüber stehen rund 70.000 Startups. Das heißt, sehr viele Existenzgründer buhlen um die Gunst der „Engel“.

Neben der begrenzten Auswahl an Investoren und Kapital gibt es weitere Faktoren, welche die Suche einschränken: Ein Business Angel muss zu der Geschäftsidee, der Vision und dem Team des Startups passen. Ein Vorhaben, das alles andere als leicht ist.

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Titelbild: z_wei / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 8. Januar 2021, aktualisiert am Januar 08 2021

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