Entscheidungen zu treffen gehört zu den alltäglichen Herausforderungen von Führungskräften. Als Entscheidungsträger oder Entscheidungsträgerin müssen Sie dabei Wege und Ziele für Ihre Arbeit definieren, die weitreichende Folgen nach sich ziehen. Deshalb zählt die Entscheidungsfähigkeit zu den wichtigsten Führungskompetenzen in einem Unternehmen.

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Was versteht man unter Entscheidungs- und Urteilskompetenz?

Grob formuliert ist die Entscheidungskompetenz das Vermögen, zielbezogene Handlungen und Prozesse im Unternehmen durch einen Handlungsentschluss auszuführen. Diese Fähigkeit wird auch oft als Entscheidungsfreude, Handlungsstärke oder proaktives Denken bzw. Handeln bezeichnet.

Mit der Entscheidungskompetenz können Sie klare Ziele und den Weg dorthin skizzieren, die Pros und Contras für eine Entscheidung abwägen, mögliche Einflüsse oder Gefahren aufzählen und im besten Fall auch den zeitlichen, finanziellen und personellen Rahmen festlegen. Um diese vielen Faktoren zu berücksichtigen und realistisch abzuschätzen, benötigen Sie die richtige Urteilskompetenz.

Wozu brauchen Sie Entscheidungsfähigkeit im Job?

Ob als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin, als Vorgesetzter bzw. Vorgesetzte oder als Mitglied des Vorstandes – die meisten Menschen in einem Unternehmen müssen für ihren Wirkungskreis und ihr Aufgabenfeld tägliche Entscheidungen treffen, vom Zeitmanagement über Zeitpläne für Projekte bis hin zu Entscheidungen für Kundenbeziehungen und Kaufprozesse.

Dabei ist es gerade im mittleren Management oft schwierig, Entscheidungen zu treffen, denn sowohl das geführte Team als auch die Führungskraft haben Ziele und Erwartungen, die Sie erfüllen müssen. Und gerade in einem Team oder mit mehreren Vorgesetzten existieren auch unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen, zwischen denen Sie vermitteln und oft Überzeugungsarbeit leisten müssen. Gerade junge, unerfahrene und eher zurückhaltende Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen sehen sich dabei vielen Hürden ausgesetzt.

Führungskräfte werden mitunter als inkompetent, schwach und unsicher angesehen, wenn sie beim Treffen von Entscheidungen zu lange zögern. Auch wenn es menschlich ist, schwinden bei einer schlechten Entscheidungskompetenz schnell der Respekt und die Achtung vor einem bzw. einer Vorgesetzten. Dies kann bei der Belegschaft im schlimmsten Fall zu Desinteresse und Demotivation führen.

Was ist Decidophobie?

Für die konsequente Angst, Entscheidungen zu treffen, existiert der Fachbegriff „Decidophobie“. Die Gründe dafür sind vielseitig. Meist sind von Decidophobie besonders Menschen betroffen, die bereits seit der Kindheit unter Ängsten und Unsicherheit leiden. Das kann an der Erziehung durch die Eltern oder in der Schule liegen, aber auch an schlechten, prägenden Erfahrungen in der Vergangenheit. Häufig geben ängstliche und unsichere Elternteile diese Gefühle an ihre Kinder weiter.

Dabei handelt es sich bei der Decidophobie durchaus um eine ernstzunehmende Krankheit oder Einschränkung, die behandelbar ist. Dies reicht von Sekundärliteratur über Seminare und Beratungen bis hin zu Therapien in der Gruppe oder unter Fachärzten. Neben bekannten Verfahren wie der kognitiven Verhaltenstherapie (CVT) können im schlimmsten Falle sogar Medikamente wie Antidepressiva und Beruhigungsmittel hilfreiche Begleiter aus dieser Entscheidungs-Phobie darstellen.

Bei der Behandlung der Decidophobie wird vor allem trainiert, wie Sie hilfreiche Muster für Ihr Denken und Handeln finden können, um Wege aus einem Problem zu identifizieren. Auch der gesamte Prozess bis zum Ziel wird besprochen und analysiert. Dabei geht es auch darum, Ängste zu überwinden und komplexe und verwirrende Sachverhalte besser zu verstehen.

Das Ignorieren einer solchen persönlichen Einschränkung kann mitunter zu Depressionen, körperlichem Unwohlsein, Konzentrationsproblemen und zunehmenden Angstgefühlen führen. Im Umgang mit dem Team werden Kollegen und Kolleginnen, die nicht gerne Entscheidungen treffen, schnell als negativ, träge und unsicher wahrgenommen.

Im beruflichen Umfeld führt diese Sackgasse oft zu einer Bremse oder Abwärtsspirale in der Karriere. Bei Betroffenen ist eine Behandlung wichtig, um Entscheidungskompetenz für die Arbeit – aber auch für das Privatleben – zu erlangen.

Beispiele, in denen Entscheidungskompetenz gefragt ist

Wann ist Entscheidungskompetenz im Job besonders wichtig? In folgenden Fällen sind Entscheidungstechniken und die Fähigkeit zur Überzeugung und Zielsetzung gefragt:

  • Sie definieren sinnvolle Ziele und setzen diese zeitnah um.
  • Dabei berücksichtigen Sie auch die Meinungen und Ideen anderer im Team.
  • Sie wägen unterschiedliche Maßnahmen zur Zielerreichung ab.
  • Sie berücksichtigen auch angesprochene Hindernisse und Probleme bei der Suche nach einer Lösung.
  • Absehbare Konsequenzen von Entscheidungen bedenken Sie sorgfältig.
  • Bei unklaren Situationen treffen Sie zügig eine vorläufige Entscheidung.
  • Getroffene Entscheidungen verfolgen Sie konsequent weiter.
  • Fehler bei der Entscheidungsfindung betrachten Sie als Teil des Prozesses.

So verbessern Sie Ihre Entscheidungsfähigkeit

Sie werden sehen, mit den passenden Entscheidungstechniken kommt die Entscheidungsfreude ganz von selbst. Ihre Entscheidungskompetenz können Sie übrigens jederzeit ganz einfach trainieren, wenn Sie folgende Tipps in Ihren Entscheidungsprozessen berücksichtigen:

Trugbild Perfektion: Alle Entscheidungen haben Konsequenzen. Das führt auch zu Fehlern. Egal, wie sehr Sie eine Entscheidungsfindung auch durchdenken, eine perfekte Entscheidung gibt es eher selten. Das kann an nicht berücksichtigen Faktoren liegen, aber auch an äußeren Einflüssen, auf die wir keinen Einfluss haben, wie Schwankungen auf dem Markt oder Wirtschaftskrisen. Irren ist menschlich und gehört zum Entscheiden dazu, und letztendlich lernt man auch aus seinen Fehlern.

Falsche Harmoniesucht: Zur Entscheidungsfähigkeit gehört auch das Wissen, es nicht allen recht machen zu können. Wenn zwei Meinungen existieren und Sie sich für eine Seite entscheiden, wird die andere Seite enttäuscht sein und eventuell negativ reagieren. Versuchen Sie nicht, eine unmögliche Harmonie zu erschaffen, sondern stehen Sie selbstbewusst zu Ihrer Entscheidung und zeigen Sie durch einen höflichen Umgang Respekt für die Gegenseite.

Übung macht den Meister: Überlegen Sie schon im Vorfeld, wie Sie sich bei einem Problem in ihrem Berufsfeld und Ihrem Aufgabenbereich entscheiden würden. Welche Argumente sprechen dafür oder dagegen? Wie würden Sie versuchen, sowohl Vorgesetzte als auch Teammitglieder von Ihrer Entscheidung zu überzeugen? Reflektieren Sie auch vergangenen Situationen, ob Sie heute wieder so handeln und entscheiden würden oder nicht. Und vertrauen Sie auch auf Ihr Bauchgefühl!

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Titelbild: fizkes / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 6. Dezember 2021, aktualisiert am Dezember 06 2021

Themen:

Soft Skills