Kennzahlen und Kennzahlensysteme sind trocken und langweilig – aber nur auf den ersten Blick. Machen Sie diese transparent, übersichtlich und nachvollziehbar, dann erzählen sie ganze Geschichten über Wachstum, Potenziale und Perspektiven eines Unternehmens. In jedem Fall leisten die Kennzahlen und die Kennzahlensysteme einen entscheidenden Beitrag zur Steuerung des Erfolgs in Unternehmen.

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Was sind Kennzahlen und Kennzahlensysteme?

Kennzahlensysteme setzen sich aus mehreren Kennzahlen zusammen. Unternehmen erhalten durch Kennzahlensysteme wertvolle Erkenntnisse für das Controlling. Diese Erkenntnisse nutzen sie gezielt, um Entscheidungen zu treffen, Prozesse zu verbessern oder Aktivitäten im Vertrieb zu planen.

Rechensysteme und Ordnungssysteme

Verknüpfen Sie Kennzahlensysteme miteinander, ist von Rechensystemen die Rede. Ordnen Sie Kennzahlen in einer bestimmten Systematik, so spricht man von einem Ordnungssystem. Durch Rechen- bzw. Ordnungssysteme gewonnene Informationen lösen Entscheidungsprobleme. Sie unterstützen Sie dabei, Zielvorgaben zu ermitteln und zu bewerten – etwa für den Vertrieb.

Beziehungen zwischen Kennzahlensystemen

Mehrere Kennzahlen innerhalb eines Kennzahlensystems hängen voneinander ab. Der Zusammenhang von Kennzahlen kann jedoch unterschiedlich sein:

  1. Logischer Zusammenhang

  2. Empirischer Zusammenhang

  3. Hierarchischer Zusammenhang

Der logische Zusammenhang ergibt sich durch mathematisch-logische Verknüpfungen. So berechnen Sie den Gewinn, indem Sie die Kosten vom Umsatz subtrahieren. Oder Sie ermitteln das Verhältnis aus Ihrem Gewinn zu Ihrem Eigenkapital, um die Eigenkapitalrentabilität zu erhalten.

Einen empirischen Zusammenhang erkennen Sie aus den Beobachtungen der Vergangenheit. Zum Beispiel durch Beobachtungen wie: „Je niedriger der Verkaufspreis, umso mehr Produkte verkaufen wir“.

Der hierarchische Zusammenhang schafft ein Ordnungssystem, mit dem Sie Kennzahlen in eine Rangordnung überführen – von Spitzenkennzahlen bis zu Hilfskennzahlen.

Beispiele für Kennzahlensysteme im Controlling

Es gibt viele zum Teil lang bewährte Kennzahlensysteme, die Unternehmen für ihr Controlling nutzen, um durch Rechensysteme Zusammenhänge zu erkennen. Folgend ein paar Beispiele:

DuPont

Das DuPont-Kennzahlensystem ist weit verbreitet und ein Rentabilitäts-Kennzahlensystem. Es geht auf den Chemiekonzern DuPont zurück und zeigt die Verbindung zwischen der Rendite und den Kennzahlen des Kapitals miteinander. In einer hierarchischen Anordnung der Kennzahlen dient das Rechensystem dazu, den „Return on Investment“ (ROI) zu kalkulieren. Der ROI ist der Gewinn des eingesetzten Kapitals.

Das DuPont-Kennzahlensystem ermöglicht Ihnen einen einfachen und logischen Blick auf einen Betrieb. Es zeigt Zusammenhänge und lässt erkennen, welche Stellhebel Sie für mehr Erfolg aktivieren müssen. Damit lässt sich das DuPont-Kennzahlensystem im Controlling für ein ganzes Unternehmen, aber auch für einzelne Bereiche einsetzen. Zudem deckt es die Betrachtung unterschiedlicher Zeiträume ab.

ZVEI

Das Kennzahlensystem ZVEI können Sie als Weiterentwicklung des DuPont-Kennzahlensystems interpretieren. Es wurde durch den Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) entwickelt. Im Zentrum steht die Eigenkapitalrentabilität und damit der Gewinn des eingesetzten Eigenkapitals.

ZVEI bringt 88 Spitzenkennzahlen und mehr als 120 Hilfskennzahlen in einen logischen Zusammenhang. Auf diese Weise gewinnen Sie sowohl Wachstumskennzahlen als auch Strukturkennzahlen. Damit erkennen Sie Potenziale zur Optimierung, beispielsweise in Bezug auf Kosten, Umsatz, Rentabilität, Kapitalstruktur und -bindung oder Finanzierung.

RL

Mit RL betrachten Sie als Spitzenkennzahlen die Rentabilität und die Liquidität. Insgesamt nutzen Sie hierbei rund 40 Kennzahlen, die in einem logischen und strukturellen Zusammenhang stehen, aber nicht zwingend in einem rechnerischen Zusammenhang. Aufseiten der Rentabilität schauen Sie beispielsweise auf den ROI oder die Eigenkapitalrentabilität. Und aufseiten der Liquidität beleuchten Sie den Cashflow oder das „Working Capital“.

Die „Balanced Scorecard“: Individuelles Kennzahlensystem

Kennzahlensysteme, die sich allein auf die Finanzen und Erträge fokussieren, gelangen häufig an ihre Grenzen, wenn es um strategische Entscheidungsgrundlagen für ein Unternehmen geht. Mit der „Balanced Scorecard“ entwickeln Sie ein eigenes Kennzahlensystem, das auf Ihre Ziele und Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Einzelne Sachverhalte und Teilbereiche können Sie damit strategisch entwickeln, zum Beispiel durch Vertriebskennzahlen für Ihr Vertriebscontrolling.

Die „Balanced Scorecard“ kommt tendenziell mit wenigen Kennzahlen aus. Sie nutzen dafür vier unterschiedliche Perspektiven:

  • Die Kundenperspektive gibt einen Überblick, wie erfolgreich Sie am Markt sind. Mögliche Kennzahlen sind der Grad der Kundenzufriedenheit oder die Weiterempfehlungsquote. In der Kundenperspektive helfen auch Vertriebskennzahlen, etwa die Zahl der akquirierten Neukunden.

  • Die Finanzperspektive bietet Ihnen einen Aufschluss darüber, wie erfolgreich Sie aus Sicht von Anteilseignern und Banken sind. In der Finanzperspektive nutzen Sie Kennzahlen zur Ermittlung von Rentabilität und Liquidität. Auch zukünftige Sachverhalte, etwa die Umsatzplanung, ergeben für die Finanzperspektive einen Sinn.

  • Die Lern- und Entwicklungsperspektive vermittelt, wie erfolgreich Sie Ihre internen Ressourcen einsetzen. Kennzahlen sind beispielsweise die Zahl der Weiterbildungstage oder die Zahl der Verbesserungsvorschläge.

  • Die Prozessperspektive definiert die Effizienz Ihrer Prozesse. Als Kennzahlen hierfür können Sie etwa Reklamationen, Nacharbeiten oder Durchlaufzeiten definieren.

Zahlen verstehen. Objektiver entscheiden.

Jedes Kennzahlensystem hat seine Vor- und Nachteile. In jedem Fall ist es sinnvoll, wichtige Entscheidungen anhand eines Kennzahlensystems zu treffen. So führen Sie Ihr Unternehmen stringent und nachvollziehbar auf Basis der aufgezeigten Sachverhalte.

Dafür müssen Sie definieren, was Ihnen wichtig ist, um dann das passende Kennzahlensystem auszuwählen und einzusetzen. Sobald Sie sich für ein System entschieden haben, ergibt es Sinn, die Gewinnung von Kennzahlen mithilfe der passenden Software zu automatisieren. So halten Sie den Aufwand für die Gewinnung und Nutzung der Daten gering.

Geschäftsmann mit Geld in beiden Händen

Titelbild: Chainarong Prasertthai / Getty Images

Ursprünglich veröffentlicht am 7. Dezember 2020, aktualisiert am Dezember 07 2020

Themen:

Vertriebscontrolling