Warum gibt es Wörterbücher mit Titeln wie: Chef – Deutsch/Deutsch – Chef“? Obwohl solche Titel zugegebenermaßen vielleicht nicht ganz ernst gemeint sind, weisen sie doch auf ein grundlegendes Problem hin: schlechte Kommunikation. Ein gestörter Austausch von Informationen führt im privaten Umfeld zu Streit und Entfremdung, unter Mitarbeitern und mit Kunden zu Missverständnissen und Zeitverschwendung. In diesem Artikel geht es darum, was Kommunikationsfähigkeit ausmacht und wie jeder an der eigenen Kommunikation arbeiten kann, um im Gespräch die richtigen Worte zu finden.

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Warum ist eine gute Kommunikationsfähigkeit wichtig?

Kommunikation ist der Austausch von Informationen zwischen zwei Personen (oder auch Maschinen). Ein grundlegendes Modell in der Kommunikationswissenschaft ist das Sender-Empfänger-Modell. Es besagt, dass Kommunikation nach einem einfachen Schema abläuft. Der Sender einer Nachricht codiert diese (durch das Finden der richtigen Worte, aber auch Tonlage, Körpersprache wie Mimik, Gestik etc.). Die codierte Nachricht kommt beim Empfänger an und dieser muss sie entschlüsseln. Dabei können Störungen auftreten, was zu einer Fehlinterpretation der ursprünglich angedachten Nachricht führt.

Sender-Empfänger-Modell-kommunikation

Screenshot: Wikicommons

Die grundlegende Message: Nicht alles kommt bei Ihrem Gegenüber im Gespräch so an, wie Sie es gemeint haben. Andersherum missverstehen Sie möglicherweise eine Nachricht einer anderen Person komplett. 

Eine erweiterte Theorie in der Kommunikationswissenschaft ist das Vier-Ohren-Modell. Nach diesem Modell trägt jede Nachricht vier verschiedene Aspekte:

  • Sachebene: Was wird objektiv gesagt?

  • Appellseite: Was erwarten Sie von Ihrem Gegenüber?

  • Selbstkundgabe: Was gibt die Nachricht über Sie preis?

  • Beziehungsebene: Was denken Sie über die Beziehung zur adressierten Person?

Möchten Sie gut kommunizieren, heißt das, sich den vier verschiedenen Aspekten gleichzeitig bewusst zu sein und diese aufeinander abzustimmen, um eine Botschaft in Wörter, Körpersprache usw. effektiv zu verpacken. 

Vier-Ohren-Modell-Schulz-von-ThunQuelle: HubSpot

Kommunikativ und kommunikationsfähig: Zwei verschiedene Kompetenzen

Die Begriffe „kommunikationsfähig“ und „kommunikativ“ sind übrigens nicht das Gleiche: 

  • Ist eine Person kommunikativ, bedeutet dies, dass sie relativ oft Nachrichten senden und empfangen will. 

  • Die Kommunikationsfähigkeit hingegen ist entscheidend dafür, wie gut jemand Nachrichten codieren und decodieren kann.

  • Es ist also auch möglich, kommunikativ und gleichzeitig wenig kommunikationsfähig zu sein.

Eine schlechte Kommunikationsfähigkeit ist besonders bei Berufen mit Fokus auf den Kontakt mit anderen Menschen (wie im Vertrieb) problematisch. So können Sie und Ihre Kollegen (oder Kunden) sprichwörtlich aneinander vorbeireden. Das ist nicht nur ineffektiv, sondern führt zu Missverständnissen, Frust oder sogar Streit.

Solche Situationen sind durch eine hohe Kommunikationsfähigkeit der Beteiligten in der Regel vermeidbar. Personen, die ihre Fähigkeit zur Kommunikation mit ihren Mitmenschen gut ausgeprägt haben, wirken sowohl kompetenter als auch sympathischer, lösen Probleme schneller und sind allgemein erfolgreicher. 

Kommunikationsfähigkeit verbessern: So gelingt es Ihnen

Der wichtigste Tipp für eine effektive Kommunikation ist, dass Sie sich auf den jeweiligen Gesprächspartner einstellen müssen. Wie Sie Ihre Nachricht am besten verpacken, hängt nämlich maßgeblich davon ab, wie Ihr Zuhörer diese entschlüsselt. Das ist wiederum von dessen Hintergrund, Stimmung und Ihrer Beziehung untereinander abhängig. Ein lockerer Witz am Rande kommt so beispielsweise bei Ihren Freunden während eines Gesprächs an einem gemütlichen Abend gut an. Beim Geschäftsführer in einem wichtigen Meeting sollten Sie jedoch vielleicht davon Abstand nehmen. 

Dass Menschen die gleiche Nachricht komplett unterschiedlich aufnehmen können, zeigt sich, wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Dort ist nicht nur die Sprache an sich eine Barriere. Eine Geste, die in Europa als höflich gilt, hat in anderen Teilen der Welt womöglich eine ganz andere Bedeutung und wird als Beleidigung wahrgenommen. Nicht umsonst gibt es spezielle Trainingsprogramme für interkulturelle Kompetenz. 

In jedem Gespräch gilt jedoch: Schenken Sie Ihrem Gegenüber Ihre volle Aufmerksamkeit und seien Sie ein konzentrierter Zuhörer. Das signalisiert nicht nur die Anerkennung des Gesprächspartners, sondern maximiert auch die Chancen, dass Sie Nachrichten richtig verstehen und versenden können. Ebenso gehören Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu den Grundprinzipien einer effektiven Kommunikation. 

Fähigkeit zur Kommunikation ausbauen: Übung macht den Meister

Ebenso sollten Sie sich vor Augen führen, dass Sie Ihre Kommunikationsfähigkeit nur verbessern können, indem Sie ausreichend kommunizieren – am besten mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen. Nur so sammeln Sie die nötigen Erfahrungen, bauen Ihre Kompetenzen aus und lernen verschiedene Menschentypen kennen.

Dabei wird Ihnen vielleicht auffallen, dass Sie sich bei verschiedenen Gesprächspartnern teilweise sehr unterschiedlich verhalten. Das heißt jedoch nicht, dass Sie sich in der Wahl Ihrer Wörter, Mimik und/oder Gestik selbst verstellen, sondern ist ein Anzeichen dafür, dass Sie die eigene Kommunikation auf den Gesprächspartner anpassen können. 

Kommunikationsfähigkeit ist im Beruf immer gefragt

Kommunikationsfähige Kollegen sind heute so gefragt wie nie. Durch die stärkere Vernetzung der Weltwirtschaft kommunizieren wir mit immer mehr und immer unterschiedlicheren Menschen. Kommunikationsfähigkeit heißt daher auch, beruflich erfolgreich sein zu können. 

Schon ganz am Anfang einer Karriere ist Kommunikationsfähigkeit besonders wichtig, nämlich bei der Bewerbung. Hier muss der potenzielle neue Mitarbeiter beweisen, dass er die Fähigkeiten besitzt, die Bedürfnisse des Unternehmens zu erfassen und die Erwartungen effektiv mit Argumenten zu adressieren. Kommunikation zieht sich aber durch die gesamte Karriere und ist Bestandteil von praktisch jedem Beruf – auch von denen, die nicht primär mit Menschen zu tun haben.

Falls Sie feststellen, dass bei Ihrer Kommunikation – sei es mit der Familie, Freunden, Mitarbeitern, Führungskräften oder Kunden – häufig etwas schiefgeht, können Sie dies als Warnsignal auffassen. Die Tipps aus diesem Artikel sind eine Hilfe, es gibt aber auch professionelle Kommunikationstrainer und -seminare. Falls Sie bei der eigenen Kommunikationsfähigkeit noch Verbesserungspotenzial sehen, können solche Angebote mitunter einiges für künftige Gespräche bewirken.

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Titelbild: SophonK / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 11. September 2020, aktualisiert am September 11 2020