Vielleicht kennen Sie das Phänomen: Sie haben einen schlechten Tag, an dem nichts so richtig funktionieren will. Sie kommen zu spät zur Arbeit, Sie stolpern, Sie verschütten Ihren Kaffee – die Ereigniskette kann den ganzen Tag so weitergehen. Doch muss das so sein oder ist es möglich, etwas dagegen zu tun? Gibt es diese „Unglückstage“ wirklich? Wissenschaftler sagen „Nein“, vielmehr handelt es sich dabei um eine selektive Wahrnehmung. Einer der typischsten Wahrnehmungsfehler ist das sogenannte „Confirmation Bias“.

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Was bedeutet „Confirmation Bias“?

Laut Definition handelt es sich bei dem Phänomen des Confirmation Bias um eine Verzerrung der Wahrnehmung. Der menschliche Verstand lernt aus vorangegangenen Erfahrungen und passt die Wahrnehmung und Lösungsansätze entsprechend an – jedoch nicht immer auf eine Art und Weise, die sich als objektiv bezeichnen ließe. 

Der deutsche Begriff für das Confirmation Bias lautet „Bestätigungsfehler“ und spiegelt die Natur dieses selektiven Wahrnehmungsfehlers sprachlich sehr gut wider: Es handelt sich um eine fehlerhafte Bestätigung, die sich auf kognitiver Ebene abspielt. Experten nehmen an, dass das Confirmation Bias in vielen Bereichen der Kognition auftritt:

  • Wahrnehmung
  • Erinnerung
  • Interpretation
  • Anwendung von Suchstrategien

Peter Wason und sein Confirmation Bias

Der erste Wissenschaftler, der sich mit der verzerrten Wahrnehmung durch das Confirmation Bias befasst hat, war Peter Wason. Er vertrat die Meinung, dass Menschen nur das wahrnehmen und interpretieren, was ihren Vorannahmen entspricht. Um seine These zu dem Bestätigungsfehler zu testen, entwickelte er verschiedene Gedankenexperimente.

Beispiel eines Gedankenexperiments nach Peter Wason

Das Ziel:
Das Experiment soll Wasons Theorie bestätigen: Menschen unterliegen einem Bestätigungsfehler.

Die Methode: 
Versuchspersonen sollen anhand einer Dreierfolge von Zahlen eine Regel erkennen, die auf jene drei Zahlen zutrifft.

Beispiel: 2–4–6 

Im nächsten Schritt sollen sie weitere Zahlenkombinationen angeben, auf die die Regel zutrifft. Daraufhin erhalten sie Feedback zur Korrektheit der Zahlenfolge. Die Versuchspersonen haben weitere Zahlensets gefunden, beispielsweise 8–10–12 und 20–30–40. Diese Zahlensets waren anhand der Regel korrekt.

Die Schlussfolgerung der Versuchspersonen: 
Die meisten Personen haben angegeben, dass die Regel lautete, gerade Zahlen mit aufsteigenden Werten zu finden.

Die tatsächliche Regel: 
Die Aufgabe war es, Zahlen mit aufsteigenden Werten zu finden. 

Das Resultat des Experiments:
Die Versuchspersonen haben übergeneralisiert. Das heißt, die geraden Zahlen haben sie dazu verleitet, eine zu eng gefasste Regel zu entwickeln. Aus dieser Vorannahme folgt, dass sie nur einen Bruchteil aller möglichen Kombinationen als passend erkannt haben.

Die Bedeutung für den Alltag:
Wasons Experiment hat gezeigt, dass Menschen nicht alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um ihre eigenen Hypothesen zu testen. Sobald sie eine funktionierende Lösung gefunden haben, geben sie sich mit dieser zufrieden und stellen sie nicht infrage. Das bedeutet, dass wir uns bei Entscheidungen schnell zu bestimmten Schlussfolgerungen hinreißen lassen beziehungsweise gewisse Überzeugungen formen und an diesen festhalten, auch wenn sie objektiv falsch sind.

Confirmation Bias im Alltag: Social Media

Ein gutes Beispiel dafür, wie sich das Confirmation Bias auswirken kann, bieten Social-Media-Kanäle. Die Algorithmen der sozialen Netzwerke erfassen jeden einzelnen Klick und verknüpfen die Suchanfragen miteinander. Die nachfolgenden Ergebnisse sind dem vorherigen Verhalten angepasst, sodass sich die eigene Meinung weiter und weiter bestärkt. So sehen die Nutzer vermehrt das, womit sie sich selbst wohlfühlen, etwa bestimmte Gruppen oder Themen. Die Folge: Der eigene Horizont des Denkens schmälert sich.

Bestätigungsfehler in Unternehmen

Im unternehmerischen Umfeld existieren ebenso Szenarien für das Confirmation Bias. Es gibt Situationen, in denen man den Eindruck hat, dass das Gegenüber das Gesagte überhaupt nicht aufnehmen möchte. Und tatsächlich kann dies auch so sein: Ist die Meinung von Interaktionspartnern bereits gefestigt, ist es schwer, sie von etwas anderem zu überzeugen.

Je mehr die Kunden eines Unternehmens durch eine vorab gefestigte Meinung geprägt sind, desto schwerer wird es einem Verkäufer fallen, diese vom eigenen Produkt zu überzeugen. Die Beeinflussung zeigt sich auch im allgemeinen Verhalten und in Gesprächen: Menschen sind eher dazu geneigt, bestätigende Aussagen wohlwollender aufzunehmen als kritisierende oder negierende. 

Wege aus der falschen Wahrnehmung

Eine relevante Frage ist, warum Menschen dem Confirmation Bias unterliegen. Es existieren Annahmen, dass mehrere psychologische Ursachen für das Phänomen verantwortlich sein könnten:

  • Flucht in ein bestätigendes Umfeld
  • Vermeidungsstrategie dafür, selbst im Unrecht zu sein
  • Vermeidung von Konflikten

Die Wahrnehmungsverzerrung durch das Confirmation Bias geht gegebenenfalls soweit, dass sie in einer Art von Selbstbetrug mündet. Wie schon das Experiment von Wason gezeigt hat, halten Menschen durch ihre verzerrte Wahrnehmung gern an falschen Meinungen fest.

Um die eigenen Gedanken zu entzerren und Bestätigungsfehlern zu entfliehen, eignen sich die folgenden Strategien:

  • Bewusstmachen einer möglichen gedanklichen Verzerrung
  • Betrachten anderer Möglichkeiten
  • Offenheit für andere Meinungen

Wie der eigenen Meinung vertrauen?

Die menschliche Wahrnehmung ist von dem geprägt, was wir wissen beziehungsweise erlebt haben, und unser kognitives System produziert dementsprechend angepasste Lösungsvorschläge. Insbesondere im Kontext der modernen Medienlandschaft besteht hier die Gefahr, dass sich unsere Wahrnehmung der Realität verzerrt, da wir nur noch zu sehen bekommen, was wir ohnehin wissen und sehen wollen.

Ein Ausweg ist, sich dieses Umstandes bewusst zu sein und sich zugleich neue Lösungen aufzuzeigen. Der Verstand ist trotz des Confirmation Bias flexibel und kann sich auf Neues einstellen, allerdings müssen wir dies aktiv zulassen. Sowohl im privaten als auch beruflichen Alltag empfiehlt es sich daher, einen Schritt zurückzugehen und die eigene Meinung stets zu überdenken.

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Ursprünglich veröffentlicht am 4. Oktober 2019, aktualisiert am Oktober 04 2019

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