Was wir alle bereits vermuteten, wird nun auch von entsprechenden Marktstudien bestätigt: Corona hat den Onlinehandel nochmals ordentlich gepuscht.

Deutlicher Sieger sind dabei Produkte des täglichen Bedarfes wie Lebensmittel, Tiernahrung, Medikamente und Drogerieprodukte (darunter auch das heiß umkämpfte Toilettenpapier).

Waren die Verbraucher beim Bestellen gerade dieser Produkte vor der Pandemie und dem Lockdown noch sehr zögerlich, haben die Bestellraten seit März dieses Jahres um rund 90 % zugenommen.

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Einstieg des konventionellen Einzelhandels in den E-Commerce-Bereich

Der generelle Trend vom stationären Handel hin zum Online-Shopping hat sich bereits in den letzten Jahren, sogar Jahrzehnten, deutlich gezeigt. Bisher war die Entwicklungskurve zwar steil, aber stetig und vorhersehbar.

Noch vor einem Jahr hat das Online-Magazin Handelsblatt.com über die Zukunft des Online-Shoppings geschrieben: „Nur der Lebensmittelhandel will von all dem nichts wissen.“ Nun wurde der Handel gezwungen, zu reagieren und in Rekordgeschwindigkeit aufzuholen. Diese Prognose aus dem Jahr 2019 war natürlich ohne Corona-Pandemie kalkuliert worden.

Die Pandemie wirkte wie ein Schleudersitz in die Zukunft. Sie war kein vorübergehender Stresstest, sondern vielmehr eine Blaupause für zukünftige Entwicklungen im E-Commerce.

Die Richtung hat sich dabei nicht verändert, es wurde lediglich die Vorspultaste gedrückt. Händler, die nun zu lange in der Schockstarre verweilen und nicht auf die plötzliche Veränderung im Kaufverhalten ihrer Kunden reagieren, werden womöglich auf der Strecke bleiben. Vor allem Unternehmen im konventionellen Einzelhandel müssen sich rasch an die neuen Bedingungen anpassen und mit neuen Geschäftskonzepten reagieren.

Die bedeutendste Waffe des stationären Handels gegen E-Commerce wurde durch die Pandemie unerwartet entschärft – der Freizeitaspekt. Covid-19 hat unseren Lebensstil nachhaltig verändert – wie wir reisen, wie wir feiern, wie wir einkaufen. Shopping ist keine Freizeitbeschäftigung und kein soziales Ereignis mehr, sondern hat sich auf das Wesentliche reduziert. Einkaufen ist nur noch Mittel zum Zweck, kein Erlebnis mehr.

Der Handel muss jetzt darauf reagieren. In Zukunft ist es vorstellbar, dass Konsumenten etwa mittels Virtual-Reality-Technologien die Geschäfte „betreten“ und das Einkaufserlebnis sicher von zu Hause aus erleben. Das scheint noch weit entferne Zukunftsmusik zu sein – was aber bereits passiert, sind die drei folgenden Trends.

Richtungsweiser des Onlinehandels: Diese 3 Riesentrends bestimmten die Zukunft des E-Commerce

Auch ohne Pandemie hat sich eines bereits deutlich abgezeichnet und ist heute brisanter denn je: Konsumenten fordern ein besseres Einkaufserlebnis im Internet.

Das Angebot wächst stetig und ist für viele nicht mehr zu durchblicken. Wenn das Angebot zu groß wird, müssen Anbieter, Händler und Plattformen dem Konsumenten bei der Suche und der Entscheidung zur Seite stehen. Um das zu erreichen, müssen die Onlinehändler ihren Kunden die jeweils passenden Produkte zum richtigen Zeitpunkt anbieten können.

Trend 1: Personalisierung der Onlinesuche

Unendliches Stöbern und Vergleichen beim Onlinekauf gehört bald der Vergangenheit an. Produkte werden individuell zum richtigen Zeitpunkt angeboten. Personalisiertes Marketing steht noch am Anfang, ist aber der Schlüssel für erfolgreiches Marketing der Zukunft.

Dazu müssen E-Shops und Plattformen nicht nur die Customer Journey jedes einzelnen Kunden kennen, sondern auch, wo auf diesem Weg er sich gerade befindet. Was wird gebraucht? Wonach wird gesucht? Was wird letztlich gekauft? Personalisiertes Einkaufen kennt die Antworten auf diese Fragen und kommt dem Verbraucher damit entgegen.

Digitale Einkaufsassistenten werden in Zukunft persönliche Informationen der Konsumenten dafür nutzen, um dem User zu einem personalisierten und angenehmeren Einkaufserlebnis zu verhelfen. Die Daten dazu stammen aus geteilten Informationen von sozialen Medien, Suchanfragen und vergangenen Einkäufen.

Die Personalisierung der Onlinesuche wird das Online-Shoppen in Zukunft erleichtern und das Einkaufserlebnis deutlich verbessern. Die dafür nötigen Informationen sind bereits vorhanden. Gerade bei Alltagsprodukten variieren Einkäufe meist nur wenig und Verbraucher werden dankbar sein, die richtigen Produkte vorgeschlagen zu bekommen und sich nicht jedes Mal aufs Neue durch das Riesenangebot schlagen zu müssen.

Was aus der personalisierten Werbung bereits bekannt ist, wird dem Konsumenten zukünftig auch im Shoppingbereich begegnen. Beispielsweise können mithilfe von topografischen Daten regional angepasste Produkte angeboten oder an umweltbewusste Personen vermehrt Lebensmittel aus biologischem Anbau vorgeschlagen werden – der Verbraucher wird das begrüßen.

Trend 2: Nachhaltiges Einkaufen

Die Suche nach dem „billigsten“ Produkt gehört schon längst der Vergangenheit an. Es ist eine deutliche Verschiebung der Ansprüche zu Nachhaltigkeit und Qualität zu erkennen. Der Wunsch nach verantwortungsbewusstem Einkaufen wird immer stärker, ist nicht mehr nur einigen still belächelten Greenpeace-Anhängern vorbehalten, sondern inzwischen zu einem Massenphänomen geworden. Dem Konsumenten wird langsam bewusst, dass wir nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügen, und setzt daher vermehrt auf Nachhaltigkeit.

Der Nachhaltigkeitsgedanke wird sowohl Gesellschaft als auch Wirtschaft nachhaltig verändern, denn vor allem für die jungen Konsumenten zwischen 18 und 25 Jahren ist bewusstes und nachhaltiges Einkaufen inzwischen sogar zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Ansprüche an Produkte, egal ob online oder stationär gekauft, haben sich verschoben, oder besser gesagt, erweitert.

Preisbewusst einkaufen steht noch im Vordergrund, aber Faktoren wie Qualität, Transportwege, Herstellungsprozesse und Nachhaltigkeit des Produktes fließen in die Kaufentscheidung mit ein, und Konsumenten sind deutlich öfter dazu bereit, für entsprechende Produkte mehr zu bezahlen. Um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, nehmen Verbraucher den Mehraufwand in Kauf, und für ein besseres Gewissen greifen sie gerne tiefer in die Taschen.

Nachhaltigkeit ist also ein überaus zu begrüßender Trend, der nach Meinung von Marktforschern nicht mehr verschwinden und den Handel, die Produktion und unsere gesamte Wirtschaft dauerhaft verändern wird.

Trend 3: Interaktives Einkaufen

Marktplätze und E-Commerce-Plattformen boomen: Ebay, die Mutter aller Verkaufsplattformen, hat zeitgleich mit dem Internet Einzug in deutsche Haushalte genommen. Was als Plattform für private Verkäufe begann, ist heute ein lukrativer Marktplatz für Onlinehändler geworden. Amazon Marketplace ist die derzeit größte Onlineplattform weltweit, mit einem Jahresumsatz von 160 Milliarden US-Dollar.

Die Beliebtheit von Marktplätzen wächst linear mit dem Angebot an Waren. Für Verbraucher und Händler liegen die Vorteile klar auf der Hand: Die einen schätzen es, viele Produkte von unterschiedlichen Anbietern auf einer einzigen Plattform zu finden, und profitieren von schnellen Produkt- und Preisvergleichen. Händler sind zwar einem direkten Vergleich mit anderen Anbietern ausgesetzt, erreichen zeitgleich aber eine viel breitere Masse und steigern ihre Absatzmöglichkeiten enorm.

Das Onlineangebot ist im steten Wachstum und hat inzwischen eine gewisse Unübersichtlichkeit für den Verbraucher erreicht. Konsumenten suchen nach einfachen und schnellen Wegen, das für sie passende Produkt zu finden, ohne ihre Zeit mit dem mühsamen Durchforsten unzähliger Webseiten zu vergeuden. Verkaufsplattformen kommen dem Wunsch nach effizientem Einkaufen entgegen und vereinen viele Anbieter mit unzähligen Produkten auf einer Seite.

Heute funktioniert Online-Shopping meist noch relativ umständlich, etwa nach folgendem Konzept: Auf Social Media gesehen – Testberichte gegoogelt – auf Amazon bestellt. Das wird sich in Zukunft ändern, da die modernen E-Commerce-Plattformen all das auf einer Plattform bieten. Der Verbraucher findet hier nicht nur Produktbeschreibungen und Bilder, sondern zugleich auch Kundenbewertungen, Kundenbilder und sogar Videos, und hat somit Preisvergleich, Bewertungen und Testergebnisse auf einer Seite.

Die Social-Media-Plattform Instagram hat sich etwa, für viele Nutzer beinahe unbemerkt, in den letzten Jahren zu einer sehr erfolgreichen E-Commerce-Plattform entwickelt: Mit der Einführung von Instagram Shopping ist der Sprung zu einer interaktiven Verkaufsplattform endgültig gelungen.

Mit dem integrierten Check-out-Prozess müssen die Nutzer die Plattform für Bestellungen nicht mehr verlassen. Nun ist es möglich, die Yogahose, die die Lieblings-Yoga-Influencerin beim heutigen Sonnengruß in Bali getragen hat, direkt mit dem Klick auf das Bild zu bestellen.

Instagram Shopping vereint Content, Productplacement und sehr wichtigen Social Proof in einem. Das System funktioniert. Und jetzt hat auch der Internetriese Google nachgelegt. Mit Shoploop bringt Google eine neue Form des Shoppings auf den Markt. Shoploop vereint alles auf einer einzigen Plattform und könnte in Zukunft eine bedeutende Rolle im Online-Shopping spielen. Die von den Kunden selbst eingestellten Produktvideos bieten nicht nur vertrauenswürdige Informationen über das Produkt, sondern zudem einen hohen Unterhaltungswert.

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Quelle: Shoploop

Dass Instagram als Verkaufsplattform so erfolgreich ist, ist richtungsweisend für das Kaufverhalten der nächsten Jahre: Einkäufe werden in Zukunft nur noch über verschiedene Applikationen am Smartphone getätigt werden. Egal ob die Yogahose oder der Einkauf beim Obst- und Gemüsehändler, Online-Shopping wird interaktiv und mobil.

Die Generation Y ist inzwischen zu einer kaufstarken Konsumentengruppe herangewachsen. Millennials, die mit dem Internet aufgewachsen sind, haben jegliche Arten der Produktwerbung miterlebt. Was bei ihren Eltern noch funktionierte, beeindruckt die „Generation Abgeklärt“ heute nicht mehr. Was heute die Kaufentscheidung beeinflusst, sind authentische Produktbewertungen, unabhängige Tests und Social Proof.

Im Online-Shopping der Zukunft wird sich vieles ändern. Es wird personalisiert, grün und interaktiv werden, mit starkem Entertainment-Charakter; es wird schneller, einfacher und unterhaltsamer. Und für Onlinehändler wird es vor allem eins: eine interessante Herausforderung.

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Titelbild: oatawa / Getty Images

Ursprünglich veröffentlicht am 28. Oktober 2020, aktualisiert am Oktober 28 2020

Themen:

E-Commerce