Affiliate Marketing verhilft Unternehmen zu einer größeren Reichweite und einer Backlink-Strategie. Nicht selten nutzen Affiliates die Partnerschaft jedoch aus, um durch betrügerische Maßnahmen höhere Provisionszahlungen zu generieren. Beim sogenannten Ad Hijacking wird dazu eine Anzeige kopiert und als die eigene ausgegeben. Wir zeigen Ihnen hier, wie Sie Ad Hijacking erkennen und sich vor dem Marketing-Missbrauch schützen können.

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Definition Ad Hijacking: Entführung von Werbeanzeigen

Unter dem Begriff Ad Hijacking (übersetzt: Anzeigen-Entführung) wird das Kopieren einer Werbeanzeige und Einbinden eines Links zur eigenen Webseite verstanden. Die Werbeanzeige gehört in der Regel einem erfolgreichen anderen Unternehmen.

Zum Hintergrund: Marken schalten keywordbasierte Suchmaschinenanzeigen, um Webseitenbesuche zu generieren. Sobald eine Marke zu einem bestimmten Keyword rankt, kopieren Nachahmerinnen und Nachahmer die Anzeige, ersetzen die Verlinkung jedoch mit der eigenen Webseite. Oftmals werden Kampagnen mit Brand-Keywords kopiert. Durch höhere Bietpreise wird die eigentliche Anzeige aus den Ergebnissen vertrieben. Ziel ist das Abgreifen von Traffic oder Gewinnen durch Provisionszahlungen.

Gerade im Affiliate Bereich wird Ad Hijacking betrieben. Die Hijacker locken Besucherinnen und Besucher durch die kopierte Anzeige auf ihre Landingpage. Diese leitet dann jedoch zur eigentlichen Unternehmenswebseite weiter. Wird ein Kauf getätigt, fällt für die ursprüngliche Marke eine Provision an, die der Hijacker kassiert. Rechtlich wird Ad Hijacking daher als Betrug eingestuft.

Negative Folgen von Ad Hijacking

Affiliates erzielen durch die Entführung von Werbeanzeigen schnelle Einnahmen. Durch die Platzierung in den Suchmaschinen-Ergebnissen wird eine hohe Reichweite generiert. Die Weiterleitung von der eigenen Webseite zur eigentlichen Verkaufsseite sorgt dafür, dass den Betrügerinnen und Betrügern Provisionen ausgezahlt werden.

Für die betroffenen Unternehmen hat Ad Hijacking jedoch unschöne Auswirkungen. Gerade, wenn Affiliates Ad Hijacking ausnutzen, um mehr Provisionszahlungen zu erhalten, entstehen große Einbußen. Zusätzlich kann Ad Hijacking das Image von Unternehmen schädigen – etwa, wenn die Hijacker auf unseriöse Inhalte weiterleiten.

Für den User oder die Userin ist erst einmal nicht ersichtlich, dass es sich um eine geklaute Anzeige handelt. Die Person klickt auf die Anzeige des ihr vertrauten Unternehmens und landet dann auf einer dubiosen Seite. Das Vertrauen in die eigentliche Marke sinkt und der Vorfall sorgt für Imageschäden.

Geklaute Ad Impressions: Marketing-Missbrauch erkennen

Ad Hijacking ist auf den ersten Blick nicht immer direkt zu erkennen. Auch deshalb stellt es im Affiliate-Marketing eine große Herausforderung dar. Hijacker haben ihr Vorgehen zunehmend professionalisiert, sodass die Hinweise oft nur für Expertinnen und Experten zu erkennen sind. Dennoch gibt es Anzeichen, die Marketerinnen und Marketer kennen sollten, um Ad Hijacking zu entlarven:

Geo-Targeting

Ad Hijacker schließen bei diesem Vorgehen mithilfe von Targeting die Region des Anzeigenschalters aus. Die Anzeigen werden so zwar ausgespielt, sind für das Unternehmen jedoch zunächst nicht erkenntlich. Ausgeschlossen werden oftmals die Städte, in denen Büros der Marke ansässig sind. Es können jedoch auch ganze Länder oder Bundesländer ausgeschlossen werden.

England-Trick

Genau wie das Geo-Targeting wird auch beim sogenannten England-Trick auf geografische Gebiete eingegrenzt. Einige Länder – wie beispielsweise England – gehen rechtlich nicht gegen Ad Hijacking vor, weshalb die Betrüger hier leichtes Spiel haben.

Tageszeiten und Wochentage

Dass sinkende Impressions ein Anzeichen für Ad Hijacking sein kann, wissen natürlich auch die Verbrecherinnen und Verbrecher. Deshalb werden die Userinnen und User nur noch in kleineren Mengen abgegriffen. Die Anzeigen werden dazu häufig nachts und am Wochenende, speziell sonntags, ausgespielt, da es den betroffenen Unternehmen zu dieser Zeit weniger schnell auffällt.

URL-Maskierung

Affiliates leiten von der Anzeige über eine eigene Seite und schließlich zur eigentlichen Webseite. Um zu verstecken, wer hinter dem Brand Bidding steckt, wird die URL maskiert. Hinter der kurzen URL befindet sich in diesem Fall eine zweite, längere URL.

Bots manipulieren Ad-Qualität

Die Ad Quality ist ein wichtiger Faktor dafür, ob eine Anzeige relevant ist und somit ausgespielt wird. Um diese zu manipulieren, rufen Bots die Suchanfrage gehäuft auf und klicken nicht auf die eigentliche Anzeige, um ihren Quality Score zu schmälern. Wird die kopierte Ad ausgespielt, klickt der Bot auf sie, damit sie weiter im Ranking steigt.

Falsch geschriebene Brand Keywords

Ad Hijacker legitimieren ihr Vorgehen durch Rechtschreibfehler im Brand Keyword. Das macht es häufig schwerer, Markenrechtsverletzungen nachzuweisen. Affiliates greifen mit diesem Trick jedoch den Traffic ab.

Yahoo, Baidu, Yandex, Bing und Co.

Obwohl Google unangefochten die Nummer eins im Suchmaschinenranking ist, gibt es eine Vielzahl weiterer Suchmaschinen. Gerade Affiliates erhoffen sich dadurch, nicht erwischt zu werden. Zudem ist es leichter auf ein Keyword zu ranken, da der Bietpreis bei diesen Suchmaschinen niedriger ist.

Steigende Affiliate-Ausgaben

Intern können Sie Ad Hijacking auch daran erkennen, dass ein Affiliate-Partner auf einmal viel größere Umsätze macht. Seien Sie hier jedoch vorsichtig, bevor Sie fälschlicherweise einen Partner beschuldigen.

Wie Sie sich vor Ad Hijacking schützen

Ad Hijacking birgt ein hohes Risiko, da es unterdessen eine Vielzahl von Tools – wie Adpolice und Xamine – gibt, die den Betrug aufdecken. Hijacker kombinieren jedoch oftmals mehrere der oben genannten Techniken, wodurch die Betrügerei schwieriger entlarvt werden kann. Affiliate-Manager und -Managerinnen haben es schwer nachzuvollziehen, ob sie von Ad Hijacking betroffen sind oder nicht.

Um sich davor zu schützen, können Unternehmen auf Beratungsservices durch Agenturen und hochspezialisierte Software zurückgreifen. Möchten Sie die Überwachung nicht eigenständig ausführen, bieten entsprechende Firmen die volle Kontrolle von Ad Hijacking an.

Darüber hinaus sind folgende Tipps hilfreich, um dem Betrug vorzubeugen:

1. Prüfen Sie Ihre Affiliate-Verträge

Nehmen Sie in Ihre Affiliate-Verträge Vertragsstrafen mit auf für den Fall, dass Affiliates Markenbegriffe verwenden. Dieses Vorgehen fällt unter die Markenrechtsverletzung und ist rechtlich verboten. Da hierbei jedoch im Einzelfall entschieden wird, sollten Sie sich unbedingt juristischen Rat einholen.

2. Dokumentieren Sie die Betrüge

Ad Hijacking wird rechtlich nicht genau definiert und muss deshalb ausreichend belegt werden. Sammeln Sie daher genügend Beweise, um den Betrug belegen zu können. Die entsprechenden Anzeigen, IP-Adressen und weitere Informationen der Hijacker bekräftigen einen etwaigen Vorwurf.

3. Abmahnungen und Anzeigen durchsetzen

Fällt Ihnen eine Markenrechtsverletzung durch Ad Hijacking auf, leiten Sie unverzüglich rechtliche Schritte ein. Google selbst bietet Advertisern die Möglichkeit, Abmahnungen mit juristischer Hilfe zu verhängen. Halten Sie die Vergehen außerdem fest, um die Dokumentation für ein künftiges Verfahren zu nutzen.

4. Impressions überwachen

Überprüfen Sie stets Ihre Impressions, denn wenn diese sinken oder ausbleiben, kann das ein Hinweis für Ad Hijacking sein. Kontrollieren Sie daher stets Ihre Kampagnen und Keywords. Tauchen in Ihren Reportings große negative Ausschläge auf, sollten Sie dem nachgehen.

Fazit: Technische Überwachung schützt vor Betrug

Ad Hijacking wird von Affiliates eingesetzt, um den Traffic einer Suchmaschinenanzeige abzugreifen und dadurch hohe Umsätze zu generieren. Nachdem Userinnen und User die Affiliate-Seite angeklickt haben, werden sie auf die eigentliche Webseite weitergeleitet. Für betroffene Unternehmen entstehen Imageschäden und hohe Ausgaben. Mithilfe von Tools, die Ad Hijacking Techniken entlarven, schützen Sie sich vor dem Missbrauch.

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Titelbild: SIphotography / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 29. Oktober 2021, aktualisiert am Oktober 29 2021

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