„Für unseren Blog bleibt einfach keine Zeit…“ Den Spruch kennen Agentur-Inhaber. Dass der Schuster nunmal die schlechtesten Schuhe hat, ist für Agentur-Chef Markus Hövener aber ein Gerücht. Sein Rat: „mach es“.

Die Online-Marketer von Bloofusion veröffentlichen nicht nur den Agentur-Blog Internetkapitäne, sondern regelmäßig neue Webinare, einen Podcast und verdienen mit ihrem Magazin suchradar inzwischen Geld. Im Interview erzählt Markus, warum Content- Marketing für die eigene Agentur Pflicht ist – und gibt Einblicke und Tipps für gelungenes Eigenmarketing.

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Was sind für Dich die größten Probleme und Herausforderungen beim Eigenmarketing? 

Es klingt banal, aber Zeit ist die größte Herausforderung. Wir haben alle ein laufendes Tagesgeschäft zu bedienen, das auch nicht immer optimal planbar ist. Sich dann die Zeit zu nehmen, um in Ruhe einen Artikel zu schreiben, ist natürlich nicht immer einfach. Ich persönlich löse es für mich so, dass es bestimmte Zeiten gibt, in denen ich meine Artikel schreibe und nichts anderes mache.

Außerdem merken wir natürlich auch, dass die Zeiten nicht einfacher werden. Es gibt immer mehr Agenturen und Personen, die ‘senden’. Und gleichzeitig gibt es meiner Meinung nach einen „Information-Overload“, der dazu führt, dass man mit dem Standard gar nicht mehr zu relevanten Personen durchdringt. Man muss also dranbleiben und sich überlegen, wie man das Produkt anpasst, um trotzdem noch durchzudringen. 

Was sind die konkreten Ziele vom suchradar und den Internetkapitänen?

Mit dem Blog wollen wir natürlich unsere Marke stärken und Neukunden gewinnen. Beim suchradar ist das anders, weil wir damit ja auch direkte Einnahmen generieren – und das in nicht unerheblicher Höhe. Da geht es also vor allem darum, ein gutes, journalistisches Produkt zu liefern, das langfristig erfolgreich ist. 

Welche Rolle spielt suchradar, welche der Blog? Was läuft auf suchradar, was auf Internetkapitäne?

Wir trennen das relativ scharf: Im Blog liefern wir typischerweise aktuelle Beiträge (also SEO- und SEM-Neuerungen), während wir das suchradar eher für „zeitlose“ Themen nutzen.

Beide Kanäle spielen eine wichtige Rolle. Der Vorteil des Blogs liegt eindeutig im Rückkanal: Man sieht einfach, wie viele Personen einen bestimmten Beitrag teilen oder kommentieren. Beim suchradar gibt es eigentlich kaum artikelbezogenes Feedback, was dann als Autor manchmal etwas weniger motivierend ist.

War suchradar zuerst nur fürs Eigenmarketing gedacht? Wenn ja, wie hat sich das entwickelt?

Ja, das suchradar war immer fürs Eigenmarketing gedacht. Ich habe damals ein Magazin in den USA gesehen und gedacht: So etwas müssten wir in Deutschland eigentlich auch machen. Wir haben uns dann entschieden, das Magazin ein Jahr lang zu produzieren und dann die Ergebnisse zu prüfen. Naja, die Ergebnisse waren mehr als zufriedenstellend, so dass wir seitdem sechs Ausgaben pro Jahr produzieren.

Seitdem haben sich die Leserzahlen immer gut weiterentwickelt. Aber auch das Thema Vermarktung haben wir sehr gut vorangetrieben, um den hohen Aufwand auch refinanzieren zu können.

Wie stemmt Ihr die Content-Produktion für das suchradar in der Praxis? Planung, Autoren, Redaktion… Und wie viel Aufwand steckt da monatlich drin?

Der zeitliche Aufwand wird erfasst, aber das möchte ich nicht offenlegen. Wir versuchen, den Aufwand intern immer auf möglichst viele Personen zu verteilen. Das Agenturgeschäft verlangt ja auch noch Zeit und verschiedene Mitarbeiter können unterschiedliche Themen und Aspekte beisteuern. 

Relativ viele suchradar-Artikel werden ja auch extern zugeliefert. Da besteht unser Aufwand dann eher in der Themenabsprache und der grundsätzlichen Überprüfung der Artikel. Das Lektorat und vor allem das Layout haben wir an Dienstleister ausgelagert, so dass der Aufwand eigentlich eher in der Steuerung und Überprüfung liegt. 

Derzeit bin ich wohl der Mitarbeiter, der die meisten Artikel schreibt – meistens so drei bis fünf pro Ausgabe. Zum Glück kann ich aber effizient schreiben, so dass das kein Problem ist. Die meisten Mitarbeiter liefern einen Artikel pro Ausgabe, was über einen Zeitraum von zwei Monaten absolut machbar ist. 

Was macht Ihr sonst noch fürs Eigenmarketing? Was ist geplant?

Wir veranstalten sehr erfolgreich Webinare. Zwölf im Jahr gehen von Bloofusion aus, vier finden unter dem suchradar-Mantel statt. Unsere Maxime ist: Ich kann auf einer Konferenz einen Vortrag halten, bin mindestens einen Tag unterwegs und spreche vor vielleicht 100 Leuten. Oder ich halte ein Webinar vor 500 Personen und muss mein Büro dafür nicht verlassen. Ganz so einfach ist der Vergleich in der Praxis natürlich nicht, weil es ja nicht nur um die reine Anzahl an Zuhörern geht. Aber trotzdem sind die Webinare ein hervorragendes Medium, um Themen zu besetzen und Kompetenzen zu transportieren.

Ansonsten haben wir auch einen recht erfolgreichen YouTube-Kanal (BloofusionTV) und seit kurzem auch einen Podcast (Search Camp). Und wir veröffentlichen zahlreiche Dokumente – bei uns Advisories genannt – und auch Fallstudien. 

Aber auch Vorträge auf Konferenzen sind natürlich wichtig für uns – vor allem auf den Top-Konferenzen wie der SMX. Und schlussendlich schreiben wir auch manchmal – vielleicht noch etwas zu selten – für andere Medien (zum Beispiel für das eStrategy Magazin oder shopanbieter to go). 

„Mach etwas, was andere nicht machen. Oder mach’s besser.“

Was würdest Du Marketern empfehlen, die selber mehr Eigenmarketing machen wollen? Was funktioniert bei Euch am besten?

Ach, der simple Rat ist: mach es. Ich weiß, dass Zeit ein limitierender Faktor ist. Aber wenn ich mir anschaue, wie viel Geld wir in Werbung stecken müssten, um dieselbe Reichweite zu generieren, gibt es einfach keine Alternative. 

Am besten funktioniert hat übrigens ein Booklet, das wir vor ungefähr 10 Jahren veröffentlicht haben. Es hieß „Suchmaschinenmarketing für Entscheider“. Damals waren wir mit die Ersten, die so etwas publiziert haben. Wir haben damals über das Booklet einen für uns extrem wichtigen und lukrativen Kunden gewonnen. Der wichtigste Tipp ist also: Mach etwas, was andere nicht machen. Oder mach’s besser.

Gibt es im Eigenmarketing Maßnahmen oder Techniken, die Ihr niemals im Marketing für Eure Kunden einsetzen würdet und umgekehrt?

Grundsätzlich gilt: Ich würde zumindest so ziemlich alles ausprobieren. Grundsätzlich sind wir aber nicht sales-lastig. Das, was wir liefern, hat immer einen echten Mehrwert. Es darf nie so sein, dass wir nur ein Häppchen rauswerfen, nach dem Motto: „Wenn Du’s wirklich wissen willst, musst Du dafür erstmal unser Kunde werden.“ So funktioniert Eigenmarketing meiner Meinung nach einfach nicht. 

Ich sehe im Eigen- und Fremdmarketing auch keinen großen Unterschied. Wir haben zum Glück nur Kunden, die das Thema ähnlich wie wir sehen, wo es also nicht um potenzielle Gesetzesverstöße oder halbseidene Geschichten geht.

Der große Vorteil beim Eigenmarketing liegt aber in den kurzen Wegen: Man muss einfach wenig abstimmen. Das macht’s einfacher. Beim Marketing für unsere Kunden sind die Wege natürlich deutlich weiter, vor allem bei größeren Kunden.

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Ursprünglich veröffentlicht am 19. April 2016, aktualisiert am Dezember 04 2017

Themen:

Marketing für Agenturen