Sie wollen ein Blogprojekt starten und sind auf der Suche nach einem geeigneten Freelancer für die Produktion des Contents? E-Commerce Gründerin Marie, Heiztechnik-Junior-Marketer Christian und Uwe, Marketing-Leiter eines mittelständischen Weltmarktführers, stehen vor der gleichen Herausforderung. Hier ihre Stories. Möglicherweise können Sie sich von den Dreien was abschauen und ihre Fehler vermeiden. #TLTR

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flealove, Wohnen 3.0 und Walzenwirkt suchen Freelancer

Marie ist Gründerin eines Online-Shops für gepimpte Marken-Mode-Flohmarkt-Fundstücke. Und es läuft. Aber es könnte besser laufen. Also startet Marie den Modeblog “flealove”. flealove soll ein bildgewaltiges Flohmarkt-Modemagazin werden. Es geht um Flohmärkte, DIY-Mode-Experimente und Lifestyle. Marie merkt schnell, dass Ihre Bloggerinnen-Ambitionen groß, ihr Zeitkapazitäten aber knapp sind. Ein Freelancer, oder besser eine Freelancerin, muss her, der Marie ihr Blog-Baby anvertrauen kann.

Christian ist im Marketing eines Anbieters von Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik. Von seinem Chef hat Christian das intern ungeliebte Blogprojekt - und ein mittelprächtiges Budget - an die Hand bekommen. Der “Wohnen 3.0 Blog”, so der vorläufige Arbeitstitel, soll mit publikumswirksamen Schöner-Besser-Umweltschonender-Wohnen-Themen googelnde Zielgruppen an die Produktpalette des Unternehmens heranführen. Christian soll das Projekt stemmen, ohne interne Manpower zu binden - und muss sich wohl auf die Suche nach Externen machen. 

Der deutsche Weltmarktführer für unglaublich spezielle Walzwerkkomponenten startet den Walzenwirkt-Blog. Das hat die Agentur vorgeschlagen (“Das ist eine Nische, da können wir online zum Thought-Leader werden”) und prototypisch aufgesetzt - und jetzt steht Uwe, die wenig webaffine Ein-Mann-Marketing-Abteilung des Unternehmens, vor der Herausforderung, Inhalte zu beschaffen. Nach einem Rundgang durch die Produktion war klar, dass die, die wissen, wie es geht, nicht wissen, wie und warum sie ihr Wissen auf dem Blog teilen sollen. Schließlich muss auch Uwe sich nach einem Freien umsehen.

Skillskizzen zeichen

Marie ist klar, dass Sie jemanden sucht, der “so tickt” wie sie selbst. Am liebsten würde sie sich klonen. D. h.: Weiblich, Textil-Fetischistin und Twitterista, urban Lifestyle und Instagram im Blut sucht … eben dies! Leidenschaft zählt mehr als Orthografie; viele, private Fans und Follower stechen “schreibt für Spon und Zon”; Bilder bedeuten mehr als tausend Worte. Ihr Herzblutprojekt soll ebenso ihrer Freelance-Partnerin ans Herz wachsen. Da braucht`s auch kein horrendes Honorar. 600,00 Euro im Monat. Mehr geht nicht. Und der Stundensatz? Leidenschaft schreibt keine Stundenzettel.

Kommen wir zu Christian. Für ihn ist der “Wohnen 3.0 Blog” (so immer noch der vorläufige Arbeitstitel) eher ein Hass- als ein Herzblutprojekt. Marketing-Chefe kam mit der Idee von einer SEO-Unkonferenz zurück und hatte diese “Investition in die Zukunft” gegen viele Wiederstände durchgeboxt - und Christian aufs blaue Auge gedrückt. Der hatte schnell geschaltet und erst mal eine renommierte SEO-Agentur beauftragt, die ihm für mehr als die Hälfte des Budgets 30 Seiten Tech-Kauderwelsch, eine priorisierte Keywordliste sowie Guidelines fürs Texten geliefert hat. Toll, damit wäre die Anforderungen an den Blog-Autoren ja klar. Oder? Moment mal! Der muss ja nicht nur die SEO-Vorgaben umsetzen können, sondern sollte auch noch ein bisschen was von Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik verstehen, die Produktpalette des Unternehmens kennen und am besten auch die Vorteile gegenüber den Konkurrenten. Das Ganze aber bitte in geschmeidige Schöner-Wohnen-Worte verpacken. Puh! Und das bei 25.000 Euro Budget für jährlich angepeilte 200 Artikel, das macht 125,00 Euro pro Beitrag. Viel? Wenig? Keine Ahnung!

Uwe versteht die Welt nicht mehr. Jahrelang durfte - außer ein paar wortarmen Hochglanzanzeigen für Fachzeitschriften - nichts nach außen dringen. Und auf einmal will man via Blog die Beratung ins Netz holen - und Entscheider und Experten aus China, Russland oder Australien online mit technischen Insights überzeugen. Schmarrn! Und er kann verstehen, dass die Ingenieure, Schweißer und Fräser unten in der Produktion genauso denken. Aber was muss, das muss. Und er muss jetzt jemanden finden, der von der ganzen technischen Seite Ahnung hat und auch noch schreiben kann. Und am besten, der könnte seine Beiträge auch noch in dieses Backend einpflegen, denn da hat Uwe keine Ahnung von. 10.000 Euro zum Ausprobieren sind auf dem Konto. Dafür muss sich doch jemand finden lassen, der ab und an mal einen anspruchsvollen Blogbeitrag schreibt. Am besten auf Deutsch und Englisch. Aber das kann man ja zur Not übersetzen lassen.

Suchen, wo man findet

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Die Anforderungen stehen. Wo jetzt also den perfekten Match finden? Marie trinkt erst mal einen Latte im Coworking-Space-Cafe und denkt nach (nicht die schlechteste Idee!). Sie selbst war doch auch mal auf Jobsuche. Wo hat sie gesucht? Ihren vorherigen Job hatte sie doch in dieser Facebook-Start-Up-Job-Gruppe gefunden. Das lief dann damals über irgendwelche Ecken, weil ein Bekannter da CTO war, aber hat ja funktioniert. Und überhaupt: Warum hat man sich denn in mühevoller Kleinstkommunikation so ein Riesen-Netzwerk aufgebaut? Also Social - zeig, was du kannst! Die Milch steht noch wie eine Eins in der Tasse und der Tweet schon auf dem Smartphone-Display: #Fashionistas, Bock auf Modebloggen und Geld verdienen? Mail me! #LoveWhatYouDo

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Christian googelt nach Stellenbörsen, Plattformen und Portalen, wo sich Freelancer rumtreiben. Findet vieles. Alles einerlei. Entscheidung später. Erst mal muss eine Stellenanzeige her. Da gibt es doch sicher Vorlagen aus der Personalabteilung? Gibt es. Die stammen allerdings aus Zeitungszeiten und sind leider nicht so einfach auf die Formulare der Online-Börsen übertragbar. Also muss Christian selbst ran. Schon bei der Überschrift, die die Jobbeschreibung beinhalten soll, gerät er ins stocken. Sucht er einen Blogger? Einen Texter? Einen SEO-Texter? Einen Online-Redakteur? Einen Autor? Vielleicht sogar einen Journalisten? Oder einen Fachjournalisten? Wäre der Freelancer jetzt schon da, könnte der gleich die Stellenanzeige schreiben. Die Katze beißt sich in den Schwanz; Christian umgeht die Entscheidung gekonnt und schreibt “Freelancer für Blogprojekt gesucht”. Er kopiert seine Anforderungsliste und eine kleine Projektbeschreibung in ein Formularfeld, ebenso das Firmenprofil aus der Vorlage und schaltet seine Stellenanzeige einfach mal testweise live. Mal sehen, was passiert.

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Uwe geht erst mal in die Kantine. Heute gibt`s Currywurst. Vor ihm in der Schlange: Heike, die Leiterin der Personalabteilung. Mit der kann Uwe gut. Das trifft sich! Heike, dich schickt der Himmel … Heike versteht - und verzweifelt. Ingenieure? Kein Problem. Aber Ingenieure, die sowas wie einen Blog schreiben wollen und können und als Freelancer unterwegs sind. Warte Uwe! Doch …    

The good, the bad and the ugly

Es socialt bei Marie. Retweet after Retweet - im Sekundentakt. Ich, ich, ich - die Modemädchen twittern und hashtaggen um die Wette. Ist hier noch frei? (Mann mit Vollbart, hässlich aber Charisma, Lack-Creepers, schwarzer Sarong, oben overzised, John-Lennon-Brille, Mate) Aber klar! Smalltalk. Was machst du so? Was machst du so? Otis ist vor allem eines: Auf der Suche! Geld ist ihm nicht soo wichtig. #LoveWhatYouDo hat er ganz groß auf dem Unterarm tätowiert. Handshake. Wenn wir es nicht ausprobieren, finden wir nie heraus, ob es passt. Wer nicht wann wenn wir! Latte küsst Mate. Auf #flealove!

Montagmorgen. Christian öffnet sein Postfach. 127 unbeantwortete Mails im Posteingang. Eine von seinem Chef, wie es denn mit “Wohnen 3.0 Blog” vorangehe - und ob er beim Jour fixe am Mittwoch erste Zwischenergebnisse präsentieren könne. Sowie: 126 Mails mit dem Betreff “Re: Freelancer für Blogprojekt gesucht”. Uff! Christian öffnet gedankenverloren die erste E-Mail: Jonas, 3 Semester Germanistik und Politik, findet das Projekt ganz spannend, ist vor allem in Rechtschreibung fit, im Anhang: eine fertige Kurzgeschichte und eine fragmentarische Erzählung; will sich zum gesetzlichen Mindestlohn in die Sache reinarbeiten. Ähm! Nächste Mail: Tobias, Werbetexter, war in diversen Agenturen in Hamburg und Berlin, sein Portfolio anbei zieren bekannte Fernsehspots und Hörfunkwerbung, er hat Kampagnen für mehrere große Automobilhersteller verantwortet und irgendwelche Tiere gewonnen. Auch er findet das Projekt ganz spannend und höchst innovativ - und ist deshalb buchbar für einen Stundensatz von gerade mal knapp über 100,00 Euro. Aber schnell, die Kunden stehen Schlange. Ähm! 25 Ähms und einen halben Tag später wird Christian aufmerksam: Tim, freier Junior-Texter, hat technische Redaktion studiert, beliefert diverse Blogs mit Texten, hat Erfahrung in der Werbung gesammelt, schreibt einen eigenen Blog zur digitalen Transformation, traut sich die Sache zu. Stundensatz 60,00 Euro. Christian greift zum Telefon …    

Auf Heike war Verlass. Ihr ist eingefallen, dass ein ehemaliger Mitarbeiter nach seiner Kündigung und einer Weltreise in London hängengeblieben ist und und jetzt irgendwie in Schreiben macht. Das war ihr hängengeblieben. Und richtig, ein kurzer Check bei LinkedIn bestätigte, dass Herr Holm jetzt in London lebt und als Freelance Technical Writer arbeitet. Die Kontaktdaten gab’s obendrauf. Uwe sollte sich bei LinkedIn anmelden, Heike würde die beiden einander vorstellen, Uwe gibt ein Tiramisu zum Nachtisch aus.

Verhandlungssachen

Details der Zusammenarbeit? Vertrag? Verschoben! Marie und Otis steigen am Wochenende gemeinsam in den Zug von Köln nach Brüssel, um am Place du Jeu de Balle nach textilen Schätzen zu fahnden (Marie) und für einen ersten großen Blogbeitrag zu recherchieren und knipsen (Otis). Schon im Thalys merken die beiden, dass der Flow stimmt. Otis befüllt Instagram mit Selfies und stellt sich der Community vor, Marie nimmt ihre Follower via Twitter mit auf die Reise. Vor Ort trennen Sie sich. Marie wühlt. Otis knippst Details und Totalen, parliert weltgewandt mit den Verkäufern, nimmt Gesprächsfetzen mit dem iPhone auf, notiert Eindrücke auf dem iPad. Zurück in Köln steht die Story: Viele, viele Fotos garniert mit mittellangen Textpassagen in dieser Otis-Sprache (er schreibt wie er spricht, irgendwie schräg, aber charmant). Passt, findet Marie - und auch die Community ist begeistert. Zurück im Büro ist der Beitrag via Social Media steil gegangen. Dutzende erste Anfragen für das Blümchen-Kleid (das Marie nur einmal kurz vor die Kamera gehalten hatte) kommen via E-Mail, obwohl es noch nicht mal “offiziell” im Shop ist. Otis - ein Glücksgriff. Marie bietet Otis spontan die vollen 600,00 Euro als monatliches Budget für 3 Flohmarkt-Ausflüge (wenn’s mal nicht passt, ist auch nicht schlimm) - und legt noch eine kleine Gewinn-Beteiligung obendrauf. Deal! Noch bis spät in die Nacht brüten die beiden über einer Vertragsvorlage, stoßen aber schließlich einfach mit Kölsch auf einen erfolgreichen Tag und die Zusammenarbeit an. Der Vertrag wird am Abend zum Konzeptpapier für die nächsten Artikel.

Christian und Tim haben erste Details telefonisch geklärt. Christian hat Tim an die 25 Produktbroschüren als PDF zugesandt und einen Überblick über die wichtigsten Konkurrenten sowie eine Positionierung des Unternehmens zusammengestellt. Tim hat im Anschluss passende Referenzen via E-Mail und einen ersten Probetext gesendet - beides hat Christian und auch die SEO-Agentur überzeugt. Als Tim zum Termin in Christians Büro erscheint, ist der sich sicher, dass man sich schnell einig werden sollte. Tim scheint der richtige! Der hat aber noch einige Fragen: Wie wird der Aufwand für die Einarbeitungszeit und den Probetext abgerechnet? Mit den 125,00 pro Beitrag komme ich hin (Mengenrabatt) - aber nur, wenn Sie mir die 200 Artikel vertraglich zusichern - ist das möglich? Bildrecherche, Einpflegen der Artikel, SEO-Snippets usw. kann ich zu dem Preis allerdings nicht übernehmen! Korrekturrunden müssten zu meinem normalen Stundensatz a 60,00 Euro abgerechnet werden. Außerdem brauche er einen festen Ansprechpartner falls es Fragen zu Produkten, Konkurrenten etc. gebe. Das sei nicht verhandelbar. Ähm. Damit hatte Christian nicht gerechnet. Aber ok - er kann Tim verstehen, hat ein gutes Gefühl mit ihm - und vor allem hat er keine Lust, sich weiter mit dem ganzen Bewerbungsprozess zu beschäftigen. Also shiftet er ein bisschen Budget aus einem anderen Projekt um - und willigt schließlich in die Zusammenarbeit ein. Immerhin kann er jetzt planen - und muss nicht bei jedem Artikel um Viertelstunden verhandeln.

Uwe und Herr Holm treffen sich im Google Hangout. Einmal ist immer das erste Mal. Uwe erklärt Herrn Holm, dass man sich mit dem Blog ins Neuland vorwagen - und die Innovationen des Unternehmens in Blogbeiträgen tiefergehend beleuchten wolle. Herr Holm erklärt, dass er dafür genau der Richtige sei - da er die Produkte des Unternehmens aus seiner Arbeit ja noch ganz gut kenne und dass es ja sein Job sei, sich in Neues einzufinden. Er könne die Beiträge auch gleich auf Englisch und Deutsch liefern; Referenzen im Blogbereich habe er noch nicht, aber er könne Fachartikel, veröffentlicht in renommierten Zeitschriften, vorlegen. Als Stundensatz schweben Herrn Holm 95,00 Euro vor; er orientiere sich damit an den Honorarempfehlungen des Fachjournalisten-Verbandes. Uwe kommt der Satz zwar ziemlich hoch vor, aber wenn der Verband das schreibt … Also vereinbaren Uwe und Herr Holm einen erste Probedurchlauf, der auf Stundenbasis bezahlt wird, um sich dann eventuell auf ein festes Budget pro Artikel zu einigen. Uwe hatte sich überlegt, dass man ein altes Fallbeispiel aufbereiten könne, bei dem ein Kunde aus Russland den Umsatz über 5 Jahre um gut 6 % steigern konnte. Es gäbe da alte Dokumentationen und Präsentationen, einen 45-minütigen Doku-Film von einem russischen Fernsehsender, einige Info-Sheets und auch eine Broschüre, die damals von einer Design-Agentur gemacht worden sei. Uwe solle am besten alles rüberschicken, Herr Holm will sich alles anschauen und sich wieder melden …

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

They dance to the beat of the same drum! Es läuft einfach gut zwischen Marie und Otis. Der trifft mit seinen profilgebenden Texten und vor allem mit seinen Fotos den Nerv der Zielgruppe. Die danken es mit Involvement via Social Media und Umsätzen im Online Shop. Otis Rechtschreibefehler und seine experimentelle Zeichensetzung wurden zum Running Gag in der Community und sorgten für mehr Buzz als so manche durchgeplante Social Media-Kampagne, weshalb Marie dem freien Lauf ließ. Über Geld oder geleistete Stunden wird nie mehr gesprochen; es funktioniert einfach. Die Zusammenarbeit mit Otis erfolgt auf Augenhöhe und abseits von Formalitäten, steifen Briefings und Verträgen. Doch dann - dann ist Otis weg. Der folgt Hals über Kopf dem Ruf einer Pariser Agentur, macht den gleichen Social Media-Spaß jetzt für ein hippes neues Modelabel und für das doppelte wenige. Dumm für Marie: Für Sie geht die Suche wieder von vorne los. Am besten sucht sie jetzt keinen Blogger, sondern einen Fotografen überlegt sie … 

Tim arbeitet gewissenhaft und routiniert seine Artikel ab. Teilweise landen schon vor der im Themenplan festgesetzten Deadline die Artikel in Christians Posteingang. Fragen klärt Tim direkt mit einem Produktmanager, seinem festen Ansprechpartner. Korrekturen waren bisher nicht nötig. Christian fand die Artikel immer richtig gut, das hätte er selbst nie so hinbekommen. Und negative Kommentare im Blog gab es auch noch nie (nun gut, leider auch keine positiven). Nur Christian, der rotiert: Dass der Blog so viel Arbeit ist, damit hätte er nicht gerechnet. Zwar bekommt er alle Artikel geliefert, doch um das Einpflegen in das verdammte CMS, die Verschlagwortung, die ganzen Meta-Texte, die Bildersuche usw. muss er sich selbst kümmern. Und dann kommt Christians Chef auch noch auf die Idee, dass man doch mal eine Facebook-Seite und ein Twitter-Profil einrichten solle, damit man die Beiträge da teilen könne … Irgendwann abends, spät in den Überstunden, schreibt Christian Tim eine verzweifelte Mail, ob der nicht das gesamte Management des Blogs übernehmen könne. Könne er, antwortet Tim umgehend, aber dann müsse nachverhandelt werden. Das könne dann nicht mehr auf Artikelbasis bezahlt, sondern müsse nach Stunden abgerechnet werden. Man vereinbarte einen Termin zum Telefonat …

Uwe hatte Herrn Holm den ganzen - über 200 MB schweren Input - zukommen lassen - was gar nicht so leicht war, denn via E-Mail war das nicht zu machen. Etwa zwei Stunden später meldet sich Herr Holm im Hangout und in blanker Verzweiflung. Er werde nicht schlau aus den ganzen Materialien. Ein Großteil sei auf russisch und für ihn nicht zu verstehen. Die Broschüre der Design-Agentur sei sehr oberflächlich und enthalte haufenweise inhaltliche Fehler. Der Rest sei allenfalls eine Grundlage für die Recherche, am besten würde er aber ein Interview mit dem Projektleiter von damals führen. Und so managt Uwe schließlich, dass der Projektleiter und Herr Holm irgendwann nach dem offiziellen Feierabend ein Gespräch im Hangout führen konnten. Uwe sitzt als Nicht-Ingenieur daneben und versteht kein Wort. Für Herrn Holm ist das Gespräch allerdings extrem hilfreich, sodass der jetzt endlich loslegen kann. Er und der Projektleiter sind sich einig, dass es das Beste wäre, die Fülle an Zahlen zum besseren Verständnis zu visualisieren; er habe einen Grafiker an der Hand, mit dem er bei solchen Sachen schon öfter erfolgreich zusammengearbeitet habe. Das Ende vom Lied: Für den ersten Artikel (auf deutsch, englisch und inkl. Infografiken) stellt Herr Holm knapp 3800,00 Euro in Rechnung. In den ersten Tagen wird der Beitrag etwa 50 Mal gelesen, wobei Uwe selbst mindestens 30 Mal den für ihn unverständlichen Artikel durchgescrollt - und sich jedes Mal fragt, ob diese Blog-Projekt wirklich so sinnig ist. Dann der Anruf eines potentiellen Kunden aus England: Man habe den aktuellen Blogbeitrag gelesen und das Produkt sei möglicherweise interessant …

Und was sind Ihre Erfahrungen?

Einen geeigneten Freelancer für ein Blogprojekt zu finden - und falls es passt auch langfristig zu binden, ist oftmals gar nicht so einfach. Pauschale Tipps scheinen immer an der Wirklichkeit vorbeizugehen. Denn viele Fragen sind zu klären - und je nach Kontext sind andere Antworten sinnvoll.

  • Wie sieht das Anforderungsprofil an einen Freelancer aus?
  • Was ist, wenn sich Anforderungen im Laufe eines Projekts ändern?
  • Sucht man via Stellenanzeige in einer Online-Stellenbörse? Oder klappert man erst mal sein persönliches Netzwerk ab? Wer schreibt die Stellenanzeige? Und wer die Absagen? Baut man eine Datenbank mit Freelancern auf, die für andere Projekte passen könnten?
  • Welche Stundensätze sind für beide Seiten machbar? Wird überhaupt nach Stunden abgerechnet? Auf Artikelbasis? Oder via monatlicher Pauschale?
  • Werden Probeaufträge und Korrekturrunden bezahlt?
  • Ist der Freelancer nur für die Content-Produktion verantwortlich? Oder darüber hinaus für die Vermarktung? Womöglich über seine privaten Kanäle? Wird das zusätzlich bezahlt? Und wie?
  • Welche Prozesse sind notwendig? Wie wird das Briefing organisiert? Wie viel Zeit für Recherche und Themenfindung eingeräumt? Wer kann den gelieferten Content auf Qualität prüfen? Wer pflegt das Ganze ein? Wie sieht's mit Bildern aus? Und was passiert, wenn alter Content nicht mehr aktuell ist?
  • Mit welchen Tools arbeitet man? Wie werden Dateien ausgetauscht? Wo und wie werden geleistete Stunden festgehalten? Wie können mehrere Autoren vielleicht gemeinsam an einem Artikel arbeiten? Über welche Kanäle kommuniziert man?
  • Wie wird die Zusammenarbeit vertraglich geregelt? Ist das überhaupt notwendig? Wie steht es um die Geheimhaltung? Darf der Freelancer auch für die Konkurrenz tätig sein? Was sind übliche Kündigungsfristen?

Wie beantworten Sie diese Fragen bei Ihren Projekten? Erkennen Sie sich vielleicht in den oben skizzierten Beispielen wieder? Stehen Sie vor ganz anderen Herausforderungen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

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Ursprünglich veröffentlicht am 19. Januar 2015, aktualisiert am November 27 2018

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