Deutschland ist traditionell eine Exportnation. Autos, Maschinen oder Kuckucksuhren „Made in Germany“ sind auf der ganzen Welt gefragt. Und die Zukunft des Exports liegt im Internet, wie man sich denken kann – und wie auch eine aktuelle Studie im Auftrag von Google „offiziell“ bestätigt. Doch deutsche Unternehmen schaffen es nicht, die Potentiale des Webs zu nutzen. Google und Partner wollen jetzt helfen – mit der Initiative “Weltweit Wachsen. Wird jetzt alles gut?

In der Studie „Export Digital – Die Bedeutung des Internets für das deutsche Auslandsgeschäft“ – durchgeführt von der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH im Auftrag der Google Germany GmbH – erläutern die Autoren, dass das Internet bereits ein wesentlicher Faktor für Exportwachstum ist, der in Zukunft noch gewichtiger wird – und den viele deutsche Unternehmen zur Erschließung neuer Märkte gewaltig, ja fahrlässig unterschätzen. Einige Ergebnisse, die aufhorchen lassen: 

Das Potential ist gewaltig.

Im Jahr 2012 hat die deutsche Wirtschaft über ihre Internetaktivitäten 87,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Exporteinnahmen erwirtschaftet. Und das Volumen der zusätzlichen internetgetriebenen Exporte wird nach Einschätzung von Industrie und Dienstleistern in den nächsten fünf Jahren um über 50 Prozent Wachsen.

Deutsche Unternehmen nutzen es nicht (genug).

Deutschland liegt bei der Erschließung digitaler Märkte für das Exportgeschäft nur auf Platz 28 von 39 untersuchten exportierenden Ländern.

Viele – gerade kleinere Unternehmen – haben nicht mal eine Website.

Im Jahr 2013 hatten laut Studie 96 Prozent deutscher Unternehmen mit 250 und mehr Mitarbeitern eine eigene Website. 85 Prozent der deutschen Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern sind im Web präsent. Und nur 64 Prozent der deutschen Unternehmen mit 1 bis 9 Mitarbeitern haben einen Webauftritt!

Warum nicht?

„Zu viel Transparenz für die Konkurrenz“, „Unzureichende Internetverbindung“, Fehlendes Know-how bei Mitarbeitern im Marketing und Vertrieb“, „Anpassung interner Prozesse“ sowie „Unzureichende Kompetenzen über die Internetnutzung allgemein im Unternehmen“ werden als die wichtigsten internetrelevanten Herausforderungen der befragten Unternehmen beschrieben.

„Weg vom Spielzeug, hin zu einem strategischen Erfolgsfaktor“

„Es ist in Zukunft eine Änderung der Wahrnehmung nötig: Weg vom Spielzeug, hin zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Die Geschäftsführung muss Digitalisierung zum Thema machen“, fasst Roland Heger, PhD, Professor für internationale Betriebswirtschaftslehre an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen, das Problem in einem Interview im Rahmen der Studie – meiner Meinung nach – ganz gut zusammen. 

Problem erkannt also – und jetzt macht Google sich natürlich sogleich daran, das Problem zu bannen: Gemeinsam mit Partnern hat man die Initiative “Weltweit Wachsen – Deutschland exportiert online” gestartet. Das Ziel: Unternehmen zu helfen, mit den Möglichkeiten des Internets neue Märkte zu erschließen. Ab Juni 2014 soll es ausführliche Beratungs- und Fortbildungsangebote rund um Online-Vertrieb und -Marketing, Logistik, Zahlungsabwicklung und Website-Übersetzung geben. Als passende Partner stehen Google der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), die Universitäten Leipzig und Reutlingen, die Deutsche Post DHL, PayPal, BDO und die KERN AG zur Seite.

Hört sich gut an oder? – Oder nicht?

Meiner Meinung nach mangelt es in Deutschland nicht an Beratungsangeboten und Dienstleistern, die Unternehmen beim Schritt in die digitale Welt kompetent unterstützen könnten. Wohlgemerkt „könnten“. Denn wie Professor Heger in der Studie anmerkt (siehe oben) nehmen viele Unternehmen Digitales nicht wirklich Ernst – und schieben teils fadenscheinige Gründe vor (siehe oben), die „Baustelle Internet“ gar nicht erst beackern zu müssen. Nach dem Motto, was ich hab, das hab ich (funktionierendes Geschäft), alles was neu ist, stört dabei (das Web – und was damit zusammenhängt)! Das Problem ist also nicht ein technisches oder logistisches, sondern wohl eher ein Problem mangelnden Bewusstseins und unternehmerischer Weitsicht. Und das werden Google & Partner so einfach nicht lösen können. Was meinen Sie?

Ursprünglich veröffentlicht am 30. April 2014, aktualisiert am Dezember 04 2017

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