Sprache kann Menschen begeistern, unterhalten und verführen. Besonders die schnelllebige Online-Kommunikation fördert ständig neue sprachliche Trends und Spielarten zutage. Von poetischer Kleinkunst über irrwitzige Rechtschreibfehler bis hin zu legendären Memes – wir zeigen Ihnen sieben inspirierende Plattformen, die Sprache zelebrieren und die Sprachkultur im Internet unterhaltsam reflektieren.

So mächtig Sprache sein kann, so ambivalent sind ihre Anwendungsgebiete. Einerseits ermöglicht sie einen konstruktiven Informationsaustausch und ist das Werkzeug für die schönsten Geschichten und die denkwürdigsten Reden. Andererseits kann sie ebenso als mächtiges Instrument für politische Propaganda und grässliche Beleidigungen missbraucht werden.

Anlaufstellen für Sprachliebhaber

Glücklicherweise gibt es ebenso Instanzen, die mit poetischen Kleinkunstwerken die Sonnenseiten unserer Sprache zelebrieren, aber auch grassierende Fehlentwicklungen entlarven und haarsträubende Grammatik-GAUs pointiert aufs Korn nehmen. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Anlaufstellen für Sprachliebhaber.

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Da kotzt das Texterherz

Geniale oder misslungene Wortspiele in Werbeanzeigen, wahnwitzige Zeitungsinserate und Internet-Fundstücke, bei der die deutsche Sprache reichlich verunstaltet wurde – auf „Da kotzt das Texterherz“ betreten Sie ein Kuriositätenkabinett, das zum Schmunzeln, Lachen und Kopfschütteln gleichermaßen einlädt. Spätestens bei Reklamen, die „Rotarschfilet“, „Cola Leit“ oder „Popocorn“ bewerben, sträuben sich auch beim dickhäutigsten Sprachliebhaber die Nackenhaare. 2015 erschien ein gleichnamiges Buch der Facebook-Seite.

Bastian Sick

Angefangen hat alles 2003 mit seiner Spiegel-Kolumne „Zwiebelfisch“, der Durchbruch kam dann mit den Bestsellern „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und „Happy Aua“, mit denen sich Journalist Bastian Sick deutschlandweit einen Namen gemacht hat.

Darin dokumentiert er auf unterhaltsame, aber auch kritische Weise Grammatik- und Rechtschreibfehler sowie Irrtümer der Zeichensetzung in Werbeanzeigen und anderen vermeintlich professionellen Medienangeboten. Auf seiner Website führt er dieses Prinzip fort. Neben Fehlern werden hier auch Leserfragen und Streitfälle der deutschen Grammatik besprochen.

Neusprech 

Martin Haase und Kai Biermann treten mit „Neusprech“ in die Fußstapfen George Orwells. Dessen dystopischer Roman „1984“ handelt von der gezielten Umgestaltung der Sprache, um das Denken einzuschränken – „Neusprech“ bezeichnet darin den künstlichen Eingriff in die Alltagssprache.

Ein Horrorszenario, das nach Meinung der Autoren schon längst in der Realität angekommen ist. Deshalb haben es sich Haase und Biermann zur Aufgabe gemacht, Manipulationstendenzen unserer Alltagssprache aufzudecken. Systemfehler, Stresstest, Cyberattacke – in ihrem „Lexikon der Un-Begriffe“ picken sie gezielt Begriffe heraus, die vor allem im politischen Diskurs inflationär gebraucht, allerdings nur selten kritisch reflektiert werden.

„Neusprech“ warnt vor der Gefahr solcher Wortneuschöpfungen und leeren Worthülsen. Der Blog wurde dafür 2010 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.

Barbara.

 

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„Barbara.“, so das Pseudonym einer anonymen Bloggerin, kommentiert, ergänzt oder entfremdet mit viel Herz und Leidenschaft Dinge, die uns täglich auf der Straße begegnen. Vor ihr ist kein Verkehrsschild, Werbeplakat oder Briefkastenschlitz sicher, selbst vor anderen Streetart-Künstlern macht sie nicht halt.

Barbara. sucht und findet das Besondere im Alltäglichen und bringt mit ihren unterhaltsamen und teils gesellschaftskritischen Beiträgen Farbe in die grauen Straßenzüge deutscher Städte und ihr Publikum auf Facebook sowie Instagram zum Nachdenken.

Sprachkultur im Internet

Neben wohlmeinenden Hinweisen auf Rechtschreibung und Grammatik haben sich einige Blogger auch der Parodie neuer Sprachtrends verschrieben. Ob in Form von Memes, Videos oder in Buchform, Fehlerteufel und neue Sprachkulturen haben Einzug in die deutsche Blogger-Welt gefunden.

Nachdenkliche Sprüche mit Bilder

Sebastian Zawrel alias Willy Nachdenklich macht sich einen Spaß aus den mangelhaften Rechtschreibfähigkeiten, die sich in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke auftun und nimmt sie auf seiner Facebook-Seite gebührend aufs Korn. Das Erfolgsrezept von „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ ist schnell erklärt. Man nehme eine bedeutungsleere „Lebensweisheit“ voller Rechtschreibfehler und kombiniert sie mit einem kitschigen Stockfoto.

Dieses Prinzip kommt so gut an, dass es mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt hat. Aktuell haben etwa 360.000 Facebook-Nutzer die Seite abonniert, charakteristische Falschschreibungen wie „vong“ statt „von“ und „1“ statt „ein“ werden immer häufiger auch ironisch in unserer Alltagssprache angewendet. „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ ist eben 1 echter Hit vong Beliebtheit her.

Vong

Flacher Humor trifft holprige Rechtschreibung – „Vong“ schlägt in dieselbe Kerbe wie „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“. Ironisch hüllt sich die Plattform in das gelb-schwarze Duden-Design, inhaltlich könnte „Vong“ dem Nachschlagewerk dagegen kaum weiter entfernt sein. Mehrmals täglich werden hier Memes veröffentlicht oder Witze erzählt. Das im Sommer 2017 erschienene Vong-Wörterbuch wurde zum „Spiegel“-Bestseller.

Korrekte Aussprache 

 

 

„Einfach und zuverlässig deutsch Lernen“ – unter dieser Beschreibung firmiert die YouTube-Reihe „Korrekte Aussprache“ von YouTuber Luksan Wunder. Dahinter verbirgt sich allerdings alles andere als ein seriöses Lehrangebot, sondern eine äußerst kreative Deformierung der deutschen Aussprache. Ausgewählte Begriffe werden durchweg falsch ausgesprochen und das ist durchaus amüsant, hören Sie am besten einfach selbst.

Marketer müssen die Sprache ihrer Nutzer kennen

Die hier vorgestellten Plattformen weisen nicht nur auf Grammatikpannen oder Fehlentwicklungen in der deutschen Sprache hin, sondern leisten teilweise selbst einen Beitrag zur Sprachkultur. „Vong ... her“ etwa hält längst Einzug in unseren Wortschatz, auch abseits des Internets.

Ein regelmäßiger Blick auf die sprachkulturellen Entwicklungen kann deshalb nicht nur der privaten Unterhaltung dienen, sondern bietet Marketern auch Orientierung im Arbeitsalltag. Denn gerade im beziehungsorientierten Marketing spielt der „Tone of Voice“ (d. h. ein charakteristischer und angemessener Sprachgebrauch) eine besondere Rolle. Für den erfolgreichen Austausch mit potenziellen und bestehenden Kunden müssen Marketer die Sprache ihrer Nutzer kennen und beherrschen.

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Ursprünglich veröffentlicht am 28. November 2017, aktualisiert am Januar 28 2020

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