Als Content Marketer ist Schreiben unser täglich Brot. Die meisten gehen beim Schreiben intuitiv vor. Doch es kann helfen, bewusst verschiedene Schreibstrategien auszuprobieren: um Schreibblockaden zu überwinden, um seiner “Schreibe” frischen Wind zu verleihen oder um einfach mit weniger Mühe bessere Texte zu produzieren. Hier 7 Schreibstrategien, die zumindest mir das Schreiben erleichtern.

1. Dem Flow folgen

Kennen Sie das? Ihnen brennt ein Thema auf der Seele und die Gedanken fließen einfach aufs Papier. Ein Satz ergibt den anderen, ganz selbstverständlich, ohne Anstrengung. Die Psychologie spricht hier von Flow, einem Schaffensrausch – und dem sollten Sie unbedingt folgen.

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Aus meiner Erfahrung überkommt einen ein Schreibflow dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Sie haben sich beispielsweise freitags intensiv in ein Thema eingelesen, es aber nicht geschafft, Ihre Gedanken zu sortieren und auch nur eine Zeile zu Papier zu bringen. Samstags am Badesee überkommt Sie dann im knietiefen Wasser der AHA-Moment und Sie stürmen ins Restaurant, um Ihren Artikel in fünfzehn Minuten auf eine Serviette zu kritzeln. Perfekt! Vor allem, wenn das Geschriebene montags im Büro beim Abtippen auch noch Sinn ergibt.

Als begünstigende Faktoren für den Flow-Zustand gelten ein klares Ziel, die alleinige Konzentration auf dieses Ziel und die Erreichbarkeit dieses Ziels. Auf diese Weise stellt sich das Gefühl von Kontrolle ein – wenn die Anforderungen den eigenen Fähigkeiten entsprechen.

Tipp: Nehmen Sie sich anschließend unbedingt Zeit, Ihren Text nochmal zu überarbeiten und die letzten Qualitätsprozentpunkte rauszukitzeln. Gerade Schreibanfänger neigen dazu, die erste Version als in Stein gemeißelt hinzunehmen!

2. Die Kein-Zurück-Strategie

Leider wird es Ihnen nicht bei jedem Text gelingen, sich in einen Flow zu schreiben. Mindestens genau so oft schlägt die berüchtigte Schreibblockade zu. Morgen ist Deadline – und nichts geht mehr! Hier empfiehlt sich die Kein-Zurück-Strategie: Löschen verboten!

Schreiben Sie drauflos, hauen Sie in die Tasten und schreiben Sie alles zum Thema auf, was Ihnen gerade in den Sinn kommt. Auch Unsinniges. Bis nichts mehr geht. Die einzige Taste, die tabu ist: Delete.

Natürlich können Sie den fertigen Text dann nicht einfach eins-zu-eins verwenden, aber jetzt haben Sie etwas, an dem Sie feilen können. Ist das angsteinflößende leere Dokument erst mal gefüllt, platzt oft der Knoten.

3. Die Montage

Die Angst vor dem leeren Blatt lässt sich noch mit einer anderen Strategie umgehen: Tragen Sie in einem Dokument fremde Texthappen zusammen. Wollen Sie beispielsweise einen Ratgeber zum Thema “Content Marketing” verfassen, recherchieren Sie gute Textpassagen (oder natürlich auch Bilder und Videos) mit Definitionen, Erklärungen, Beispielen, Vorteilen, Abgrenzungen, Anknüpfungspunkten etc. Im Anschluss montieren Sie das Ganze zu einem funktionierenden, kohärenten Text.

Den nutzen Sie im Anschluss als Vorlage, um die Inhalte in Ihren eigenen Worten und in Ihrem persönlichen Stil auszudrücken. Es geht um Inspiration, Arbeitserleichterung und darum das Rad nicht immer neu zu erfinden. Natürlich soll das keine Aufforderung sein, Texte und Gedanken anderer einfach zu kopieren. Deshalb: Zitieren Sie bzw. verlinken Sie auf jeden Fall die Originalquelle, wenn es angebracht ist.

4. Deduktiv Schreiben

Ähnlich wie bei der Montage bauen Sie bei der deduktiven Methode Ihren Text von “oben” nach “unten” auf. Sie überlegen sich also im ersten Schritt eine Makro-Struktur aus Überschriften und Zwischenüberschriften, die Ihren Text thematisch gliedert. Anschließend füllen Sie diese Struktur mit Stichwörtern. Erst im Anschluss wechseln Sie auf die Mikro-Ebene und formulieren alles aus.

Oft entstehen beim Aufschreiben neue, spannende Gedanken (siehe epistemisches Schreiben), die es rechtfertigen, die vorher definierte Struktur zu erweitern oder zu verändern. Lassen Sie die unbedingt zu – und hängen Sie nicht sklavisch an Ihrem Masterplan!

5. Induktives Schreiben

Wie deduktiv, nur andersrum. Sammeln Sie in einem Dokument unstrukturiert alles, was Ihnen zu einem Thema in den Sinn kommt: Überschriften, Gedanken(-fragmente), kleine Ideen, passende Metaphern, Ansätze für Allegorien, fertig ausformulierte Absätze, Bildideen etc. Schaffen Sie inhaltliche Verbindungen zwischen den Fragmenten, streichen Sie Überflüssiges raus, führen Sie interessantes aus – und entwickeln Sie so von “unten” Ihren Text.

Aus meiner Erfahrung sollten Sie diese Methode nicht verwenden, wenn Zeitdruck besteht. Denn Texte entwickeln mit dieser Methode Ihre eigene Dynamik, in der man sich schnell verlieren kann. Wer Zeit und Muße hat, kann mit induktiven Schreiben jedoch zu spannenden Ergebnissen kommen.

6. Epistemisches Schreiben

Auch für die Methode des epistemischen Schreibens braucht es Zeit und Muße. Bei dieser Methode wird Schreiben zu einem integralen Bestandteil des Denkens: Bringen Sie Ideen, Zusammenhänge, Assoziationen unmittelbar zu Papier und entwickeln Sie Ihre Gedanken schreibend weiter. Durch den Explikationszwang werden Argumentations- oder Logikfehler gleich ersichtlich – und im besten Fall wirkt das soeben Geschriebene wieder zurück auf das eigene Denken.

Spielen Sie mit Ihren Gedanken und Ihrem Text: Versuchen Sie ein noch besseres Adjektiv zu finden, ein noch treffenderes Bild, eine noch elegantere Formulierung. Arbeiten Sie an und mit Ihrem Text bis Sie zufrieden sind. Das ist harte Arbeit, die sich jedoch meistens auszahlt.

7. Schemata folgen

Das “Malen nach Zahlen” fürs Schreiben. Bei dieser Methode orientieren Sie sich an erprobten Strukturen. Versuchen Sie zum Beispiel Ihr Thema in Form einer Liste zu gliedern und abzuarbeiten (wie in diesem Artikel hier). Auch jeder Listenpunkt könnte einer festen Struktur folgen: These, Beispiel, Zusammenfassung, Überleitung zum nächsten Absatz. Solche Strukturen sorgen für Sicherheit beim Schreiben, sparen Zeit und führen zu hochstrukturierten Texten.

Schreibtipps umsetzen

Wie können Sie diese Methoden nun für sich nutzen? Hier einige Vorschläge zum Experimentieren: Falls Sie zum Beispiel bei einem Text nicht weiterkommen, reflektieren Sie doch mal, nach welcher Methode Sie gerade vorgehen. Probieren Sie dann bewusst eine andere Methode aus.

Oder: Sammeln Sie eigene Erfahrungen. Versuchen Sie ein Thema mit jeder dieser Methoden anzugehen. Welche Methode passt am besten zu Ihnen? Welche eignet sich am besten für Ihr Thema? Was lernen Sie daraus für Ihr Schreiben?

Oder: Kombinieren Sie Methoden. Nutzen Sie zum Beispiel epistemisches Schreiben, um Ihrem Thema – nur für sich – auf den Grund zu gehen. Und bereiten Sie es dann für Ihre Leser in einem blogtauglichen Format auf.

Haben Ihnen diese Anregungen beim Schreiben weitergeholfen? Kennen Sie vielleicht weitere Schreibstrategien? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

 

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Ursprünglich veröffentlicht am 22. September 2016, aktualisiert am Dezember 04 2017

Themen:

Schreibtechniken