Teamarbeit ist der Schlüssel zu Produktivität und einem guten Arbeitsklima. Fachkräfte und Führungskräfte wünschen sich gute Teamarbeit. Eine Stepstone-Studie zeigt, dass der Gedanke an zukünftige Teamarbeit schon im Recruiting eine bedeutende Rolle spielt. 

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Teamentwicklung als Methode der Personalentwicklung einsetzen können.

Download: Leitfaden - So führen Sie ein remote Team aus der Ferne

Warum Sie Teambildung betreiben sollten

Ein Team ist mehr als die Summe seiner Teile. Mitglieder eines guten Teams leisten messbar mehr als jeder für sich. Spitzenteams schaffen eine ausgewogene Balance zwischen wirtschaftlicher Effizienz und menschlichem Miteinander. Den Mitgliedern geht es gut, sie arbeiten gern miteinander und erreichen zusammen exzellente Leistungen, die das Unternehmen nach vorne bringen.

Besonders stark wirkt sich gutes Teambuilding aus, wenn für das Erreichen von Zielen und die Erfüllung von Aufgaben komplexes Projektmanagement notwendig ist. Je stärker die Aktivitäten Einzelner miteinander verflochten und der Erfolg eines Arbeitsschritts von der Kooperation und Information Anderer abhängig ist, desto stärker ist das Unternehmen auf exzellente Teamarbeit und effektive Teambildung angewiesen.

Nicht jedes Team erreicht diesen Zustand von sich aus - Teamarbeit ist kein Selbstläufer. Wird die Teamentwicklung nicht ausreichend gemanagt, können sich schnell schädliche Strukturen entwickeln, die der Produktivität und Atmosphäre schaden. Projekte scheitern nicht selten an vermeidbaren Hürden in der Teamdynamik.

Exzellente Teams haben eine Reihe von Eigenschaften, mit denen sie hervorragende Leistungen erbringen können. Die fünf Funktionen und Dysfunktionen der Teamarbeit von Patrick Lencioni bieten ein klar umrissenes Framework, um den Zustand eines Teams und die Notwendigkeit von Teamentwicklung zu bewerten.

Dysfunktionen:

  • Fokus auf Status und Ego 
  • Wenig Verantwortungsübernahme 
  • Selbstverpflichtung 
  • Falsche Harmonie 
  • Gegenseitiges Misstrauen 

Funktionen:

  • Fokus auf Resultate 
  • Verantwortung fürs Ganze 
  • Verbindlichkeit 
  • Konfliktbewältigung 
  • Gegenseitiges Vertrauen 

Teamentwicklung hat das Ziel, diese Potenziale nutzbar zu machen und die Gefahren auszuräumen. So erreichen Sie höhere Produktivität, optimierte Arbeitsprozesse und Kostensenkung, eine niedrigere Fluktuationsrate und höhere Flexibilität. Die Innovationskraft des Unternehmens steigt und Sie profitieren von höherer Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit aller Teammitglieder.

Was ist ein Team?

Als Team im Unternehmenskontext bezeichnen wir eine teilautonome Arbeitsgruppe, die über einen längeren Zeitraum hinweg in konstanter Besetzung mit abgegrenzten Fragestellungen, Themen, Aufgaben und Projekten betraut ist. Teamarbeit erfolgt gleichzeitig auf Sach- und Beziehungsebene. 

Auf der Sachebene geht es um:

  • Strukturen
  • Organisation
  • Aufgaben und Verantwortung
  • Prozesse, Regeln und Abläufe

Die Beziehungsebene umfasst:

  • Strategien
  • Kommunikationstechniken
  • Verhaltensmuster und Dynamiken
  • Beziehungen
  • Atmosphäre

Die Verbindung dieser Ebenen ist entscheidend für den Erfolg eines Teams. Verschiedene Rollen verbinden sich dabei zu einer funktionalen Einheit. Hier ist es besonders wichtig, dass alle Typen der Arbeit gleichwertig gesehen werden und sich ergänzen, statt um Ressourcen und Anerkennung zu konkurrieren.

Die Zusammenarbeit verschiedener Persönlichkeiten erfordert einen professionellen Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeitstypen. Systematische Darstellungen wie das DISG-Modell geben Orientierung, um Dynamiken, Synergien und Konfliktfelder auf persönlicher Ebene besser zu verstehen.

Eine gute Möglichkeit zur Einordnung der verschiedenen Aspekte gibt das GRPI-Modell: Es unterscheidet die vier Dimensionen der Ziele, Rollen, Prozesse und Interaktionen. Damit können Sie einzelne Aspekte genauer betrachten und das Team hinsichtlich seiner Funktionsfähigkeit analysieren.

Teamentwicklung als Zyklus in fünf Etappen

Teamarbeit ist in der Regel zeitlich begrenzt. Dafür hat Bruce Tuckman den Lebenszyklus eines Teams in fünf Etappen beschrieben. Für Teamentwicklungsprozesse ist es sehr wichtig zu wissen, in welcher Phase sich die Gruppe befindet.

1. Forming

Das Team wird zusammengestellt. Die Mitglieder lernen sich kennen und machen sich mit Aufgaben, Ressourcen und Arbeitsbedingungen vertraut.

2. Norming

Das Team findet seine Identität, definiert Rollen, Strukturen, Abläufe, die eigene Kultur und entwickelt einen eigenen Teamgeist.

3. Storming

Das Team entwickelt seine Leistungsfähigkeit und findet Wege, die Performance zu steigern.

4. Performing

Das Team führt seine Aufgaben routinemäßig auf hohem Niveau durch.

5. Adjourning

Das Projekt oder die Aufgabe ist abgeschlossen. Das Team kann aufgelöst werden und die Mitglieder widmen sich in ähnlicher oder gleicher Zusammensetzung neuen Aufgaben.

Teamentwicklung als Methode der Personalentwicklung

Es gibt typische Anlässe, um Teamentwicklung als Methode der Personalentwicklung einzusetzen. Dazu gehört die Zusammenstellung einer neuen Arbeitsgruppe und der Eintritt neuer Teammitglieder, ebenso Veränderungen in den Aufgabenstellungen, Prozessen und Rahmenbedingungen.

Üblich ist der Einsatz von Teamentwicklung vor allem, wenn Arbeitsgruppen die gesteckten Ziele nicht erreichen. Ebenfalls ein wichtiger Auslöser für Teamentwicklungsprozesse sind Beschwerden von Teammitgliedern.

Soll ein Teamentwicklungsprozess stattfinden, sind mehrere Gruppen und Personen beteiligt:

  • Teammitglieder
  • Führungskräfte (je nach Situation und Ziel stark involviert oder nur beobachtend)
  • Coach / Teambulding-Expertinnen und -Experten
  • Partner für bestimmte Aktivitäten und Maßnahmen

In der Regel ziehen Unternehmen externe Profis für Teamentwicklung zurate. Das hat nicht nur den Vorteil, dass eine spezialisierte Fachkraft die effizientesten Techniken und Methoden vorschlagen kann. Der externe Blick hilft auch, Problempunkte zu erkennen, die eine kompetente Fachkraft aus dem Unternehmen nicht so klar erkennen oder nur verzerrt einordnen und benennen kann.

Etappen im Teamprozess

Ein Teamentwicklungsprozess ist komplex und braucht Zeit. Die sollten Sie sich unbedingt nehmen. Insbesondere sollten Sie Teamentwicklung nicht mit der einmaligen Durchführung einer teambildenden Maßnahme oder eines Workshops verwechseln. Das sind nur einzelne Schritte, die ihren Platz in bestimmten Etappen des Prozesses haben. Nur mit professioneller Vorbereitung und konsequenter Durchführung vermeiden Sie typische Fallstricke im Teamprozess:

  • Eskalation bei Gesprächen und Maßnahmen
  • Durch vorgetäuschte Bereitschaft werden Problemfelder verdrängt und bleiben ungelöst
  • Dominante Teammitglieder übernehmen in dysfunktionalen Mustern die Führung im Prozess
  • Teammitglieder ziehen sich zurück oder melden sich krank

Schritt 1: Herausforderungen klären

Zu Beginn formulieren alle Beteiligten ihre Wünsche, “Pain Points” und Herausforderungen: Das Unternehmen und die Führung, die Teammitglieder und wenn angebracht auch andere Abteilungen und Unternehmensbereiche. Wichtig ist, dass zu Beginn die Notwendigkeit des Prozesses allen klar ist und jeder sich damit einverstanden erklärt.

Schritt 2: Ursachen entdecken

Die Ursachen sind nicht identisch mit ihren sichtbaren Ausprägungen, die Anlass des Prozesses sind. Um zu den Ursachen vorzudringen, ist Erfahrung und Ausbildung nötig. Ihre externe Fachkraft schafft passende Kommunikationsräume und Situationen mit der Gruppe und Einzelnen.

Schritt 3: Ziele formulieren

Auch bei den Zielen des Prozesses muss Einigkeit herrschen. Das Team muss einen gemeinsamen Nenner finden. Vor allem in harten Konflikten braucht es mindestens eine grundlegende Basis, auf die sich alle trotz bestehender Herausforderungen einigen können.

Schritt 4: Maßnahmen aussuchen und planen

Erst jetzt ist der Moment gekommen, um passende Maßnahmen und Methoden auszuwählen, die den Weg vom Ist- zum Zielzustand ebnen. Dabei wird auch ein Zeitplan erstellt.

Schritt 5: Maßnahmen durchführen

Im Zeitplan werden regelmäßige Sitzungen, Workshops, Gespräche und Maßnahmen umgesetzt. 

Schritt 6: Auswerten und begleiten

Während der Durchführung und danach sollten die Maßnahmen laufend ausgewertet werden. So können Sie schon während des Prozesses optimieren und aus ersten Erfolgen Motivation für die folgenden Schritte ziehen.

Teamentwicklung: Methoden und Instrumente

So vielfältig wie die Ziele und Anlässe sind bei der Teamentwicklung die Methoden und Instrumente. Vom Kennenlernen über die Entwicklung der eigenen Kultur und Werte bis zur Verbesserung von Kommunikation und Konfliktmanagement.

Wissensorientierte Methoden geben den Teammitgliedern Ressourcen an die Hand und schulen sie in deren Anwendung. Dazu zählen Workshops, Feedback-Techniken, Persönlichkeitsbildung und Kommunikationstechniken.

Erlebnis- und erfahrungsorientierte Methoden setzen an der Beziehungsebene an. Sie sind weniger gezielt, können aber eine wichtige Tiefenwirkung entfalten. Dazu gehören alle Arten gemeinsamer Erfahrungen und Herausforderungen wie Spiele, Outdooraktivitäten und Sport.

Im Folgenden haben wir einige Beispiele aus verschiedenen Bereichen zusammengestellt.

Organisationsentwicklung

  • Strategieworkshops
  • Planspiele
  • Objectives and Key Results (OKR)
  • Visionspyramide
  • Spiral Dynamics
  • Soziometrische Aufstellung

Persönlichkeitsentwicklung

  • Kreativitätstechniken
  • Abgrenzungsübungen
  • Selbstreflexion und Fremdeinschätzung
  • Entspannungstechniken
  • Improvisationstheater

Kommunikationstraining

  • Konfliktmanagement
  • Mediation
  • Gewaltfreie Kommunikation (GfK)
  • Gefühlskommunikation

Erlebnisorientierte, teambildende Maßnahmen

  • Outdoor-Events wie Geocaching, Hochseilgarten
  • Team-Konstruktion: Floßbau, Brückenbau, Turmbau, LEGO Serious Play
  • Problemlösung Escape-Rooms, Krimidinner, Stadtralley
  • Social Teambuilding: Hilfsaktionen

Kosten für Teamentwicklung

Die Kosten für einen Teamentwicklungsprozess sollten in Relation zum Wert der Produktivitätssteigerung stehen. Viele Coaches und Beratungen setzen für Gruppenprozesse Tagessätze im unteren vierstelligen Bereich an.

Die Kosten für den Gesamtprozess sind abhängig von der Teamgröße, der Prozessdauer und dem Rhythmus der Gruppen- und Einzelarbeit. Typische teambildende Maßnahmen kosten je nach Inhalt, Aufwand und Gruppengröße zwischen 50 Euro und 200 Euro pro Teilnehmerin und Teilnehmer.

Fazit: Teamentwicklung ist ein Prozess

Exzellente Teamarbeit ist ein strategisches Asset, auf das Unternehmen nicht verzichten sollten. Dabei müssen sachbezogene und persönlichkeitsbezogene Aspekte in Einklang gebracht werden. Teamentwicklungsprozesse durchlaufen mehrere Schritte. Wenn Sie sich für Teambuilding entscheiden, sollten Sie den Prozess konsequent durchführen und alle benötigten Ressourcen bereitstellen.

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Titelbild: dragana991 / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 13. September 2021, aktualisiert am September 13 2021

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Karriere