Teamentwicklung: Phasen, Ziele und Maßnahmen

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Fabiana Sbrandolino
Fabiana Sbrandolino

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Teamarbeit ist der Schlüssel zu Produktivität und einem guten Arbeitsklima. Fachkräfte und Führungskräfte wünschen sich gute Teamarbeit, denn so ziehen alle im Team an einem Strang. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Phasen der Teamentwicklung es gibt, mit welchen Übungen, Spielen und Methoden sich ein Team entwickeln lässt und wie Sie Teamentwicklung als Methode der Personalentwicklung einsetzen können.

Team sitzt am Tisch und ist in der dritten Phase der Teamentwicklung

→ Erfolgreiche Führung [Leitfaden]

Warum ist die Teamentwicklung wichtig?

Ein gutes Team ist mehr als die Summe seiner Teile. Mitglieder eines guten Teams leisten messbar mehr als jeder für sich. Spitzenteams schaffen eine ausgewogene Balance zwischen wirtschaftlicher Effizienz und menschlichem Miteinander. Den Mitgliedern geht es gut, sie arbeiten gern miteinander und erreichen exzellente Leistungen, die das Unternehmen voranbringen.

Besonders stark wirkt sich gutes Teambuilding aus, wenn für das Erreichen von Zielen und die Erfüllung von Aufgaben komplexes Projektmanagement notwendig ist. Je stärker die Aktivitäten Einzelner miteinander verflochten und der Erfolg eines Arbeitsschritts von der Kooperation und Information Anderer abhängig ist, desto stärker ist das Unternehmen auf exzellente Teamarbeit und effektive Teambildung angewiesen.

Ziele der Teamentwicklung

Die übergeordneten Ziele von Maßnahmen in der Teamentwicklung lassen sich auf vier Punkte herunterbrechen:

  • Verbesserung der Kommunikation
  • Konfliktmanagement
  • Steigerung der Motivation
  • Identifikation mit Teamzielen

Nicht jedes Team erreicht einen zur Erfüllung dieser Ziele nötigen Zustand von sich aus – erfolgreiche Teamarbeit ist kein Selbstläufer. Wird die Teamentwicklung nicht ausreichend gemanagt, können sich schnell schädliche Strukturen entwickeln, die der Produktivität und Atmosphäre schaden. Projekte scheitern nicht selten an vermeidbaren Hürden in der Teamdynamik.

Funktionen und Dysfunktionen: 5 Erfolgsmerkmale eines Teams

Exzellente Teams haben eine Reihe von Eigenschaften, mit denen sie hervorragende Leistungen erbringen können. Die fünf Funktionen und Dysfunktionen der Teamarbeit von Patrick Lencioni bieten ein klar umrissenes Framework, um den Zustand eines Teams und die Notwendigkeit von Teamentwicklung zu bewerten. Die Funktionen werden oft als die fünf Erfolgsmerkmale eines Teams bezeichnet.

Dysfunktionen:

  • Fokus auf Status und Ego
  • Wenig Verantwortungsübernahme
  • Selbstverpflichtung
  • Falsche Harmonie
  • Gegenseitiges Misstrauen

Funktionen:

  • Fokus auf Resultate
  • Verantwortung fürs Ganze
  • Verbindlichkeit
  • Konfliktbewältigung
  • Gegenseitiges Vertrauen

Teamentwicklung hat das Ziel, diese Potenziale nutzbar zu machen und die Gefahren auszuräumen. So erreichen Sie höhere Produktivität, optimierte Arbeitsprozesse und Kostensenkung, eine niedrigere Fluktuationsrate und höhere Flexibilität. Die Innovationskraft des Unternehmens steigt und Sie profitieren von höherer Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit aller einzelnen Teammitglieder.

Was ist ein Team und wann ist es erfolgreich?

Als Team im Unternehmenskontext bezeichnen wir eine teilautonome Arbeitsgruppe, die über einen längeren Zeitraum hinweg in konstanter Besetzung unter einer Teamleitung mit abgegrenzten Fragestellungen, Themen, Aufgaben und Projekten betraut ist. Teamarbeit erfolgt gleichzeitig auf Sach- und Beziehungsebene.

Auf der Sachebene geht es um:

  • Strukturen
  • Organisation
  • Aufgaben und Verantwortung
  • Prozesse, Regeln und Abläufe

Die Beziehungsebene umfasst:

  • Strategien
  • Kommunikationstechniken
  • Verhaltensmuster und Dynamiken
  • Beziehungen
  • Atmosphäre

Die Verbindung dieser Ebenen ist entscheidend für den Erfolg eines Teams. Verschiedene Rollen verbinden sich dabei zu einer funktionalen Einheit. Hier ist es besonders wichtig, dass alle Typen der Arbeit gleichwertig gesehen werden und sich ergänzen, statt um Ressourcen und Anerkennung zu konkurrieren.

Die Zusammenarbeit verschiedener Persönlichkeiten erfordert einen professionellen Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeitstypen. Systematische Darstellungen wie das DISG-Modell geben Orientierung, um Dynamiken, Synergien und Konfliktfelder auf persönlicher Ebene besser zu verstehen.

Eine gute Möglichkeit zur Einordnung der verschiedenen Aspekte gibt das GRPI-Modell: Es unterscheidet die vier Dimensionen der Ziele, Rollen, Prozesse und Interaktionen. Damit können Sie einzelne Aspekte genauer betrachten und das Team hinsichtlich seiner Funktionsfähigkeit analysieren.

Wann wird Teamentwicklung als Methode der Personalentwicklung eingesetzt?

Es gibt typische Anlässe, um Teamentwicklung als Methode der Personalentwicklung einzusetzen. Dazu gehört die Zusammenstellung einer neuen Arbeitsgruppe und der Eintritt neuer Teammitglieder, ebenso Veränderungen in den Aufgabenstellungen, Prozessen und Rahmenbedingungen.

Üblich ist der Einsatz von Teamentwicklung vor allem, wenn Arbeitsgruppen die gesteckten Ziele nicht erreichen. Ebenfalls ein wichtiger Auslöser für Teamentwicklungsprozesse sind Beschwerden von Teammitgliedern.

Soll ein Teamentwicklungsprozess stattfinden, sind mehrere Gruppen und Personen beteiligt:

  • Teammitglieder
  • Führungskräfte (je nach Situation und Ziel stark involviert oder nur beobachtend)
  • Coach / Teambuilding-Expertinnen und -Experten
  • Partner für bestimmte Aktivitäten und Maßnahmen

In der Regel ziehen Unternehmen externe Profis für Teamentwicklung zurate. Das hat nicht nur den Vorteil, dass eine spezialisierte Fachkraft die effizientesten Techniken und Methoden vorschlagen kann. Der externe Blick hilft auch, Problempunkte zu erkennen, die eine kompetente Fachkraft aus dem Unternehmen nicht so klar erkennen oder nur verzerrt einordnen und benennen kann.

Phasenmodell nach Tuckman: Die 5 Phasen der Teamentwicklung

Teamarbeit ist in der Regel zeitlich begrenzt. Dafür hat Bruce Tuckman den Lebenszyklus eines Teams in fünf Etappen beschrieben.

Die fünf Phasen der Teamentwicklung als Grafik

Für Teamentwicklungsprozesse ist es sehr wichtig zu wissen, in welcher Phase sich die Gruppe befindet.

1. Forming

Das Team wird zusammengestellt. Die Mitglieder lernen sich kennen und machen sich mit Aufgaben, Ressourcen und Arbeitsbedingungen vertraut. Diese erste Phase, auch Anfangs- und Orientierungsphase genannt, ist von Neugier, Aufregung, aber auch von Unsicherheit geprägt. Die Mitglieder versuchen, ihre Position innerhalb des Teams zu erkennen und sich ein Bild von den anderen zu machen. Das geschieht in der Regel höflich und eher zurückhaltend.

2. Norming

Das Team findet nach einem ersten Abtasten seine Identität, die eigene Kultur und entwickelt einen eigenen Teamgeist. In dieser Phase kann es auch erstmals zu kleineren Meinungsverschiedenheiten, Reibereien und Konflikten kommen. Die Teammitglieder beginnen, ihre Meinungen, Ideen und Arbeitsweisen aktiv zu vertreten.

3. Storming

Das Team entwickelt seine Leistungsfähigkeit und findet allmählich zu einem gemeinsamen Arbeitsrhythmus. Es legt fest, nach welchen Normen und Regeln es agieren möchte. Das gegenseitige Vertrauen wächst und die Mitglieder erkennen den Wert jedes Einzelnen im Team. Gemeinsame Ziele und Aufgaben werden ebenso wie die Rollenverteilung klarer definiert, die Teammitglieder unterstützen sich gegenseitig.

4. Performing

Das Team ist mittlerweile fest zusammengewachsen und führt seine Aufgaben routinemäßig auf hohem Niveau durch. Alle Mitglieder sind in der Lage, ihre individuellen Fähigkeiten und Stärken optimal für das Team und die Arbeitsaufgabe einzusetzen. In dieser Phase wird das höchste Maß an Produktivität und Effizienz erreicht. Die Zusammenarbeit ist geprägt von Autonomie, Vertrauen und einem tiefen Verständnis füreinander.

5. Adjourning

Das Projekt oder die Aufgabe ist abgeschlossen. Das Team kann in der letzten Phase (auch Transforming, Mourning, Auflösungsphase) aufgelöst werden und die Mitglieder widmen sich in ähnlicher oder gleicher Zusammensetzung neuen Aufgaben.

Fallstricke im Teamprozess vermeiden

Ein Teamentwicklungsprozess ist komplex und braucht Zeit. Die sollten Sie sich unbedingt nehmen. Insbesondere sollten Sie Teamentwicklung nicht mit der einmaligen Durchführung einer teambildenden Maßnahme oder eines Workshops verwechseln. Das sind nur einzelne Schritte, die ihren Platz in bestimmten Etappen des Prozesses haben. Nur mit professioneller Vorbereitung und konsequenter Durchführung vermeiden Sie typische Fallstricke im Teamprozess:

  • Eskalation bei Gesprächen und Maßnahmen
  • Durch vorgetäuschte Bereitschaft werden Problemfelder verdrängt und bleiben ungelöst
  • Dominante Teammitglieder übernehmen in dysfunktionalen Mustern die Führung im Prozess
  • Teammitglieder ziehen sich zurück oder melden sich krank

Was gehört zur Teamentwicklung?

Zu den einzelnen Etappenschritten in der Teamentwicklung gehören mehrere Abschnitte, die aufeinander aufbauen. Wichtig ist, dass zu Beginn Offenheit herrscht, Herausforderungen geklärt und Wünsche kommuniziert werden. Das ist die Basis – erst dann werden Ziele formuliert, Maßnahmen identifiziert und schlussendlich ausgeführt.

Schritt 1: Herausforderungen klären

Zu Beginn formulieren alle Beteiligten ihre Wünsche, „Pain Points” und Herausforderungen: Das Unternehmen und die Führung, die Teammitglieder und wenn angebracht auch andere Abteilungen und Unternehmensbereiche. Wichtig ist, dass zu Beginn die Notwendigkeit des Prozesses allen klar ist und jeder sich damit einverstanden erklärt.

Schritt 2: Ursachen entdecken

Die Ursachen sind nicht identisch mit ihren sichtbaren Ausprägungen, die Anlass des Prozesses sind. Um zu den Ursachen vorzudringen, ist Erfahrung und Ausbildung nötig. Ihre externe Fachkraft schafft passende Kommunikationsräume und Situationen mit der Gruppe und Einzelnen.

Schritt 3: Ziele formulieren

Auch bei den Zielen des Prozesses muss Einigkeit herrschen. Das Team muss einen gemeinsamen Nenner finden. Vor allem in harten Konflikten braucht es mindestens eine grundlegende Basis, auf die sich alle trotz bestehender Herausforderungen einigen können.

Schritt 4: Maßnahmen aussuchen und planen

Erst jetzt ist der Moment gekommen, um passende Maßnahmen und Methoden auszuwählen, die den Weg vom Ist- zum Zielzustand ebnen. Dabei wird auch ein Zeitplan erstellt.

Schritt 5: Maßnahmen durchführen

Im Zeitplan werden regelmäßige Sitzungen, Workshops, Gespräche und Maßnahmen umgesetzt.

Schritt 6: Auswerten und begleiten

Während der Durchführung und danach sollten die Maßnahmen laufend ausgewertet werden. So können Sie schon während des Prozesses optimieren und aus ersten Erfolgen Motivation für die folgenden Schritte ziehen.

Methoden: Welche Teamentwicklungsmaßnahmen gibt es?

So vielfältig wie die Ziele und Anlässe sind bei der Teamentwicklung die Methoden und Instrumente. Vom Kennenlernen über die Entwicklung der eigenen Kultur und Werte bis zur Verbesserung von Kommunikation und Konfliktmanagement. Die Methoden lassen sich in verschiedene Bereiche aufteilen. Oft sind es Übungen, die spielerisch ablaufen und den Beteiligten Spaß machen.

Wissensorientierte Methoden geben den Teammitgliedern Ressourcen an die Hand und schulen sie in deren Anwendung. Dazu zählen Workshops, Feedback-Techniken, Persönlichkeitsbildung und Kommunikationstechniken.

Erlebnis- und erfahrungsorientierte Methoden setzen an der Beziehungsebene an. Sie sind weniger gezielt, können aber eine wichtige Tiefenwirkung entfalten. Dazu gehören alle Arten gemeinsamer Erfahrungen und Herausforderungen wie Spiele, Outdooraktivitäten und Sport.

Im Folgenden haben wir einige Beispiele und Übungen der Teamentwicklung aus verschiedenen Bereichen zusammengestellt.

Organisationsentwicklung

  • Strategieworkshops
  • Planspiele
  • Objectives and Key Results (OKR)
  • Visionspyramide
  • Spiral Dynamics
  • Soziometrische Aufstellung

Persönlichkeitsentwicklung

  • Kreativitätstechniken
  • Abgrenzungsübungen
  • Selbstreflexion und Fremdeinschätzung
  • Entspannungstechniken
  • Improvisationstheater

Kommunikationstraining

  • Konfliktmanagement
  • Mediation
  • Gewaltfreie Kommunikation (GfK)
  • Gefühlskommunikation

Erlebnisorientierte, teambildende Maßnahmen: Beispiele und Spiele zur Teamentwicklung

Oft kommen Spiele bei der Teamentwicklung zum Einsatz. Dazu zählen Outdoor-Events wie Geocaching oder ein gemeinsamer Besuch im Hochseilgarten. Beliebte Beispiele sind Spiele, bei denen das Team gemeinsam etwas konstruieren muss – etwa ein Floß, eine Brücke oder einen Turm.

Auch Spiele, die der Gruppe ein Problem vermitteln, werden immer wieder eingesetzt: Escape Rooms, Krimidinner oder Stadtrallyes. Eine Teambuilding-Maßnahme kann aber auch einen übergeordneten Zweck haben, beispielsweise einen sozialen, wie beim gemeinsamen Teilnehmen an einer Hilfsaktion.

Kosten für Teamentwicklung

Die Kosten für einen Teamentwicklungsprozess sollten in Relation zum Wert der Produktivitätssteigerung stehen. Viele Coaches und Beratungen setzen für Gruppenprozesse Tagessätze im unteren vierstelligen Bereich an.

Die Kosten für den Gesamtprozess sind abhängig von der Teamgröße, der Prozessdauer und dem Rhythmus der Gruppen- und Einzelarbeit. Typische teambildende Maßnahmen kosten je nach Inhalt, Aufwand und Gruppengröße zwischen 50 Euro und 200 Euro pro Teilnehmerin und Teilnehmer.

Fazit: Systemische Teamentwicklung ist ein Prozess

Exzellente Teamarbeit ist ein strategisches Asset, auf das Unternehmen nicht verzichten sollten. Dabei müssen sachbezogene und persönlichkeitsbezogene Aspekte in Einklang gebracht werden. Teamentwicklungsprozesse durchlaufen mehrere Schritte. Wenn Sie sich für Teambuilding entscheiden, um ein besseres Arbeitsklima zu erreichen, sollten Sie den Prozess konsequent durchführen und alle benötigten Ressourcen bereitstellen.

Call-To-Action als Bild zum Thema erfolgreiche Führung

Titelbild: ljubaphoto / iStock / Getty Images Plus

Themen: Karriere

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