Das Web 2.0 entwickelt sich rasant immer weiter. Die daraus resultierende Datenfülle stellt Webserver vor neue Herausforderungen und verlangt eine schnellere Bereitstellung der Inhalte. NGINX liefert hierfür eine geeignete Lösung. 

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Funktionen die Open-Source-Software NGINX bietet und wo die grundlegenden Unterschiede zum Apache-Server liegen.

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NGINX: Anwendungen und Funktionen

Apache und NGINX konkurrieren derzeit am Markt der Webserver. Obwohl Apache insgesamt noch immer am häufigsten genutzt wird, dominiert NGINX unter den besonders populären Webseiten. Unter den Top-1000-Webseiten laufen rund 46 Prozent auf dem NGINX-Server. Bei Apache hingegen sind es nur 14 Prozent. Das mag vor allem daran liegen, dass NGINX den Bedürfnissen des Web 2.0 stärker gerecht wird.

Denn die Software ist besonders auf Webseiten ausgelegt, die einen hohen Datenverkehr aufweisen. Kein Wunder also, dass beliebte Plattformen wie Netflix, WordPress, Twitter, Apple und Starbucks auf NGINX setzen.

Obwohl beide Webserver-Konkurrenten modular aufgebaut sind und verschiedene Funktionen mit sich bringen, gibt es deutliche Unterschiede im Aufbau. Zu den vielversprechendsten Funktionen von NGINX zählen die folgenden:

  • Reverse Proxying sorgt dafür, dass NGINX als Reverse-Proxy-Server zur Webbeschleunigung genutzt werden kann.

  • Load Balancing verteilt effektiv die Lasten auf dem Server.

  • Video-Streaming sorgt für eine hohe Performance bei Video-Inhalten.

  • FastCGI-Unterstützung mit Caching ermöglicht, dass Inhalte besonders schnell ausgeliefert werden können.

  • TLS/SSL Verschlüsselungszertifikat gewährleistet einen sicheren Datentransfer.

Der größte Unterschied zu Apache liegt in der ereignisbasierten und asynchronen Verarbeitung von Anforderungen. Während Apache für jede gestellte Anfrage einen neuen Thread startet, laufen diese bei NGINX über einen einzigen Thread. Wird für jede Anfrage ein neuer Prozess gestartet, kann das dazu führen, dass der Server überlastet wird, was wiederum dafür sorgt, dass eine Webseite wesentlich langsamer geladen wird.

NGINX hingegen eröffnet einen sogenannten Master-Thread, unter dem unzählig viele Worker-Threads gleichzeitig und asynchron verarbeitet werden können. Die Prozesse behindern sich so nicht gegenseitig, was eine schnellere Ladezeit der Webseite gewährleistet.

Neben der hohen Parallelität stehen auch eine geringe Speichernutzung und Prozessor-Belastung im Fokus. So arbeitet NGINX besonders ressourcenschonend und sorgt für eine hohe Performance. Erreicht wird dies unter anderem dadurch, dass das Laden dynamischer Inhalte, wie beispielsweise PHP-Anfragen, ausgelagert wird. NGINX nimmt die Anfragen zwar an, leitet Sie jedoch an einen externen Prozess – wie den FastCGI - weiter. Dieser bearbeitet die Anfrage und liefert sie zurück an den NGINX-Server. Apache hingegen lädt sowohl statische als auch dynamische Inhalte und ist somit einer höheren Server-Belastung ausgesetzt.

NGINX mit Reverse Proxying verwenden

Eine beliebte Funktion von NGINX ist die Verwendung als Reverse Proxy. Proxy-Server stellen eine Art Kommunikationsschnittstelle im Netzwerk dar. Sie treten zwischen Client und Backend-Server und können die Kommunikation in beide Richtungen beeinflussen. Als Reverse-Proxy wird NGINX vor den Webserver geschalten und kann so die Anfragen an den Backend-Server abfangen. Dabei können verschiedene Funktionen übernommen werden, die den Datenverkehr optimieren. Das sind zum Beispiel:

  • LoadBalancing,

  • eine verstärkte Sicherheitskomponente und

  • Kompression oder Caching von Daten.

Wie funktioniert NGINX_1

Quelle: https://www.nginx.com/products/nginx/

Beim Load-Balancing werden die Anfragen vom Proxy-Server optimal auf die entsprechenden Backend-Server verteilt. Das sorgt für eine verbesserte Netzwerkleistung – auch im Falle eines Server-Ausfalls.

Der Proxy-Server kann auch die Kommunikation über das SSL-Zertifikat abwickeln. So wird eine höhere Sicherheit im Datenverkehr gewährleistet und Schadsoftware zurückgehalten.

Auch das Komprimieren von Daten trägt wesentlich zur Performance-Verbesserung bei. Indem Daten verkleinert und im Cache zwischengespeichert werden, kann eine Web-Beschleunigung erzielt werden.

NGINX kennt keine .htaccess-Dateien

Individuelle Zugriffsregeln für Weiter- oder Umleitungen werden in Apache in den .htaccess-Dateien definiert und können jederzeit angepasst werden. NGINX hingegen kennt diesen Dateitypen nicht. Anpassungen werden hier direkt in der übergeordneten NGINX-Konfiguration vorgenommen.

Das stellt einen kleinen Nachteil des Servers gegenüber Apache dar. Verwalten Sie Ihre Webseite nämlich über sogenannte Shared-Hosting-Anbieter, können Sie keine Änderungen an der zentralen Konfigurationsdatei vornehmen. Denn das würde bedeuten, dass die Änderungen für alle Hosting-Teilnehmer gelten. Viele Anbieter stellen jedoch bereits .htaccess-Konverter zur Verfügung, die das Anpassen von Weiterleitungen auch unter NGINX ermöglichen sollen.

Erweiterter Funktionsumfang mit der NGINX Plus-Version

Neben der kostenfreien NGINX-Version kann auch die NGINX Plus-Variante genutzt werden. 2011 wurde diese durch NGINX.Inc eingeführt, bevor das Unternehmen 2019 von F5 Networks aufgekauft wurde. Mit NGINX-Plus erhalten Sie zusätzliche Funktionen und können außerdem auf einen Support-Service zurückgreifen. Bevor Sie auf die Plus-Version upgraden, können Sie diese kostenlos testen.

Fazit

Die Internetlandschaft wächst permanent um weitere Inhalte. Nicht selten führt diese Daten-Überlastung zu einer verlangsamten Server-Leistung. NGINX bietet durch die optimierte Bereitstellung von Webseiteninhalten hierfür eine Lösung. Auch als Reverse-Proxy stellt die Software eine elegante Option in der Datenübertragung dar. Nicht zuletzt wegen der verbesserten Performance setzen die Big Player des Web 2.0 bereits auf das Open-Source-System.

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Titelbild: SARINYAPINNGAM / Getty Images

Ursprünglich veröffentlicht am 17. September 2020, aktualisiert am September 17 2020

Themen:

CMS