„Die Bilanz ist das Jahreszeugnis des Managers.“ Das hat schon der deutsche Mathematiker und Unternehmer Helmut Nahr festgestellt. Und damit hat er recht: Denn mit einer Bilanz bzw. der Bilanzanalyse können Sie die gegenwärtige Lage Ihres Unternehmens anhand von Zahlen einschätzen und damit auch die zukünftige Entwicklung prognostizieren.

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Durch eine Bilanzanalyse erkennen Sie anhand von Kennzahlen, wie es um ein Unternehmen bestellt ist. Das ist für Eigen- und Fremdkapitalgeber von großem Interesse. Somit spielt die Bilanzanalyse bei Finanzanalysen, Kreditverhandlungen, Börsengängen oder Unternehmenskäufen eine zentrale Rolle.

Grundlagen der Bilanzanalyse

Grundlage der Bilanzanalyse bildet der Jahresabschluss mit der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). In der Bilanz werden die Aktiva (die Mittelverwendung als Anlagevermögen und Umlaufvermögen) und die Passiva (die Mittelherkunft als Eigen- und Fremdkapital) eines Unternehmens gegenübergestellt, in der GuV sind es die Erträge und Aufwendungen.

Die Kennzahlen des Jahresabschlusses geben einen Einblick in die Situation des Unternehmens. Aussagen für die Zukunft können Unternehmer und Unternehmerinnen auf Grundlage der Entwicklung der vergangenen Jahre, aus dem Vergleich mit anderen Branchenvertretern und aus dem eventuell vorliegenden Lagebericht treffen.

Finanzwirtschaftliche Bilanzanalyse

Die Bilanzanalyse lohnt sich für alle Unternehmen, die eine Bilanz erstellen müssen. Das sind Einzelunternehmen mit hohem Gewinn und Umsatz, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Die Bilanz wird zu einem bestimmten Stichtag (häufig am 31. Dezember) aufgestellt. Demnach ist auch eine jährlich durchgeführte Analyse sinnvoll.

Arten der Bilanzanalyse 

Für eine Bilanzanalyse gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • horizontal vs. vertikal

  • intern vs. extern

  • erfolgswirtschaftlich

  • einperiodig vs. mehrperiodig

Horizontale vs. vertikale Bilanzanalyse

In der horizontalen Bilanzanalyse setzen Sie die Mittelverwendung (Aktiva) und die Mittelherkunft (Passiva) ins Verhältnis. Dabei sollte die goldene Bilanzregel Anwendung finden: Umlaufvermögen müssen durch kurzfristiges Kapital gedeckt sein, Anlagevermögen durch langfristiges Kapital.

In der vertikalen Bilanzanalyse setzen Sie die Positionen der einzelnen Seiten der Bilanz ins Verhältnis. Die Eigenkapitalquote ist zum Beispiel eine Kennzahl der Bilanzanalyse, die auf der Passivseite das Eigenkapital in Relation zum Gesamtkapital betrachtet.

Interne vs. externe Bilanzanalyse

Die interne Bilanzanalyse erfolgt durch das Unternehmen selbst, während die externe Bilanzanalyse – wie der Name sagt – extern aufgestellt wird, zum Beispiel durch Analysten und Analystinnen, Investierende, Kreditgebende, oder Journalisten und Journalistinnen.

Der internen Bilanzanalyse liegt der größte Datenpool zugrunde. Demnach kann die Analyse auch ungeschönt erfolgen. Die Ergebnisse sind wertvoll für die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Sie können sie für das strategische Controlling nutzen.

In der externen Bilanzanalyse müssen die Analysten und Analystinnen mit den Kennzahlen arbeiten, die vorliegen. Bei Konzernen sind das die Jahresabschlüsse zuzüglich der jeweiligen Quartalsberichte. Bei kleineren und nicht börsennotierten Unternehmen sind die verfügbaren Daten für eine externe Analyse mitunter spärlich.

Erfolgswirtschaftliche Bilanzanalyse

Was hat tatsächlich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen? Um diese Frage zu beantworten, rechnen Sie in der erfolgswirtschaftlichen Bilanzanalyse externe Faktoren heraus. Externe Faktoren können zum Beispiel bilanz- oder steuerpolitische Faktoren sein.

Einperiodige vs. mehrperiodige Bilanzanalyse

In der einperiodigen Bilanzanalyse betrachten Sie die Kennzahlen im Jahresabschluss eines Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum. Mögliche Vergleiche mit anderen Branchenvertretern und Branchenvertreterinnen ergeben Sinn, um so eine Jahresabschlussanalyse durchführen zu können.

In der mehrperiodigen Bilanzanalyse vergleicht das Unternehmen die Ergebnisse verschiedener Zeiträume. Klassische Kennzahlen sind die Entwicklung der Umsätze, des Gewinns und bestimmte Rentabilitätskennzahlen wie beispielsweise die Umsatzrentabilität oder die Eigenkapitalrentabilität.

Die Bilanzanalyse und Bilanzauswertung in vier Schritten

In nur wenigen Schritten erhalten Sie eine übersichtliche Bilanzanalyse und können somit die Leistung Ihres Unternehmens bewerten. Somit können Sie bei möglichen negativen Ergebnissen Änderungen vornehmen.

1. Bilanz lesen und Bilanzauswertung

Im ersten Schritt lesen Sie die Bilanz: Das Studium der großen Positionen wie Eigen- und Fremdkapital, Anlage- und Umlaufvermögen, Bilanzsumme, Umsatz, Gewinn und Verlust gibt ein erstes Gespür für die Verhältnisse.

2. Im Zeitablauf vergleichen

Das konkretisieren Sie im zweiten Schritt durch den Vergleich im Zeitablauf. Wenn Sie die Bilanzen und die großen Positionen mehrerer Jahre nebeneinanderlegen, machen Sie dadurch Trends und Entwicklungen sichtbar.

3. Für eigene Zwecke umgliedern

Durch eine Umgliederung gewinnen Sie im dritten Schritt weitere Erkenntnisse. Häufig nehmen Firmen die Umgliederung auf der Grundlage von Laufzeiten von Vermögen und Kapital vor.

4. Kennzahlen aufstellen

Im vierten Schritt bilden Sie Kennzahlen, um Erkenntnisse zu gewinnen, zum Beispiel über die Struktur von Kapital und Vermögen, die Rentabilität oder die Liquidität des Unternehmens.

Möchten Sie auch wissen, wie es um die Finanzlage Ihres Unternehmens steht? Dann können Sie mit unserer Vorlage für eine Vertriebsprognose die Leistung Ihres Unternehmens analysieren.

Was ist eine „gute“ Bilanz?

Eine gute Bilanz sagt viel über die Liquidität, Rentabilität und Stabilität eines Unternehmens aus. Die Liquidität gibt zum Beispiel Auskunft darüber, ob die Firma in der Lage ist, ihre laufenden Kosten mit den verfügbaren Mitteln zu bezahlen, zum Beispiel aus dem Bankguthaben. Über die Bilanzkennzahlen lässt sich dabei die Liquidität bzw. der Cashflow analysieren.

Eine Bilanz ist also dann gut, wenn ein Unternehmen die Aktivposten zahlen kann.

Die Rentabilität bezeichnet dagegen, wie gewinnorientiert ein Unternehmen agiert. Diese lässt sich über die Bilanz durch die Eigenkapitalrentabilität, die Gesamtrentabilität und die Umsatzrentabilität ausrechnen. Auskunft über die unternehmerische Stabilität gibt die Eigenkapitalquote, um in Krisenzeiten und bei schlechter Ertragslage Sicherheit und Erträge zu gewährleisten.

Kennzahlen der Bilanzanalyse

Bei der Bildung von Kennzahlen in der Bilanzanalyse gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einige hiervon haben sich besonders bewährt – unter anderem:

  • Eigenkapitalquote = Eigenkapital zu Gesamtkapital

  • Fremdkapitalquote = Fremdkapital zu Gesamtkapital

  • Verschuldungsgrad = Fremdkapital zu Eigenkapital

  • Liquidität = liquide Mittel zu kurzfristigen Verbindlichkeiten

  • Umsatzrentabilität = Gewinn zu Umsatz

  • Eigenkapitalrentabilität = Jahresüberschuss zu Eigenkapital

  • Goldene Bilanzregel = Eigenkapital zu Anlagevermögen

  • Goldene Finanzierungsregel = langfristiges Vermögen zu langfristigem Kapital

  • Bilanzanalyse: Kennzahlen bewerten

Für eine Bilanzanalyse sollten Sie definieren, was Sie durch sie erkennen möchten. Auf dieser Grundlage bilden Sie dann die Kennzahlen. Je aktueller die Daten, umso besser können Sie damit ein Unternehmen lesen.

Warum wird häufig eine Strukturbilanz erstellt?

Um eine bessere Übersicht über eine Handelsbilanz zu erlangen, wird häufig eine Strukturbilanz erstellt. Diese zeichnet sich durch eine klare Gliederung aus – auf der Aktivseite stehen die Anlage- und Umlaufvermögen, auf der Passivseite das Eigen- und Fremdkapital.

Diese Aufbereitung ermöglicht es den Analysten und Analystinnen, Deckungsverhältnisse zwischen beiden Seiten zu erkennen. Außerdem lassen sich Entwicklungen im Vergleich zu vorherigen Geschäftsperioden klarer darstellen.

Achtung – eine Bilanzanalyse ist oft nur oberflächlich

Bilanzanalysen bringen die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens auf den Punkt. In der mehrperiodigen Bilanzanalyse erkennen Sie zudem dessen Entwicklung. Außerdem können Bilanzen geschönt werden und zeichnen so nur ein verschwommenes Bild von der Realität. Zudem sind Aussagen über die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens nur mit Zahlen aus der Vergangenheit mit Vorsicht zu genießen.

Geschäftsmann mit Geld in beiden Händen

Titelbild: fizkes / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 5. Mai 2021, aktualisiert am Mai 05 2021

Themen:

Buchhaltung