Was denken Sie, wenn Ihnen jemand den erhobenen Daumen zeigt? Vermutlich, dass die Person Ihnen zustimmt oder etwas gut findet, was Sie getan oder gesagt haben. Wenn Sie diese Geste aber im Nahen Osten oder in Teilen Afrikas verwenden, werden Sie im besten Fall irritierte Blicke und im schlimmsten Fall Wut ernten. Denn dort steht der erhobene Daumen für eine sexuelle Anspielung mit hohem Beleidigungspotenzial.

Gerade im geschäftlichen Umfeld ist es gefährlich, solche kulturellen Unterschiede nicht zu kennen, da eine unbedachte Geste zu einer nicht wiedergutzumachenden Beleidigung werden kann, die lukrative Geschäfte verhindert. Verhindern können Sie dies durch umfassende interkulturelle Kompetenz.

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Was ist interkulturelle Kompetenz?

Die Definition interkultureller Kompetenz beschreibt die Fähigkeit, Unterschiede in verschiedenen Kulturen zu erkennen, zu respektieren und sich darauf einzulassen. Dies betrifft die verbale und nonverbale Kommunikation ebenso wie Unterschiede in der Lebensführung, Grundhaltung und dem Werteverständnis.

Interkulturelle Kompetenz ist ein wichtiger Soft Skill und befähigt eine Person, Affronts und Beleidigungen zu vermeiden, die sich aus kulturellen Unterschieden ergeben können. So können Sie erfolgreich mit Personen aus anderen Kulturkreisen interagieren und beweisen soziale Kompetenz.

Warum ist interkulturelle Kompetenz wichtig?

Angesichts der zunehmenden Globalisierung der verschiedenen Geschäfts- und Lebenswelten sind Kooperationen und gemeinsame Projekte von Unternehmen aus unterschiedlichen Kulturkreisen eher die Regel als die Ausnahme.

Entsprechend wichtig ist es, in der Lage zu sein, mit geschäftlichen Kontakten anderer kultureller Hintergründe zu kommunizieren und zu interagieren, ohne in Fettnäpfchen zu treten oder Ihr Gegenüber ungewollt zu beleidigen. Aus diesem Grund gewinnt die interkulturelle Kompetenz immer mehr an Bedeutung.

Der Umgang miteinander unter Menschen aus unterschiedlichen Ländern spielt in zahlreichen gesellschaftlichen Aspekten eine wichtige Rolle.

Staatsoberhäupter müssen miteinander sprechen und sich gegenseitig austauschen, ohne dem Gegenüber die eigene Lebensweise oder Weltanschauung aufzudrängen. Geschäftsvorsitzende müssen einander verstehen, um für beide Seiten lukrative und verlässliche Verträge aufsetzen zu können. In Projekten müssen Teammitglieder zusammenarbeiten und sich unterstützen, was nur mit gegenseitigem Verständnis und Vertrauen möglich ist. Es gibt folglich nahezu keinen Bereich, in dem interkulturelle Kompetenz nicht von Bedeutung ist.

Die vier Formen interkultureller Kompetenz

Zum Thema interkulturelle Kompetenz gibt es viele unterschiedliche Modelle. Eines der einschlägigsten ist das Vier-Ebenen-Modell. Demnach setzt sich die interkulturelle Kompetenz im Grunde aus den folgenden vier Bereichen zusammen:

  • interkulturelle Fachkompetenz
  • strategische Kompetenz
  • soziale Kompetenz
  • individuelle Kompetenz

Die interkulturelle Fachkompetenz lässt sich erlernen, beispielsweise über Aufenthalte im Ausland oder Berufserfahrung in einem global agierenden Unternehmen.

Bei strategischer Kompetenz geht es darum, Entscheidungen auf der Grundlage von Wissen über kulturelle Besonderheiten und typisches Verhalten von Menschen in den jeweiligen Kulturen zu treffen.

Die soziale Kompetenz beschreibt die Fähigkeit zu zwischenmenschlichem Miteinander, was sich beispielsweise durch tolerantes und empathisches Verhalten im Umgang mit Menschen anderer Kulturen zeigt.

Die individuelle Kompetenz schließlich bezieht sich auf persönliche Werte und Haltungen der einzelnen Personen, wie sie sich etwa an einer Rollendistanz (Wahrnehmung und angemessener Umgang mit gesellschaftlichen Rollenerwartungen) oder einer Ambiguitätstoleranz (Fähigkeit, mit mehrdeutigen oder widersprüchlichem Handeln anderer Personen umzugehen) zeigen.

Die folgende Grafik veranschaulicht die interkulturelle Kompetenz im Modell:

Interkulturelle Kompetenz Grafik

Interkulturelle Kompetenz: Beispiele und Tipps

Interkulturelle Kompetenz ist vor allem im Bereich der nonverbalen Kommunikation entscheidend. Gesten, Mimik und Laute haben in unterschiedlichen Kulturen und Ländern eine jeweils andere Bedeutung.

Jemand kann noch so gute Sprachkenntnisse besitzen, aber wenn die Person nonverbale Fehler begeht und das Gegenüber unwissentlich beleidigt, wird es zu keinen erfolgreichen (Geschäfts-)Beziehungen kommen. Vor allem in den folgenden Bereichen ist Vorsicht geboten:

Religion

Religiöse Unterschiede bergen ein großes Gefahrenpotenzial, was versehentliches Fehlverhalten betrifft. Während es in Deutschland beispielsweise als Zeichen von Freundlichkeit und Empathie gilt, Kindern über den Kopf zu streicheln, ist das ein klares Zeichen fehlender interkultureller Kompetenz in China. Der Kopf wird dort als Heimat der Seele verstanden, die durch Tätscheln Schaden nehmen könnte.

Wer muslimischen Geschäftspartnern oder Geschäftspartnerinnen Alkohol oder Schweinefleisch anbietet, zeigt Ignoranz gegenüber deren religiösen Grundsätzen und kann der Beziehung dadurch nachhaltig schaden.

Sprache

In vielen Geschäftsumfeldern gehört es zum guten Ton, ein paar Worte der Sprache des Gegenübers zu lernen, um seine Wertschätzung auszudrücken. Hierbei ist jedoch nicht nur das korrekte Wort, sondern auch die Aussprache wichtig. Das chinesische Wort „ma“ bedeutet beispielsweise je nach Betonung neben weiteren Dingen „Mutter“ oder „Pferd“, was zu unangenehmen Missverständnissen führen kann.

Begrüßung

Während ein Handschlag in Deutschland zum Beispiel absolut üblich ist, ist er in den USA zur Begrüßung eher die Ausnahme. In Russland wird der Handschlag lediglich Männern angeboten. Verfügen Sie über ausreichend Wissen um landesübliche Besonderheiten in der Kultur des Gegenübers, können Sie hingegen direkt mit einem guten ersten Eindruck in ein Gespräch starten.

Pünktlichkeit

Ähnlich wie in Deutschland legt der gesamte asiatische Raum großen Wert auf Pünktlichkeit, da sie als Zeichen des Respekts gilt. In Italien oder Spanien hingegen ist eine Verspätung keine Seltenheit, ohne dass dies ein Zeichen mangelnden Respekts oder fehlenden Interesses an dem Treffen oder der Zusammenarbeit wäre.

In diesen Branchen spielt interkulturelle Kompetenz eine große Rolle

Im unternehmerischen Bereich gibt es verschiedene Branchen, die ohne interkulturelle Kompetenz nicht auskommen. Das sind vor allem global agierende Firmen wie Logistikunternehmen, die mit Kundschaft und Partnerschaften auf der gesamten Welt zusammenarbeiten.

Außerdem muss der Bereich der Unternehmensberatung interkulturelle Unterschiede berücksichtigen. Maßnahmen, die in Deutschland funktionieren und die die Bevölkerung wohlwollend aufnimmt, könnten sich in China zum Beispiel stark negativ auf das Image auswirken.

Ebenso müssen sich Technologieunternehmen auf interkulturelle Besonderheiten einstellen. Unterschiedliche Kulturen haben beispielsweise jeweils andere Ansprüche an die Mobilität. Während große, schnelle Fahrzeuge in den USA stark gefragt sind, nimmt die Elektromobilität in Deutschland erst an Fahrt auf. Automobilkonzerne müssen sich der Unterschiede bewusst sein und sich darauf einlassen, um auf den unterschiedlichen Märkten erfolgreich zu sein.

Vorteile der interkulturellen Kompetenz

Wenn Sie interkulturelle Kompetenz im Umgang mit Ihren Mitmenschen beweisen, bewegen Sie sich mit einer guten Kommunikationsfähigkeit leichtfüßig auf internationalem Parkett. Sie vermeiden Fettnäpfchen unterschiedlicher Art und schließen effiziente sowie vertrauensbasierte Kooperationen.

Zudem entwickeln Sie ein Verständnis für Menschen aus anderen Kulturen, was Ihnen bei Ihren Geschäften, der Führung Ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Ihrer Teamarbeit zugutekommt.

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Titelbild: Wavebreakmedia / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 13. Januar 2022, aktualisiert am Januar 13 2022

Themen:

Soft Skills