Rund vier Millionen Selbstständige gibt es in Deutschland, sie machen ein Zehntel aller Erwerbstätigen aus. Diese Zahl hält sich seit 20 Jahren konstant. Der Drang, seine eigene Geschäftsidee umzusetzen, verliert nicht an Attraktivität. Gehören auch Sie zu denjenigen, die darüber nachdenken, sich selbstständig zu machen? Dann sollten Sie die Vor- und Nachteile der Existenzgründung genau kennen.

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Was bedeutet Selbstständigkeit?

Wer seine Arbeitszeit frei einteilen kann, keinen Weisungen von Fremden unterliegt und auch in keine Arbeitsorganisation fest eingebunden ist, gilt als beruflich selbstständig. Das Gegenteil davon ist die Tätigkeit als festangestellter Arbeitnehmer.
Warum ist die eigene Existenzgründung so attraktiv?

Wenn Sie sich selbstständig machen, steht dahinter ein großer Drang: Sie möchten

  • autonom,

  • unabhängig von den Weisungen eines Vorgesetzten, 

  • frei vom Korsett der Struktur eines Unternehmens und

  • losgelöst von festen Arbeitszeiten sein. 

Sie wollen das umsetzen, was Ihnen im Sinn liegt. Kurz: Sie möchten Ihren Traum leben – den von einem selbstbestimmten Leben, in dem Sie Ihre Geschäftsidee sowie das dahinterliegende Arbeitskonzept verwirklichen können.

Weitere Gründe können auch sein, dass Sie einfach wieder Spaß am Arbeiten haben und die Welt ein kleines bisschen verändern bzw. verbessern möchten. Und eventuell wollen Sie mehr Geld als in den letzten Jahren verdienen. 

Das alles sind nachvollziehbare Motive. Motive, welche die meisten Menschen nennen, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen – oder zumindest davon träumen.

Hindernisse, die im Zuge der Selbstständigkeit zu überwinden sind

In Deutschland kann man sich nicht „einfach so“ selbstständig machen. Sie müssen sich an zahlreiche Vorgaben halten und sich viele Gedanken zu Ihrer Selbstständigkeit machen, um ein Scheitern zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise die folgenden Punkte:

Geschäftsidee

Womit wollen Sie Ihr Geld verdienen? Welche Dienstleistung oder welches Produkt bieten Sie an? Handelt es sich hierbei um ein bekanntes Geschäftsmodell oder ein gänzlich neuartiges Konzept?

Businessplan

Wie wollen Sie Einnahmen generieren? Wie sieht Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung im Detail aus? Wie hoch ist das Umsatz- und Marktpotenzial? Wie hoch werden Ihre Ausgaben sein, was bleibt an Gewinn übrig? Wie können Sie nach der Gründung mit Ihrem Business in den kommenden Jahren wachsen? Ein gut durchdachter Businessplan sollte immer mit der Existenzgründung einhergehen.

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Finanzierung

Wie können Sie Ihre Selbstständigkeit finanzieren? Werden Sie ab dem ersten Tag nach der Gründung genug für Ihren Lebensunterhalt und Ihre Ausgaben verdienen? Oder benötigen Sie für Ihr Unternehmen eine Finanzierung, zum Beispiel Bankkredite, Crowdfunding oder eine Förderung?

Gesellschaftsform

Möchten Sie Ihre Selbstständigkeit als Solopreneur durchziehen? Sind Sie damit ein Einzelunternehmer oder ein Freiberufler? Fällt Ihre Tätigkeit unter die Kleinunternehmerregelung

Größe des Unternehmens

Möchten Sie Mitarbeiter einstellen? Müssen Sie damit ein echtes Unternehmen gründen, verbunden mit einer Rechtsform wie UG, OHG oder GmbH?

Behörden und Co.

Gewerbeamt, Finanzamt, Berufsgenossenschaft und so weiter: Wissen Sie, wo Sie Ihre Selbstständigkeit und seine besondere Rechtsform anmelden müssen? 

Versicherungen, Steuern, Abgaben

Wissen Sie, welche Versicherungen Sie abschließen müssen, wenn Sie ein Unternehmen gründen? Welche Arten von Steuern zu entrichten sind? Und welche Abgaben sonst noch auf Sie zukommen?

Selbst und ständig: Was ebenfalls gern vergessen wird

Sie merken: Wenn Sie als Einzelunternehmer, Freelancer oder gar als Unternehmer mit Ihrer Geschäftsidee durchstarten möchten, müssen Sie viele Formalien beachten und grundlegende Fragen beantworten. Und das ist auch gut so.

Der Grund: Viele frisch gebackene Selbstständige scheitern daran, dass sie schlecht vorbereitet loslegen. Sie machen sich zu wenig Gedanken über sich selbst und über die Faktoren, die ihre Zukunft beeinflussen. Typische Fehler sind:

Mangelhaftes Konzept

Wenn Sie sich selbstständig machen möchten, wissen Sie höchstwahrscheinlich, wie Ihre Geschäftsidee aussieht. Doch kennen Sie die Rahmenbedingungen? Haben Sie im Zuge Ihres Businessplans eine Markt- und Konkurrenzanalyse durchgeführt? Wissen Sie, wie Ihre Branche funktioniert, wer die Mitbewerber sind? Gibt es Marktlücken, in denen Sie sich positionieren können?

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Der Kunde ist noch immer der König

Die Überschrift ist eine alte Weisheit, die besonders für Selbstständige sehr wichtig ist. Denn sie leben direkt von den Aufträgen, die sie akquirieren. Oder von Produkten und Dienstleistungen, die sie verkaufen. Doch wissen Sie wirklich, wie Ihre Kunden „ticken“? Haben Sie eine Zielgruppenanalyse durchgeführt und Personas definiert? Können Sie mit einem Alleinstellungsmerkmal (USP) oder einer Innovation punkten?

Vernachlässigung von Marketing und Vertrieb

Keiner wartet auf Sie und Ihre Idee – das ist die harte Realität, mit der Sie bald konfrontiert werden. Damit Sie Ihre Angebote an Ihre potenziellen Kunden bringen können, müssen Sie auf sich aufmerksam machen. Übersetzt bedeutet das: Jeder, der selbstständig arbeitet, muss ein Marketing- und Vertriebskonzept verfolgen. 

Bedenken Sie stets diese einfache Formel:
keine Aufträge ≙ kein Geld ≙ keine Selbstständigkeit.

Neue Arbeitsstrukturen

Wer selbstständig arbeitet, arbeitet selbst und ständig. Das bedeutet: Sie müssen sich eigenständig organisieren, motivieren und antreiben. Dafür bedarf es unter anderem Selbstdisziplin. Und Sie sollten flexibel sein – auch bei Ihren Arbeitszeiten. Was gern als Freiheit verkauft wird, kann oft bedeuten, dass Sie bis spät in die Nacht arbeiten und Wochenenden sowie Feiertage keine Tage zur Erholung darstellen.

Finanzen und Papierkram sind kein „nice to have“

Als Selbstständiger müssen Sie sich um die Buchhaltung kümmern, auch wenn Sie Unterstützung durch einen Steuerberater erhalten. Dabei sollten Sie stets auf Ihre Liquidität achten – durch genügend Einnahmen oder spezielle Finanzierungsmethoden.

Eine Lösung: Sich nebenberuflich selbstständig machen

Sich selbstständig machen ohne Eigenkapital, ohne Konzept, ohne Marktverständnis und ohne Soft Skills wie Ehrgeiz und Disziplin – das geht nicht. Möchten Sie Ihre eigene Unternehmung aufbauen, müssen Sie alles geben. 

Können oder möchten Sie das nicht? Dann versuchen Sie es mit einer „soften“ Variante: zum Beispiel, indem Sie neben Ihrer Festanstellung eine Selbstständigkeit aufbauen. Das minimiert das Risiko. Und Sie können herausfinden, ob Sie geeignet sind, als eigenständiger Unternehmer zu überleben. So vermeiden Sie, dass Ihr Traum von der Selbstständigkeit gleich wie eine Seifenblase platzt.

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Titelbild: Oksana Latysheva / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 6. Juli 2020, aktualisiert am Juli 06 2020

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