Unternehmensbewertung: Faktoren und Methoden im Überblick

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Daniel Wolter
Daniel Wolter

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Unter dem glitzernden Schleier der Skyline von Silicon Valley ging ein Milliarden-Dollar-Poker-Spiel vor sich: der viel diskutierte Kauf von Twitter, jetzt X, durch Elon Musk. Doch was genau macht Twitter oder ein anderes Unternehmen so wertvoll?

Kleinunternehmer beschäftigt sich Unternehmensbewertung

Willkommen in der faszinierenden Welt der Unternehmensbewertung, einem Bereich, der auf den ersten Blick eher trocken erscheinen mag, der für Firmen jedoch von großer Bedeutung ist. In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick darauf, wie Unternehmen wie Twitter bewertet werden, und welche Rolle diese Bewertungen in der heutigen wirtschaftlichen Landschaft spielen.

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Wichtig: Der Unternehmenswert entspricht nicht unbedingt dem Kaufpreis eines Unternehmens, wenn es beispielsweise veräußert wird. Der Verkaufspreis kann über oder unter dem ermittelten Firmenwert liegen. Er hängt unter anderem davon ab, wie viel der Käufer oder die Käuferin ausgeben möchte.

Wann ist eine Unternehmensbewertung erforderlich?

Möchten Sie den Firmenwert ermitteln, kann es dafür verschiedene Bewertungsanlässe geben. Anlässe können beispielsweise ein Unternehmensverkauf, eine Fusion, ein Börsengang oder eine bevorstehende Investition sein. Aber auch zur strategischen Planung lohnt sich die Durchführung einer Unternehmensbewertung.

Im Folgenden betrachten wir einige Fälle, in denen sich eine Unternehmensbewertung lohnt, genauer:

  • Unternehmensverkauf: Sie verkaufen das gesamte Unternehmen, zum Beispiel an einen Mitbewerber
  • Liquidation: Ihr Unternehmen soll aufgelöst werden, beispielsweise wegen einer Insolvenz
  • EXIT: Investoren veräußern ihre Anteile an einem Start-up
  • Geldaufnahme: Benötigt Ihr Unternehmen eine Finanzspritze wie einen Bankkredit, dient der Unternehmenswert als Berechnungsgrundlage
  • Unternehmensnachfolge: Sie möchten Ihr Unternehmen an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben
  • Börsengang (IPO): Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, muss es seinen Wert bestimmen, um den Ausgabepreis der Aktien festzulegen.
  • Gerichtliche Verfahren: In Fällen von Rechtsstreitigkeiten, Scheidungen, Erbschaften usw. kann es notwendig sein, den Wert eines Unternehmens zu ermitteln.
  • Investitionen: Venture-Capital- und Private-Equity-Unternehmen müssen den Wert von Start-ups und anderen Unternehmen bewerten, bevor sie Investitionen tätigen.
  • Strategische Planung: Unternehmen führen Bewertungen durch, um ihren aktuellen Wert zu kennen und um Wachstumsstrategien und andere strategischen Ziele zu planen.
  • Mergers & Acquisitions (M&A): Bei Firmenzusammenschlüssen und Übernahmen müssen Unternehmen ihren Wert kennen, um einen fairen Preis für die Transaktion festzulegen.

Wer führt die Unternehmensbewertung durch?

Das kommt darauf an, wie groß Ihr Unternehmen ist und wie hoch die Bewertung ausfällt. Bei kleinen Firmen kann die Unternehmensbewertung der Geschäftsführer bzw. die Geschäftsführerin oder die finanzverantwortliche Person selbst durchführen. Bei mittleren Unternehmen und größeren Unternehmen oder wichtigen Wertermittlungen (zum Beispiel bei einer Übernahme) kommen Experten und Expertinnen zum Einsatz.

Das sind unter anderem:

  • Steuerberater und Steuerberaterinnen
  • Unternehmensberater und Unternehmensberaterinnen
  • Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüferinnen
  • Banken

Unternehmenswert Einflussfaktoren

Eine Berechnung des Unternehmenswertes kann subjektiv ausfallen; besonders, wenn der strategische Wert eines Unternehmens im Fokus steht.

So hat Elon Musk beim Twitter-Kauf beispielsweise das Potenzial des Nachrichtendienstes gesehen, sich aber auch mit Risiken auseinandergesetzt, die sich beispielsweise aus Fake-Accountsm Bots und Spam-Konten ergeben. Für ihn hatten diese Faktoren so großen Einfluss auf die Unternehmensbewertung und somit auch auf seine Kaufentscheidung.

Solche Einschätzungen zum Wert des Unternehmens können Unternehmensbewertungen nach oben treiben oder den Wert infrage stellen. Somit hängt beispielsweise der Kaufpreis stark von aktuellen Trends und Entwicklungen ab. Das macht Unternehmensbewertungen unbeständig und kann zu überzogenen Erwartungen am Markt führen.

Das war ein Grund für das Platzen der überhitzten Internet-Blase zu Beginn der 2000er-Jahre. Je mehr Bewertungskriterien, wie die Ertragskraft, das Betriebsergebnis oder der Kapitalisierungszinssatz, Sie bei der Unternehmensbewertung heranziehen, desto besser können Sie sich vor solchen Risiken schützen.

Die wichtigsten Unternehmenswert-Einflussfaktoren im Überblick

  • Branchenzugehörigkeit
  • Zielgruppe und Stammkunden
  • die verantwortlichen Unternehmer und Unternehmerinnen
  • Umsatz und Gewinn
  • Notwendige Investitionen
  • Aktualität und Modernität des Angebots
  • Saisonalität
  • Zyklizität

Unternehmensbewertung: Methoden und Verfahren

Es gibt verschiedene Wege, wie Sie den Firmenwert herausfinden können. Viele der Methoden und Verfahren werden zusammengefasst in Einzelbewertungs-, Gesamtbewertungs- sowie Mischverfahren. Wir stellen Ihnen folgend die wichtigsten Methoden der Unternehmensbewertung vor:

Substanzwertverfahren (Englisch: Asset Value)

Die Substanzwertmethode ist eine Einzelbewertungsmethode, bei der Sie die Vermögenswerte Ihres Unternehmens betrachten und den Substanzwert bestimmen. Dabei erfassen Sie entweder den Preis für eine Neuanschaffung (Reproduktionswert) oder den Liquidationswert (was ein Verkauf der einzelnen Vermögenswerte bringen würde).

Ertragswertverfahren

Bei der Ertragswertmethode blicken Sie in die Zukunft, indem Sie den potenziellen Jahresgewinn – den Ertragswert – ermitteln. Die Berechnung vom Ertragswertverfahren basiert auf der Plan-, Gewinn- und Verlustrechnung.

Vergleichswertverfahren

Das Vergleichswertverfahren wird auch häufig als Marktwertmethode bezeichnet und ist eine häufig genutzte Methode in der Unternehmensbewertung. Dabei vergleichen Sie den Wert Ihres Unternehmens durch den Vergleich mit ähnlichen, auf dem Markt gehandelten Unternehmen. Hier kommen vor allem Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zum Einsatz.

Discounted-Cash-Flow Verfahren (DCF-Verfahren)

Häufig wird die DCF-Methode angewendet. Bei dieser Ermittlung des Cashflows (Ihrer Zahlungsströme) spielt auch die Diskontierung eine wichtige Rolle. Beim Discounted-Cash-Flow gibt es unterschiedliche Ansätze der Berechnung: den Entity-, den Equity- und den APV-Ansatz (APV = Adjusted present value).

Trading Multiples

Bei diesem Bewertungsverfahren setzen Sie Ihr Unternehmen mit mehreren ähnlichen, börsennotierten Unternehmen gleich. Sie ermitteln daraus einen Mittelwert, der mit einem branchenüblichen Multiplikator versehen wird.

Deal Multiples

Bei dem Multiplikatorverfahren nehmen Sie das EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) oder EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) Ihres Unternehmens und multiplizieren es mit einem Faktor. Beispielsweise ist EBIT x 2 eine übliche Berechnungsmethode. Eine solche Multiplikatoren Unternehmensbewertung ist sehr gängig.

Venture-Capital-Methode

Start-ups machen in den ersten Jahren wenig Umsatz und besitzen auch geringe Vermögenswerte, dementsprechend etablierte sich bei VC-Investoren die Venture-Capital-Methode. Bei dieser sind das Marktpotenzial sowie das Unternehmenspotenzial basierend auf dem möglichen Umsatz, Gewinn und der machbaren Marge im Fokus.

Welche Methode zur Unternehmensbewertung ist am besten?

Klären Sie das mit Profis, zum Beispiel mit einem Wirtschaftsprüfer beziehungsweise einer Wirtschaftsprüferin oder einem Unternehmensberater beziehungsweise einer Unternehmensberaterin. Er oder sie weiß, worauf es ankommt – unter anderem bei Bankterminen oder Verkaufsgesprächen – und empfiehlt Ihnen die für Sie am besten geeigneten Bewertungsmethoden.

Welche Kennzahlen sollten Sie zur Unternehmensbewertung heranziehen?

Das kommt darauf an. Möchten Sie den Wert eines Start-ups ermitteln, sind andere Kennzahlen als bei der Ermittlung eines mittelständischen Unternehmens oder eines Weltkonzerns zu betrachten. So ist der Ertragswert einer Neugründung nur mit einem Blick in die Glaskugel machbar, bei einem gestandenen Unternehmen aufgrund von jahrelang ermittelten wirtschaftlichen Kennzahlen dagegen gut berechenbar.

Ähnlich unterschiedlich sieht es beim Substanzwertverfahren aus: Ein Softwareunternehmen besitzt in der Regel immaterielle Güter, deren Wert sich mit einem bestimmten Verfahren meist nur subjektiv ermitteln lässt. Anders bei einem Maschinenbauunternehmen: Das hat handfeste Güter mit einem klaren Wert im Besitz.

Fazit: Mit Software für Unternehmensbewertung den Firmenwert ermitteln

Gerade vor einem Unternehmenskauf oder bei einer geplanten Unternehmensnachfolge ist eine Unternehmensbewertung ungemein wichtig. So können Käufer und Käuferinnen das Potenzial eines Betriebs einschätzen und ein realistisches Kaufangebot unterbreiten. Bei der Bewertung sind zahlreiche Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Deswegen setzen immer mehr Menschen in Deutschland auf Software zur Unternehmensbewertung.

Mit dieser ist es leicht möglich, unterschiedliche Bewertungskriterien zu untersuchen und zu prüfen, welche Auswirkungen Veränderungen an einzelnen Stellschrauben mit sich bringen. Die Unternehmensbewertung gelingt so besonders schnell und einfach und erweist sich als aussagekräftig.

Dennoch ist es sinnvoll, mit professioneller Unterstützung von Wirtschaftsprüfern und Wirtschaftsprüferinnen sowie anderen Profis zu arbeiten, um eine zuverlässige Unternehmensbewertung zu erhalten.

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Titelbild: urbazon / iStock / Getty Images Plus

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