„Was tun Sie, wenn Ihr Konkurrent am Ertrinken ist? Nehmen Sie einen Rettungsring und stopfen Sie ihn dem Konkurrent in den Mund!“ Kennen Sie dieses Zitat? Es stammt von Ray Kroc, dem Gründer der McDonald’s Corporation.

Muss eine Unternehmensführung unbedingt so hart sein, indem sie beispielsweise die Konkurrenz sinnbildlich zum Ertrinken bringt? Das erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Was versteht man unter Unternehmensführung?

Für den Begriff gibt es zwei gängige Definitionen. Zum einen handelt es sich bei der Unternehmensführung um eine oder mehrere Personen, die ein Unternehmen leiten. Zum anderen beschreibt Unternehmensführung die Handlungen der Führungsebene.

In beiden Fällen geht es darum, dass das Upper Management eines Betriebs die strategischen Vorgaben macht und bei der Erfüllung dieser Ziele aktiv mitarbeitet.

Aus wie vielen Personen besteht eine Unternehmensführung?

Bei der Personenanzahl innerhalb der Führung kommt es auf das jeweilige Unternehmen an. Kleine, mittelständische Unternehmen haben in der Regel einen Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin, der oder die (wie es der Name besagt) die Rolle der Unternehmensführung innehält. 

Bei Start-ups gibt es oft ein Gründerteam, das sich die Leitung des frischgebackenen Unternehmens teilt. Und bei großen Aktiengesellschaften besteht die Unternehmensführung aus einem Vorstand, der aus mehreren Vorstandsmitgliedern und einem oder einer Vorstandsvorsitzenden besteht.

Welche Aufgaben hat die Unternehmensführung?

Vereinfacht gesagt hat die Unternehmensführung die Aufgabe, ein Unternehmen im Gesamten zu führen und erfolgreich voranzubringen. Was das im Detail bedeutet, hängt unter anderem von der Unternehmensform, dem Alter der Organisation, der Marktposition und den internen Strukturen ab.

In einem Start-up sieht die Rolle einer Unternehmensführung anders als bei einem etablierten mittelständischen Unternehmen oder einem Konzern aus. Nichtsdestotrotz gibt es in den Tätigkeiten der Führungsebene einige Überschneidungen.

Sind Sie in der Geschäftsleitung tätig, haben Sie sich wahrscheinlich um diese Aufgaben zu kümmern:

Aufbau des Unternehmens

Bei der Unternehmensgründung gibt es Tausende Herausforderungen und Hürden, die Sie meistern müssen. Das beginnt bei der Entwicklung des Geschäftsmodells, dem Finden von Investoren oder Investorinnen sowie der Wahl der richtigen Gesellschaftsform und endet nicht bei der Ausarbeitung der Ablauforganisation.

Auch ein bestehendes Unternehmen befindet sich quasi in einem immerwährenden Aufbau. Denn hier müssen beispielsweise neue Geschäftsbereiche erschlossen und in die bestehenden Strukturen integriert werden.

Entwicklung einer Strategie

Wohin soll sich das Unternehmen entwickeln? Wo steht es heute, wo könnte es in drei, fünf oder zehn Jahren sein? Eine wichtige Aufgabe der Unternehmensführung ist es, strategisch zu denken und zu handeln.

Dabei kommen unter anderem diese Fragen auf:

Marktanalyse und Positionierung

Jedes Unternehmen benötigt eine Positionierung, um sich von seinen Wettbewerbern abgrenzen zu können. Damit die Ausrichtung klappt, müssen Sie zuerst die Situation analysieren, zum Beispiel über eine Wettbewerbsanalyse und eine Abschätzung der Marktpotenziale. Zudem gilt es, das eigene Angebot mit einer Portfolioanalyse zu durchleuchten.

Wenn Sie sich Ihrer Positionierung sowie Ihrer Stärken und Schwächen (Stichwort: SWOT-Analyse) bewusst sind, können Sie Strategieanpassungen vornehmen. Vielleicht ist eine Penetrationsstrategie die beste Wahl, um voranzukommen? Vielleicht hilft auch eine spezielle Diversifikation gemäß Ansoff-Matrix?

Taktische Maßnahmen

Jede Strategie ist nur so gut wie ihre Ausführung. Dazu gehören einerseits lang- und mittelfristige Maßnahmen, welche im Detail durchgeplant sein sollten. Andererseits gehören zur Geschäftsführung ebenso kurzfristige Anpassungen und Strategieänderungen.

Märkte können sich schnell verändern, beispielsweise durch äußere Einflüsse wie Krisen (man denke an die Corona-Pandemie). Ebenso können disruptive Technologien für rasante Verschiebungen sorgen. Auf solche Dinge haben Sie zu reagieren. Doch tun Sie das nicht kopflos. Passen Sie Ihre Taktik an Ihre Strategie an – und umgekehrt.

Produktentwicklung

In kleinen Unternehmen ist die Unternehmensführung in viele Dinge involviert, manchmal bis ins letzte Detail. Dazu gehört beispielsweise die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Je größer eine Organisation, desto weiter ist das Upper Management vom Tagesgeschäft entfernt.

Nichtsdestotrotz sollten Sie bei der Produktentwicklung mitmischen. Schließlich zahlt das Produkt auf die Unternehmensentwicklung ein und die Unternehmensentwicklung wirkt sich auf die Fortführung der einzelnen Produkte aus.

Personalmanagement und Organisation

Was die Führungsebene gern vergisst: Nicht die Produkte sind das Herz eines Betriebs, sondern die dahinterstehenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ohne Belegschaft gibt es keine Produktentwicklung und keinen Betrieb.

Das Personalmanagement und der Aufbau einer passenden Organisation ist ebenfalls eine Aufgabe, welche die Unternehmensführung betreuen sollte. Wächst Ihr Unternehmen, haben Sie ein „Commitment“ von oben nach unten und von unten nach oben zu finden: Alle Hierarchie-Ebenen müssen verstehen, wofür das Unternehmen steht und wohin die gemeinsame Reise geht. Nur so kann die Führung die ideale Bereichsleitung und diese die benötigten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einstellen und weiterentwickeln.

Beziehungsmanagement

In jedem Unternehmen gibt es diverse Kräfte, die gern einmal an verschiedenen Strängen ziehen. Auf der einen Seite stehen die Stakeholder, wozu interne Interessengruppen zählen, auf der anderen die Shareholder, die Anteilseigner Ihrer Firma. Und mittendrin befindet sich die Kundschaft, die Stakeholder und Shareholder auch nie vergessen sollten.

Zu den vielen Tätigkeiten einer Unternehmensführung gehört es, offen für die Wünsche und Anforderungen der verschiedenen Interessengruppen zu sein – und in diesem „Machtspiel“ den richtigen Weg zu finden, sodass das Unternehmen davon langfristig profitiert. Auch das Networking zu Lieferanten, Dienstleistern oder sogar zum Wettbewerb gehört zum Beziehungsmanagement einer Geschäftsleitung.

Prozessoptimierung

Laufen die Prozesse rund? Welche Abläufe sind ineffizient? Welche Veränderungen gibt es, die ganz neue Arbeitsweisen erfordern? Dies sind Aufgaben, um die sich das Upper Management kümmern muss. Denn jede Organisation läuft nur rund, wenn ihre Prozesse aufeinander abgestimmt sind.

Finanzen und Controlling

Die Entwicklung neuer Produkte, die Anpassung der Vertriebsstrategie oder der Aufkauf eines Mitbewerbers: Fast jede Entscheidung der Unternehmensführung kostet Geld. Deshalb müssen Sie aktiv bei der Finanzplanung mitwirken, indem Sie beispielsweise die Planung der Budgets betreuen und die Gelder am Ende freigeben.

Auch die Überwachung – das Controlling – der Einnahmen und Ausgaben sowie anderer Finanzkennzahlen gehört bis zu einem gewissen Grad zu den obersten Pflichten einer Unternehmensführung.

Legales Handeln

Arbeitszeitgesetz, Arbeitsstättenverordnung, Bundesurlaubsgesetz, Datenschutz-Grundverordnung, Handwerksordnung oder Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz: Es bestehen Hunderte Vorschriften, Verordnungen und Gesetze, die definieren, wie sich Unternehmen zu verhalten haben. In diesem Korsett müssen Sie Ihre Organisation leiten und voranbringen. 

Gelingt Ihnen das nicht, können Sie schlimmstenfalls schnell mit einem Bein im Gefängnis stehen. Klagen und Prozesse können teuer werden und Ihr gesamtes Unternehmen ausbremsen – oder es sogar in die Insolvenz treiben.

Von wertorientierter Unternehmensführung bis zur agilen Unternehmensführung: Die verschiedenen Formen

Wie Sie sehen, gibt es nicht die Unternehmensführung. Die Aufgaben, Tätigkeiten und Herausforderungen fallen trotz vieler Gemeinsamkeiten teilweise unterschiedlich aus. 

Zudem können Sie eigene Akzente setzen, indem Sie einem oder mehreren Ansätzen der Unternehmensleitung folgen. Zum Beispiel:

Strategische Unternehmensführung

Bei einer strategischen Unternehmensführung legen Sie Ihren Fokus auf zukunftsorientierte Maßnahmen. Sie formulieren hierfür Visionen und Missionen sowie langfristige Ziele.

Operative Unternehmensführung

Die operative Unternehmensführung konzentriert sich auf die Ausführung der Strategie. Sie greifen dazu in die Strukturen und Prozesse, die Organisation und den Tagesablauf ein, um die unmittelbaren Aufgaben zu managen.

Wertorientierte Unternehmensführung

Wenn Sie Kennzahlen wie Umsatz, Marge und Gewinn stets im Blick haben, verfolgen Sie einen wertorientierten Ansatz. Das ist unter anderem wichtig, um den Forderungen von Kapitalgebern und Investierenden nachkommen zu können.

Soziale Unternehmensführung

Sie stellen das Wohl Ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Vordergrund? Sie achten auf die Einhaltung der Arbeitszeiten, bezahlen faire Löhne und kümmern sich um die Gesundheit Ihrer Angestellten? Dann verfolgen Sie soziale Werte. 

Nachhaltige Unternehmensführung

Kennzahlen wie Umsatz und Gewinn sind zwar wichtig für Sie, doch Sie wollen kein Wachstum um jeden Preis? Dann dürfte Ihnen die nachhaltige Unternehmensführung liegen. Diese hängt oft mit einer umweltorientierten Strategie zusammen. Bei dieser ist dem Management der Schutz der Ressourcen und der Umwelt extrem wichtig.

Marktorientierte Unternehmensführung

Die marktorientierte Unternehmensführung ist ein beliebter Studiengang, bei dem Sie die Grundlagen des wirtschaftlichen Handelns in Bezug auf die Marktsituation erlernen. In Ihrer Ausbildung bekommen Sie unter anderem die Wichtigkeit von Marketing, Vertrieb und Kundenzentrierung nähergebracht. Das sind alles wichtige Aspekte, die Sie bei der Führung eines Betriebs beachten sollten.

Agile Unternehmensführung

Mindestens ein Jahr Planung, zwei bis drei Jahre Umsetzung: So agieren klassisch handelnde Unternehmen bei großen Projekten. Bei einem agilen Ansatz geht es darum, schnell und wendig zu handeln, immer entlang der Wünsche der Kundschaft und Marktveränderungen. Die Folge sind schnelle Release-Zyklen. 

Welche Anforderungen hat eine Unternehmensführung zu erfüllen?

Als Top-Management eines Unternehmens gibt es mehrere Fähigkeiten und Facetten, die Sie für den Job mitbringen sollten

Zu Ihrer Funktion als Führungskraft gehören folgende Hard und Soft Skills, die Sie voranbringen:

  • Seien Sie ein Visionär oder eine Visionärin, der oder die mit großen Ideen und Weitblick in die Zukunft schaut.
  • Denken und handeln Sie wie ein Entrepreneur, der mit seinen Innovationen die Welt verändern möchte.
  • Bleiben Sie fortwährend wissbegierig und offen für Neues, um die sich ständig verändernden Herausforderungen strategisch und operativ meistern zu können.
  • Mit Durchsetzungsvermögen müssen Sie auch unbeliebte, aber nötige Maßnahmen realisieren.
  • Geben Sie Aufgaben ab, indem Sie diese an Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen delegieren. Aber übernehmen Sie auch Verantwortung.
  • Arbeiten Sie sich in alle Kennzahlen tief ein, um richtig handeln zu können.
  • Denken Sie analytisch, indem Sie beispielsweise den Markt und Ihre Herausforderer genau sondieren.
  • Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und ziehen Sie mit diesen an einem Strang.
  • Mit einer guten Kommunikation können Sie Stakeholder und Shareholder auf Ihre Seite bringen.
  • Setzen Sie sich immer Ziele und verfolgen Sie diese konsequent.

Denken Sie langfristig, handeln Sie kurzfristig

Die Führung eines Unternehmens ist keine kurzfristige Handlung, sondern ein fortwährender Prozess. Einer, bei dem Sie langfristige Planungen entwickeln und trotzdem auch einmal „auf Sicht fahren“ müssen. 

Zu Ihrer Funktion als Unternehmensführung gehört es dazu, zwischen strategischen und operativen Maßnahmen hin und her zu wechseln. Sie müssen das Tagesgeschäft erfolgreich meistern und zugleich mittelfristige und langfristige Entscheidungen treffen. 

Und dabei geht es keineswegs darum, wie von Ray Kroc gefordert, den Wettbewerb „zu ertränken“. Wenn Sie beispielsweise mit Ihrer Führung einen sozialen Ansatz verfolgen, können Sie trotz Wettbewerbssituation fair miteinander umgehen.

Geschäftsmann mit Geld in beiden Händen

Titelbild: Antonio_Diaz / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 6. Juli 2021, aktualisiert am Juli 06 2021

Themen:

Entrepreneurship