Wenn Sie ein Startup oder eine andere Form von Unternehmen gründen, müssen Sie aus Sicht des Finanzamtes eine Gewinnerzielungsabsicht haben – ansonsten gilt Ihre Unternehmung als Liebhaberei. Um Gewinne zu erwirtschaften, gibt es in den ersten Jahren oft nur einen Weg: den über ein rasches Unternehmenswachstum.

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Warum ist Unternehmenswachstum wichtig?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Sie bestrebt sein sollten, Ihr Unternehmen wachsen zu lassen. Zum Beispiel:

  • Ein Startup zu gründen ist teuer, denn der Kapitalbedarf fällt oft hoch aus. Um die Kosten der Gründung und die laufenden Kosten zu decken, müssen Sie die Anzahl der Kunden und die Absatzmenge nach oben schnellen lassen.

  • Etablierte Unternehmen streben ein Unternehmenswachstum häufig an, um ihre Rentabilität zu verbessern. Besonders, wenn die Kosten über die Jahre steigen, anstatt durch Effizienzsteigerungen zu sinken.

  • Ein Unternehmenswachstum steigert das Image und den Unternehmenswert. Das kann für ein Startup wichtig sein, um neue Investoren an Bord zu holen.

  • Schnelles Wachstum steht auch gerne im Fokus, wenn es um den Wettbewerb geht. Zum Beispiel möchte Ihr Geschäftsführer unbedingt, dass sein Unternehmen zum Marktführer aufsteigt, um besser als die Mitbewerber dazustehen.

  • In einem heiß umkämpften Markt stellt ein Unternehmenswachstum manchmal die einzige Rettung dar, um nicht unterzugehen.

Damit es zu einem Unternehmenswachstum kommt, gibt es zwei Wege: organisches und anorganisches Wachstum.

Was ist organisches Wachstum?

Wächst ein Unternehmen aus eigener Kraft, gilt das als internes oder organisches Wachstum. Das heißt, das Management wendet Strategien und Maßnahmen an, über die ein Unternehmenswachstum von innen heraus möglich ist.

Was bedeutet anorganisches Wachstum?

Kauft ein Unternehmen andere auf oder fusioniert mit diesen, handelt es sich hierbei um ein anorganisches Wachstum. Diese sogenannte M&A-Strategie (Mergers & Acquisitions) wird angewandt, wenn ein organisches Wachstum nur schwer möglich ist (zum Beispiel bei einer Marktsättigung) oder wenn ein Unternehmenswachstum sehr schnell erfolgen soll.

Können Sie das Unternehmenswachstum messen?

Ja – wenn Sie wissen, was genau Sie messen möchten. Dafür müssen Sie festlegen, was Sie als Unternehmenswachstum definieren. Legen Sie quantitative, qualitative oder beide Maßstäbe an?

Das heißt: Was sind Ihre Messgrößen? Definieren Sie das Wachstum über …

  • den Umsatz,

  • den Gewinn,

  • den Unternehmenswert,

  • den Börsenkurs,

  • die Anzahl an Niederlassungen,

  • die Anzahl an Mitarbeitern,

  • die Anzahl an Kunden,

  • die produzierte Stückzahl,

  • die Absatzmenge,

  • die Kundenzufriedenheit,

  • oder die Verbesserung der Corporate Sustainability

Vielleicht haben Sie aber ganz andere Ziele, die Sie verfolgen?

Im Endeffekt müssen Sie für sich und Ihre Stakeholder definieren, was sie gemeinsam unter Unternehmenswachstum verstehen. Damit ordnen Sie besser ein, was ein gutes und schlechtes Wachstum darstellt.

Unternehmenswachstum berechnen: Was sind gängige Formeln?

Um etwas zu berechnen, müssen Sie wie erwähnt zuerst die wichtigsten Kennzahlen und Messgrößen definieren. Der erwirtschaftete Gewinn in einem festgelegten Zeitraum (beispielsweise Kalender- oder Geschäftsjahr) ist ein häufig genutztes Merkmal, um den Erfolg eines Unternehmens zu bewerten und ebenso sein Wachstum.

Dieses Wachstum können Sie absolut oder relativ darstellen. Ein Beispiel:

  • Betrug der Gewinn Ihres Startups im Jahr 2019 genau 10.000 Euro und im Jahr darauf 20.000 Euro, ist das eine Steigerung um 10.000 Euro bzw. 100 %.

  • Steigert Ihr Mitbewerber seinen Gewinn von 100.000 Euro auf 120.000 Euro, ist das eine relative Steigerung von „nur“ 20 %. Doch absolut gesehen hat er 20.000 Euro mehr Profit gemacht.

Um ein Unternehmenswachstum in Zahlen zu gießen, gibt es zahlreiche Formeln und Kennzahlen im Controlling. Bekannte sind unter anderem:

  • ROI, Return on Investment: Der Gewinn im Bezug auf den Aufwand

  • ROAS, Return on Advertising Spend: Der Gewinn pro Werbeausgabe

  • RoA, Return on Assets: Anteil des Umsatzes am Gewinn (Umsatzrentabilität)

Die 6 Phasen des Unternehmenswachstums

In der Regel wächst eine Firma in verschiedenen Bereichen. Damit der Umsatz und der Gewinn ansteigen können, benötigen Sie mehr Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, mehr Büroflächen, schaffen mehr Maschinen oder digitale Tools an.

Über die Zeit wird so aus einem „wilden” Startup ein strukturiertes, mittelständisches Unternehmen. Mit diesem Unternehmenswachstum steigen die Anforderungen an das Management und an die Mitarbeiter.

Laut dem US-amerikanischen Ökonom Larry E. Greiner durchlaufen Organisationen beim Wachstum fünf typische Phasen – die sogenannten Entwicklungsphasen. Diese sehen so aus:

1. Phase: Kreativität

Bei einem frisch gegründeten Unternehmen sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen meist hoch motiviert. Sie arbeiten flexibel, tauschen sich schnell untereinander aus und schaffen kreative Lösungen für Probleme.

2. Phase: Führung

Wächst ein Startup, gelangt die ungeordnete Arbeitsweise bald an ihre Grenzen: Es entstehen zunehmend Fehler, die Kommunikation klappt nicht mehr richtig, Unzufriedenheit kommt auf, die Abläufe werden ineffizient.

Die Lösung: Das Startup benötigt eine Struktur. Es entstehen erste Hierarchien und Spezialisierungen. Das sorgt beispielsweise dafür, dass die Gründer nicht mehr für alles zuständig sind. Stattdessen fokussieren sie sich auf einzelne Themengebiete.

3. Phase: Delegation

Mit dem weiteren Wachstum steigt auch die Anzahl der Hierarchieebenen: Es kommt zur Bildung von Abteilungen mit klaren Aufgabengebieten. Die Geschäftsführer wie auch die einzelnen Abteilungen delegieren Tasks an die zuständigen Kollegen und Kolleginnen, um sich auf die eigenen Aufgaben besser zu konzentrieren.

4. Phase: Koordination

Das Unternehmen erlebt einen weiteren Schritt der Professionalisierung. In dieser Phase des Greiner’schen Wachstumsmodells werden Bereiche und Projekte professioneller geleitet, die Anzahl der Vorschriften und Regeln nehmen zu. Ebenso die Bedeutung des Controllings, das mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen die Aktivitäten der Firma durchleuchtet.

5. Phase: Kooperation

Das Unternehmen ist mittlerweile so weit gewachsen, dass es zu verkrusteten, bürokratischen Strukturen kommt. Die Entwicklung von Innovationen geht nur schleppend voran, was für Unzufriedenheit sorgt.

In der Kooperationsphase benötigen Sie ein Change-Management, um neue, flexiblere Strukturen und Prozesse zu schaffen. Das muss die Komplexität verringern, damit das Unternehmen im Wettbewerb überleben und weiterwachsen kann.

6. Phase: Vernetzung

Das Greiner-Modell wurde von anderen Ökonomen um eine sechste Phase ergänzt. Hierbei geht das Unternehmen Kooperationen mit anderen Firmen ein. Diese Allianzen sorgen für eine Vernetzung und ein weiteres Wachstum. Dies kann allerdings auch darin münden, dass die Unternehmensidentität, die Corporate Identity, verloren geht. Die Folge daraus: eine Identitätskrise.

Bekannte Ansätze für eine Wachstumsstrategie

Wie kann Ihr Unternehmen nachhaltig wachsen? Erarbeiten Sie dazu eine Strategie mit einem der folgenden Ansätze:

Die Produkt-Matrix

Der Wirtschaftswissenschaftler Igor Ansoff entwickelte die Produkt-Matrix, die auch als Ansoff-Matrix bekannt ist. Die einfache Darstellung besteht aus einem Raster mit vier Feldern. Sie beschreiben grafisch und inhaltlich vereinfacht, wie Sie Ihr Unternehmen wachsen lassen.

Da gibt es zum einen den bestehenden Markt. In diesem wachsen Sie mit bestehenden Produkten (Market Penetration / Marktdurchdringung) oder neuen Produkten (Product Development / Produktentwicklung). Zum anderen können Sie neue Märkte erobern, indem Sie hier bestehende Produkte kopieren (Market Development / Marktentwicklung) oder mit Neuentwicklungen (Diversification / Diversifikation) glänzen.

Die 9-Feld-Matrix

Die 9-Feld-Matrix ist eine Erweiterung der Ansoff-Matrix. Sie besteht aus neuen Maßnahmen wie der Produktmodifikation und der Anpeilung von neuen Zielgruppen. Daraus entsteht unter anderem eine eingeschränkte und eine partielle Diversifikation.

SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse an sich ist keine Strategie. Aber Sie sollten diese als Basisarbeit erledigen, um eine Richtung entwickeln zu können. 

Mit der SWOT-Analyse finden Sie den Ist-Zustand Ihres Unternehmens heraus. Das Ergebnis sind:

  • Strengths: die Stärken

  • Weaknesses: die Schwächen

  • Opportunities: die Chancen

  • Threats: die Risiken

Wenn Sie zum Beispiel wissen, worin Ihre Produkte besser als die der Mitbewerber sind, erhalten Sie eine wichtige Grundlage für Ihre Wachstumsstrategie. Und wenn Sie die ermittelten Schwächen ausmerzen, kommen Veränderungen schneller voran.

BCG-Matrix

Auch die von der Boston Consulting Group entwickelten BCG-Matrix sollte zu Ihren „Hausaufgaben” gehören, bevor Sie eine Strategie formulieren. Sie halten derart fest, ob Ihre Produkte zu den Stars (hohes Wachstum und großer Marktanteil), Question Marks (hohes Wachstum, geringer Marktanteil), Cash Cows (niedriges Wachstum, aber hoher Marktanteil) oder Poor Dogs (niedriges Marktwachstum und niedriger Marktanteil) gehören.

Aus den Erkenntnissen der BCG-Matrix leiten Sie die mögliche Entwicklung Ihrer Firma und der damit verbundenen Produktentwicklung ab.

bcg-matrix-erkleartBild: PytyCzech / getty images

Weitere Maßnahmen für ein organisches Wachstum

Entscheiden Sie sich für eine Strategie, geht es danach um die richtige taktische Umsetzung. Dazu gehören Maßnahmen wie:

  1. Bilden Sie Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fort, damit sie fit für die Herausforderungen des Unternehmenswachstums sind. Schließlich benötigen Sie Fachkräfte, um Innovationen zu entwickeln oder neue Märkte zu erschließen.

  2. Setzen Sie auf eine hohe Qualität Ihrer Produkte und Dienstleistungen. Derartige Pluspunkte zahlen sich langfristig aus. Und sie senken die Kosten für Reparaturen oder Retouren, was Ihrem Gewinn guttut.

  3. Verbessern Sie Ihren Kundenservice und erhöhen Sie die Kundenbindung. So schöpfen Sie die Potenziale Ihrer Bestandskunden ab.

  4. Ein gutes Controlling sorgt dafür, dass Sie Schwächen in der Unternehmenseffizienz und Kostenblöcke aufdecken. Nutzen Sie die Erkenntnisse, um Ihre Prozesse zu verbessern und zu beschleunigen. Das Ergebnis: mehr Output.

Welche Maßnahmen und Strategien sind gut oder schlecht?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Sie hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von Ihrer Marktsituation, von Ihren Produkten, den Zielgruppen und von Ihren Wachstumszielen.

Ebenso ist immer abzuwägen, über welchen Weg Ihr Unternehmen wachsen soll: Ist ein organisches und damit langsames Vordringen besser? Oder hat Ihr Business steil zu skalieren? Dann können Zukäufe und Fusionen hilfreich sein.

Eines muss Ihnen stets klar sein: Wachstum kriegen Sie nie umsonst. Es kostet Sie Zeit, Geld und Know-how. Von was haben Sie am meisten?

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Titelbild: marchmeena29 / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 27. Januar 2021, aktualisiert am Januar 27 2021

Themen:

Entrepreneurship