Die Akzeptanz eines Produktes innerhalb der Verbraucherschaft ist maßgeblich für den Erfolg desselben verantwortlich. Deshalb hat sich in der Software-Branche ein Prozess etabliert, bei dem das Produkt vor Launch noch einmal auf Herz und Nieren überprüft wird. Beim sogenannten User Acceptance Testing werten potenzielle Nutzende aus, wie funktional sie eine Software finden.

Welche Methoden während dieses Akzeptanztests angewendet werden können und welche Personen Sie für die Testphase auswählen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag. 

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Warum UAT Ihren Erfolg beeinflusst

Ohne den Benutzerakzeptanztest durchlaufen zu haben, wird wohl kaum eine Software Erfolg verzeichnen. Wieso? Weil das User Acceptance Testing eine der wichtigsten Feedbackschleifen ist, bevor ein Software-Produkt marktreif wird.

Beim UAT überprüfen User final, ob die Software-Lösung den Anforderungen der Endnutzerschaft standhält. Dabei geht es jedoch weniger darum, zu überprüfen, ob die Software funktioniert, sondern vielmehr darum zu prüfen, ob alle Spezifikationen enthalten und benutzerfreundlich sind. Wenn Endkundinnen und Endkunden Ihre Software nicht nutzen, weil sie schwer zu bedienen oder wenig intuitiv ist, wird auch der Erfolg Ihres Produktes ausbleiben.  

Das User Acceptance Testing ist deshalb der finale Schritt, um letzte Änderungen vorzunehmen, die von den Usern gewünscht sind. Durch den Test werden Budget, Zeit und Ressourcen gespart, da das Produkt noch vor Markteintritt ausgebessert werden kann.

Der beste Zeitpunkt für die Durchführung des UAT sollte deshalb kurz vor dem Launch stattfinden – wenn alle Entwicklungen bereits fertiggestellt sind. System- und Modultest müssen abgeschlossen sein, sodass den Nutzenden eine fertige Software-Lösung zum Testen präsentiert werden kann. 

Stürzt die Software während der Endkundentestphase ab, kann das ein schlechtes Bild auf Ihr Unternehmen werfen. Lediglich Schönheitsfehler sind während der UAT erlaubt, denn diese aufzudecken und entsprechend der User Experience anzupassen, ist Hauptanliegen des Akzeptanztests. 

Welche Arten von User Acceptance Tests gibt es? 

Abhängig davon, welche Software für welchen Anwendungsfall und welche Userinnen und User entwickelt wurde, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten beim UAT. Die Testmethoden unterscheiden sich in: 

1. Betatest

Betatests werden häufig durchgeführt, wenn eine Software für eine Vielzahl von Endverbrauchern zugänglich gemacht werden soll. Apps launchen ihre Anwendung oftmals zunächst in einer Betaversion, um eine Bandbreite von unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzer in die Testphase mit einzuschließen.

Diese Personen testen dabei, ob die Software für den spezifizierten Anwendungsfall nutzerorientiert entwickelt wurde. Das Feedback bietet den Entwickelnden Anreize für Verbesserung des Produktes, bevor die endgültige Version ausgerollt wird. 

2. Vertragsakzeptanz

Wurde die Software beispielsweise für einen bestimmten Kunden entwickelt (beispielsweise eine App für einen Messeauftritt), dann können die zuvor im Vertrag festgehaltenen Spezifikationen durch den Akzeptanztest überprüft werden. Die Software-Lösung wird daher beim Vertragsakzeptanztest auf zuvor definierte Kriterien geprüft. 

3. Regulationsakzeptanz

Der Zulassungstest oder Regulationsakzeptanztest ist vor allem bei medizinischen Software-Lösungen ein häufiger Anwendungsfall. In der Testphase wird überprüft, ob die Anwendung den rechtlichen und gesetzlichen Grundlagen entspricht und keine Lücken aufwirft. 

4. Operative Akzeptanz

Die operative Akzeptanz (oder auch: Production Acceptance Testing) untersucht vor dem finalen Markteintritt, ob die entwickelte Software-Lösung Workflows abdeckt. Die Nutzer und Nutzerinnen probieren aus, ob typische Arbeitsprozesse mit der Anwendung funktionieren oder ob das Tool das operative Geschäft eher beeinträchtigt. 

5. Black-Box-Test

Algorithmen und Programmiercodes werden häufig als Black Box bezeichnet. Da der Inhalt verborgen liegt und Personen nur das zu sehen bekommen, was das System ausgibt, bleibt der Inhalt oft im Verborgenen. Genau um dieses Szenario geht es auch beim Black-Box-Test. 

Die Endverbraucherinnen und Endverbraucher testen dabei bestimmte Funktionen der Software, ohne den Code zu kennen. Damit soll überprüft werden, ob eine bestimmte Aktion das gewünschte Ergebnis erzielt. Wie das geschieht – also welcher Programmiercode dafür sorgt – ist beim Black-Box-Test unerheblich. 

Wer ist geeignet, um am UAT teilzunehmen?

Wie der Name UAT bereits verrät, sind es vor allem die User und Userinnen einer Software, eines Tools oder einer Webseite, die auch in der finalen Testphase teilnehmen. Viele Unternehmen führen vor der Betaphase zunächst einen Alphatest durch, bei dem als Erstes die eigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen testen dürfen.

Möglich ist auch die QA-Abteilung Testszenarien durchspielen zu lassen, um bereits so viele Fehler wie möglich aufzudecken. 

Die wichtigste Gruppe, die von Ihrer Software überzeugt sein muss, sind Ihre Kundinnen und Kunden. Deshalb sollten Sie diese so gut wie möglich in den Akzeptanztest mit einbeziehen. Auch Freiwillige oder bezahlte Testpersonen sind Möglichkeiten, um Feedback zu Ihrer Software-Lösung einzuholen. Sammeln Sie so viel Feedback wie möglich, damit Ihr Produkt den letzten Feinschliff erhalten kann, bevor es schließlich in den Markt eintritt. 

Akzeptanztest durchführen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Auf die Plätze, fertig, los: Doch bevor es an den User Acceptance Test geht, müssen Sie die Kundenanforderungen genau definieren und Testszenarien entwickeln. Nur so erhalten Sie wertvolles Feedback, das gesammelt ausgewertet und anschließend implementiert werden kann. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

1) Analysieren Sie die Kundenanforderungen

Der erste Schritt besteht aus einer Planungsphase, in der die Strategie des Akzeptanztests festgelegt wird. Dokumentieren und analysieren Sie jegliche Kundenanforderungen und Spezifikationen, damit Sie im Nachgang überprüfen können, ob das System diese erfüllt. 

2) Erstellen Sie Testszenarien und einen Testplan

Im zweiten Schritt definieren Sie Testszenarien, die die Nutzenden während des UAT durchführen. Die Szenarien sollten möglichst alle Funktionen umfassen, damit die Testpersonen mit allen möglichen Fehlerquellen beziehungsweise Abläufen konfrontiert werden. 

3) Bestimmen Sie Testteams 

Ist der Testplan erstellt, bestimmen Sie die Testteams Ihres Akzeptanztests. Möglich wäre es auch, Personen am Betatest teilnehmen zu lassen und Ihnen danach eine kostenlose Software-Version zur Verfügung zu stellen. So erreichen Sie eine valide Teilnehmerzahl, die Ihnen hilfreiches Feedback liefert. Geben Sie den Testpersonen in jedem Fall ein Handbuch mit, damit Sie sich näher mit dem Aufbau und den Funktionen Ihrer Software beschäftigen können.

4) Führen Sie den Akzeptanztest durch

Nun geht es darum, den Akzeptanztest durchzuführen. In der Planungsphase sollten Sie einen genauen Zeitraum definiert haben. Sie können den UAT sowohl selbstbestimmt von den Testpersonen durchführen lassen oder aber Sie richten einen speziellen Raum für die Testphase ein. Beide Varianten haben Ihre Vor- und Nachteile. Wägen Sie ab, welches Szenario für Ihr Produkt geeigneter ist. 

5) Dokumentieren und werten Sie alle Testergebnisse aus

Nach dem Akzeptanztest müssen alle Ergebnisse genauestens dokumentiert und ausgewertet werden. Kategorisieren Sie das Feedback und überprüfen Sie Doppelungen. Indem Sie prüfen, wie oft ein Problem eingereicht wurde, erhalten Sie gleichzeitig eine Priorisierung für die Optimierungen. 

6) Optimieren Sie Ihr Produkt

Sobald alle Testergebnisse ausgewertet sind, ordnen Sie die Anforderungen in Sprints ein und geben diese ans Entwicklerteam weiter. Die IT-Abteilung übernimmt Anpassungen im Code und arbeitet gegebenenfalls mit der Grafik-Abteilung zusammen, um auch kosmetische Fehler, die die User Experience beeinträchtigen, zu beseitigen. 

Fazit: Mit ausführlichem UAT Fehler wirksam vermeiden

Das UAT stellt den finalen Prozess der Softwareentwicklung dar. Userinnen und User prüfen die Anwendung hierbei dabei bis ins kleinste Detail auf Nutzerfreundlichkeit und Akzeptanz.

Der Prozess verringert als letzte Feedbackschleife vor Verkaufsstart finanzielle und zeitliche Ressourcen. Denn nur, wenn ein Produkt unter den Endverbrauchenden akzeptiert wird, können Erfolge erwartet werden.

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Titelbild: Urupong / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 23. Juli 2021, aktualisiert am Juli 23 2021

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Produktmanagement