Was bringt Google+ im Marketing-Mix? Ein schonungsloser Blick auf Googles Social Netzwerk

by Gidon Wagner

Date

21.10.2015 02:00:00

Google+ ging 2011 an den Start, verknüpft mit vielen Hoffnungen und großen Erwartungen. Die Suchmaschine trat damit in direkte Konkurrenz zum sozialen Netzwerk Facebook. Daten aus Google+ sollten die Suchergebnisse anreichern und noch persönlicher, besser machen.

Damit kam natürlich auch die Frage auf, wie Unternehmen das neue Netzwerk für sich nutzen könnten. In den folgenden 10 Punkten prüfe ich, ob es sich für Sie lohnt, Google+ in ihren Marketing-Mix zu integrieren.

Mit der Zeit erlebte Google+ einen kurzen Aufschwung. Die Nutzerzahlen stiegen, der Dienst wurde mit anderen Angeboten wie Youtube und Google Maps verknüpft und die Google+ Autorenschaft war in den Jahren 2012 und 2013 in aller Munde. Seit einiger Zeit geht Google mit seinem sozialen Netzwerk aber zunehmend auf Tauchstation. Die Integration in anderen Diensten nimmt ab, das Author Tag ist Geschichte und so richtig Stimmung will unter den bestehenden Usern irgendwie nicht aufkommen. 

1.  Google+ als Soziales Netzwerk

Laut Statista steigt die Zahl der Google+ Nutzer immer noch kräftig an. Mittlerweile sind 2,5 Milliarden Menschen weltweit registriert. Wie viele davon aber tatsächlich regelmäßig auf Google+ aktiv sind, ist schwer zu sagen. Im Vergleich zu anderen Kanälen wie Facebook, Instagram, Twitter oder auch Youtube wirkt Google+ verschlafen. Da ist nichts los auf den ersten Blick! Tatsächlich haben laut einer Studie nur neun Prozent der registrierten Nutzer jemals etwas in dem Netzwerk gepostet. Noch kläglicher ist die Zahl der aktiven Nutzer, die regelmäßig etwas posten: Sie liegt bei vier bis sechs Millionen. Das Geisterstadt-Image wird Google+ so nicht los.

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Wenig los auf Google+ =  im Vergleich werden Inhalte hier selten geteilt

Als soziales Netzwerk scheint Google+ gescheitert. Es gibt zwar viele registrierte Mitglieder, in vielen Fällen sind sie aber nur automatisch angemeldet, weil Sie zum Beispiel Android auf Ihrem Smartphone nutzen. Eine Leserschaft anzusprechen und die eigene Markenbekanntheit auszubauen, ist mit Google+ allein nicht möglich.

2.  Anzeigen: Fehlanzeige 

Ein eigenes Anzeigenformat für Google+ gibt es nicht. Google erklärt in seinen Anzeigen-Innovationen bloß kryptisch, wie man Google+ Seiten quasi selbst als Anzeigen nutzen kann. Adwords Anzeigen tauchen in dem Netzwerk schon gleich nicht auf. Wieso auch? Die Nutzerzahlen sind ohnehin so gering, dass kaum Klicks zustande kämen. Im Vergleich zu Facebook, Youtube, Twitter und Co. erreicht man auf Google+ kaum aktive Nutzer. 

3.  Google+ Local als Branchensuche 

Eine große Innovation sollte auch die Branchensuche direkt in Google+ werden. Unter dem Namen Google+ Local war ein Portal erreichbar, das wie eine Mischung aus Yelp, Facebook und Google Maps erschien. Restaurants, Ärzte, Steuerberater oder Nagelstudios konnten ihre eigene lokale Google+ Seite erstellen und damit auf die Jagd nach Followern, Bewertungen und Kundenanfragen gehen. Eine Zeit lang gab es sogar einen Parallelbetrieb mit Google Maps. Der große Haken an der Sache: Nutzer konnten nur über ihr Google+ Profil auf das soziale Branchenbuch zugreifen. Und nur wenige Nutzer haben eins.

Dass Google+ Local nie wirklich beim Nutzer ankam, zeigt die Art, wie der Dienst heimlich, still und leise aus dem Verkehr gezogen wurde. Zuerst wurde eilig der überflüssige Parallelbetrieb mit Maps eingestellt. Seit einiger Zeit ist der Dienst überhaupt nicht mehr erreichbar. Weder über die Navigation, noch wenn man in Google+ nach lokalen Unternehmen sucht. Eine besondere Nachricht war das Ende des sozialen Branchenbuchs übrigens niemandem Wert. Lokale Unternehmen erhalten die Google+ Seite quasi noch als Bonus dazu, wenn sie ihren Eintrag in Google Maps erstellen. Ein besonderer Mehrwert ist das aber nicht. 

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Wer in G+ nach Zahnarzt München sucht, würde nicht ahnen, dass diese Anfrage vor einiger Zeit noch direkt zu Google+ Local geführt hat. Jetzt gibt es den Dienst nicht mehr. Nutzer kommen trotzdem noch auf die Google+ Seite des jeweiligen Unternehmens.

4.  Unternehmen und Freiberufler in Google+

Es gibt aber nach wie vor Unternehmen, die Google+ aktiv nutzen. In manchen Fällen sogar mit einigem Erfolg. Die Techniker Krankenkasse postet zum Beispiel fleißig aktuelle Beiträge und hat für Google+ beachtliche 26.500 Follower (Stand: September 2015). Nicht viel, verglichen mit dem Facebook-Profil der Krankenversicherung, aber ein Zeichen dafür, dass man Google+ trotz weniger Nutzer sinnvoll ins Social Media Marketing einbinden kann. 

Auch ein paar Freiberufler schaffen es, mit ihren Inhalten Nutzer auf Google+ anzusprechen. Naturgemäß haben Fotografen hier ein Heimspiel, weil Google+ mit einem starken Bilder-Tool glänzt. Der Upload, die Verwaltung und auch die Aussteuerung an Nutzer sind intuitiv und ästhetisch ansprechend.

Wer in den vergangenen Jahren auf Google+ aktiv war und sich eine Follower-Gemeinde aufgebaut hat, kann hier weiterhin aktiv sein. Solange Google seinen Dienst nicht einstellt, kann man hier weiter Inhalte mit Fans, Interessenten und sogar potentiellen Kunden teilen.  Ende 2015 erst mit dem Aufbau einer Google+ Präsenz anzufangen, erscheint aber als riskantes Unterfangen.

5.  SEO und Google Authorship

Der Google Author Tag stand unter Online-Marketern noch 2013 hoch im Kurs. Fast jeder baute ihn im Zuge des SEO ein. Per HTML Tag mit Link zum Google+ Profil konnte man den Autoren eines Artikels oder auch einer Seite markieren. Screen_Shot_2015-10-19_at_2.58.47_PM

Der Autor musste dann nur noch im Google+ Profil die Seite unter “Macht mit bei” eintragen. Die Google-Autorenschaft war so bestätigt und bei Suchanfragen erschien - nach Googles Dafürhalten - ein Autorenfoto über dem Namen des “Verfassers”. Diese “Auszeichnung” war vielen Seitenbetreibern so viel Aufwand wert, dass sie sich extra dafür mehrere Google+ Profile anlegten. Das eigentliche Prinzip, mit dem Google nützliche Autorendaten sammeln wollte, um später die Suchergebnisse damit anzureichern, war dadurch natürlich konterkariert. Dass Google hier schnell und emotionslos den Riegel vorschob, war kein Wunder.

Das Konzept, einen Autoren an seinen Taten zu messen und seine Reputation als Relevanz-Kriterium zu nutzen, erscheint immer noch plausibel. Aber im Moment deutet nichts darauf hin, dass Google die notwendigen Daten dafür zukünftig aus Google+ zieht. Sich selbst einen Namen als Google+ Autor zu machen, ist deshalb abwegig und riskant.

6.  Personalisierung und Integration in Suchergebnissen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Personalisierte Suchergebnisse: Wenn ich bei Google eingeloggt nach dem Begriff “Local Finder” suche, sehe ich aktuelle Google+ Beträge zu diesem Thema. Sie stammen von Personen oder Seiten, denen ich folge.

Wer in Google+ gut vernetzt ist, sieht noch manchmal die Google+ Integration in den SERPs. Allerdings nur im eingeloggten Zustand. Zu bestimmten Suchanfragen erscheinen dann Beiträge aus Google+, von Personen denen man folgt. Umgekehrt heißt das: Je mehr Follower man hat, desto häufiger erscheint man bei denen mit eigenen Google+ Beiträgen in den Suchergebnissen - außer man schreibt nur über Themen, die die Follower nicht interessieren und daher nicht suchen. 

Der Haken an der Sache ist bloß, dass sich in relativ wenigen Branchen eine gut vernetzte Google+ Community heraus gebildet hat. Gemessen an der Reichweite, die man mit einem Facebook-Post erzielt, spricht man mit seinen Beiträgen in Google+ eine relativ kleine Zielgruppe an - nur in manchen Bereichen, wie im SEO, Online Marketing oder bei bestimmten Freiberuflern wie Fotografen ist die Reichweite etwas größer.

Wie oben schon erwähnt: Wer bereits gut vernetzt ist und viele Follower hat, sollte weiterhin regelmäßig Beiträge in Google+ teilen. Auch mit dem Ziel, darüber Follower direkt in den Suchergebnissen anzusprechen. Für Unternehmen macht das aber weniger Sinn, als im persönlichen Bereich. Wer als Blogger, YouTuber oder Social Media-Promi viele Follower anspricht, hat gute Chancen, mit Google+ Posts ein wenig zusätzliche Aufmerksamkeit zu generieren. 

7.  Verknüpfung mit anderen Diensten

Generell hat die Integration von Google+ Posts in den Suchergebnissen etwas abgenommen. Denn bei Branded Searches werden immer seltener Google+ Beiträge in den Knowledge Graph integriert. 

 

 

 

 

 

 

 

Auch in seinen anderen Diensten zwingt Google den Nutzern sein soziales Netzwerk nicht mehr auf. Während man eine zeitlang ein Google+ Konto brauchte, um YouTube-Videos zu kommentieren, gehen die beiden Dienste jetzt wieder getrennte Wege. Überhaupt ist es jetzt wieder möglich, sich ein Google Konto zu erstellen und Drive, YouTube, My Business und Co. zu nutzen, ohne jemals die Google+ Oberfläche zu Gesicht zu bekommen.

Mit seiner Politik, ein Google+ Konto zur “Zugangsvoraussetzung” für sein weiteres Angebot zu machen, hat sich Google ins eigene Bein geschossen. Im Moment wirkt es so, als hätte Google das Projekt “soziale Suchmaschine” auf Eis gelegt. Und wenn der Internet-Riese einen neuen Anlauf wagt, Social Media und Suchmaschine zu verzahnen, dann wohl eher per Kooperation mit Twitter

8.  Google+ als Business-Netzwerk

Ähnlich wie in Xing, LinkedIn oder auch Facebook, gibt es auch in Google+ Gruppen, in denen fachlicher Austausch stattfindet. Allerdings in weit geringerem Ausmaß. Hier gilt für viele das Credo: “Ich habe Xing, LinkedIn etc. – wofür brauche ich dann noch Google Plus als Business Netzwerk?”

Google+ war aber von Beginn an nicht als Business-Netzwerk gedacht. Es deutet auch nichts darauf hin, dass es sich zu einem entwickelt. Nutzen Sie lieber weiter die Kanäle, die bereits funktionieren. 

9.  Entwicklungen im Hause Google 

Immer wieder gibt es Google+ betreffend Hiobsbotschaften, die das Ende des Netzwerks absehbar erscheinen lassen. Für viel Furore sorgte im letzten Jahr das Ausscheiden von VIc Gundotra, der bis dahin verantwortlich für die Entwicklung von Google+ war. Auch die ständige Reduzierung der Sichtbarkeit in den Google-Suchergebnissen und der Funktionen des Dienstes werden als eindeutiges Indiz gewertet. 

Die offiziellen Aussagen aus Mountain View deuten aber auf etwas anderes hin. Auch wenn nicht zu 100 Prozent feststeht, wie es weiter geht, ist doch klar, dass es mit Google+ weiter geht. Einige Funktionen, wie Bildupload und -verwaltung, sind beliebt bei den Nutzern und haben noch weiteres Potential.

Trends 

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass verschiedene Soziale Netzwerke nebeneinander existieren können. Neben dem Generalisten Facebook gibt es viele Spezialisten, die eine große Nutzergemeinde zufrieden stellen. Natürlich sind Twitter, Instagram, Pinterest und Co. damit auch für Unternehmen interessant. Platz für ein weiteres Facebook scheint indes nicht zu sein. Auch Google+ könnte sich deshalb zum Spezial-Netzwerk wandeln, möglicherweise mit dem Schwerpunkt Fotografie.

Fazit

Google+ spielt in der Planung für Social Media Kommunikation bei den meisten Unternehmen keine oder nur eine sehr kleine Rolle. Und das ist auch vernünftig. Viel Aufwand für die eigene Google+ Seite oder eine Google+ Community zu betreiben, wäre sogar riskant. Wer hier noch keine Reichweite hat, sollte auch erst mal nicht daran arbeiten. Dann gilt: Erstmal die Füße still halten und abwarten, welche Änderungen Google noch fährt. Denn wenn Google Änderungen an seinen Produkten vornimmt, dann oft ohne große Vorankündigung und ohne Rücksicht auf Verluste. Wer bereits eine Präsenz und stattliche Reichweite im Netzwerk hat, sollte darauf aber nicht verzichten.

 

Written by Gidon Wagner

Gidon Wagner ist Online-Journalist und Geschäftsführer der WORTLIGA GmbH . Er ist Fachautor für Online-Marketing sowie Strategie- und B2B-Themen. Sein Unternehmen betreut Kunden im Content Marketing, zum Beispiel mit Fachbeiträgen sowie der Pflege von Blogs und Online-Magazinen.

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