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Affiliate-Marketing ist ein Win-Win für Unternehmen und Content-Autoren. Denn die einen profitieren von gesteigerter Reichweite und glaubwürdigen Produktempfehlungen, und die anderen werden an dem so entstehenden Mehrumsatz beteiligt. Kein Wunder also, dass sich das Affiliate-Marketing großer Beliebtheit erfreut.

Bereits 2016 nutzten 81 Prozent der Werbetreibenden und 84 Prozent der Publisher in den USA Affiliate-Programme. Die Publisher generierten auf diese Weise im Schnitt 20 Prozent ihrer Einnahmen. Die Gesamtinvestitionen im Affiliate-Marketing weltweit werden auf über 12 Milliarden Euro geschätzt. Es lohnt sich also für werbende Unternehmen und Publisher gleichermaßen, sich näher mit dieser Marketingtaktik zu befassen.

Wir erklären Ihnen im Folgenden, wie Affiliate-Marketing funktioniert, welche Modelle sich etabliert haben und welche formalen Vorgaben Affiliate-Partner beachten müssen.

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Wie ist Affiliate-Marketing strukturiert?

Typischerweise sind beim Affiliate-Marketing vier Parteien involviert:

1) Affiliates bzw. Affiliate-Partner

Dabei kann es sich um Einzelpersonen oder Unternehmen handeln, die als Publisher agieren. Häufig sind es Blogger oder Content-Autoren im Allgemeinen, die über die Branchen oder Produkte schreiben, die von den werbenden Anbietern bedient werden. Das kann sämtliche Themenbereiche von Medien und Technik bis hin zu Fashion und Lifestyle betreffen.

Meist promoten die Affiliates ein konkretes Produkt über entsprechende Blogartikel, YouTube-Videos oder Social-Media-Beiträge. Stets wird ein spezieller Link eingefügt, über Nutzer zu einer passenden Produktseite des werbenden Online-Händlers weitergeleitet werden. Klicken Nutzer auf diesen Link und führen in Folge eine Transaktion aus (je nach Abrechnungsmodell unterschiedlich: Produktkauf, Ausfüllen eines Lead-Formulars etc.), erhalten die Affiliate-Partner eine entsprechende Provision.

Der Vorteil für Affiliate-Partner liegt also auf der Hand: Sie erhalten für vergleichsweise wenig Aufwand (Einpflegen eines Links und gegebenenfalls die entsprechende Ausrichtung des Content) eine Vergütung, wenn die Promotion erfolgreich ist.

2) Anbieter / Händler / Werbetreibende

Hierbei handelt es sich in der Regel um Produkthersteller, die eine Provision im Gegenzug für mehr Aufmerksamkeit für ihre Produkte versprechen. Teilweise werben Onlineshops auch direkt, wie beispielsweise Amazon oder ebay.

Prinzipiell kann jeder ein Affiliate-Programm anbieten, ganz gleich ob Einzelunternehmer, KMU oder Konzern. Alles, was es dazu braucht, ist die Bereitschaft, Affiliate-Partner im Gegenzug für ihre Promotion am Umsatz zu beteiligen.

Auch hier werden die Vorteile schnell deutlich: Die Anbieter profitieren von einer Werbewirkung, ohne dabei ein hohes Risiko einzugehen. Denn in den meisten Fällen vergüten sie ihre Affiliate-Partner nur dann, wenn potenzielle Kunden klares Interesse am entsprechenden Produkt zeigen und daher Umsatz versprechen.

3) Netzwerke

Netzwerke agieren als Vermittler zwischen Affiliate-Partnern und den Händlern. Sie stellen den Kontakt her, überprüfen sämtliche (Zahlungs-)Vorgänge und schützen beide Seiten vor Betrug.

Bekannte Vertreter sind zum Beispiel Awin oder AdCell. Für Händler kann die Zusammenarbeit auch deshalb interessant sein, weil ihnen gegebenenfalls die (zeitlichen) Ressourcen zum Tracken, Berechnen und Managen der Zahlungen an die Affiliates fehlen, insbesondere, wenn sie mit vielen verschiedenen Partnern zusammenarbeiten.

Netzwerke für das Affiliate-Marketing zu nutzen ist aber optional und nicht zwingend erforderlich.

4) Kunden

Im Idealfall klicken die Besucher von Content-Angeboten der Affiliates auf einen zur Verfügung gestellten Affiliate-Link (beispielsweise in einem Blogartikel, in der Beschreibung eines YouTube-Videos oder in einer Instagram-Story), um zu einer Seite zu einem Produkt zu gelangen, das von den Affiliates vorgestellt wurde. Dort erfolgt dann eine relevante Transaktion (in der Regel der Produktkauf) und werden zu Kunden des Händlers.

Für diese Kunden entstehen durch ein Affiliate-Programm als einzige Partei weder Vor- noch Nachteile. Sie zahlen nicht mehr, wenn sie das Produkt über einen Affiliate-Link kaufen.

Wie funktioniert Affiliate-Marketing?

Wer sich als Autor oder Blogger dazu entscheidet, als Affiliate-Partner agieren zu wollen und Content für ein Affiliate-Programm zur Verfügung zu stellen, für den sind folgende Schritte nötig:
  1. Zunächst muss man sich bei einem entsprechenden Programm zur Teilnahme anmelden, beispielsweise dem Amazon PartnerNet.
  2. Daraufhin erhält der neue Partner einen Affiliate-Link mit eigener ID, den er im Rahmen des eigenen Content nutzen kann.
  3. Klickt ein Nutzer nun auf diesen Affiliate-Link (zum Beispiel in Form von Banner-Werbung), wird ein Cookie im Browser des Nutzers eingefügt, das dessen weiteres Surfverhalten auf der Website des Händlers verfolgt.
  4. Nimmt der Nutzer jetzt eine Handlung vor, die nach dem gewählten Abrechnungsmodell relevant ist, registriert der Händler diese und kann sie dem konkreten Affiliate-Partner zuordnen. Da die Cookies in der Regel mehrere Stunden bis Tage oder Wochen gültig sind, wird jede relevante Handlung innerhalb dieses Zeitraums dem Affiliate-Partner zugerechnet.
  5. In unterschiedlichen Abrechnungszeiträumen (meist monatlich) wird dem Partner dann die Provision für alle registrierten Aktionen im entsprechenden Zeitraum ausgezahlt.

Die unterschiedlichen Abrechnungsmodelle

Je nach Affiliate-Programm und konkretem Vertrag basiert die Beteiligung der Affiliate-Partner am Umsatz auf verschiedenen Verhaltensmustern der Nutzer beziehungsweise Kunden:

Pay-per-Click (PPC):

In diesem Fall erhalten Affiliate-Partner Geld für jeden Klick auf ihre Affiliate-Links, unabhängig davon, ob und wie Nutzer mit den Websites der Händler interagieren – der Besuch der Websites allein ist ausreichend. Dieses Modell ist eher unüblich, da die Händler hier das volle Risiko tragen: Sie zahlen, ohne zu wissen, ob sie auch von dem auf ihre Websites geleiteten Traffic profitieren.

Pay-per-Lead (PPL):

Hier werden die Affiliate-Partner für jeden generierten Lead bezahlt, was wiederum von bestimmten Aktionen abhängig gemacht wird, etwa wenn ein Nutzer auf der jeweiligen Händler-Website ein Online-Formular ausfüllt oder eine Testversion anfordert. In diesem Fall ist das Risiko für Affiliate-Partner und Händler etwa gleich groß, da gewährleistet ist, dass Nutzer Interesse am beworbenen Produkt haben, aber noch nicht die finale Kaufentscheidung getroffen haben müssen.

Pay-per-Sale (PPS):

Bei diesem Modell werden Affiliate-Partner erst beteiligt, wenn ein Nutzer tatsächlich einen Kauf tätigt und der Händler Umsatz macht. Dieses Modell ist das verbreitetste, das Risiko liegt hier allein beim Affiliate-Partner.

Neben diesen drei beliebten Modellen gibt es prinzipiell noch weitere (deutlich seltenere) Abrechnungsmodelle:

Pay-per-Link:

In diesem Fall wird bereits das Einbinden eines Affiliate-Links auf der Website eines Affiliate-Partners bezahlt. Dieses Modell ist allerdings sehr selten, da nicht gewährleistet ist, dass Nutzer den Link auch bewusst wahrnehmen und ihn tatsächlich anklicken.

Pay-per-Click-out:

Hier müssen die vermittelten Nutzer nicht nur per Klick die Seite des Händlers betreten („Click in“), sondern dort zusätzlich auf einen der gelisteten Anbieter klicken, um zu diesem weitergeleitet zu werden (das sogenannte „Click out“).

Pay-per-Print-out:

Dieses Modell wird vor allem bei Coupons oder ähnlichen Produkten angewendet. Hier werden Affiliate-Partner pro Papierausdruck vergütet.

Pay-per-Install:

Auch dieses Modell ist nur bei spezifischen Produkten, speziell Software, anwendbar. Affiliate-Partner erhalten ihre Provision, falls Nutzer das Produkt (zum Beispiel eine Demo-Version oder eine Toolbar) installieren.

Lifetime-Vergütung:

Falls die weitergeleiteten Nutzer als dauerhafte Kunden geworben werden können – zum Beispiel für einen Service mit monatlichem Tarif oder als Bestandskunden, die immer wieder Käufe tätigen – wird auf jede neue Zahlung eine Provision gezahlt, solange das Geschäftsverhältnis zwischen Kunden und Händler besteht.

Dieses Modell ist aus Sicht der Affiliate-Partner natürlich das attraktivste und macht die Affiliate-Programme von Händlern wie Versicherungen oder Kreditinstituten mit entsprechenden Konditionen besonders attraktiv.

Alles über Affiliate-Programme

Im Folgenden finden Sie die Antworten auf einige häufig gestellte Fragen rund um Affiliate-Programme.

Sind Affiliate-Programme kostenpflichtig?

In aller Regel fallen für die Teilnahme an Affiliate-Programmen keine direkten Kosten an. Allerdings sollten Sie die indirekten Kosten nicht außer Acht lassen, die mit einer erfolgreichen Teilnahme einhergehen können.

So müssen Sie als Händler die Mehrkosten durch die zu zahlenden Provisionen einkalkulieren. Als Affiliate-Partner sollten Sie die Kosten bedenken, die für die Promotion des Content anfallen, der den Affiliate-Link beinhaltet bzw. darauf verweist, zum Beispiel bei der Schaltung von Werbeanzeigen. Denn sieht niemand den Content, kann auch niemand auf die entsprechenden Links klicken und Sie gehen leer aus.

Auch eventuelle Hosting-Kosten für die betreffende Website gilt es zu berücksichtigen. Falls Sie Ihre jeweilige Content-Plattform aber ohnehin bereits im Rahmen Ihrer Marketingstrategie betreiben und bewerben, entstehen durch das zusätzliche Affiliate-Marketing keine Mehrkosten.

Wie viel lässt sich mit Affiliate-Marketing verdienen?

Diese Frage lässt sich nicht einheitlich oder definitiv beantworten. Der konkrete Verdienst hängt von zahlreichen Faktoren ab, allen voran von der Branche beziehungsweise der konkreten Nische, der Ihr Content sowie das Produkt zuzuordnen sind. Aber auch der durchschnittliche Traffic auf Ihrer Website und das Vertrauen, das Sie in Ihrer Community genießen, spielen eine große Rolle.

Außerdem sollten Sie nicht nur den reinen Verdienst betrachten, sondern das Einkommen durch Affiliate Links im Verhältnis zu Ihren Investitionen abwägen. Hierbei sollten Sie nicht nur direkte finanzielle Investitionen (zum Beispiel in Facebook- oder Google-Anzeigen) betrachten, sondern auch die Zeit, die Sie in den zu erstellenden Content investieren.

Eine Umfrage unter 250 nebenberuflichen, hauptberuflichen und Hobby-Affiliates aus dem Jahr 2017 liefert grobe Richtwerte zur Orientierung:

35 Prozent der Befragten verdienten weniger als 200 Euro monatlich, 21 Prozent mehr als 3.000 Euro im Monat. Die meisten Affiliates waren im Bereich Technik und Entertainment aktiv (31 Prozent), 25 Prozent gaben allerdings an, branchenübergreifende Themengebiete abzudecken.

Wie lässt sich ein passendes Affiliate-Programm finden?

Neben dem Amazon-Partnerprogramm stehen Ihnen zahlreiche weitere Affiliate-Programme zur Verfügung. Um die richtige Wahl zu treffen, sollten Sie verschiedene Kriterien berücksichtigen.

Als Affiliate-Partner muss ein geeignetes Programm in erster Linie Produkte beinhalten, hinter denen Sie wirklich stehen können und die Sie bestenfalls kennen. Zusätzlich müssen die Produkte zu Ihrem Content und damit auch zu Ihren Lesern oder Zuschauern passen, damit diese überhaupt motiviert sind, ihre Affiliate-Links anzuklicken.

Selbstverständlich muss die Produktqualität stimmen. Bewerben Sie ausschließlich Produkte, die Sie auch guten Gewissens Ihren Freunden empfehlen würden, ansonsten riskieren Sie einen Vertrauensverlust in Ihrer Community.

Entscheidend ist also vor allem der Faktor Authentizität. Wählen Sie ein Programm, dessen Produkte Sie tatsächlich nutzen und wertschätzen und erliegen Sie nicht der Versuchung, einfach irgendetwas verkaufen zu wollen – das schadet nur Ihrer Glaubwürdigkeit.

Darüber hinaus sollten die Programmkonditionen für Sie natürlich möglichst profitabel sein. Daher sollte das angebotene Abrechnungsmodell vorteilhaft für Sie sein – also ausreichend hohe Provisionen bieten und die Risiken fair verteilen.

Und natürlich sollten die teilnehmenden Händler möglichst viele Verkäufe aufweisen können. Denn dann stehen die Chancen gut, dass sich auch über Ihre Affiliate-Links Käufe generieren lassen.

Kennzeichnung von Affiliate-Links

Generell ist die Rechtslage in Bezug auf die Kennzeichnungspflicht von Affiliate-Links nicht ganz eindeutig. Laut §6 Abs. 1 Nr. 1 des TMG (Telemediengesetz) muss kommerzielle Kommunikation gekennzeichnet werden. Auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) stellt entsprechende Forderungen. Allerdings beschreibt §2 Abs. 5 des TMG auch Ausnahmen von dieser Kennzeichnungspflicht und nennt dabei unter anderem:

Angaben in Bezug auf Waren und Dienstleistungen oder das Erscheinungsbild eines Unternehmens, einer Organisation oder Person, die unabhängig und insbesondere ohne finanzielle Gegenleistung gemacht werden.

Für das reine Einpflegen eines Affiliate-Links werden Affiliate-Partner in aller Regel nicht bezahlt, sodass argumentiert werden könnte, dass Affiliate-Marketing unter diese Ausnahme fällt. Da es nachgelagert allerdings schon zu einer Vergütung in Form einer Provision kommt, die ohne den jeweiligen Affiliate-Link nicht zustande gekommen wäre, gehen Sie auf Nummer sicher, wenn Sie transparent auf Affiliate-Links hinweisen. Außerdem erhalten Sie so zusätzlich das Vertrauen Ihrer Community, die sich umfassend aufgeklärt fühlen kann.

Zusätzlich zu den rechtlichen Vorgaben lohnt sich eine gezielte Kennzeichnung von Affiliate-Links auch in Hinblick auf den Google-Algorithmus. Dabei geht es allerdings nicht um mehr Transparenz gegenüber den Nutzern, sondern gegenüber Google. Die Suchmaschine sollte erfassen können, welche Links einen kommerziellen Hintergrund haben, damit ein detailliertes Link-Profil der indexierten Seiten erstellt und für das Ranking berücksichtigt werden kann.

Bislang mussten Affiliate-Links daher mit dem allgemeinen nofollow-Attribut gekennzeichnet werden. Seit September 2019 hat Google dieses aber weiter ausdifferenziert und das sponsored-Attribut für kommerzielle Links eingeführt. Dieses ist als rel='sponsored' in den Quellcode der entsprechenden Seite einzufügen.

Beispiele von Affiliate-Marketing

Ein häufig vertretenes Beispiel für den Einsatz von Affiliate-Links sind Reise-Blogs, die Unterkünfte oder Attraktionen am jeweiligen Zielort erwähnen und dabei direkt auf die Buchungsseite verlinken.

So macht es auch der Unterwegs-Reiseblog, der in seinem Artikel über Bulgarien verschiedene Hotels nennt und verlinkt. Dabei wird gleichzeitig sehr transparent mit dem entsprechenden Link umgegangen. Es wird nicht nur darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Link um einen Affiliate-Link handelt, sondern auch eine Erklärungsseite zu Affiliate-Links hinterlegt:

affiliate-marketing-links-unterwegs-blogBild: Unterwegs-Blog

Ähnlich geht der Back-Blog Zucker, Zimt und Liebe vor. Küchenutensilien werden hier als Amazon-Partner-Link eingefügt, was ebenfalls kenntlich gemacht und am Ende der Seite näher erläutert wird:

affiliate-link-bei-zimt-und-zucker

Bild: Blog Zucker, Zimt und Liebe

Aber nicht nur auf Blogs, sondern auch auf Seiten für Preisvergleiche ist Affiliate-Marketing beliebt. Die vorgeschlagenen Produkte werden direkt inklusive Affiliate-Link zum entsprechenden Shop vorgestellt. So handhabt es auch Billiger.de, wobei hier die einzelnen Verlinkungen nicht separat gekennzeichnet sind. Allerdings wird im Footer der Seite auf die Teilnahme an Affiliate-Programmen hingewiesen:

Unser Vergleich enthält Angebote diverser Shops, die bei Weiterleitung oder Verkauf eine Vergütung an billiger.de bezahlen.

So nutzen Sie die Google Suite

Header: Visual Generation / iStock / Getty Images Plus

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Ursprünglich veröffentlicht am 8. Januar 2020, aktualisiert am Februar 18 2020

Themen:

Affiliate Marketing