„Wie geht es Ihnen?“ – Wie oft haben Sie diese Frage in den vergangenen Monaten ehrlich beantwortet? Und wie oft hatte die Arbeit damit zu tun, dass Sie sich nicht wohlgefühlt haben?

Es wird Zeit, dass wir über Burnout sprechen.

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Obwohl wir den Begriff „Burnout“ oft verwenden, um eine besonders stressige Zeit in unserem Arbeitsleben zu beschreiben, sind die tatsächlichen Symptome eine ernste Angelegenheit. Das Problem ist, dass sich Burnout so schleichend einstellen kann, dass wir es gar nicht merken – bis wir chronisch erschöpft, zynisch und unproduktiv im Home Office oder im Büro sind – gewissermaßen „ausbrennen“. Gerade in unsicheren Zeiten machen sich schnell Gefühle von Überforderung und Niedergeschlagenheit breit.

Burnout-Syndrom: Unterschiedliche Definitionen

Eine Definition von Burnout stammt von Psychology TodayEin Zustand chronischen Gestresst-Seins, der zu physischer und emotionaler Erschöpfung, Zynismus und Distanziertheit sowie Gefühlen der Erfolglosigkeit führt. Menschen erleben Burnout unterschiedlich. Falls Sie sich irgendwo auf dem beschriebenen Spektrum wiederfinden, sollten jedoch Ihre Alarmglocken schrillen.

Die Art und Weise, wie der Begriff 1974 aufkam, deutet weniger auf eine Krankheit hin. Er wird dem Psychiater Herbert J. Freudenberger zugeschrieben, der damit seine Kollegen charakterisierte: Die Mitarbeiter waren ursprünglich idealistisch und motiviert gewesen, litten nun aber an einem Verlust von Energie, Motivation und Hingabe.

Häufige Burnout-Symptome

In den 1980ern griffen Christina Maslach und Susan E. Jackson den Burnout-Begriff auf, beide Psychologie-Professorinnen an der University of California, Berkeley. Sie konkretisierten ihn und entwickelten ein Messinstrument zur Erfassung des Burnout-Syndroms: Das Maslach Burnout Inventory (MBI).

Maslach und Jackson legten folgende drei Hauptkriterien für Burnout fest:

  1. Depersonalisation: Selbstentfremdung, die mit Gefühlen von Unwirklichkeit einhergehen kann.

  2. verringerte persönliche Leistungsfähigkeit

  3. emotionale Erschöpfung und Antriebslosigkeit

Das MBI ist eine Befragung, die aus einer Liste von 47 Aussagen besteht – beispielsweise „Ich fühle mich emotional von meiner Arbeit erschöpft“ und „Ich fühle mich, als ob ich mit meiner Arbeit das Leben anderer Menschen positiv beeinflusse“. Die Befragten antworten auf einer nummerierten Skala und geben an, wie oft und wie stark sie die angesprochenen Aspekte fühlen.

Nachdem sie mehrere hundert Menschen nach diesem System befragt hatten, fanden Maslach und Jackson unter anderem heraus, dass Betroffene eher dazu neigen, ihren Job zu kündigen. Darüber hinaus waren sie unzufrieden mit ihren beruflichen Perspektiven und der eigenen Weiterentwicklung. Außerdem verbrachten sie weniger Zeit mit Kollegen, arbeiteten seltener zusammen und hatten öfter Schlafstörungen.

Andere Burnout-Symptome sind chronische Erschöpfung, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, verringerte Leistungsfähigkeit, Zunahme von Ängsten, Reizbarkeit, ein Mangel an Energie und anhaltende Müdigkeit, ein geschwächtes Immunsystem, Gewichtsverlust, Pessimismus und eine Abnahme der Produktivität.

Was ist der Unterschied zwischen Depression und Burnout?

Sie denken sich vermutlich: „Das klingt sehr stark nach einer Depression. Woran erkenne ich, ob ich an Burnout leide?“

Die Symptome sind sich sehr ähnlich: Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, schlechte Leistungen. Riskieren Sie keine Fehldiagnose – es ist wichtig, dass Sie bei entsprechenden Beschwerden im Zweifelsfall zum Arzt oder Psychotherapeuten gehen und eine korrekte medizinische Diagnose sowie die richtige Behandlung erhalten.

Die Hauptunterschiede zwischen Burnout und Depression sind laut PubMed Health die folgenden:

  • Jemand, der an Burnout leidet, erlebt Symptome wie verringerte Produktivität und isoliert sich selbst am Arbeitsplatz, statt vom Arbeitsplatz fernbleiben zu wollen.

  • Jemand, der an einer Depression leidet, hat negative Gedanken und Gefühle in allen Lebensbereichen, nicht nur am Arbeitsplatz. Symptome einer Depression, die sich nicht mit Burnout überschneiden, sind ein geringes Selbstbewusstsein und Hoffnungslosigkeit.

Was verursacht Burnout?

Es gibt zwei Hauptursachen für Burnout. Zum einen ist hier ein Übermaß an Arbeit zu nennen, was sich etwa in Überstunden oder unmittelbar aufeinander folgenden Schichten und zu wenig Urlaubstagen ausdrücken kann. Zum anderen lösen laut Harvard Business Review hohe Anforderungen Burnout aus, wenn der Mitarbeiter wenig Einfluss nehmen kann. Von beiden Ursachen erkennen Angestellte Überstunden eher als Ursache für Burnout an. Wenn sie das Gefühl haben, rund um die Uhr  zu arbeiten, haben sie weniger Zeit, ihre Batterien wieder aufzuladen und ihre Gedanken von der ständigen Beschäftigung mit der Arbeit zu entfernen.

The Mayo Clinic weist auf weitere Warnsignale in der Burnout-Prävention hin: unklare Anforderungen, eine gestörte Dynamik am Arbeitsplatz und in den Beziehungen mit Kollegen, eine Diskrepanz zwischen den Werten des Mitarbeiters und des Unternehmens, Extreme in der Arbeit (Chaos oder Monotonie), ein Mangel an sozialer Unterstützung und ein Ungleichgewicht von Arbeit und Privatleben.

Diagnose Burnout: Was ist zu tun?

Unglücklicherweise obliegen viele dieser Variablen dem Arbeitgeber. Ein paar Dinge können Sie selbst in die Hand nehmen – am Arbeitsplatz und außerhalb der Arbeit.

Auf der Arbeit können Sie Ihren Vorgesetzten fragen, ob Not- und Ausfälle besser abgefedert werden können – durch Teamwork und sich überlappende Verantwortungsbereiche. Auf diese Weise werden Mitarbeiter laut Scott Behson weniger dazu gedrängt, sich zu verausgaben. Nehmen Sie sich eine Auszeit, um sich zu regenerieren und Kraft zu sammeln, und testen Sie verschiedene Produktivitätstechniken

Auch außerhalb der Arbeit sollten Sie sich genügend Zeit einräumen, um abzuschalten und zu entspannen. Vermeiden Sie Multitasking – wer einen Film schaut und nebenbei beruflich E-Mails beantwortet, erholt sich nicht. Wenn Sie mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind und sich die Lage aktuell nicht verändern lässt, sollten Sie Ihren inneren Fokus vermehrt auf die Freizeit legen und nicht zu stark bei Gedanken verweilen, die um Ihren Job kreisen. 

Versuchen Sie stattdessen, gezielt mehr Zeit mit Hobbys zu verbringen, die nichts mit Ihrer Arbeit zu tun haben, pflegen Sie aktiv die Beziehungen zu Freunden und Familienmitgliedern und probieren Sie Entspannungstechniken aus. Schlussendlich sollten Sie auch darauf achten, ausreichend zu schlafen. Wenn alle Stricke reißen, können Sie auch bei Ihrem Hausarzt vorstellig werden und sich bei Bedarf an einen Experten (also einen Psychotherapeuten oder Psychiater) zur Burnout-Behandlung überweisen lassen.

Work Smarter Not Harder 2019

Titelbild: holaillustrations / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 17. Juni 2020, aktualisiert am Juni 17 2020

Themen:

Work-Life-Balance