Fehler sind ein wesentlicher Baustein für Fortschritt und Weiterentwicklung. Trotzdem sind sie in unserer Gesellschaft gemeinhin negativ behaftet. Welche Auswirkungen das haben kann und warum eine positive Fehlerkultur in Unternehmen so wichtig ist, erfahren Sie im folgenden Artikel.

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Scheitern hat Konsequenzen: der gesellschaftliche Umgang mit Fehlern

Jeder Mensch macht Fehler – mal kleinere und mal größere, mal privat und mal im Job. Und das ist im Grunde genommen auch nichts Schlechtes, denn nur so können wir Erfahrungen sammeln und daraus lernen. Doch selbst wenn wir theoretisch eigentlich alle wissen, dass keiner von uns perfekt ist, wollen wir in der Realität am liebsten fehlerfrei sein.

Der Grund dafür liegt in der Natur der Sache: Schon Kinder lernen in der Schule, dass Fehler mit schlechten Noten bestraft werden. Und auch im Berufsleben werten wir ein größeres oder kleineres Scheitern schnell als Peinlichkeit, die wir lieber unter den Teppich kehren.

Fehlerkultur in Deutschland noch ausbaufähig

Wenngleich die Bedeutung einer offenen Fehlerkultur inzwischen wohl den meisten Unternehmen bewusst geworden ist, besteht in der Umsetzung durchaus noch Luft nach oben. Wie aus der Studie „So arbeitet Deutschland“ von SThree hervorgeht, verliert knapp die Hälfte der Befragten durch berufliche Misserfolge die Anerkennung im Team oder hat sogar negative Folgen für den weiteren Verlauf der Karriere zu befürchten.

Dabei würden sich 86 Prozent der Arbeitnehmer mehr Fehlertoleranz und einen motivierenderen Umgang mit Misserfolgen wünschen.

Ein ähnliches Bild zeichnet eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young: Zwar sind 66 Prozent der Führungskräfte der Ansicht, dass eine offene Diskussionskultur in ihrer Firma herrscht – doch von den befragten Mitarbeitern sind lediglich 42 Prozent derselben Meinung.

Mehr Mut zum Risiko: Das Erfolgspotenzial einer positiven Fehlerkultur

Mangelnde Fehlertoleranz äußert sich vor allem in der Angst vor weiteren Fehlern. Das ist nicht nur unangenehm für die betroffenen Mitarbeiter selbst, sondern hat mitunter auch Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg.

Denn für Innovationskraft und unternehmerischen Fortschritt braucht es ein gesundes Maß an Risikobereitschaft – und die bleibt definitiv auf der Strecke, wenn die Arbeitshaltung vom Prinzip der Fehlervermeidung dominiert wird. Dementsprechend wichtig ist der Aufbau einer positiven Fehlerkultur.

Das bedeutet nicht, Fehler generell gutzuheißen, sondern vielmehr einen konstruktiven Umgang mit diesen zu etablieren.

Offene Fehlerkultur in Unternehmen: Darauf kommt es an

Für Management-Trainerin Elke Schüttelkopf baut eine Fehlerkultur auf drei wesentlichen Dingen auf:

  • Normen und Werte:

    das Anspruchsniveau des Unternehmens und die Art und Weise, wie mit Fehlern sowie deren Risiken und Folgen umgegangen wird

  • Kompetenzen:

    mentale und emotionale sowie soziale und methodische Fähigkeiten im Umgang mit Fehlern

  • Instrumentarien:

    konkrete Methoden und Techniken, die es den beteiligten Personen ermöglichen, professionell auf Fehler zu reagieren

Es geht also nicht nur um die generelle Bereitschaft, eine neue Fehlerkultur zu etablieren, sondern auch darum, die richtigen Wege dafür zu finden und beschreiten zu dürfen. 

Das Grundprinzip lautet: Niemand ist perfekt

Die wichtigste Voraussetzung für einen konstruktiven Umgang mit Fehlern ist das Zugeständnis, dass sie eben nun mal passieren können – und zwar jedem. Unternehmen, die diese Erkenntnis verinnerlicht haben, akzeptieren Fehler als festen Bestandteil der Weiterentwicklung, was letztendlich allen zugutekommt.

Wenn Ihre Mitarbeiter merken, dass die Grundhaltung Ihres Unternehmens Fehler erlaubt, werden sie motivierter an eine Aufgabe herangehen und sich sehr wahrscheinlich auch mehr trauen.

Denn dann liegt der Fokus darauf, neue Chancen zu ergreifen, anstatt möglichst wenig zu riskieren. Gerade für junge Unternehmen und solche, die aktuell im Wachstum begriffen sind, steckt großes Potenzial in dieser Geisteshaltung. 

Fehler dürfen kein Schreckgespenst sein

Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern kommt ohne jegliche Sanktionen aus. Denn wenn Ihre Mitarbeiter befürchten, für Misserfolge an den Pranger gestellt zu werden, bewirkt das häufig genau das Gegenteil: Statt weniger Fehler können aus Angst und Verkrampfung sogar noch mehr Fehltritte passieren, die dann zu allem Überfluss womöglich auch noch vertuscht werden.

Deshalb sollten Sie nicht nach Schuldigen suchen, sondern nach Ursachen. Analysieren Sie lieber gemeinsam mit Ihrem Team, warum der Fehler entstanden ist, anstatt den Verantwortlichen ins Kreuzverhör zu nehmen.

Versuchen Sie dabei, stets sachlich zu bleiben und die Ehrlichkeit Ihrer Mitarbeiter zu honorieren, auch wenn Fehler natürlich immer mit Ärger und Aufwand verbunden sind. So sorgen Sie für das nötige Vertrauen, das für eine positive Fehlerkultur so wichtig ist.

Grundsatz der Fehlerkultur: Nach vorne blicken

„Wer einen Fehler macht und ihn nicht korrigiert, macht einen zweiten.“ – schon Konfuzius wusste, dass es nicht entscheidend ist, ob wir einen Fehler machen, sondern was wir daraus lernen.

Deshalb sollten Sie in Ihrer Fehlerkultur den Blick in erster Linie nach vorne richten. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter zur Selbstreflexion, um Fehler zu erkennen, Erkenntnisse daraus zu gewinnen und vorbeugende Maßnahmen für die Zukunft zu entwickeln. Dabei sollten Sie allerdings bedenken, dass es ausreichend Zeit braucht, um neue Prozesse in Ihrem Unternehmen zu etablieren.

Transparenz verhindert Missverständnisse

Fehler sind oftmals geprägt von subjektiver Wahrnehmung. Was für den einen kaum der Rede wert ist, kann für den anderen beinahe eine Katastrophe darstellen. Kommen dann auch noch Emotionen hinzu, gestaltet sich eine objektive Auseinandersetzung mit der Situation als schwierig.

Für einen konstruktiven Umgang mit Fehlern braucht es deshalb inhaltliche Richtlinien und eine klare Kommunikation ebendieser.

Das bedeutet, dass die unternehmensinterne Definition von Fehlern für alle transparent und nachvollziehbar sein muss. Denn nur wer sich darüber im Klaren ist, was tatsächlich als Fehler zu werten ist – und was eben nicht –, kann im Falle des Falles auch entsprechend darauf reagieren.

Gelebte Fehlerkultur beginnt ganz oben

Fehler machen und dazu stehen sind oftmals zwei verschiedene Paar Schuhe – sogar auf Führungsebene. Das belegt auch die Ernst & Young-Studie: 80 Prozent der Führungskräfte haben in den letzten zwei Jahren Fehler gemacht, die sich mehr oder weniger schwerwiegend auf das Unternehmen ausgewirkt haben. Doch lediglich 45 Prozent der Mitarbeiter geben an, dass die Verantwortlichen ihre Fehler offen zugegeben haben.

Doch wie jede Veränderung in Unternehmen steht und fällt auch der Aufbau einer positiven Fehlerkultur in der Chefetage. Deshalb sollten Sie als Führungskraft mit gutem Beispiel vorangehen.

Wenn Sie selbst zu Ihren Fehlern stehen, leben Sie vor, was Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten. Und damit beweisen Sie nicht nur menschliche Größe, sondern erfüllen auch Ihre Vorbildfunktion.

Fazit: Der konstruktive Umgang mit Fehlern birgt enormes Potenzial für Unternehmen

So wirkt sich eine offene Fehlerkultur nicht nur positiv auf die Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter aus, sondern erhöht zudem auch die Aussicht auf unternehmerischen Erfolg, verstärkt die Unternehmermarke.

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Titelbild: fizkes / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 24. Juli 2020, aktualisiert am Juli 24 2020

Themen:

Employer Branding