Die Begriffe „Führung“ und „führen“ sind verführerisch im Arbeitsumfeld. Sie suggerieren Klarheit und Einfachheit: Eine Person führt, andere folgen. Mit der Realität hat dieses eindimensionale Verständnis allerdings wenig zu tun. Lesen Sie in diesem Beitrag, was Führung wirklich bedeutet und vor allem, was eine gute Führungskraft ausmacht.

Download: So führen Sie Remote-Teams aus der Ferne - ein Leitfaden

Aufgaben einer Führungskraft: Was heißt Führen?

Führung beinhaltet viele Aufgaben und Facetten. Besonders komplex sind Führungsaufgaben in der Sandwichposition: Von oben erhalten Sie Druck von Ihrem bzw. Ihrer Vorgesetzten, von unten kluge Ratschläge anderer Mitarbeitenden – und von den quengelnden Kollegen und Kolleginnen wollen wir gar nicht erst sprechen.

Zu den typischen Aufgaben einer Führungskraft zählen:

  • Kommunikation: Konsens herstellen, Ziele kommunizieren, Aufgaben definieren
  • Steuerung: Prozesse steuern, Ziele setzen, delegieren
  • Motivation: Zu Projekten und Aufgaben motivieren, Feedback geben, Perspektiven aufzeigen, Leistung bewerten
  • Entscheidung: Konflikte lösen, Mittel- und Zeitressourcen, Handlungsspielräume festlegen

Was macht eine gute Führungskraft aus?

Gute Führung basiert auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Wertschätzung. Als erfolgreiche Führungskraft verstehen Sie, dass sich Ziele nur effizient erreichen lassen, wenn Sie Ihre Mitarbeitenden dafür begeistern und den Teamzusammenhalt stärken.

In einer Führungsposition sind Sie immer auf die Kooperation und Akzeptanz der Mitarbeitenden angewiesen. Umso entscheidender ist der Ausbau bestimmter Kompetenzen einer Führungskraft, mit denen eine gesunde, produktive Unternehmenskultur erzeugt werden kann. Führungskompetenz beschreibt eine Vielzahl von Fähigkeiten und Eigenschaften. Die wichtigsten davon lesen Sie im Folgenden:

1. Selbstreflexion

Zu einer gelungenen Selbstreflexion gehört es, Veränderungswünsche zu identifizieren. Dabei geht es nicht um große Pläne oder die eigene Karriere, sondern um Ihr subjektives Empfinden, was im Unternehmen optimiert werden kann. Sind Sie in Ihrem Job zufrieden mit Prozessen und Aufgaben oder möchten Sie manche Dinge verändern? Ihre Entscheidungen und Ihr Handeln tragen maßgeblich dazu bei, wie Sie auf Ihr Umfeld wirken. Später können Sie diese Betrachtungen ins Team einbringen, um Vorschläge und Lösungen zu initiieren.

Da eine gezielte Selbstreflexion bewusst geschieht, erfordert sie etwas Übung. Doch der Aufwand ist es wert: Wenn Sie sich Ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst werden, legen Sie den Grundstein, Ihr Führungsverhalten zu verbessern. Deshalb gehört Selbstreflexion zu den Eigenschaften einer guten Führungskraft.

2. Selbstorganisation

In einer Führungsposition müssen Sie jeden Tag viele Entscheidungen treffen. Das wohlüberlegte Nachdenken bleibt dabei oft auf der Strecke. Entscheidungen kosten viel Zeit und meistens tun wir in hektischen Situationen Dinge, die nicht wirklich wichtig sind. Wenn Sie sich gut organisieren, steigern Sie die Effizienz bei der Arbeit.

Effizienz darf nicht mit Effektivität verwechselt werden. Effektives Arbeiten führt zum gewünschten Ziel; Effizienz hingegen bedeutet, ein Ziel mit geringem Aufwand an Zeit, Personaleinsatz und Energie zu erreichen. Eine gute Führungskraft weiß effizient zu arbeiten und dadurch unnötigen Stress zu reduzieren.

EASE-System für mehr Effektivität und weniger Stress

3. Prioritäten setzen

Bei der Frage nach den Prioritäten sollten Sie immer zwei Gesichtspunkte beachten: Wichtigkeit und Dringlichkeit. Wichtig sind Arbeiten, deren Inhalt Priorität hat. Dringend sind Arbeiten, die in Bezug auf die zeitliche Abfolge Priorität haben.

Wenn Sie eine Führungsposition innehaben, werden viele Dinge in Ihrem Postfach oder auf Ihrem Schreibtisch landen, die auch schnell erledigt werden können. Oft neigen wir dazu, aufgrund von höheren Prioritäten unwichtige Dinge vor uns herzuschieben. Eine Terminabsage oder -bestätigung benötigt oft nur einen Mausklick. Trotzdem neigen wir dazu, Kleinstaufgaben zu sammeln, sodass sie in Vergessenheit geraten oder für Unordnung sorgen.

Deshalb: Jede Aufgabe, die in weniger als zwei Minuten bewältigt werden kann, sollte entweder sofort erledigt oder zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden, sodass Sie nicht aus Ihrem eigentlichen Arbeitsablauf herausgerissen werden.

4. Konfliktmanagement

Konflikte unter Mitarbeitenden beeinträchtigen die Produktivität und Effizienz. Intervenieren Sie deshalb so früh wie möglich und sorgen Sie für einen Interessensausgleich zwischen den Konfliktparteien. Oft lassen sich Konflikte bereits lösen, indem Sie die Lage mit den einzelnen Beteiligten klären. Falls nicht, sollten Sie ein offizielles Konfliktgespräch vereinbaren.

Erkundigen Sie sich nach dem Grund des Konflikts, stellen Sie lösungsorientierte Fragen und suchen Sie nach einem Kompromiss, den alle akzeptieren können. Wird keiner gefunden, hilft meist nur das Festsetzen von Regeln, an die sich beide Parteien halten müssen.

5. Teambuilding

Teambildende Maßnahmen sind eine effektive Methode, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Aufgabe der Führungskraft ist es hierbei, den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken und somit eine produktive Vertrauensbasis zu schaffen.

Voraussetzung für erfolgreiches Teambuilding ist jedoch, dass die Führungskraft selbst eine hohe Teamfähigkeit besitzt. Nur so können Sie auf Augenhöhe mit Ihrem Team kommunizieren und die Bedürfnisse jedes bzw. jeder Einzelnen wie auch der Gruppe besser erfassen.

6. Konsequentes Handeln

Wenn Sie als Führungskraft akzeptiert und respektiert werden wollen, müssen Sie lernen, konsequent zu handeln. Ein unentschlossenes Verhalten sowie leere Versprechungen Ihren Angestellten gegenüber sorgen erfahrungsgemäß für Verwirrung und Unzufriedenheit bis hin zu Verärgerung.

Treffen Sie daher keine vorschnellen oder gar überemotionalen Entscheidungen und überdenken Sie Ihre Anweisungen, bevor Sie sie an Ihre Mitarbeitenden delegieren. Konsequentes Handeln ist eine Eigenschaft, die nicht nur gute Führungskräfte, sondern allgemein erfolgreiche Menschen ausmacht. Umgekehrt deutet inkonsequentes Handeln oft auf einen Mangel an Selbstvertrauen oder -organisation hin.

7. Überzeugungskraft

Führen heißt motivieren, motivieren heißt überzeugen. Von einer Führungskraft wird erwartet, dass sie Durchsetzungsstärke und Souveränität an den Tag legt. Dazu zählt das Senden klarer Botschaften, eine wirksame Körpersprache und eine versierte Kommunikation.

Mit Techniken und Praktiken können Sie diese Kompetenz zwar verbessern, aber in erster Linie kommt es darauf an, wie viel Selbstvertrauen Sie ausstrahlen. Als Führungskraft müssen Sie an sich selbst und an Ihre Entscheidungen glauben – tun Sie dies nicht, nimmt man Sie schlicht nicht ernst. Die Fähigkeit, zu begeistern und zu überzeugen, offenbart daher auch, wie Sie sich selbst in Ihrer Führungsposition wahrnehmen.

Gute versus schlechte Führungskraft: Was macht den Unterschied?

Führung hat mehr mit einer gewissen Geisteshaltung als mit konkreten Methoden zu tun. Dies bringt uns auch zu der Frage, worin der eigentliche Unterschied zwischen guten und schlechten Führungskräften liegt. Schließlich gibt es unterschiedliche Merkmale von Führungsstilen. Hierzu eine Gegenüberstellung:

Eine gute Führungskraft

  • legt Wert auf Fairness und Teamgeist
  • übernimmt Verantwortung
  • kann sich selbst führen und managen
  • tritt souverän und kompetent auf
  • motiviert die Mitarbeitenden für die Unternehmensziele
  • agiert konsequent und überzeugt

Eine schlechte Führungskraft

  • bevorzugt einzelne Mitarbeitende und vernachlässigt die Gruppe
  • schiebt Fehler auf andere
  • zeigt wenig Selbstreflexion
  • tritt autoritär und arrogant auf
  • delegiert mit Befehlen, die Zielerreichung hat oberste Priorität
  • agiert inkonsequent und emotional

Eine leistungsorientierte, aber wertschätzende Mitarbeiterführung ist demnach das entscheidende Kriterium, das eine gute und erfolgreiche Führungskraft ausmacht. Selbstmanagement und soziale Kompetenzen bilden dabei das Fundament für ein produktives Miteinander – sowohl zum bzw. zur Vorgesetzten als auch zum Team.

Fazit: Eine Führungskraft muss zuerst sich selbst führen können

Die hohe Kunst einer Führungskraft ist es, Mitarbeitende für die Ziele des Unternehmens zu begeistern und für deren Erfüllung eine produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Dazu braucht es ein gutes Maß an Selbstmanagement sowie eine gewisse Flexibilität im Handeln und Denken, um die unterschiedlichen Anforderungen und Situationen zu meistern.

Laden Sie sich den Leitfaden für Remote Leadership herunter

Titelbild: Alexey Yaremenko / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 24. Mai 2022, aktualisiert am Mai 24 2022

Themen:

Karriere