Instagram für das eigene Marketing zu nutzen, ist zeitaufwändig. Der Account muss regelmäßig mit herausragendem Content bespielt werden und auch das Community-Management frisst eine Menge Zeit. Instagram-Bots versprechen Abhilfe: Sie sollen Ihnen die Arbeit erleichtern und Ihren Account schneller wachsen lassen. Doch was taugen die Bots wirklich? Das erfahren Sie hier.

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Ziel der Instagram-Bots ist, ein hohes Engagement von Ihrer Seite zu simulieren und dafür Follower und viel Interaktion zurückzubekommen.

Instagram-Bots selbst programmieren oder Anbieter nutzen?

Wenn Sie Mitglieder mit Programmierkenntnissen in Ihrem Team haben, können Sie einen Instagram-Bot selbst programmieren beziehungsweise programmieren lassen. Dazu sollten Sie idealerweise die Sprache Python nutzen. Auf GitHub finden sich zahlreiche Anleitungen und Tutorials.

Einfacher ist es jedoch, einen fertigen Bot zu verwenden. Zu den bekanntesten Anbietern zählen:

Probleme mit Bot-Likes und -Kommentaren

Ein Bot bietet die Chance, in kurzer Zeit viele Follower und viel Interaktion auf Ihrem Kanal zu generieren. Die Nutzung birgt aber auch Risiken: Bots verstoßen gegen die Nutzungsrichtlinien von Instagram. Die Plattform geht deshalb zunehmend gegen den Einsatz vor. Im schlimmsten Fall kann ein Account sogar gesperrt werden.

Auch unangebrachte Kommentare können Ihr Unternehmen in die Bredouille bringen. In der Regel können Sie bei Ihrem Bot-Anbieter ein paar unverfängliche Kommentare vordefinieren, die das Programm dann nach dem Zufallsprinzip unter verschiedene Posts setzt.

Was aber, wenn ein Nutzer in einem Post von seinem kürzlich verstorbenen Haustier berichtet und der Bot „Großartig!” darunterschreibt? Im Unternehmensumfeld können die Fettnäpfchen noch viel unangenehmer werden.

Auch Ihre neuen Follower können Probleme bereiten. Stellen Sie sich vor, Sie haben jede Menge neue Abonnenten, aber keiner von ihnen interagiert jemals mit Ihren Posts. Das bringt Ihr Unternehmen nicht voran, denn solche Follower werden wahrscheinlich weder Ihre Produkte kaufen noch Ihr Unternehmen weiterempfehlen.

Ein Bot nützt Ihnen also nur, wenn er Ihnen Follower bringt, die Ihrer Zielgruppe entsprechen und aufrichtig an Ihren Inhalten interessiert sind.

Influencer aufgepasst! Finger weg von Bots. Für Influencer kann es beim Thema Bots sogar richtig ernst werden: Hier lauern rechtliche Fallen. Denn wie der Rechtsexperte Dr. Sebastian Gorski in einem Interview erläutert, könnte der Kauf beziehungsweise Einsatz von Bots auf dem Profil eines Influencers einen abgeschlossenen Werbevertrag mit einem Kunden anfechtbar machen.  

Argumentiert werden könne, so Dr. Gorski, dass der Influencer durch eine große Anzahl gekaufter Bots dem Vertragspartner (Marken, Unternehmen) mehr Reichweite und eine höhere Quote aktiver Follower vorgaukele, als eigentlich den Tatsachen entspricht.

Da Followerzahlen und Engagement zwei wichtige Faktoren der Geschäftsgrundlage zwischen beiden Parteien sind, ist dies äußerst heikel: Ertappt der Kunde den Influencer bei dieser Handlung, könne im Zweifelsfall der gesamte Vertrag nichtig werden, sowie das Honorar vom Influencer zurückerstattet werden müssen. Auch weitere Schadenersatzansprüche seien denkbar.

Auf eigene Gefahr: So nutzen Sie Instagram-Bots 

  1. Recherchieren Sie ausführlich, was Ihre Zielgruppe ausmacht. Wofür interessiert sie sich? Welchen Accounts folgt sie? Welche Hashtags nutzt sie? Wann ist sie online? Je besser Sie Ihre Zielgruppe kennen, desto genauer können Sie Ihren Bot auf sie ausrichten.
  2. Nutzen Sie Ihre Rechercheergebnisse, um das Einsatzgebiet Ihres Bots einzugrenzen. Geben Sie genau vor, mit welcher Art von Nutzern er interagieren soll.
  3. Automatisieren Sie anfangs am besten nur Likes. Damit laufen Sie nicht Gefahr, unangemessen auf einen Post zu reagieren.
  4. Achten Sie in den Einstellungen Ihres Bots darauf, neue Posts zu bevorzugen. Wenn Ihr Account auf uralten Content reagiert, kann das auf Nutzer schnell suspekt wirken.
  5. Analysieren Sie Ihren Bot regelmäßig und prüfen Sie die Ergebnisse. Passen die neuen Follower in Ihre Zielgruppe? Falls nicht, nehmen Sie Anpassungen an den Einstellungen vor.

Nehmen Sie sich Zeit, um Ihren Instagram-Bot korrekt einzurichten und von Zeit zu Zeit anzupassen. So minimieren Sie die Risiken, die die Programme mit sich bringen und haben gute Chancen, das Wachstum Ihres Accounts ein wenig anzukurbeln. Verlassen Sie sich dabei aber nie allein auf den Bot. Ohne aktuelle, hochwertige Inhalte bringen Ihnen Ihre neuen Follower nichts.

Instagram-Bots erkennen

Nicht alles auf Instagram ist so, wie es scheint. Weil die Bots dort unterwegs sind, ist nicht jeder Like, jeder Kommentar und jeder Follower echt. Nutzer erkennen Bots an verschiedenen Merkmalen:

  1. Viele abonnierte Kanäle
    Viele Accounts, die Bots nutzen, abonnieren automatisiert andere Nutzer – in der Hoffnung, dass diese ihnen dann auch folgen. Kanäle, die extrem vielen anderen Accounts folgen, sind also zumindest verdächtig.
  2. Unpersönliche Kommentare
    Da Bots in Kommentaren nicht fundiert auf den Inhalt eines Posts eingehen können, verbreiten sie kurze Standardaussagen wie „Cooler Post!”, „Großartig!” oder „Schau doch mal auf meinem Account vorbei”. Natürlich nutzt nicht jeder User, der einmal einen kurzen Kommentar schreibt, einen Bot. Eine Häufung unpersönlicher Kommunikation kann aber durchaus ein Indiz sein.
  3. Werbliche Direktnachrichten
    Auch fragwürdige Konversationen per Direktnachricht können auf Bots hinweisen. Einige der Programme gehen so weit, Direktnachrichten zu schreiben. Das Vorgehen: Erst geben sie vor, eine einfache Frage zu haben. Dann empfehlen sie ungefragt ein Produkt.

Fällt Ihr Account durch einen der obigen Punkte auf, könnte das bei Nutzern Misstrauen hervorrufen. Und warum sollten sie dann noch mit Ihrem Content interagieren?

Instagram-Bots bergen Chancen und Risiken

Instagram-Bots einzusetzen, um automatisiert Reichweite aufzubauen, ist verlockend. Mehr Follower auf Autopilot und viele sinnstiftende Reaktionen auf Posts – wer wünscht sich das nicht für sein Unternehmen? Ganz so einfach funktioniert die Bot-Methode dann aber leider doch nicht.

Die richtige Konfiguration des Bots kostet Zeit und Geduld – und eine Garantie, dass die erhofften Ergebnisse erreicht werden, gibt es trotzdem nicht. Gleichzeitig bringt die Nutzung diverse Risiken mit sich. Wenn Ihr Instagram-Account gesperrt wird oder der Bot einen unangebrachten Kommentar platziert, haben Sie Ihrem Unternehmen schnell mehr geschadet als geholfen. Vor dem Einsatz eines Bots sollten Sie deshalb genau Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen.

Letztlich ist und bleibt Instagram-Marketing mit viel Arbeit verbunden. Wollen Sie auf der Plattform erfolgreich sein, brauchen Sie hochwertigen Content, herausragende Bilder und reichlich persönliche Interaktion mit Ihren Followern. All das kann Ihnen ein Bot nicht abnehmen.

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Headerbild: sompong_tom / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 10. März 2020, aktualisiert am März 23 2020

Themen:

Instagram-Marketing