
Das Wichtigste in Kürze
2023 war das Jahr der großen KI-Prognosen – drei Jahre später zeigt sich: Manche Vorhersagen waren erstaunlich präzise, andere lagen komplett daneben. Von SEO über Kreativ-Automatisierung bis zu KI-Hardware: Wir checken acht der meistdiskutierten Prognosen auf ihren Realitätsgehalt.
- SEO und organischer Traffic: Nicht tot, aber verlagert – KI-Traffic wächst, und hat mehr Intent
- KI-Content-Produktion: Weitgehend eingetroffen – viele Unternehmen produzieren inhouse
- Human Made als Qualitätsmerkmal: Voll bestätigt – Authentizität wird wichtiger
- KI-Hardware: Kompletter Flop – Rabbit R1 und andere Geräte gescheitert
- Zero-Party-Data: Wichtiger denn je – Predictive Analytics allein reicht nicht
Lesezeit: 8 Minuten
2023 war das Jahr, in dem KI Flügel bekam. Die Branche war im Taumel, die Hoffnungen und Ängste gewaltig, ich erinnere mich noch gut daran. „Die Popularität vieler neuer KI-Techniken wird tiefgreifende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben", erklärte damals Arun Chandrasekaran, Analyst beim Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner.
Doch kam es auch so? Es wurden Dutzende, wenn nicht Hunderte Prognosen gestellt – manche euphorisch, manche düster, manche irrwitzig, manche realistisch. Ich werfe einen Blick auf acht der meistgenannten Prognosen aus dem Jahr 2023 und schaue, was sich als wahr erwiesen hat und wo die Prophet:innen falsch lagen.
Inhaltsverzeichnis
- Die 8 bekanntesten KI-Prognosen auf einen Blick
- SEO und organischer Traffic sind tot
- KI schreibt alle E-Mails und generiert Produktbilder, Videos & Co.
- „Human Made" wird neues Qualitätsmerkmal
- Jede:r sieht auf der gleichen Website individuelle Inhalte
- Zero-Party-Data wird wertlos
- Alles lässt sich selbst programmieren.
- AI-Hardware ersetzt das Smartphone
- Bing schlägt Google
- Fazit: KI hat großen Einfluss
Die 8 bekanntesten KI-Prognosen auf einen Blick
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Prognose 2023 |
Erklärung |
Reality-Check 2026 |
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SEO und organischer Traffic sind tot |
SEO ist weiterhin wichtig und bildet die Grundlage für gutes AEO bzw. GEO. Organischer Traffic gibt es noch, sollte aber nicht mehr die North Star KPI sein |
🟡 6/10 |
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KI schreibt alle E-Mails und generiert Produktbilder, Videos & Co. |
Viele Unternehmen nutzen externe oder sogar interne KI-Tools inhouse für kreative Aufgaben |
🟢 8/10 |
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„Human Made" wird neues Qualitätsmerkmal |
Misstrauen gegen KI und Bedürfnis nach Authentizität sind messbar |
🟢 7/10 |
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Jede:r sieht auf der gleichen Website individuelle Inhalte |
betrifft nur Segmente (oft aus Datenschutzgründen), wird in Zukunft aber immer wichtiger, um Kunden zu begeistern und zu halten |
🟡 5/10 |
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Zero-Party-Data wird wertlos |
Zero-Party-Data wichtiger denn je zuvor |
🔴 3/10 |
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KI ersetzt Programmierer |
KI schreibt 80% des Codes weltweit und hat die Art wie programmiert wird verändert. Vibe Coding ist vor allem für kleine Anwendungen gut geeignet, kommt aber an seine Grenzen, wenn es um Datenschutz und Compliance geht |
🟢 7/10 |
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Rabbit R1 und andere Smart-Devices ersetzt das Smartphone |
Diese KI-Geräte sind bis jetzt alle komplett gefloppt |
🔴 0/10 |
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Bing schlägt Google |
Googles Marktanteil liegt weiter bei über 90 Prozent |
🔴 3/10 |
1. SEO und organischer Traffic sind tot?
Nicht wenige hatten diese Prognose gewagt. Gartner orakelte unter anderem 2024, dass das klassische Suchvolumen bis 2026 um 25 Prozent abnimmt. Bing Chat schickte sich an, Google abzulösen.
Heute wissen wir: Es gibt weiter organischen Traffic, er hat sich allerdings verlagert. Auch SEO ist weiterhin ein Thema – wenn auch möglicherweise in anderer Ausprägung, Stichwort AEO und GEO. In Ihrer Strategie sollten Sie beides beachten, denn gutes AEO hat SEO-Techniken als Grundlage und beides baut aufeinander auf.
Zwar ist auch in der DACH-Region der KI-Traffic noch sehr gering, aber er zieht spürbar an:
- 2024: 0,02 Prozent
- 2025: 0,15 Prozent
Der organische schlägt den KI-Traffic mit 48,5 Prozent jedoch nach wie vor deutlich. Zur gehört aber auch, dass Kunden, die von KI-Chats kommen, meist mehr Intent mitbringen. Leads sind somit von höherer Qualität. Man fängt besser zu früh als zu spät an, seine Inhalte für Google und KI sichtbar zu machen.
AEO wird übrigens immer mehr zu einer Aufgabe, die das ganze Unternehmen beschäftigt und nicht nur das Marketing Team: Warum? Schauen Sie dafür am 03.März bei unserem Webinar vorbei.
🟡 Mein Score: 6/10
Die erste Prognose hat sich nur in Teilen bewahrheitet. SEO und organischer Traffic sind meiner Meinung nach nicht tot, sie haben sich aber gewandelt. Gerade SEO-Verantwortliche müssen ihre Inhalte (auch) für KI-Suchen und LLMs optimieren. Heißt weg von Keyword und Volume, hinzu Phrasen und natürlicher Sprache – Tools wie unser AEO Grader und der LLM Visibility Check helfen dabei.
2. KI schreibt alle E-Mails und generiert Produktbilder, Videos & Co. auf Knopfdruck?
Nicht wenige Tech-Begeisterte sagten mit Beginn der KI-Welle voraus, dass Brands künftig Mailings, Bilder, Videos, Anzeigen und viele weitere kreative Medienproduktionen bequem inhouse auf Knopfdruck würden erledigen können.
Überwiegend sollten sie recht behalten: Viele Betriebe nehmen derartige Aufgaben selbst in die Hand. Zur Wahrheit gehört dennoch, dass viele dieser Tools noch nicht dazu geeignet sind, hochkomplexe Texte zu verfassen, da Halluzinationen immer noch eine große Rolle spielen und das für die Markenwahrnehmung einen Schaden bedeutet.
KI-Bild- und Textgeneratoren sind trotzdem aus dem heutigen Marketing nicht mehr wegzudenken. Ein intelligenter Workflow, der generative KI im Marketing richtig einsetzt, ist entscheidend. Wie sie das schaffen, sehen Sie in unserem Video:
🟢 Mein Score: 8/10
Ob die Textbausteine für den Newsletter, das ansprechende Produktbild oder auch das kleine Werbevideo: Was früher kompliziert war und lange dauerte, wird heute oft schnell inhouse erledigt. Kreativagenturen haben immer noch ihren Platz, bekommen aber enorme Konkurrenz und die Rolle ändert sich – weg von Volumen hinzu Qualität und Beratung. Aber, das finde ich wichtig: Ohne richtigen Prompt nützt KI nichts – und jemand muss den Output auch bewerten können.
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3. „Human Made" wird neues Qualitätsmerkmal?
2026 heißt es, KI nicht einfach nur irgendwie zu verwenden, sondern sie taktisch richtig zu verwenden. Aus der Idee, menschliche Kreativität und Effizienz von KI zu vereinen, ist HubSpots Loop-Marketing entstanden.
Angesichts der rasanten Entwicklungen von KI-Tools definierte die dpa schon 2023 für sich selbst das Qualitätsmerkmal „made by a human".
Drei Jahre später zeigt sich, dass das eine gute Idee war: Marken wie Polaroid, Porsche oder Heineken grenzen sich ab. Das Misstrauen gegenüber allein mit KI erstellten Inhalten nimmt zu und es zeigt sich, dass mit Künstlicher Intelligenz geschaffene Werbung weniger gut im Gedächtnis verankert wird.
🟢 Mein Score: 7/10
Menschen wünschen sich Authentizität und echtes Empfinden – besonders bei Werbung. Das bedeutet nicht, dass die KI überflüssig wird. Im Gegenteil: Im Hintergrund, als Ideengeber, Analysetool und Sparringpartner ist sie meiner Erfahrung nach wertvoll. Besonders integrierte Tools wie HubSpot Breeze bieten genau das, Ideengeber, Analysetool und Sparringpartner.
Die komplette Kommunikation und der letzte Schliff vor der Veröffentlichung sollte ohne Ausnahme in menschlicher Verantwortung liegen.
4. Jede:r sieht auf der gleichen Website individuelle Inhalte?
2023 war es der Traum, dass KI-Websites allen User:innen individuell passende Inhalte präsentieren – also der jeweiligen Person angepasste Bilder, Texte und Benutzeroberflächen. Das ist zwar noch nicht ganz der Fall, aber auf jeden Fall das Ziel, denn Personalisierung ist das neue A und O im Marketing.
Das Loop-Marketing-Playbook von HubSpot kann Ihnen auch hier als Anleitung dienen: Es zeigt Ihnen, wie Sie gute Personalisierung erreichen und wie Sie Ihre personalisierten Inhalte im stetigen Kreislauf optimieren können. Dies sind jedoch eher kleine Schritte. Strategie und Datenschutz müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Technisch ist Personalisierung durch KI möglich, und Tools wie HubSpot CRM und CMS ermöglichen intent-basierte Personalisierung, es liegt aber vor allem an der Strategie. Marken setzen oft eher auf den „Modular Content", den KI für einzelne Segmente optimiert, statt auf die totale 1:1-Illusion.
🟡 Mein Score: 5/10
Nicht ganz richtig, nicht ganz falsch. Die Personalisierung von Websites ist mit den richtigen Tools möglich, wird aber praktisch vor allem nur teilweise durchgeführt.
In Zukunft sollten Marken weiter in Personalisierung investieren, um sich abzuheben.
5. Zero-Party-Data wird wertlos?
Was ist für Personalisierung wichtig? Genau, saubere und viele Daten. 2023 waren sich verschiedene Expert:innen sicher: Unternehmen brauchen zukünftig wenig bis gar keine der persönlichen Daten ihrer Kund:innen sammeln - Predictive Analytics würde das schon regeln.
Heute wissen wir, dass Predictive Analytics nur in sehr beschränktem Umfang wertvolle Daten generiert. Zero- und First-Party Data sind wichtiger denn je für datengetriebenes Marketing, weil nur sie geeignetes Futter für die KI-Modelle sind. Kein Asset ist heute wertvoller als eine hohe Datenqualität.
Allerdings hilft die KI auch bei der Datensammlung, besonders KI-Agents können im Hintergrund helfen. Der Prospecting-Agent kann Lead-Daten analysieren, recherchieren und anreichern und so die Datenqualität verbessern.
🔴 Mein Score: 3/10
Datenhoheit ist wichtiger als je zuvor, Predictive Analytics ist wichtig, aber kann nicht alleine für Daten sorgen. KI braucht saubere und richtige Daten, um effektiv zu funktionieren und kann als Agent helfen, neue Einblicke und Daten zu gewinnen.
6. Alles lässt sich selbst programmieren?
Es hieß 2023, dass „Natural Language" die neue Programmiersprache sei. Dank Tools wie Claude und anderen automatisierten Coding-Tools dachte man, dass 2026 niemand mehr Programmieren lernen müsse, weil jede:r per Spracheingabe komplexe Software bauen kann.
In der Realität schreiben KIs heute zwar schätzungsweise 80 Prozent des Standard-Codes, aber die Nachfrage nach erfahrenen Entwickler:innen ist gestiegen. Jemand muss die riesigen, KI-generierten Code-Berge warten, absichern und die Architektur verstehen.
„Vibe Coding“ mit KI-Tools in natürlicher Sprache ist allerdings auf dem Vormarsch. Vor allem einfache Software kann schnell selbst gecodet werden. Bei komplexeren Anforderungen, etwa im Bereich Datenschutz oder Compliance, stößt Vibe Coding schnell an seine Grenzen.
Ein Beispiel? Wir bei HubSpot nutzen zwar verschiedene SaaS-Tools, erweitern diese aber durch selbst programmierte Tools. So habe ich beispielsweise unser wöchentliches Reporting sowie unser Reporting für AEO und LLM-Visibility mit Vibe Coding und Claude Code einfacher und schneller gemacht.
Zudem muss der Prompt stimmen, damit das Tool auch weiß, was es programmieren soll. Wie Sie richtig gute Prompts für ChatGPT schreiben erfahren Sie in diesem Video:
Hören Sie deshalb nicht auf den Hype und codieren einfach alles selbst. Klassische SaaS-Software wie CRM-Systeme und menschliche Expertise in Form von Programmierern sind nach wie vor integraler Bestandteil des täglichen Geschäfts. Die Vibe Coding Software Lovable ist nicht umsonst HubSpot Kunde.
🟢 Mein Score: 7/10
Die Einstiegshürde ist gesunken und viele Junior-Aufgaben fielen weg. Aber die KI hat das Programmieren nicht ersetzt, sondern nur massiv beschleunigt – was ironischerweise zu mehr Code-Müll geführt hat, den nun qualifizierte Menschen aufräumen müssen. Vibe Coding kann einfache interne Tools wie Reportings schnell und einfach erstellen.
7. AI-Hardware ersetzt das Smartphone und den Bildschirm?
Als das Rabbit R1 vorgestellt wurde, schlug es hohe Wellen: Ein Gerät mit verschiedenen KI-Tools, das kinderleicht zu bedienen ist? 100.000 Stück gingen weg. Andere Tools folgen wie der Humane AI Pin oder das Wearable Friend. Die Idee war gut, das Marketing war jedoch schleppend und die Technologie einfach noch nicht ausgereift.
Die Ernüchterung folgte schnell: Nur zehn Monate nach Release nutzten nur noch fünf Prozent der Käufer:innen den Rabbit regelmäßig, denn es konnte nur wenig und schürte Datenschutzbedenken. 2026 ist Berichten zur Folge nur noch Apple und OpenAI an der Entwicklung eines KI-Hardware-Tools dran.
Viele Unternehmen, dazu gehören OpenAI oder Google, konzentrieren sich eher auf KI-Agenten, die laufen auf unserer Hardware und sind im Berufsalltag praktische Helfer.
🔴 Mein Score: 0/10
Rabbit – was? Ein Gadget, das Freunde ersetzen soll? Das war komplett daneben. Es bleibt ein spannendes Experiment. 2027 wird sich zeigen, wer KI-Hardware richtig macht und wer nicht.
8. Bing schlägt Google?
Als 2023 die Suchmaschine Bing mit KI versehen wurde, und auch noch Bings Index für die KI-gestützte Suche eingesetzt wurde, gab es verschiedentlich Abgesänge auf Google. Viel zu überstürzt, wie sich herausstellte.
Anfang 2026 beträgt der Marktanteil von Google weltweit weiterhin 90,83 Prozent, während der von Bing bei 4,03 Prozent liegt.
🔴 Mein Score: 3/10
Bing kann sich an manchen Stellen etwas besser durchsetzen – auf Desktops in Deutschland etwa lag der Marktanteil 2025 bei 15,88 Prozent – doch auf Mobilgeräten ist Google nach wie vor uneinholbar auf der Pole-Position.
Bing war immerhin die erste Anlaufstelle für KI-Systeme, obwohl man eigentlich dachte, dass es Google wäre.
Fazit: KI hat großen Einfluss
Nach drei Jahren der KI-Nutzung im großen Stil lässt sich festhalten: Die Technologie hat schon jetzt die Welt verändert. Arbeitswelt und Onlineverhalten sind deutlich beeinflusst worden. Manche Voraussagen sind nicht eingetroffen, andere dafür waren ziemlich präzise. Mit Sicherheit können wir für die Zukunft wohl nur sagen: Die Veränderungen werden weitergehen und mit ihnen die Transformation wichtiger Teile unseres Lebens.
1000 Marketing- und Produktivitäsprompts
Sichern Sie sich diese 1000 Prompts, damit die Outputs der KI besser werden
- Mühelose Ausführung: Schaffen Sie Klarheit und Fokus
- Alle Marketingbedürfnisse abgedeckt: Von SEO und Social Media bis hin zu Markenaufbau und Leadgenerierung
- Anpassbare Prompts: Passen Sie die 1.000+ Profi-Prompts Ihren Anforderungen an.
Häufig gestellte Fragen
Ist SEO durch KI wirklich tot?
Lohnt sich die Investition in Zero-Party-Data noch?
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Warum ist "Human Made" plötzlich ein Qualitätsmerkmal?
Sollte ich mit "Vibe Coding" selbst Software entwickeln?
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