Als Marketer haben wir gelernt, unsere SEO-Strategie stetig an die neuesten Entwicklungen anzupassen. Allerdings lassen sich die Veränderungen, die wir bislang beobachtet haben, kaum mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der SEO vergleichen. 

Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter der Online-Suche – einem Zeitalter, in dem anspruchsvollere Suchmethoden wie die mobile Suche, Social-Media-Suche und Sprachsuche in den Vordergrund rücken werden. Und zum ersten Mal geht es nicht darum, unsere SEO-Strategie bloß etwas anzupassen. Wir müssen völlig neue Strategien und Konzepte aushecken.

Bisher drehte sich SEO hauptsächlich um die Suche im Browser. Genauer gesagt: Eigentlich drehte sich alles um Google. Hier wird die überwältigende Mehrzahl an Suchanfragen gestellt und hier finden Nutzer jegliche Art von Online-Inhalten. Doch die Zeiten ändern sich. 

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Abseits von Browser-Fenstern werden heute ganz neue Suchmethoden genutzt.  Für viele dieser Suchmöglichkeiten gibt es noch gar keine festgelegten SEO-Regeln.

3 neue Suchmuster, die SEO grundlegend verändern werden

1) Mobile Suche

Ich möchte Ihnen eine faszinierende Statistik verraten, die alles verändert. Wir wissen alle, dass der Großteil der Nutzer mittlerweile über Mobilgeräte statt über Desktop-Computer auf das Internet zugreifen. Aktuellen Statistiken zufolge sind Mobilgeräte bereits für 60 Prozent der gesamten Internetnutzung verantwortlich. Diese Ziffer ist genauso erstaunlich wie auch offensichtlich. Erst kürzlich bemerkte der Experte Benedict Evans: „Wir sollten endlich aufhören, von ,mobilem Internet‘ und ,Desktop-Internet‘ zu sprechen. Das ist so, als würden wir Farbfernsehen mit Schwarzweißfernsehen vergleichen.“ 

„Auf Mobilgeräten wird genau dasselbe Internet verwendet wie auf Desktops.“ Ganz klare Aussage.

Die Verschiebung von Desktops zu Mobilgeräten ist bereits eine große Veränderung, aber die faszinierende Statistik, die ich Ihnen verraten wollte? Die lautet folgendermaßen: Laut Forrester verbringen wir 85 % der Zeit, die wir am Handy sitzen, mit der Verwendung von Apps – und zwar nur einer Handvoll von Apps. Wenn also die Internetnutzung auf Mobilgeräten steigt und wir unsere Zeit am Handy hauptsächlich in Apps verbringen – was bedeutet das für Suchmaschinen?

Seo Zukunft

Es sieht nicht so aus, als ob die Nutzung von Desktop-Browsern unbedingt zurückgeht, aber etwas Neues gibt es hier auch nicht zu berichten. Die Nutzung von Apps und Mobilgeräten ist hingegen deutlich auf dem Vormarsch. Leider ist es kaum möglich, App-Inhalte über Suchmaschinen im Browser zu finden oder sie mittels traditioneller SEO für die Suche zu optimieren. Die App-Stores von Google und Apple sind immer noch die wichtigsten Anlaufstellen, um neue Apps und Inhalte zu finden.

Auch hier erklärt Evans die Situation sehr treffend: „App-Stores sehen heute aus wie Yahoo vor 20 Jahren und genau aus demselben Grund versagen sie auch – man kann 20.000 Apps durchsuchen, aber nicht eine Million. Hierarchische Verzeichnisse lassen sich nicht skalieren.“  

Das bedeutet: Die App-Suche wird sich verbessern. Das ist unvermeidlich. In der Zwischenzeit sollten Sie aber vielleicht mal die Spotlight-Suche auf Ihrem iPhone testen. Meist wird diese lediglich verwendet, um auf dem iPhone schnell nach Inhalten zu suchen, aber Spotlight kann auch innerhalb von Apps suchen und sogar unabhängig von Google das Internet durchstöbern. Für Spotlight gelten nicht die gleichen Regeln wie für Google. Spotlight hat einen eigenen Suchmechanismus und benötigt daher auch eigene Optimierungsregeln. 

Wir bewegen uns hier auf neuem Terrain. Ganz ähnlich wie bei Yahoo in den späten 90er Jahren. Suchmaschinenoptimierung für Apps und Inhalte in Apps sind noch nicht im Bewusstsein von Benutzern angekommen – und wenn das alles zu einem Thema wird, wird die Browser-SEO, die wir heute kennen, wohl kaum eine Rolle spielen. 

2) Social-Media-Suche

Auch auf den beliebtesten sozialen Netzwerken hat sich einiges getan. Im vergangenen Jahr haben Facebook, Twitter und Snapchat allesamt eine Reihe an neuen Funktionen eingeführt, die – wenn man sie gemeinsam betrachtet – für eine riesige Verschiebung der Prioritäten in den sozialen Netzwerken gesorgt haben.  

Wussten Sie, dass Sie auf Facebook jetzt genauso leicht nach Inhalten suchen können wie nach Personen? Laut der jüngsten Zahlen werden auf Facebook täglich 1,5 Milliarden Suchanfragen gestellt, auf Google sind es derzeit 3,5 Milliarden pro Tag – der Abstand wird immer kleiner. Die Suchfunktionen in sozialen Netzwerken zielen immer stärker auf Inhalte und nicht nur auf Personen ab. Das ist aus mehreren Gründen sehr interessant. Vor allem stellt sich hier die Frage, welche Rolle Verbindungen und Einflussnehmer bei den Suchergebnissen spielen. Schließlich ist Facebook ein soziales Netzwerk. Die Optimierung von Facebook und anderen Social-Media-Kanälen könnte sich also ganz grundsätzlich von Googles Suchmaschinenoptimierung unterscheiden.  

Sie glauben, dass es sich hierbei um eine kleine Veränderung handelt? Blake Ross, Mitbegründer von Mozilla, ist anderer Meinung: „Sie sollten die Prioritäten eines Unternehmens nach dessen Pixel beurteilen. Dabei handelt es sich um eine Meldung, die ganz oben unter einer der Top-Funktionen von Facebook angezeigt wird. Sie ist das Ergebnis eines ganzen Jahres, in dem Facebook mit viel Einfallsvermögen und Hingabe an der Funktion getüftelt hat. Das ist nicht gerade ein Klacks. Wenn Sie die Entwicklung von Facebook mitverfolgen, dann haben Sie sicherlich bemerkt, dass dieses Jahr immer mehr Inhalts-/Such-/Trendfunktionen aufgetaucht sind.“ 

Die zweite Veränderung im Bezug auf die Social-Media-Suche hat mit der Art und Weise zu tun, auf die Netzwerke ihre Inhalte anzeigen. Wir nennen die Netzwerke soziale „Kanäle“, weil diese Websites ursprünglich als eine Art Durchgangsschleuse dienten. Sie boten Unternehmen die Möglichkeit, für ihre Inhalte zu werben und Interessenten so zurück auf ihre Website zu locken.

Im vergangenen Jahr haben Facebook, Twitter und Snapchat allerdings allesamt Funktionen eingeführt, die dafür sorgen, dass Benutzer auf ihren Websites und in ihren Apps bleiben, statt sich auf eine externe Website durchzuklicken. Facebook hat außerdem Instant Article veröffentlicht, ein Programm, mit dem ganze Artikel innerhalb der Facebook-App gelesen werden können, ohne dass ein Weiterklicken nötig wäre. Einige Quellen berichten, dass Twitter neben seiner bisherigen Funktion für App-interne Inhalte, „Moments“, derzeit an einem Projekt arbeitet, das dem sozialen Netzwerk ermöglicht, noch längere Inhaltsformate anzuzeigen. 

Will Oremus, Senior Technology Editor bei Slate, erklärt: „Was sich wirklich verändert, ist nicht die Länge des Tweets, sondern wohin Benutzer durch Klicken auf den Link am Ende des Tweets weitergeleitet werden – bzw. wohin sie nicht weitergeleitet werden. Statt Traffic auf Blogs, Nachrichtenwebsites und andere Websites weiterzuleiten, führt der Button „Weiterlesen“ auf eine Seite innerhalb von Twitter.“

Social Media wird seit Langem als Kanal genutzt, um Besucher auf die eigene Website weiterzuleiten. Doch diese kleinen Veränderungen könnten in Zukunft große Auswirkungen haben. Wenn Inhalte künftig nicht mehr nur auf externen Websites zu finden sind, wird sich die Optimierung dieser Inhalte zweifelsohne ebenfalls ändern.  

3) Sprachsuche und persönliche Assistenten

In den vergangenen Jahren kamen Siri, Google Now, Cortana und Alexa auf den Markt – sprachaktivierte persönliche Assistenten von Apple, Google, Microsoft und Amazon. Aber nicht nur Desktop-Computer und Smartphones reagieren heutzutage auf Sprachanweisungen. Auch Uhren, Waagen, Lautsprecher und etliche andere Alltagsgeräte sind inzwischen mit dem Internet verbunden und bedienen sich dieser unerschöpflichen Informationsquelle. Diese Geräte sind sogar häufig miteinander verbunden und spielen sich gegenseitig Informationen zu. Durch diese vielfältigen Zugriffsmöglichkeiten auf das World Wide Web hat sich auch unser Suchverhalten verändert. Inwiefern? Sehen wir uns das einmal näher an.

  • Fenster für die erweiterte Suche: Da unsere Geräte heute miteinander verbunden sind, suchen wir nicht mehr nur an unserem Schreibtisch oder an Orten, an denen wir uns gemütlich mit unserem Handy hinsetzen können, nach Inhalten. Suchanfragen können jederzeit und überall gestellt werden. Dies wirkt sich sowohl auf das Suchvolumen als auch auf die Art, wie wir suchen, aus.
  • Kontext und Verlauf: Im Gegensatz zu Browser-Suchmaschinen, die sich danach richten, wie eine Suchanfrage formuliert wird, berücksichtigen Suchanfragen über persönliche Assistenten den Suchverlauf und den Kontext der jeweiligen Suche. Wenn ich vorher schon einmal Hundefutter bestellt habe, sucht Alexa mir genau die gleiche Marke heraus, die ich zuvor gekauft habe, und fragt mich, ob ich die gleiche Bestellung noch einmal aufgeben möchte. Wenn ich das Büro um 18 Uhr verlasse, dann sagt mir Google Now genau, wie lange ich für den Heimweg brauche. Bei dieser Suchmethode werden gleich mehrere Schritte übersprungen und ich gelange schneller und direkter an mein Ziel.

SEO Zukunft

Bildquelle: Amazon Echo 

In einer Zeit, in der das Internet nahezu allgegenwärtig ist, nutzen Leute viel seltener ihre Tastatur und fragen stattdessen sozusagen das Universum nach dem Gesuchten. Dadurch ändert sich die Struktur der Suchanfragen. Ihre Suchanfragen sind vielleicht etwas weniger spezifisch und anders strukturiert als bei der herkömmlichen Suche. Stellen Sie sich vor, Suchanfragen wie „Was soll ich heute Abend machen?“ zu optimieren – im Gegensatz zu strukturierten Anfragen wie „Beste Restaurants in Berlin“.

Bereit für ein neues Zeitalter?

Wenn sich Änderungen im Suchverhalten abzeichnen, müssen Marketer sich früher oder später auf diese Veränderungen einstellen und ihre Strategien anpassen. Mit diesen neuen Erkenntnissen in Sachen Online-Suche wollen wir Sie keinesfalls beunruhigen. Wir möchten Ihre Neugierde wecken. Natürlich wissen wir nicht, was die Zukunft bringt. Aber eines ist sicher: Die Welt der Suchanfragen wird nicht kleiner – ganz im Gegenteil: Sie expandiert. Und expandierende Welten wollen erforscht werden.

Haben Sie weitere neue Trends bei der Online-Suche beobachtet? In welche Richtung wird sich die Suche Ihrer Meinung nach entwickeln? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

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Ursprünglich veröffentlicht am 15. Juni 2016, aktualisiert am August 09 2018

Themen:

SEO