Spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde vielen Zweiflern klar: Die Digitalisierung ist nicht irgendein vorübergehender Trend, sondern die Basis unseres modernen Lebens. Ohne schnelle Internetleistungen und Collaboration-Tools sind Remote Work und Home Schooling nicht möglich, kleine wie auch große Unternehmen profitieren vom E-Commerce.

Doch während der weltweiten Krise, die COVID-19 auslöste, zeigte sich erneut ganz deutlich: Deutschland war in Sachen Digitalisierung teilweise recht schlecht aufgestellt. Das Lehrpersonal konnte die Schüler und Schülerinnen nicht unterrichten, weil die Lernplattformen unter der Last zusammenbrachen. Wichtige Gesundheitsdaten wurden per Fax verschickt, weil es keine einheitlichen digitalen Lösungen gab.

Waren das alles nur Einzelfälle, die die Medien nochmals pushten? Oder gibt es flächendeckende Digitalisierungsprobleme in der Wirtschaftsnation? Wir liefern einen Überblick.

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Was bedeutet Digitalisierung?

Zuerst gilt es, den Begriff zu klären, denn er lässt sich recht weit fassen. Digitalisierung meint unter anderem die Bereitstellung von schnellen Internetzugängen (beispielsweise über Glasfaser oder 5G-Mobilfunk), den Zugang zu Online-Services bis hin zu autonom fahrenden Autos und KI-gesteuerten Robotern (KI: künstliche Intelligenz).

Die Digitalisierung beinhaltet somit ein breites Spektrum an Technologien. Das macht es schwierig, über das Thema zu reden und es einzuordnen. Und damit unterscheidet sich auch der Erwartungshorizont: Unternehmen A sieht sich selbst als sehr digital an, weil es über einen schnellen Internetanschluss verfügt und mit einem CRM-System arbeitet. Unternehmen B wähnt sich weit von der Digitalisierung entfernt, weil es noch nicht in allen Fabriken auf Predictive Maintenance (vorausschauende Instandhaltung durch digitale Lösungen) umgestellt hat.

Somit ist es immer heikel, den Stand der Digitalisierung in Deutschland objektiv einzuschätzen.

Wie steht es um die Digitalisierung in Deutschland?

Um das Thema zu beleuchten, gibt es zahlreiche Studien. Zum Beispiel zeigte der D21-Digital-Index 2019/2020, den die Bundesregierung mit vielen namhaften Stiftungen und Unternehmen durchführte, dass damals 89 Prozent der Deutschen online unterwegs waren. Doch der Grad der Digitalisierung der Gesellschaft fiel nur durchschnittlich aus: Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten erreichte er nur 58 Punkte. Gründe dafür waren die mangelnde Kenntnis und Ausbildung über die digitalen Möglichkeiten und Technologien.

Diese Probleme zeigten sich damals auch in der Wirtschaft. Im April 2020 veröffentlichte der IT-Branchenverband bitkom eine Umfrage, die unter rund 600 deutschen Unternehmen stattfand. Die Ergebnisse fielen ernüchternd aus: Ein Fünftel der Befragten gab an, keine digitale Strategie zu verfolgen, nur jedes vierte Unternehmen investierte damals in digitale Geschäftsmodelle.

Nicht gerade positiv war auch die Selbstbeurteilung der Unternehmen: In Sachen Digitalisierung gaben sie sich im Durchschnitt eine Schulnote 3, manche sogar eine 3 bis 4.

Vereinfacht zusammengefasst vermitteln diese Zahlen den Eindruck, dass die Digitalisierung in Deutschland vor der Corona-Pandemie nur durchschnittlich war. Hat sich seitdem ein Wandel vollzogen?

Deutschland und die Digitalisierung: Veränderte sich 2021 etwas im Ranking?

Der Digitalisierungsindex des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) zeigt ein paar Lichtblicke: Unternehmen, die im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau, Fahrzeugproduktion und IT tätig sind, sowie unternehmensnahe Dienstleistungen erreichen überdurchschnittliche Werte. Dagegen hängen in etwa das produzierende Gewerbe, der Handel, Verkehr und Logistik wie auch die Tourismusbranche beim digitalen Wandel hinterher.

Der Deutschland-Index der Digitalisierung 2021 vom Kompetenzzentrum Öffentliche IT zeichnet ein ähnliches Bild: Es gab zwar Fortschritte in den letzten Jahren – besonders durch die Corona-Pandemie kam es zu einer Beschleunigung. Doch die Fortschritte fallen kumuliert betrachtet nur gering aus. Laut dieser Studie verbesserte sich der Grad der Digitalisierung im Land insgesamt von 68,3 Punkten im Jahr 2019 auf 70,2 Punkte im Jahr 2021, was eine Entwicklung von weniger als 2 Punkten ist.

Digitalisierung: Wie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich ab?

Auch hier ergibt sich kein gutes Bild. Bei der Studie Digital Competitiveness Ranking 2021, die das Institute for Management Development durchführte, steht Deutschland bei der Betrachtung von 64 Ländern auf Platz 18. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 hielt die Bundesrepublik noch Platz 15 inne. Der Digital Riser Report 2021 des European Center for Digital Competitiveness sieht Deutschland im Vergleich der G20-Staaten auf Platz 17.

Die Gründe für die durchwachsenen Ergebnisse liegen unter anderem an der im Vergleich mäßigen digitalen Infrastruktur (Stichwort: lahmender Breitbandausbau), dem mittelmäßigen Bildungsstand in Sachen Digitalisierung und der Tatsache, dass es in Deutschland recht wenige Start-ups gibt, die disruptive Technologien voranbringen.

Es hat sich zwar in Deutschland und in der deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren bei der digitalen Transformation einiges getan, doch andere Länder sind schneller. China gilt laut dem Digital Riser Report als weltweit führend, was Informationstechnologie und Robotik angeht. Das liege unter anderem daran, dass Entrepreneurship ein Teil des „Chinesischen Traums“ wurde.

Welt im Wandel: Wie kann Deutschland seine digitale Wettbewerbsfähigkeit verbessern?

Dafür stellte die Bundesregierung eine Digitalstrategie vor, die aus fünf digitalpolitischen Säulen besteht:

  • Digitale Kompetenz: Die Bürger und Bürgerinnen sollen fit für die digitale Transformation gemacht werden.
  • Infrastruktur: Die Regierung will den Ausbau der Gigabit-Netze beschleunigen und großflächig vorantreiben.
  • Innovation: Es erfolgt eine stärkere Förderung der Industrie, zum Beispiel im Bereich der KI-Entwicklung.
  • Gesellschaft: Es braucht neue Werte in Zeiten der Digitalisierung.

Moderner Staat: Die Verwaltung soll digitaler und damit einfacher werden.

Neben der Förderung durch den Staat durch zahlreiche Maßnahmen und Fördermittel müssen auch Unternehmen aktiv an der digitalen Transformation mitarbeiten. Dazu gehört unter anderem der Mut, in digitale Konzepte und Disruptionen zu investieren. Auch kleine oder mittelgroße Schritte führen zu einer Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, beispielsweise durch den Einstieg in den digitalen Vertrieb.

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Titelbild: tamaya / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 25. November 2021, aktualisiert am November 25 2021

Themen:

Digitalisierung