Frankreich läuft Deutschland bei digitaler Wettbewerbsfähigkeit den Rang ab”, „Zwar macht Deutschland bei der Digitalisierung Fortschritte – fällt aber von Platz 6 auf 14 zurück”. Diese und ähnliche Schlagzeilen können Sie seit ein paar Jahren lesen. Der Tenor ist meist der gleiche: Deutschland hinkt seit langem bei der Digitalisierung hinterher und verliert zunehmend den Anschluss.

Dieses schlechte Bild zeigt sich in verschiedenen Bereichen: bei der Bildung, im Gesundheitssektor, im öffentlichen Bereich und in der Industrie. Gilt das auch für den Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft? Falls ja – was können Sie dagegen unternehmen?

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Digitalisierung im Mittelstand: Wie ist die Lage?

56 von 100 Punkten: So viel haben kleine und mittelständische Unternehmen bislang bei Ihrer Digitalisierung erreicht. Das zeigt der Digitalisierungsindex 2019/2020 der Deutschen Telekom zusammen mit techconsult. Die repräsentative Studie blickt auf kleine Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und auf KMU mit mehr als 250 Angestellten.

Nicht nur dieses Ergebnis fällt mittelmäßig aus, zu ähnlichen Ergebnissen kommen zahlreiche Erhebungen: Der Mittelstand beschäftigt sich zwar mit seiner digitalen Transformation, doch „der Digitalisierungsgrad ist noch viel zu gering” – so das Fazit einer Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM).

Warum die Digitalisierung im Mittelstand so oft scheitert

Weshalb hinken KMU bei der Digitalisierung hinterher? Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen. Bei unserer Durchsicht mehrerer Studien fanden wir dabei häufig folgende Argumente:

  • Fehlendes Fachwissen

Big Data, Business Intelligence oder Deep Tech: Den KMU fehlt das Know-how, um die komplexe Thematik der Digitalisierung zu erfassen und zu verstehen. Das Rad der Innovationen dreht sich mit Highspeed weiter, was die Lage zunehmend verschärft.

  • Fachkräftemangel

Um das benötigte technologische Wissen zu verstehen und umzusetzen, braucht es spezielle Fachkräfte. Doch die sind in Deutschland seit vielen Jahren Mangelware: Ende 2019 gab es 124.000 offene Stellen für IT-Experten, eine Steigerung zum Vorjahr um 51 %.

  • Mindset

Digitalisierung ist mehr als „nur” die Einführung von neuen Technologien. Vielmehr geht es um eine neue Denkweise, das digitale Mindset. Unternehmen müssen ihre Prozesse und Strukturen anpassen und alte Arbeitsweisen über Bord schmeißen – ihr Geschäftsmodell also grundlegend überdenken. Das fällt vielen traditionsreichen Firmen, die seit Jahrzehnten erfolgreich ihr Business betreiben, schwer.

  • Fortbildungen

Den Mangel an Fachkräften und Know-how könnten kleine und mittelständische Unternehmen durch die Weiterbildung ihrer bestehenden Mitarbeiter bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Das tun sie aber viel zu wenig.

  • Strategie

„Viele Arbeitgeber haben keine Strategie zur Bewältigung der Transformation" – das ist eine Erkenntnis des Transformationsatlas der IG Metall. Eine Erkenntnis, die auch andere Erhebungen ans Licht bringen: Zahlreiche kleine wie auch große Unternehmen besitzen bis heute keine echte Strategie für die Digitalisierung.

  • Ängste

Der digitale Wandel ist der wahrscheinlich bis dato größte wirtschaftliche Umbruch der Menschheit. Er bringt viele Chancen und Herausforderungen gleichermaßen mit sich. Damit verbunden sind Unsicherheit und Angst, beides lähmt die Umsetzung.

  • Change Management

Die digitale Transformation eines mittelständischen Unternehmens ist ein langwieriger und komplizierter Prozess. Einer, der kein Ende kennt, da die Digitalisierung ständig voranschreitet. Um das zu bewerkstelligen, ist ein aufwändiges und auch teures Change Management nötig.

  • Umsetzung

Da die Digitalisierung jeden Geschäftsbereich betrifft – vom Einkauf über die Buchhaltung und die Produktion bis hin zum Vertrieb und der Kundenbetreuung – ist die Umsetzung ein gewaltiger Kraftakt. Einer, der gerne mit Mammut-IT-Projekten bewältigt werden soll. Bei diesen kommt es häufig zu langen Verzögerungen und Frust macht sich breit. Daher finden Mitarbeiter das Thema Digitalisierung oft ermüdend.

  • Budget

Die Einführung neuer Prozesse, das Anheuern von IT-Spezialisten, die Implementierung neuer Technologien inklusive Fortbildungen: All das kostet viel Zeit und Geld, zudem bindet es Ressourcen. Diese Herausforderungen können sich viele mittelständische Unternehmen nicht leisten.

  • Infrastruktur

Der mangelhafte Digitalausbau in Deutschland ist ein weiterer Grund, der die Digitalisierung des Mittelstandes hemmt. Bei der Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen und deren Geschwindigkeit liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen.

  • Datenschutz

Obwohl die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO, englisch GDPR) vor ein paar Jahren eingeführt wurde, sorgt sie immer noch für Verunsicherung – besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Das führt zu Hemmnissen. Und zum Scheitern vieler innovativer Projekte, fand Bitkom heraus.

Digitalisierung im Mittelstand: Das unternehmen Firmen bereits

Wie eingangs erwähnt, liegt der Digitalisierungsgrad deutscher Mittelständler laut dem Digitalisierungsindex bei 56 von 100 Punkten. Hierbei handelt es sich um einen gemittelten Wert über verschiedene Branchen hinweg. Wie die Telekom-Studie zeigt, gibt es teilweise deutliche Unterschiede. So fällt der Grad der Digitalisierung im Baugewerbe und im Handel mit 52 Punkten recht niedrig aus, bei Banken, Versicherungen und ITK-Unternehmen ist er über 10 Punkte höher.

Digitalisierungsindex deutscher Mittelstand

Bild: digitalisierungsindex.de

Die Gründe für den höheren Digitalisierungsgrad mancher Branchen sind unter anderem ein hoher Wettbewerbsdruck und steigende Erwartungen der Kunden. So gab es in der Industrie schon vor Jahrzehnten einen Wandel hin zu einer hohen Automatisierung: Roboter fertigen Einzelteile wie Karosseriebestandteile, autonom fahrende Fahrzeuge transportieren Container, und smarte Maschinen erkennen eigenständig, wann sie gewartet werden müssen.

Durch die Automatisierung und Digitalisierung können Produktionsabläufe effizienter gestaltet werden, was die Produktionspreise senkt. Das ist ein wichtiger Faktor in der modernen, globalisierten Welt.

Der Bankensektor, die Versicherungsbranche und andere nahe am Endkunden liegende Bereiche erleben seit einigen Jahren einen starken Umbruch: Die Kunden erwarten digitale Services, welche Beratungsgespräche oder manuelle Tätigkeiten wie das Ausdrucken von Kontobelegen ersetzen.

Onlinebanking, Apps zum Geldsparen, Internetportale für den Versicherungsvergleich, Beratung über intelligente Chatbots: Die Digitalisierung verlagerte viele klassische Tätigkeiten ins Digitale und macht sie 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche verfügbar.

Viele Mittelständler digitalisieren ihr Unternehmen sukzessive, indem sie die Lösungen in einzelnen Abteilungen einführen. Zum Beispiel erkennen immer mehr mittelständische Betriebe, dass der klassische Vertrieb auf dem absteigenden Ast ist. Ein digitaler Vertrieb über einen eigenen Onlineshop oder über mehrere E-Commerce-Plattformen ist enorm wichtig — ebenso die digitale, möglichst automatisierte Ansprache der Kunden, zum Beispiel über CRM-Systeme.

Was Sie für eine bessere Digitalisierung Ihres Unternehmens tun können

Ergreifen Sie ein Bündel aus Maßnahmen, um die Digitalisierung anzupacken. Dies kann bestehen aus:

Auseinandersetzung

Nehmen Sie die Digitalisierung ernst! Eine Vogel-Strauß-Taktik bringt Sie und Ihr Unternehmen nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Sie werden abgehängt und verlieren im schlimmsten Fall den Boden unter den Füßen.

Mindset

Seien Sie offen für die Chancen, sehen Sie das Positive im digitalen Wandel. Und seien Sie bereit, radikal mit dem Alten zu brechen, um neue Prozesse und zukunftsweisende Geschäftskonzepte zu ermöglichen.

Strategie

Setzen Sie sich Ziele: Was möchten oder müssen Sie über die Digitalisierung erreichen? Welche Veränderungen lassen sich dadurch erzielen, wie lassen sich diese messen? Welche Maßnahmen sind zur Erreichung der Ziele möglich? Was müssen Sie davon sofort angehen, was können Sie noch etwas nach hinten schieben? Kurz: Erschaffen Sie eine digitale Strategie für Ihr Unternehmen und verändern Sie so Ihr Geschäftsmodell. Das ist eventuell nur mit der Hilfe von externen Unterstützern wie Beratern und Agenturen möglich, weil diese das Fachwissen und einen breiteren Blickwinkel besitzen.

Arbeitsweise

Digitalprojekte lassen sich nur schwer mit klassischen Projektmanagement-Methoden wie dem Wasserfall-Modell planen und umsetzen. Stattdessen kommen agile Methoden wie Kanban und Scrum zum Einsatz. Hierbei steht ein ständiger Veränderungsprozess mit kurzen Zyklen im Vordergrund. Das bedeutet: Sie streben nicht eine finale Deadline an, sondern arbeiten kontinuierlich an den Verbesserungen.

Personal

Um die Digitalisierung meistern zu können, benötigen Sie Experten, die die digitale Transformation voranbringen. Heuern Sie dafür Fachkräfte an. Finden Sie keine, können Sie auf entsprechende Freelancer oder Agenturen zurückgreifen, welche Ihnen unter die Arme greifen.

Konsens

Die Digitalisierung Ihres Unternehmens muss von allen verstanden und mitgetragen werden. Erklären Sie, warum die angestrebten Maßnahmen sinnvoll sind. Und bilden Sie Ihre Mitarbeiter fort, indem Sie Ihnen beispielsweise Schulungen für die Benutzung neuer Softwarelösungen geben.

Freiräume

Jeder Wandel bringt neue Herausforderungen mit sich. Herausforderungen, die eventuell zu Fehlern oder Sackgassen führen. Geben Sie Ihren Mitarbeitern den Freiraum für Experimente, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dazu gehört auch eine gelebte Scheiterkultur.

Investitionen

Für die Digitalisierung müssen Sie viel Zeit und Geld investieren. Bedenken Sie dabei, dass die Ergebnisse daraus oft nicht sofort sicht- oder messbar sind. Viele Änderungen bringen kurzfristig keinen Profit. Aber Sie sichern damit die Zukunft Ihres Unternehmens ab.

Tipp: Für manche Investitionen können Sie Fördergelder erhalten, zum Beispiel über das „Digital Jetzt”-Programm des Wirtschaftsministeriums.

Kunden

Was Sie nie vergessen sollten: Was bringen die digitalen Veränderungen Ihren Kunden? Die Kunden sind Ihre „echten” Kunden (bspw. Endkunden oder Geschäftskunden), und ebenso Ihre Mitarbeiter. So müssen Ihre Mitarbeiter beispielsweise die neue CRM-Software bedienen können. Und Ihre Endkunden wollen wissen, was die neue App Ihrer Firma bringt.

Verknüpfungen

Wenn Sie verschiedene IT-Systeme anschaffen, können schnell Silos entstehen, welche Ihre Prozesse ausbremsen. Besser ist es, kompatible Systeme anzuschaffen, bei denen – sinnbildlich gesprochen – die Bits und Bytes frei fließen können.

Ein Beispiel: Ihr Onlineshop sollte mit dem CRM, dem WaWi (Warenwirtschaftssystem) wie auch Ihrem Buchhaltungssystem verknüpft sein, damit viele Prozesse automatisiert werden können.

Notwendig fürs Überleben: Digitalisierung im Mittelstand

Die Digitalisierung wurde im deutschen Mittelstand jahrelang ignoriert oder nur halbgar angegangen. Die Konsequenzen sind nun deutlich zu spüren: Einige Unternehmen wurden von der internationalen Konkurrenz abgehängt, der Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt hat Schaden erlitten. Dazu kam die Corona-Krise, welche die digitalen Defizite deutlich zeigte und manche Erosionen verstärkte.

„Der deutsche Mittelstand hat offenbar ein Umsetzungsdefizit”, heißt es in der Studie der THM. Ändern Sie das, packen Sie Ihre digitale Transformation an! Die Digitalisierung ist kein „Nice-to-have”, sondern ein Must-have. Eines, das Sie sofort und mit Vollgas angehen sollten, um im lokalen wie auch globalen Wettbewerb überlebensfähig zu bleiben.

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Titelbild: nd3000 / Getty Images

Ursprünglich veröffentlicht am 23. Oktober 2020, aktualisiert am November 18 2020

Themen:

Digitalisierung