Genau 672.609 Gewerbeanmeldungen gab es 2019 in Deutschland, laut Statistischem Bundesamt (Destatis). Die Zahl ist seit Jahren rückläufig, für eine besonders große Delle (minus 21,1 % bei den Kleinunternehmen in etwa) sorgte 2020 der Beginn der Corona-Krise. Trotzdem gibt es noch tausende Menschen, die sich selbstständig machen. Oft beginnt das mit der Anmeldung eines Kleingewerbes.

Möchten Sie das auch? Dann sollten Sie folgende Punkte beim Start eines Kleingewerbes unbedingt bedenken und beachten.

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Was ist ein Kleingewerbe?

Offiziell gibt es das Kleingewerbe als Rechtsform nicht. Im Sprachgebrauch hat sich dieser Begriff jedoch etabliert.

Wenn Sie sich selbstständig machen und dabei keine freiberufliche Tätigkeit aufnehmen, ist das ein Gewerbe. Ein Kleingewerbe liegt vor, wenn Sie sich bei Ihrer Unternehmung nicht an die Vorgaben des HGB (Handelsgesetzbuch) halten müssen.

Kleingewerbe, Kleinstunternehmer, Gewerbe, Freiberufler, Kaufmann: Was sind die Unterschiede?

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Begriffe wie Kleinunternehmer, kleiner Gewerbetreibender, Kleinstunternehmer oder Selbstständiger oft synonym verwendet. Auch rechtlich ist die Abgrenzung der vielen ähnlichen Begrifflichkeiten nicht immer ganz einfach. Hier eine Aufschlüsselung der verschiedenen Bezeichnungen:

Freiberufler

Machen Sie sich mit einer künstlerischen, schriftstellerischen, wissenschaftlichen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeit selbstständig, gelten Sie als Freiberufler. Zu den freiberuflichen Tätigkeiten gehören beispielsweise sogenannte Katalogberufe wie Arzt, Stadtplaner, Journalist, Steuerberater oder Notar. Für die freien Berufe gelten bestimmte gesetzliche Vorgaben, zum Beispiel müssen sie kein Gewerbe anmelden.

Gewerbetreibender

Beginnen Sie eine selbstständige Tätigkeit, die nicht in den Bereich Freiberufler fällt, sind Sie ein Gewerbetreibender. Hierbei gibt es verschiedene Abstufungen.

Betreiben Sie Ihr Gewerbe nebenberuflich oder in Vollzeit, jedoch mit geringen Umsätzen, spricht man von Kleinstgewerbe. Beim Kleinstgewerbe können Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen. Das bedeutet: Machen Sie im ersten Jahr Ihrer Selbstständigkeit unter 22.000 Euro Umsatz und im Folgejahr weniger als 50.000 Euro Jahresumsatz, können Sie von deutlich vereinfachten Steuerregelungen profitieren.

Erwirtschaften Sie mehr Umsatz oder nehmen Sie die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch, sind Sie eigentlich ein „normaler“ Gewerbetreibender. Doch auch hier spricht man oft von Kleinunternehmer, wenn Ihre selbstständige Tätigkeit gewisse Obergrenzen nicht erreicht. Eine solche Grenze kann ein Jahresumsatz von 600.000 Euro und 60.000 Euro Jahresgewinn sein.

Ab diesem Schwellenwert kann es sein, dass Sie sich als Kaufmann gemäß Handelsgesetzbuch (HGB) eintragen müssen. Damit einher gelten neue Rechte und Pflichten für Sie, was Ihre selbstständige Tätigkeit komplizierter macht, da Sie (vereinfacht gesagt) mehr Papierkram erledigen müssen.

Auch als Kleingewerbetreibender sollten Sie Ihre Unternehmung genau durchplanen. Unsere kostenlose und kompakte Businessplan-Vorlage im PDF- und Word-Format hilft Ihnen dabei, Ihr Kleingewerbe strategisch anzugehen.

Merkmale: Was ist ein Kleingewerbetreibender?

Zusammengefasst bedeutet das: Sie gelten als Kleingewerbetreibender, wenn Sie

  • sich selbstständig machen, aber kein Freiberufler sind und

  • dabei unter einer gewissen Einkommensschwelle agieren.

Oft gilt das für:

  • selbstständige Tätigkeiten als Nebenerwerb
  • unternehmerische Tätigkeiten mit geringen Gewinnen
  • Nutzer der Kleinunternehmerregelung.

Als Kleingewerbe

  • gehen Sie keinem bezahlten Hobby („Liebhaberei“) nach, sondern sind unternehmerisch tätig. Das heißt, Sie möchten relevante Umsätze und Gewinne erwirtschaften.

  • nehmen Sie offiziell eine Gewerbeanmeldung vor, entweder online oder durch Ihr Erscheinen bei einem für Sie zuständigen Amt.

  • müssen Sie sich nicht ins Handelsregister eintragen. Tun Sie das trotzdem, gelten Sie als Kaufmann und können beispielsweise eine Rechtsform wie OHG oder KG gründen.

  • können Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen, wodurch Sie keine Umsatzsteuer erheben (das bedeutet: brutto gleich netto) und somit keine Umsatzsteuervoranmeldung durchführen.

  • erstellen Sie lediglich eine EÜR (Einnahmenüberschussrechnung) zum Jahresende anstatt einer Bilanz. Auch das erspart Ihnen viel Aufwand, im Idealfall den Einsatz eines Steuerberaters.

  • sind Sie aufgrund Ihres geringen Einkommens von der Zwangsmitgliedschaft bei einer Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgenommen, wofür Sie unter Umständen eine Befreiung beantragen müssen. Die Gewerbesteuer fällt für Sie ebenfalls nicht an.

  • haben Sie Einkommenssteuer auf Ihren Gewinn zu bezahlen.

  • müssen Sie krankenversichert sein. Beim Thema Krankenversicherung sollten Sie sich genau informieren, wie Ihre Absicherung im Detail aussieht, wenn Sie nur nebenberuflich tätig sind. Und als Künstler können Sie Mitglied in der KSK (Künstlersozialkasse) werden, die unter Umständen bis zu 50 % Ihrer Sozialversicherungsabgaben bezahlt.

Tipp: Was sich in der Theorie noch recht einfach anhört, kann in der Praxis einige Fallstricke bieten. Deswegen empfehlen wir Ihnen, sich vor dem Sprung in die Selbstständigkeit einen fachkundigen Rechtsbeistand zu holen – zum Beispiel einen Steuerberater.

Wer darf ein Kleingewerbe anmelden?

In Deutschland gilt das freie Unternehmertum, auch als Gewerbefreiheit bekannt. Diese unternehmerische Freiheit ist unter anderem im Grundgesetz (GG) festgeschrieben. Im Artikel 12 Absatz 1 Satz 1 GG steht: „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“ Dieser Satz schließt freie Berufe wie auch selbstständige Tätigkeiten mit ein.

Die Gewerbefreiheit gilt für alle deutschen Staatsbürger. Was Sie bei der Anmeldung konkret beachten müssen, erklären wir in einem späteren Absatz.

Wichtig ist: Wenn Sie ein Kleingewerbe/Gewerbe starten, müssen Sie die Absicht haben, Gewinne zu erzielen. Erzielen Sie über mehrere Jahre keine oder nur sehr geringe Gewinne, sind Sie aus Sicht des Finanzamtes nicht richtig unternehmerisch tätig, sondern betreiben ein Hobby beziehungsweise eine „Liebhaberei“. Damit können Sie den Gewerbestatus verlieren.

Welche Rechtsform kann ein Kleingewerbe haben?

GmbH, OHG, AG oder UG: Diese Rechtsformen können Sie als Kleingewerbe nicht verwenden, denn damit sind jeweils zahlreiche Auflagen und Vorgaben zu erfüllen. Zum Beispiel benötigen Sie einen Eintrag ins Handelsregister.

Machen Sie sich allein selbstständig, nennt sich das Einzelunternehmen. Sie sind der Inhaber und der rechtlich Verantwortliche, zudem haften Sie mit Ihrem Privatvermögen für Ihre Tätigkeiten.

Schließen Sie sich mit einer oder mehreren Personen (zum Beispiel ebenfalls Kleingewerbetreibenden) zusammen, handelt es sich hierbei um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) beziehungsweise BGB-Gesellschaft. Diese Art der Rechtsform bedarf keiner Anmeldung.

Wann müssen Sie ein Gewerbe anmelden?

Sobald Sie in Deutschland in irgendeiner Form unternehmerisch tätig werden, müssen Sie das unter anderem beim Finanzamt offiziell angeben. Tun Sie das nicht, kann das als Steuerbetrug geahndet werden.

Des Weiteren ist die ordentliche Buchführung eine grundlegende Aufgabe für Sie: Erfassen Sie beispielsweise nicht korrekt Ihre Einnahmen und Ausgaben, sorgt das ebenfalls für Ärger mit dem Finanzamt und zieht unter Umständen teure Strafen nach sich.

Schritt für Schritt: Kleingewerbe anmelden

So können Sie ganz strukturiert und offiziell Ihre Selbstständigkeit als Kleingewerbetreibender starten:

1. Gewerbeamt

Gehen Sie zum lokalen Gewerbeamt, dort können Sie Ihr Kleingewerbe/Gewerbe anmelden. Oder nutzen Sie eine Online-Anmeldung.

2. Finanzamt

Melden Sie Ihr Gewerbe bei dem für Sie zuständigen Finanzamt. Daraufhin müssen Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen.

3. Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)

Möchten Sie international agieren? Und zum Beispiel ohne Umsatzsteuer im EU-Raum Geschäfte machen? Dann benötigen Sie eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) vom Bundeszentralamt für Steuern.

4. Steuerberater

Haben Sie Fragen zu Ihrem Gewerbe, besonders im Bereich der Buchhaltung und Steuern? Suchen Sie sich einen Steuerberater.

5. IHK/HWK/Berufsgenossenschaft

In der Regel meldet Sie das Gewerbeamt automatisch bei der örtlichen IHK an – es sei denn, Sie sind Freiberufler. Als Freiberufler haben Sie einer Berufsgenossenschaft beizutreten. Sind Sie als gewerblicher Handwerker tätig? Dann müssen Sie Kontakt zu der Handwerkskammer (HWK) aufnehmen.

6. Weitere Ämter

Manche Berufsgattungen benötigen spezielle Genehmigungen und Lizenzen. Dazu gehören beispielsweise Altenpfleger, Immobilienmakler, Reiseveranstalter und Kindertagesstätten.

7. Agentur für Arbeit

Möchten Sie Mitarbeiter einstellen? Dann brauchen Sie eine Betriebsnummer von der Agentur für Arbeit. Zudem wäre es sinnvoll, einen Steuerberater hinzuzuziehen.

Sie sehen: Für manche Geschäftsideen können Sie recht schnell und einfach loslegen, für andere müssen Sie einige Stellen ansteuern.

Kleingewerbe online anmelden: Geht das?

Die Antwort, ob Sie Ihr Kleingewerbe online anmelden können, hängt von Ihrem Standort ab. In vielen Kommunen ist es mittlerweile möglich, einen Antrag über das Internet einzureichen. Oder es gibt einen halb-digitalen Service, bei dem Sie die Formulare herunterladen und dann ausgefüllt per Fax oder Post verschicken.

Kleingewerbe anmelden: Die Kosten

Die Kosten für die Anmeldung eines Kleingewerbes hängen ebenso von Ihrem Standort ab. In manchen Kommunen beträgt die Bearbeitungsgebühr lediglich 20 Euro, in der Regel liegen die Kosten bei 50 bis 70 Euro.

Tipps: Wie Sie schneller Ihre Gewerbeanmeldung erhalten

  • Machen Sie sich vorher über alle Formalitäten schlau.

  • Laden Sie sich alle benötigten Formulare herunter, zum Beispiel für eine Online-Anmeldung.

  • Als Handwerker sollten Sie sich vor der Gewerbeanmeldung bei der HWK melden, um alle Formalitäten für Ihre handwerkliche Tätigkeit zu klären.

  • Halten Sie Ihren Personalausweis oder Reisepass als Identifikationsnachweis parat.

  • Nicht-deutsche Staatsbürger benötigen unter Umständen eine Aufenthaltsgenehmigung als Nachweis.

  • Gehen Sie für die Anmeldung Ihres Kleingewerbes auf das Amt? Nehmen Sie genügend Bargeld für die Bezahlung der Bearbeitungsgebühr mit, falls eine Kartenzahlung nicht möglich ist.

  • Arbeiten Sie alle Formulare mehrmals genau durch, damit Sie keinen Punkt übersehen.

Die Vor- und Nachteile eines Kleingewerbes

Theoretisch ist es in Deutschland recht einfach, sich selbstständig zu machen. Wenn Sie als Kleingewerbetreibender loslegen, haben Sie folgende Vorteile:

  • Jeder Staatsbürger darf ein Gewerbe anmelden.

  • Sie benötigen kein Startkapital und keine komplizierte Rechtsform.

  • Die Formalitäten bei der Anmeldung fallen überschaubar aus.

  • Sie können von Steuererleichterungen wie der Kleinunternehmerregelung profitieren.

  • Der administrative Aufwand hält sich in Grenzen.

  • Dank des Freibetrages müssen Sie keine Gewerbesteuer bezahlen.

Zu den Nachteilen eines Kleingewerbes gehören unter anderem:

  • Sie haften für alles, was Ihre Unternehmung angeht.

  • Nutzen Sie die Kleinunternehmerregelung, können Sie die Umsatzsteuer Ihrer Anschaffungen nicht absetzen.

  • Sie müssen wirtschaftlich und gewinnorientiert handeln, ansonsten verlieren Sie den Gewerbestatus.

  • Sie müssen Ihre Finanzen genau im Blick haben. Sind Sie erfolgreicher als gedacht, wird Ihre Selbstständigkeit zu einem „richtigen“ Gewerbe mit all seinen Pflichten.

  • Ihr Gewerbe darf in der Regel keinen ausgefallenen Fantasienamen tragen, sondern muss Ihren Vor- und Nachnamen beinhalten – zum Beispiel „Handyprofi Max Mustermann“. In manchen Branchen, zum Beispiel im Gastgewerbe, gibt es Ausnahmen.

Fazit: Klein anfangen, austesten und dann wachsen

Ein Kleingewerbe anzumelden ist die ideale Möglichkeit, um sich selbstständig zu machen oder im Kleinen ein Unternehmen zu gründen. Sie müssen nicht gleich den großen Sprung wagen, sondern können beispielsweise nebenberuflich mit einer „Mini-Selbstständigkeit“ loslegen. Auf diese Weise finden Sie gut heraus, ob Ihre Geschäftsidee und das Geschäftsmodell wirklich Potenzial haben – und ob Sie als Unternehmer geeignet sind.

Wächst Ihr Gewerbe, können Sie es vom Kleingewerbe zum „echten“ Gewerbe als Kaufmann und später sukzessiv zu einem Unternehmen mit einer Rechtsform wie einer GmbH umwandeln.

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Titelbild: AnnaStills / Getty Images

Die bereitgestellten Informationen in diesem Beitrag sind nicht als bindende Rechtsauskunft zu betrachten. Wenden Sie sich an Ihre Rechtsabteilung, wenn Sie professionellen Rechtsbeistand benötigen.

Ursprünglich veröffentlicht am 30. November 2020, aktualisiert am November 30 2020

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