Ob an der Kaffeemaschine oder im Meeting: Im Beruf kommunizieren die meisten von uns täglich mit anderen Menschen. Dabei treffen unterschiedlichste Persönlichkeiten aufeinander, was durchaus für Reibungsfläche sorgen kann. Um unsere persönlichen und gemeinschaftlichen Ziele zu erreichen, sind wir aber darauf angewiesen, dass der Austausch möglichst friedlich verläuft – der Schlüssel dazu ist Empathie.

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Wo genau Ihnen Empathie im beruflichen Kontext zugutekommt und wie Sie sie trainieren können, erfahren Sie hier.

Emotionale Empathie bezeichnet das Mitfühlen. Kognitive Empathie ermöglicht das Verstehen von Gefühlen auf rationaler Ebene. Soziale Empathie beschreibt den Umgang mit Gruppen.

Eine kurze Definition der Empathie

Es gibt verschiedene Ansätze, den Begriff Empathie zu definieren. Die meisten wissenschaftlichen Definitionen beschreiben Empathie als Fähigkeit, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer Menschen hineinzuversetzen und deren Erleben kognitiv nachzufühlen. Empathie ermöglicht es uns also, zu verstehen, was in anderen vorgeht – und auf Basis dieser Erkenntnisse angemessen zu reagieren.

Auch in Management und Marketing spielt Empathie eine wichtige Rolle und ist beispielsweise intern als Führungskompetenz und extern für die Gestaltung und Pflege der Kundenbeziehung unerlässlich.

Die drei Arten der Empathie: Emotionale, soziale und kognitive Empathie

Um besser zu verstehen, was Empathie umfasst, eignet sich die Unterscheidung in emotionale, kognitive und soziale Empathie – wobei sich die drei Bereiche durchaus untereinander ergänzen und überschneiden.

1) Emotionale Empathie

Emotionale Empathie ermöglicht es Ihnen, die Situation des Gegenübers emotional nachzuempfinden: Sie „erleben“ Trauer oder Freude quasi mit.

Ein bekanntes Beispiel für solch eine Gefühls- beziehungsweise Stimmungsübertragung ist gegeben, wenn jemand mit seinem „ansteckenden Lachen“ Menschen in seiner Umgebung ebenfalls zum Mitlachen anregt.

2) Kognitive Empathie

Durch kognitive Empathie sind wir dazu in der Lage, die Motive und Empfindungen des Gegenübers nachzuvollziehen, ohne sie selbst zu empfinden. Diese Ausprägung der Empathie ist eher analytischer Natur – es geht weniger um Mitgefühl, sondern mehr um die Fähigkeit zur Übernahme der Perspektive.

Kognitive Empathie hilft dabei, Mimik, Gestik und Körpersprache zu deuten und ermöglicht es so, das Verhalten und die Gefühlswelt anderer Menschen zu erschließen. Sie lässt sich auch später im Leben erlernen.

3) Soziale Empathie

Soziale Empathie ermöglicht es, das Verhalten von Gruppen zu verstehen und zu beeinflussen.

Im Arbeitskontext kommt diese Eigenschaften Ihnen besonders zugute, wenn in Teams gearbeitet wird, da hier auch soziale Dynamiken wirken.  

Gespiegelte Emotionen: Ermöglichen Spiegelneuronen Empathie?

Einen wissenschaftlichen Erklärungsansatz für Empathie liefern die Spiegelneuronen. Diese Nervenzellen im präfrontalen Cortex (Stirnlappen) des Gehirns sorgen dafür, dass Menschen dieselben neuronalen Aktivitätsmuster zeigen, wenn Sie eine Handlung ausführen – oder sie nur bei anderen beobachten.

Auf die Ebene der Emotionen übertragen bedeutet das: Die Nervenzellen werden auch aktiviert, wenn Empfindungen bei anderen wahrgenommen werden. Das Gesehene wird quasi „gespiegelt“, woher auch der Name stammt.

Empathische Verhaltensweisen: Mit Empathie zum beruflichen Erfolg

Im Berufsleben bilden emotionale Intelligenz und Empathie wichtige Erfolgsfaktoren. Die folgenden Beispiele zeigen Ihnen, wie Ihnen Empathie beruflich weiterhilft:

  • Empathie verbessert die Kommunikation.
    Wenn Sie Ihr Gegenüber verstehen, können Sie im Gespräch besser darauf eingehen. Sie erkennen leichter Unstimmigkeiten und sind so in der Lage, bewusst zu reagieren und das Gespräch in eine zielführende Richtung zu lenken. Hören Sie aktiv zu und lesen Sie auch „zwischen den Zeilen“. Das „4-Ohren-Modell“ beispielsweise erklärt, was damit gemeint ist.
  • Empathie sorgt für bessere Teamarbeit. 
    Empathie stärkt zwischenmenschliche Beziehungen und steigert das Zugehörigkeitsgefühl in Gruppen. Sie hilft den einzelnen Mitgliedern dabei, sich mit gemeinsamen Zielen zu identifizieren und sorgt für einen guten Teamgeist. Besonders bei interdisziplinären oder internationalen Teams erleichtert Empathie auf diese Weise die Zusammenarbeit.
  • Empathie steigert die Motivation Ihrer Mitarbeiter.
    In Sachen Mitarbeiterführung sollte nicht allein die extrinsische Motivation (etwa: angemessene Bezahlung) im Vordergrund stehen. Es ist wichtig, dass Sie jeden Mitarbeiter als Individuum mit eigener intrinsischer Motivation verstehen, die Sie durch Ihr Handeln fördern und stärken können. Eine Kombination aus sozialer und kognitiver Empathie fördert an dieser Stelle Ihre Führungskompetenz.

Bin ich ein empathischer Mensch? Der Empathie-Test

Empathie lernen wir bereits als Kleinkinder. Dennoch unterschiedet sich die Ausprägung dieser Fähigkeit von Mensch zu Mensch.

Die folgenden Merkmale können Hinweise darauf geben, wie empathisch Sie sind:

Menschen mit viel Empathie ...

  • werden dafür geschätzt, dass sie gut zuhören können.
  • sind gute Beobachter von Körpersprache, Mimik und Gestik.
  • werden häufiger von anderen um Rat gefragt.
  • reagieren offen und positiv auf unbekannte Menschen.
  • fällt es manchmal schwer, sich emotional abzugrenzen.

Entgegen dessen:

Menschen mit geringer Empathie ...

  • fällt es schwer, sich in andere Menschen hineinzuversetzen.
  • empfinden zwischenmenschliche Beziehungen oft als undurchsichtig.
  • fühlen sich wenig von den Emotionen anderer Menschen berührt.
  • sind weniger nachsichtig gegenüber den Schwächen anderer.

Empathie lernen: 9 Übungen für den beruflichen Alltag

Kognitive und soziale Empathie sind auch im späteren Lebensalter erlernbar. Im Folgenden finden Sie einfache Übungen, die Sie in Ihren Berufsalltag integrieren können.

1) Achtsamkeit, um die eigenen Emotionen zu wecken.

Achten Sie bei beruflichen Erfolgen oder in Stresssituationen bewusst auf Ihre eigenen Emotionen:

Welche körperlichen Reaktionen können Sie bei sich beobachten?

Was würden Sie sich in solchen Momenten von Kollegen oder Vorgesetzten wünschen?

Erinnern Sie sich daran, wenn andere etwas Ähnliches erleben, um zukünftig schneller und zielführender reagieren zu können.

2) Überprüfen Sie sich selbst in sozialen Interaktionen wie Kundengesprächen und Meetings.

Blickkontakt, Gestik, Mimik, Stimmlage – konzentrieren Sie sich auf einen Bereich und überprüfen Sie sich:

Werden Sie bei Meinungsverschiedenheiten laut oder bleiben Sie ruhig?

Weichen Sie Blicken aus?

Lächeln Sie zurück, wenn Sie angelächelt werden?

Versuchen Sie bewusst, Ihr Gegenüber zu spiegeln und beobachten Sie die Effekte.

3) Wechseln Sie häufiger die fachliche Perspektive.

Werden berufliche Entscheidungen getroffen, wie etwa die Ausrichtung einer Kunden-Kampagne, treffen oft unterschiedliche Positionen aufeinander.

Auch wenn Sie von Ihrem Standpunkt überzeugt sind: Halten Sie einen Moment inne und gehen Sie auf andere Meinungen ein, denn das signalisiert Respekt und Kompromissbereitschaft. Nehmen Sie das große Ganze in den Blick, um so gemeinsam mit den Kollegen zu einem Ergebnis zu kommen.

4) Vertiefen Sie die Beziehung zu Ihren Kollegen.

Um zu lernen, warum andere auf bestimmte Weise reagieren, hilft es, möglichst viel über ihre Sicht der Welt in Erfahrung zu bringen. Durch Fragen und geteilte Anekdoten können Sie Stück für Stück herausfinden, wie Ihr Gegenüber seine Umwelt wahrnimmt und interpretiert.

Die verbesserte Beziehung zu Kollegen stellt die Weichen, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und künftig noch harmonischer und effektiver im Team zusammenzuarbeiten.

5) Im Gespräch mit Interessenten, Kunden oder Geschäftspartnern.

Wiederholen Sie im Gespräch das Gesagte in Ihren eigenen Worten. So gehen Sie sicher, dass Sie alles richtig verstanden haben – und Ihr Gegenüber fühlt sich gut aufgehoben.

Diese Methode kann vor allem beim Einsatz von Emotionaler Intelligenz im Verkaufsgespräch wertvolle Dienste leisten. 

6) Konstruktives Feedback von Kollegen einholen.

Hatten Sie eine Meinungsverschiedenheit oder einen andersartigen Konflikt mit einem Mitarbeiter? Sobald sich die Wogen geglättet haben, können Sie um Feedback zu Ihrem Gesprächsverhalten bitten.

Oder Sie gehen auf Kollegen zu, wenn Sie spüren, dass weiterhin Redebedarf besteht und fragen anschließend, ob das Gespräch geholfen hat oder an welchen Stellen Sie sich einen anderen Umgang gewünscht hätten.

7) Von Profis lernen.

Gibt es in Ihrem Umfeld eine Person, die andere als besonders empathisch beschreiben? Vielleicht ein geschätzter älterer Mitarbeiter, bei dem Kollegen häufig Rat suchen? Laden Sie ihn in der Mittagspause oder nach dem Feierabend zum Essen ein und bitten Sie ihn, von seinen Erfahrungen und Verhaltensweisen zu erzählen.

8) Bildungsurlaub oder berufliche Weiterbildung.

Es gibt zahlreiche Angebote zu Teamfähigkeit und Mitarbeiterführung, die Ihre Empathie-Fähigkeit schulen.

9) Interessenvertretung der Mitarbeiter.

Als Mitglied des Betriebsrats oder in der Mitarbeitervertretung sind Sie Ansprechpartner für die Sorgen und Belange der Mitarbeiter – das motiviert zum einen dazu, Ihr Einfühlungsvermögen weiter auszubauen und zum anderen sind Sie dadurch häufiger mit Situationen konfrontiert, in denen Sie Ihr bisher erlerntes Wissen über Empathie praktisch anwenden können.

Empathie kann Ihnen beruflich sowie privat das Leben erleichtern und hat zahlreiche Vorteile:

Sie vereinfacht den Umgang mit anderen Menschen, beugt Missverständnissen vor, macht Sie zu einem besseren Chef, Kollegen oder Freund und steigert damit Ihr soziales Ansehen.

Durch Empathie sind Sie dazu in der Lage, andere Menschen besser zu verstehen, wodurch sich Probleme schneller lösen lassen.

Das Ergebnis: Zeitverluste werden eingedämmt und Nerven gespart. Sie werden geistig flexibler, können Dinge differenzierter betrachten und eigene Handlungsimpulse reflektieren. So können Sie durch mehr Empathie zu mehr Rationalität gelangen und damit schließlich auch Ihren beruflichen Erfolg steigern.    

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Headerbild: Perry Grone / Unsplash

Ursprünglich veröffentlicht am 27. Februar 2020, aktualisiert am Februar 27 2020

Themen:

Kundenorientierung