Beim Facebook-Marketing geht es für Marken nicht mehr nur um Likes auf der Unternehmensseite. Die Musik spielt inzwischen ganz woanders, nämlich in der eigenen Facebook-Gruppe. Für Marketer sind die Gruppen Gold wert: Sie sind die ideale Basis, um sich persönlich mit der Zielgruppe auszutauschen und so das Profil der eigenen Marke zu schärfen.

Wie Sie eine Facebook-Gruppe erstellen und richtig nutzen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Wie Facebook durch einen neuen Algorithmus das Potenzial der Facebook-Gruppen erkannt hat

2018 wurde der Algorithmus für die Ausspielung von Newsfeed-Inhalten auf Facebook angepasst, wodurch sich der Fokus hin zu den persönlichen Interaktionen der Nutzer verschob. Dazu gehören Freunde und Familie, aber auch die Gruppen, denen Nutzer beigetreten sind.

Diese Schwerpunktsetzung verwundert nicht, denn rund 1,4 Milliarden Nutzer sind regelmäßig in Facebook-Gruppen aktiv. Die Bandbreite ist dabei enorm: Es gibt Gruppen für nahezu jedes Themengebiet und jedes noch so spezielle Hobby. Insgesamt hat Facebook ca. 10 Millionen verschiedene Gruppen.

Passend dazu hat Facebook Ende 2019 sogar eine eigene Kampagne ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Mehr gemeinsam” werden via Out-of-Home-, TV- und Digital-Werbung exemplarisch die unterschiedlichsten Gruppen vorgestellt, die sich auf Facebook tummeln – von den Hamburger Hundehaltern bis hin zu Hula-Hoop-Enthusiasten aus Berlin.

Für Marketer bergen diese Entwicklungen ein enormes Potenzial – allerdings werden sie etwas umdenken müssen, um dieses Potenzial auch nutzen zu können. Denn statt ausschließlich auf Facebook-Anzeigen zu setzen, können Sie Kunden mit einer spezialisierten Facebook-Gruppe mittlerweile weitaus besser und auf eine persönlichere Art und Weise erreichen. Bevor Sie aber eine neue Facebook-Gruppe für Ihr Unternehmen erstellen, ist es ratsam, dass Sie sich mit einigen Besonderheiten des Formats vertraut machen.

Sollten Marketer eine Facebook-Gruppe gründen?

Facebook-Gruppen erhöhen nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Inhalte Nutzern ausgespielt werden. Sie bieten auch weitere Vorteile.

Vorteile eigener Facebook-Gruppen

1) Mehr organische Reichweite: Statt bezahlter Anzeigen, die im übervollen Newsfeed schnell untergehen, schaffen Sie es durch eine Gruppe mit Inhalten in den Newsfeed, die die Nutzer erwarten und begrüßen, da sie sich mit ihren Interessengebieten decken.

2) Mehr Traffic und Konversionen: In einer eigenen Facebook-Gruppe können Sie Interessenten in der Bewusstseinsphase mit weiteren Informationen füttern, die sie durch ihren Kaufprozess führen. So erhöht sich die Chance, dass sie sich auf Ihrer Website mit konkreten Produkten auseinandersetzen oder sich für Newsletter anmelden.

3) Community-Building mit verstärktem Austausch: Über eine Gruppe auf Facebook bietet sich Ihnen die Möglichkeit, aus einer eher abstrakten Zielgruppe eine treue Community zu machen. Interaktionen werden durch das Setting einer geschlossenen Gruppe wahrscheinlicher, Nutzer tauschen sich untereinander und mit Ihnen aus. Das befeuert Markenloyalität und Kundenbindung.

4) Informationen über die Zielgruppe sammeln: Facebook-Gruppen eignen sich außerdem hervorragend zur Marktforschung. Immerhin haben Sie dort eine Stichprobe Ihrer Zielgruppe vor sich. Achten Sie sorgfältig auf geäußerte Bedürfnisse und Wünsche – oder fragen Sie gezielt nach, um Ihr Angebot entsprechend verbessern zu können.

5) Exklusivität: Mitglied einer geschlossenen Gruppe zu sein, erweckt ein Gefühl von Exklusivität und besonderer Zugehörigkeit. Mitglieder identifizieren sich so eher mit Ihrem Unternehmen, was wiederum auf die Markentreue einzahlt.

6) Expertenstatus aufbauen: Innerhalb der Gruppe können Sie Ihre Expertise beweisen. Indem Sie Mitglieder beständig mit interessanten Informationen versorgen und kompetent auf Fragen antworten, können Sie sich über die Zeit hinweg einen Status als Experte für Ihr Themenfeld erarbeiten, was Ihnen wiederum einen Vertrauensbonus verschafft.

Nachteile eigener Facebook-Gruppen

1) Sie sind Facebook „ausgeliefert“: Auf Facebook sind Sie nicht der Herr im Haus, sondern lediglich Gast. Dementsprechend haben Sie keinerlei Einfluss auf Änderungen der AGB, allgemeinen Gruppenrichtlinien oder des Algorithmus. Schlimmstenfalls bauen Sie sich mühsam eine Gruppe auf, die sich infolge technischer Änderungen plötzlich nicht mehr wirklich positiv auf Ihre Reichweite auswirkt.

2) Kein Platz für offensichtliche Werbung: Nutzer treten in Facebook-Gruppen ein, weil Sie nach Informationen suchen und persönlich beraten werden wollen – sie versprechen sich also einen Mehrwert davon. Keinesfalls möchten sie dagegen das Gefühl haben, stetig mit Werbung konfrontiert zu sein und zu einem Kauf gedrängt zu werden. Dementsprechend eignet sich dieses Instrument vor allem für Kunden, die sich noch weiter oben im Funnel befinden und eher weniger, um direkt Käufe anzubahnen.

3) Sehr zeitintensiv: Eine Facebook-Gruppe angemessen zu betreuen, kostet extrem viel Zeit. Sie müssen regelmäßig eigene Inhalte posten, zeitnah auf Fragen der Community eingehen, Anfragen nachgehen und Spam löschen. Dieser Zeitaufwand ist nicht für jeden zu stemmen.

4) Gefahr von Spammern und Trollen: Dieses Internet-Phänomen geht auch an Gruppen nicht vorbei – Störenfriede melden sich lautstark zu Wort und behindern den produktiven Austausch. Mit diesen richtig umzugehen, ist eine Herausforderung. Handeln Sie nicht souverän genug, kann das ein schlechtes Licht auf die Gruppe und das Unternehmen werfen.

Facebook-Gruppen im Marketing? So treffen Sie eine Entscheidung

Sind Facebook-Gruppen wirklich hilfreich für Ihre konkreten Ziele?

Facebook-Gruppen fördern weniger unmittelbar höhere Verkaufszahlen, sondern zielen eher auf abstraktere Ziele wie Markentreue, Kundenbindung und das Unternehmensimage ab.

Können Sie Ihrer Zielgruppe auf diese Weise einen tatsächlichen Nutzen bieten?

Erstellen Sie keine Facebook-Gruppe um ihrer selbst willen. Beantworten Sie sich ehrlich die Frage, ob Sie genug Ideen und ein tragfähiges Konzept haben, um Nutzer hier mit hilfreichem, interessantem und einzigartigem Content zu versorgen.

Passt Ihre Zielgruppe?

In Facebook-Gruppen zu investieren, ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn Ihre Zielgruppe hier auch vertreten ist. Die Generation Z hat sich von Facebook beispielsweise längst abgewandt und ist verstärkt in anderen Netzwerken zu finden.

Verfügen Sie über die nötigen Kapazitäten?

Die Gründung einer Facebook-Gruppe ist nur dann zu empfehlen, wenn Sie die zeitlichen und personellen Ressourcen aufbringen können, um sie angemessen zu betreuen. Ansonsten herrscht dort schnell Stille, Nutzer wandern ab oder Spammer übernehmen das Feld.

So erstellen Sie eine Facebook-Gruppe

1) Ein Thema wählen

Das Thema der Gruppe sollte Ihren Kunden einen Mehrwert und maßgeschneiderte Inhalte passend zu Ihren Produkten oder Dienstleistungen bieten.

Wollen Sie Ihre Produkte präsentieren?

Oder möchten Sie Ihren Kunden die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch geben?

Sie können zum Beispiel Hilfestellungen für Anwendungen geben oder eine exklusive Ratgeberplattform schaffen. Wichtig ist, dass Ihre Facebook-Gruppe auch für Interessenten von außen attraktiv erscheint. Denn schließlich wollen Sie ja möglichst viele Kunden erreichen.

2) Den Namen der Gruppe festlegen

Der Name Ihrer Facebook-Gruppe sollte das Thema der Gruppe möglichst prägnant auf den Punkt bringen. Dabei bringen Sie idealerweise relevante Keywords unter, damit Sie in der Facebook-Suche besser gefunden werden. Zu lang darf der Name dabei aber nicht sein.

Sind Sie zum Beispiel Social-Media-Experte und wollen eine Facebook-Gruppe für Marketer gründen, in der Sie Tipps geben, könnte der Name so lauten:

Marke Xs Social-Media-Expertenkreis für Marketer“.

3) Öffentlich, geschlossen oder geheim?

Facebook bietet für Gruppen unterschiedliche Privatsphäreeinstellungen an. Welche davon am besten zu Ihrem Unternehmen passt, kommt auf das Ziel Ihrer Gruppe und die anvisierten Mitglieder an.

Eine öffentliche Gruppe eignet sich beispielsweise für reine Produktpräsentationen oder als Marktplatz. Sie ist für jeden zugänglich, hat also keinen Charakter von Exklusivität.

Der große Nachteil von öffentlichen Gruppen besteht darin, dass Sie die Interaktionen der Mitglieder kaum kontrollieren können, was oft zu Spam und unpassenden Beiträgen führt.

Eine geheime Gruppe ist das andere Extrem. Sie eignet sich nur dann, wenn Sie Ihren Kunden einen strikt abgetrennten „VIP-Bereich“ auf Facebook bieten wollen. So etwas lohnt sich zum Beispiel für Abo-Kunden oder Nutzer bestimmter Premium-Dienstleistungen, denen Sie in einer geheimen Facebook-Gruppe einen exklusiven Rahmen für den persönlichen Austausch bieten.

Eine gute Mittellösung ist eine geschlossene Gruppe. Diese ist für Neukunden auf Facebook leicht auffindbar, bietet aber zugleich genug Privatsphäre für die internen Mitglieder. Außerdem müssen Interessenten eine Beitrittsanfrage stellen, was dennoch eine gewisse Exklusivität verspricht.

4) Gruppenregeln festlegen

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Ihre Facebook-Gruppe sind die Gruppenregeln oder die sogenannte „Netiquette“. Eine spezielle Vorlage von Facebook gibt es hierfür nicht. Sie sollten sich, basierend auf dem Ziel und Thema Ihrer Gruppe, aber genau überlegen, was Sie von Ihren Mitgliedern erwarten und was Sie nicht wünschen.

Sie können beispielsweise unerlaubte Werbung verbieten und Link-Optionen einschränken sowie auf die Nutzungsbedingungen von Facebook verweisen. Betonen Sie, dass ein freundlicher Umgang in Ihrer Gruppe erwartet wird und dass die Gruppe allen Mitgliedern gleichermaßen dienen soll. Bei Missachtung der Gruppenregeln können Sie die Mitglieder abmahnen und sie bei wiederholten Vergehen auch der Gruppe verweisen.

Die Gruppenregeln können Sie unter „Gruppe moderieren“ und dann „Regel erstellen“ im dafür vorgesehenen Feld bei Facebook eingeben. Ein zusätzlicher Hinweis im Banner-Bild ist darüber hinaus sinnvoll, damit die Regeln auffällig platziert sind.

Gruppenregeln auf Facebook: Eine Vorlage

  • „Diese Gruppe dient dem Zweck X und ist für alle geeignet, die Hilfe und Unterstützung zum oben genannten Thema suchen und diese auch für andere leisten wollen.”
  • „Diese Gruppe ist ein Ort des Austausches und freundlichen Miteinanders. Gegenseitiger Respekt und Toleranz werden vorausgesetzt.”
  • „Benutzen Sie die Suchfunktion, bevor Sie ein neues Thema posten. Jeder Beitrag sollte für die Mitglieder einen Mehrwert haben.”
  • „Links dürfen nur dann gepostet werden, wenn sie zu dem entsprechenden Thema passen. Unpassende Links werden entfernt und das Mitglied wird abgemahnt.”
  • „Einmal pro Woche an Tag x ist es nach Absprache mit dem Admin erlaubt, zu den Gruppenthemen passende Events und Werbung der Mitglieder zu posten.”
  • „Respektlose Handlungen, Hasskommentare und ähnliche Verhaltensweisen, die gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook verstoßen, werden gemeldet und ggf. zur Anzeige gebracht.”

5) Gruppe moderieren

Sobald Ihre Facebook-Gruppe steht, gilt es, Präsenz zu zeigen. Moderation meint hier nicht nur die Anleitung der Gruppenmitglieder, sondern auch, dass Sie aktiv in der Gruppe posten und die Nutzer zu Interaktionen animieren.

Als Moderator sollten Sie natürlich stets ein Auge auf alles haben und darauf achten, dass Ihre Regeln eingehalten werden. Dazu gehört auch, dass Sie sich zwar im Hintergrund halten, aber dennoch immer verfügbar sind, wenn Ihre Mitglieder Fragen haben oder sich mit einem Beitrag oder Kommentar an Sie wenden.

6) Mit Gruppenmitgliedern kommunizieren

Damit Ihre Facebook-Gruppe wächst und gedeiht, müssen Sie sie beleben. Dafür sollten Sie regelmäßig Beiträge veröffentlichen, am besten nach einem Themenplan. Neue Gruppenmitglieder können Sie mit einem Begrüßungspost in der Gemeinschaft willkommen heißen.

Darüber hinaus haben Sie in der Facebook-Gruppe auch die Möglichkeit, Umfragen zu erstellen und auszuwerten. Um den Gemeinschaftssinn zu stärken, lohnt es sich, ab und zu starke Statistiken zur Gruppengröße zu posten. Zum Beispiel: „Wir sind heute 3.000 Mitglieder!”

Wenn Ihre Mitglieder Links und Eigenwerbung posten dürfen, sollten Sie das Prozedere in den Gruppenregeln genau festlegen. Meistens gibt es einen festen Tag in der Woche, an dem die Administratoren Fremdwerbung erlauben.

Möglicherweise wird der Punkt kommen, an dem Ihnen die Gruppengröße sprichwörtlich über den Kopf wächst und Sie einfach keine Kapazitäten haben, um den Bedürfnissen der Gruppe gerecht zu werden. Spätestens dann sollten Sie darüber nachdenken, einen oder mehrere Co-Administratoren ins Boot zu holen.

So können Facebook-Gruppen von Unternehmen aussehen

Vorwerk hat für sein Allround-Küchengerät „Thermomix“ eine Facebook-Gruppe gegründet, die sich dem Thema „Fit mit Thermomix“ widmet. Hier können sich die Mitglieder gegenseitig motivieren und gesunde Rezepte austauschen. Auch das Unternehmen selbst steuert Rezepte bei und promotet so ganz nebenbei die eigene Rezepte-Plattform Cookidoo.

Klare Regeln sorgen dabei in der Gruppe für Übersichtlichkeit. So werden neue Mitglieder gebeten, auf die eigene Vorstellung zu verzichten und Werbung ist nicht gestattet.

Einen sehr ähnlichen Ansatz nutzt der Gewürzhändler Ankerkraut aus Hamburg. Auch in der Gruppe „Fit mit Ankerkraut“ geht es um gesunde Ernährung und das Thema Abnehmen. Hier werden Rezepte und Ernährungspläne ausgetauscht. Allerdings findet das Ganze hier direktiver statt, den Mitgliedern werden zum Beispiel konkrete Herausforderungen gestellt.

Im B2B-Bereich sind Facebook-Gruppen eher selten, aber auch hier lassen sie sich als Kommunikationswerkzeug einsetzen. Das beweist die Plattform Sidepreneur, die sich an nebenberuflich Selbstständige richtet. In der eigenen Facebook-Gruppe können sich die Teilzeit-Unternehmer über Herausforderungen austauschen, Tipps geben und Unterstützung erhalten.

Mit einer eigenen Facebook-Gruppen sind Marketer hautnah an ihrer Zielgruppe. Die digitalen Augen und Ohren auf die Probleme und Bedürfnisse der Kunden fokussiert, können sie so maßgeschneiderte Lösungen und Produkte entwickeln. Der persönliche Austausch innerhalb der Gruppe führt außerdem zu einer wachsenden Community mit effektiver Mundpropaganda. Außerdem lässt sich eine Facebook-Gruppe auf anderen Social-Media-Kanälen streuen und ist sehr gut mit einem Link in Ihr E-Mail-Marketing integrierbar.

Social Media Trends 2021

Headerbild: ViewApart / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 3. Februar 2020, aktualisiert am Oktober 30 2020

Themen:

Facebook-Marketing