Seit Jahren lautet die viel zitierte Marketingdevise „Content is King“ und damit „Je mehr Content, desto besser“. In vielerlei Hinsicht mag das stimmen, in Bezug auf die Suchmaschinenoptimierung hat diese Herangehensweise aber auch Schattenseiten. Denn mehr Content bedeutet auch mehr Potenzial für Kannibalisierungseffekte: Schnell werden die eigenen Content-Angebote untereinander zur Konkurrenz im Google-Ranking. Deshalb erklären wir Ihnen, wie genau solche Kannibalisierungseffekte entstehen, und wie Sie sie aufdecken und bekämpfen können.

Hinweis: Die folgenden Informationen beziehen sich ausschließlich auf aktiven Keyword-Kannibalismus. Bei der passiven Form liegt zwar eine thematische Überschneidung vor, die sich aber nicht zwingend auf ein bestimmtes Keyword bezieht und meist auch nicht direkt am Ranking ablesbar ist.

Ein solches Dilemma könnte sich beispielsweise bei einem Online-Shop für Modeartikel ergeben, der sowohl jeweils einen Blogartikel zu den Themen „Das perfekte Partyoutfit“ und „Trendige Mode, die in keinem Kleiderschrank fehlen darf“ veröffentlicht hat als auch eine Kategorieseite mit entsprechenden Produkten – allesamt auf das Keyword „kleines Schwarzes“ optimiert.

Wie Sie prüfen, inwiefern Ihre Website und deren Elemente die Anforderungen  moderner SEO erfüllen, erfahren Sie in unserem ausführlichen Leitfaden zur  Durchführung von SEO-Audits.

Das geschieht teilweise durchaus bewusst. Vor einigen Jahren wurde ganz gezielt sogenanntes „Keyword Stuffing“ betrieben, bei dem bestimmte Keywords inflationär über viele URLs hinweg eingesetzt wurden, um das Ranking positiv zu beeinflussen. Meistens entstehen die Kannibalisierungseffekte aber unabsichtlich.

Gerade bei lange etablierten Websites mit einem großen Content-Angebot werden bereits bestehende Artikel schlicht vergessen, sodass ihre Keyword-Optimierung bei der Erstellung neuer Inhalte schlichtweg nicht berücksichtigt wird. Übrigens ist hier nicht nur der eigentliche Text betroffen, auch Keywords in den Meta-Angaben können zum Problem beitragen. Manchmal liegen auch technische Gründe vor, zum Beispiel wenn eine Website sowohl mit als auch ohne vorangestelltes „www“ erreichbar ist oder wenn die Übersetzungen der Artikel unter einer separaten URL laufen.

Dabei lässt sich dem Problem eigentlich recht einfach vorbeugen. Wer „site:“ gefolgt von dem Domainnamen und „intitle:“ plus das entsprechende Keyword bei Google eingibt, kann auf einen Blick erkennen, ob es unter der jeweiligen Domain bereits eine URL zu diesem Keyword gibt. Wie aber lässt sich herausfinden, ob sich bereits bestehende Seiten schon jetzt Konkurrenz machen?

Wie können Sie Keyword-Kannibalismus auf Ihrer Website erkennen?

Die Auswirkungen von Keyword-Kannibalismus lassen sich relativ einfach mithilfe eines SEO-Tools erkennen. Typisch sind die folgenden Indikatoren:

  • mehrere verschiedene Rankings für ein und dasselbe Keyword (insbesondere auf den Seiten Eins bis Drei)
  • dauerhaft starke Schwankungen im Ranking
  • allgemeine Rankings mit unterschiedlichen URLs

Wichtig, um entsprechende Warnsignale zuverlässig erkennen zu können: Das genutzte Tool darf nicht nur die besten Rankings erfassen, sondern muss tagesaktuell Aufschluss über alle Pfade geben, für die ein Ranking registriert wird.

Wie können Sie das Problem lösen?

Hierzu gilt es zunächst zu entscheiden, welcher der konkurrierenden Seiten der Vorzug gegeben werden soll. In den meisten Fällen wird die Entscheidung dabei auf die ältere fallen, da diese sich aller Wahrscheinlichkeit nach bereits besser und nachhaltiger etabliert hat. Allerdings sollte auch die Option in Betracht gezogen werden, dass nicht beide Seiten beibehalten werden. Das sollte sowohl vom Ausmaß ihrer inhaltlichen Überschneidung als auch von ihrer jeweiligen allgemeinen Performance abhängig gemacht werden.

Dann stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten offen:

  1. Sie können vom zweiten auf den ersten (wichtigeren) Artikel verlinken und dabei das Keyword im Ankertext unterbringen. Auf diese Weise wird Google (und auch Lesern) signalisiert, dass Text Nummer Eins wichtige Informationen zum Thema enthält und dieser profitiert so von zusätzlichem Traffic.
  2. Einem ähnlichen Prinzip folgt die Weiterleitung per 301 Redirect von der zweiten auf die erste URL. Diese Umleitung geschieht meist unbemerkt, die zweite Seite wird von Google nicht mehr gesondert berücksichtigt. Der Vorteil: Die noch bestehende Linkkraft wird dabei an die erste URL „vererbt“, deren Ranking davon spürbar profitieren sollte. Der Übersicht halber sollte eine solche Umleitung in Excel notiert und regelmäßig kontrolliert werden. Alternativ kann auch ein sogenannter Canonical Tag verwendet werden, der Google signalisiert, welche der beiden Seiten die bevorzugte ist.
  3. Manchmal ist das Ranking beider URLs nicht besonders gut, da sie aber wichtige Informationen enthalten, sollen sie dennoch beibehalten werden. Oder das Ranking ist zufriedenstellend, sie gehen aber an der Absicht der Suchanfragen vorbei, die Nutzer auf die Seite führen. Wer zum Beispiel nach „Sauce Hollandaise Rezept“ googelt, benötigt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Rezept für die Soße statt Rezepte, in denen sie als Zutat gelistet ist. In beiden Fällen ist es ratsam, eine übergeordnete Kategorieseite beziehungsweise Landing-Page zu erstellen, von der aus auf beide Seiten verlinkt wird.
  4. Falls sich die konkurrierenden Seiten inhaltlich stark überschneiden oder ergänzen, kann der Content auf einer Seite gebündelt werden. Dazu sollte der Seite mit besserem Ranking der Vorzug gegeben werden, während die andere gelöscht wird.
  5. Hat eine der beiden Seiten kein gutes Ranking, doch ist der Inhalt aus den unterschiedlichsten Gründen aber noch relevant (beispielsweise, weil sie wichtiger Teil eines Klickpfades ist), bietet es sich an, die Indexierung zu entfernen. Das geht unkompliziert über den Tag „noindex,follow“ und sorgt dafür, dass die URL zwar weiter bestehen bleibt, bei Google aber nicht mehr gelistet wird.
  6. Abseits von technischen Möglichkeiten ist natürlich auch eine inhaltliche Prüfung sinnvoll: Ist es überhaupt für beide Seiten sinnvoll, auf das jeweilige Keyword optimiert zu sein? Lautet die Antwort „Nein“, kann mindestens eine Seite auch schlicht so umformuliert werden, dass das Keyword ganz gestrichen wird. Hier bietet sich gleichzeitig eine gute Gelegenheit, die jeweiligen Content-Angebote auf Aktualität sowie Qualität zu überprüfen und gegebenenfalls inhaltlich nachzubessern.

Mit dem richtigen System den Überblick behalten

Keyword-Kannibalismus ist ein verbreitetes SEO-Problem, insbesondere bei großen, stark wachsenden und häufig aktualisierten Domains. Im Idealfall wird das Problem vermieden, indem vor jeder Installation einer neuen URL über den oben genannten Weg geprüft wird, ob bereits eine andere Seite auf das entsprechende Keyword optimiert ist. In der Praxis kann ein solches Vorgehen aber schnell zu kurz kommen, weshalb es entscheidend ist, sämtliche Subdomains regelmäßig in kurzen Zeitintervallen auf Kannibalisierung zu prüfen. Das gilt insbesondere natürlich für Seiten, auf die sogar täglich neuer Content aufgespielt wird.

Zusätzlich ist es hilfreich, schlichte Tabellen zu führen, in denen die wichtigsten URLs mit den entsprechenden Keywords aufgelistet sind. So reicht ein kurzer Blick, um herauszufinden, ob ein Keyword bereits vergeben und ob es sinnvoll ist, die jeweiligen bestehenden Seiten zu aktualisieren oder zu ersetzen.

SEO-Audit-Kit

Ursprünglich veröffentlicht am 29. Januar 2019, aktualisiert am Februar 17 2019

Themen:

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