Das Leben steckt voller Entscheidungen: Kaffee oder Tee zum Frühstück? Serie X oder Serie Y als nächstes schauen? Produkt 1 oder Produkt 2 bewerben? Manche dieser Entscheidungen fallen ganz einfach und selbstverständlich. Andere sind komplizierter, ganz besonders im Arbeitsleben. Manchmal haben alle Optionen ihre Vor- und Nachteile, aber keine ist eindeutig die beste. Stehen Sie vor einer kniffligen Wahl, kann die Nutzwertanalyse Abhilfe schaffen.

Wir erklären den Begriff der Nutzwertanalyse und zeigen, was genau dahinter steckt.

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Wann ist eine Nutzwertanalyse sinnvoll?

Einfache Entscheidungen können aus dem Bauch heraus, per Abstimmung oder unter Zuhilfenahme einer Pro- und Contra-Liste getroffen werden. Bei schwierigeren Entscheidungen reichen Methoden wie diese aber irgendwann nicht mehr aus. Was ist zum Beispiel, wenn die eine Seite der Pro- und Contra-Liste zwar länger ist als die andere, sich das Ergebnis aber trotzdem falsch anfühlt?

An dieser Stelle bietet sich eine Nutzwertanalyse an. Denn durch sie werden Vor- und Nachteile nicht nur aufgezählt, sondern auch bewertet. So ergibt sich ein differenzierteres Bild. Besonders sinnvoll ist diese Methode, wenn nicht primär anhand von Zahlen und Fakten entschieden werden soll, sondern auch subjektive Aspekte wichtig sind.

Nutzwertanalyse: Diese Kriterien gibt es

Um die Vor- und Nachteile jeder Option bewerten zu können, muss es Bewertungskriterien geben. Die können sich je nach Produkt erheblich unterscheiden.

Mögliche Kriterien im Projektmanagement sind zum Beispiel:

  • Produktionskosten
  • Innovationsgrad
  • Risiko bei der Umsetzung
  • Massentauglichkeit
  • Steigerung der Kundenzufriedenheit
  • Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit
  • Kosteneinsparung
  • Dauer des Projektes
  • Umfang des Projektes
  • Höhe des zu erwartenden Gewinns

Überlegen Sie, welche inhaltlichen, zeitlichen, örtlichen oder Ressourcen-bezogenen Aspekte Ihnen besonders wichtig sind. Welche Ansprüche stellen Sie an das Projekt oder Produkt? Diese Punkte eignen sich oft als Bewertungskriterien.

Wie funktioniert eine Nutzwertanalyse?

Die klassische Nutzwertanalyse besteht aus sechs Schritten:

1) Entscheidungsalternativen definieren

Tragen Sie die Projekte oder Produkte zusammen, aus denen gewählt werden soll. Je kürzer die Liste ist, desto besser – denn mit jeder Option wird die Nutzwertanalyse komplizierter und langwieriger.

2) Bewertungskriterien festlegen

Bestimmen Sie die Kriterien, anhand derer Sie die Entscheidungsalternativen bewerten wollen. Ihre Liste sollte nach Möglichkeit nicht mehr als zehn Elemente enthalten.

3) Bewertungskriterien gewichten

In der Regel sind nicht alle Kriterien gleich wichtig. Im nächsten Schritt werden sie deshalb gewichtet. Ordnen Sie jedem Kriterium entsprechend seiner Wichtigkeit einen Prozentsatz zu – die Summe aller Gewichtungen muss 100 Prozent ergeben.

4) Bewertungsmaßstab festlegen

Die einzelnen Kriterien werden später mit Punkten bewertet. Dazu müssen Sie vorab über einen Bewertungsmaßstab entscheiden. Dieser kann beispielsweise von 1 bis 5 reichen. Ein Punkt ist gleichbedeutend mit „sehr schlecht”, zwei Punkte bedeuten „schlecht”, drei Punkte „mittel”, vier Punkte gut” und fünf Punkte „sehr gut”.

5) Alternativen bewerten

Nun wird es ernst: Pro Entscheidungsoption und Kriterium vergeben Sie Punkte. Anschließend legen Sie die vorab festgelegten Gewichtungen an die Punkte an. 

Das Kriterium „Produktionskosten” ist Ihnen sehr wichtig. Deshalb haben Sie es mit 40 Prozent gewichtet. Bei der Bewertung vergeben Sie für ein Produkt vier Punkte in dieser Kategorie. Wenn Sie nun die Gewichtung mit einbeziehen, ergibt sich ein finaler Wert von 1,6 Punkten.

6) Punkte zusammenrechnen und entscheiden

Im letzten Schritt rechnen Sie die Einzelgewichtungen zusammen. Die Option mit der höchsten Gesamtpunktzahl passt am besten zu Ihren Kriterien.

Nutzwertanalyse erleichtern durch Vorlagen

Am einfachsten ist es, Nutzwertanalysen übersichtlich in Tabellen durchzuführen. Erstellen Sie am besten einmal eine Tabellenvorlage, auf die Sie bei jeder neuen Entscheidung zurückgreifen können. Diese kann zum Beispiel so aussehen:

nutzwertanalyse-beispiel-blankNutzwertanalyse: Ein Beispiel

Nehmen wir einmal an, Ihr Unternehmen hat zwei Produkte entwickelt: eine wasserabweisende, robuste Jacke für Wanderinnen und eine kuschelige, warme Jacke für Kinder. Nur ein Produkt können Sie tatsächlich herstellen und vermarkten. Die Entscheidung fällt Ihnen sehr schwer, denn die beiden Jacken sind zu verschieden, um sie objektiv vergleichen zu können. Sie bedienen völlig unterschiedliche Zielgruppen.

An dieser Stelle kommt die Nutzwertanalyse ins Spiel:

Erst legen Sie die Bewertungskriterien fest:

Produktionskosten, Höhe des zu erwartenden Gewinns und Innovationsgrad.

Dann folgt die Gewichtung:

Für die Höhe des zu erwartenden Gewichts vergeben Sie 50 Prozent, für die Produktionskosten 30 und für den Innovationsgrad 20 Prozent.

Im Anschluss bewerten Sie die einzelnen Punkte auf einer Skala von 1 bis 5. 

nutzwertanalyse-beispiel-produktion-innovationIn der Summe gewinnt die Kuscheljacke für Kinder.

Ein weiteres, sehr bekanntes Beispiel für Nutzwertanalysen liefert die Stiftung Warentest. Sie nutzt die Methode, um verschiedene ähnliche Produkte vergleichen und in eine Rangfolge bringen zu können.

Nutzwertanalyse hilft bei der Entscheidungsfindung

Nutzwertanalysen sind eine hervorragende Möglichkeit, um bei schwierigen Problemen zu einer Entscheidung zu kommen. Zwar ist die Bewertung recht subjektiv, dafür aber sehr transparent. Anhand der Tabelle kann auch in Zukunft noch genau nachvollzogen werden, warum die Entscheidung so getroffen wurde.

Nutzwertanalysen lassen sich alleine, aber auch im Team durchführen. Außerdem ist es möglich, die Kriterien parallel von mehreren Personen bewerten zu lassen und anschließend über die Ergebnisse zu diskutieren.

Zu beachten ist allerdings der vergleichsweise hohe Aufwand: Für kleine, alltägliche Entscheidungen eignen sich Nutzwertanalysen eher nicht. Für komplizierte Sachverhalte, deren Bewertung über reine Fakten hinausgeht, kann die Methode Ihnen jedoch wertvolle Dienste leisten.

Roboter hält Marketing-Instrumente

Headerbild: Sarawut / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 16. März 2020, aktualisiert am März 23 2020

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