Rund 39 Minuten verbringen Nutzer täglich auf dem trendigen Video-Netzwerk TikTok. In Sachen Unterhaltung befindet sich die Plattform eindeutig auf dem Vormarsch. Erste Versuche der Anzeigenschaltung lassen vermuten, dass TikTok auch als Plattform für innovatives Marketing bald in aller Munde sein wird.

Erfahren Sie, was es mit der #simbachallenge auf sich hat und welche Möglichkeiten die interaktive Social-Media-Plattform TikTok Marketern bietet.

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Musik schweißt zusammen: TikTok als soziale Plattform

Ein Klick auf die App und der Video-Stream startet. TikTok bedarf keinerlei Anmeldung, sofern Sie die App nur als Konsument nutzen möchten. Für das Hochladen eigener Videos ist hingegen eine Registrierung notwendig.

Der Home-Feed des Netzwerkes ist in „Folge ich“ und „Für dich“ unterteilt. Während im ersten Feed nur Videos von Personen angezeigt werden, denen Sie folgen, rankt der Algorithmus des „Für dich“-Feeds zahlreiche Videos, die Nutzern aufgrund der bereits angesehenen Videos/Kategorien vorgeschlagen werden.

Lip Sync-Videos, bei denen Benutzer ihre Lippen zu Songs im Hintergrund oder Filmszenen bewegten, waren der Auslöser für den enormen Hype der Plattform. Während es beim Vorgänger musical.ly ausschließlich um Lip Sync ging, etablierten sich auf TikTok weitere Formate der Videounterhaltung. Gemeinsames Merkmal der Kurzvideos bleibt jedoch die musikalische Untermalung. Aufgepeppt werden die 15- bis 60-sekündigen Videos durch Sticker, Filter oder Zeitraffer-Effekte.

TikTok Videos: Von Lip Sync und Hashtag-Challenges

Sie fragen sich, warum auf Social Media immer mehr Videos erscheinen, in denen Jugendliche anderen Personen einen roten Punkt auf die Stirn malen und sie danach mit einem Griff unter die Arme hochheben? Die sogenannte „simbachallenge“ ist mit 155,4 Mio. Aufrufen derzeit eine der beliebtesten Hashtag-Challenges auf TikTok.

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Bild: Screenshot TikTok

Per Benachrichtigung informiert TikTok seine Nutzer über neue Challenges. In Windeseile kreieren die Benutzer ihre eigenen Versionen zum aufgerufenen Hashtag. Die populärsten Challenges werden auf der „Entdecken“-Seite vorgestellt.

Neben den Hashtag-Challenges sind auch Lip-Sync-Videos nach wie vor ein beliebtes Format. Doch auch Memes, kurze Tutorials und Pranks (Streiche) tummeln sich auf dem Netzwerk. Per Teilen-Button können fremde oder eigene Videos ganz einfach auf anderen Plattformen geteilt werden. Ein großes Plus der App ist die direkte Verknüpfung zu Instagram Stories. Genau wie die Foto-App setzt auch TikTok auf ein vertikales Format.

Hautnah dabei: Live-Streams auf TikTok

Wie schon andere soziale Netzwerke bietet auch TikTok seinen Nutzern die Möglichkeit, einen Live-Stream zu schalten. Sobald Nutzer einen solchen Stream beginnen, werden ihre Follower darüber informiert und können ihre Lieblings-Influencer sogar durch Spenden finanziell unterstützen.

Werbung auf TikTok: Erste Versuche der Kommerzialisierung

TikTok bietet als Netzwerk spannende Möglichkeiten der Kommerzialisierung. Rund 66% der Nutzer sind jünger als 30 Jahre und befinden sich somit in einer interessanten Zielkundengruppe für viele Unternehmen. Erste Kampagnen zeigen die Versuche TikToks, sich als Plattform für Werbetreibende zu etablieren. Derzeit ist es nur direkt über die Website von TikTok möglich, Marketinginitiativen aufzusetzen. Dabei stehen Ihnen die folgenden Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Native Videoanzeigen
  • Branded Hashtag Challenges
  • Brand Takeover Ads
  • Branded Sticker

Der Fashion-Riese H&M rief in der #HMGetTheLook-Challenge dazu auf, drei verschiedene Outfits aus der „Thank you, next“-Kollektion zu präsentieren. Ein interessanter Schachzug des Modehauses: Durch den integrierten Link in der Challenge-Beschreibung gelangten die Nutzer direkt auf die Landing-Page der Kollektion. Dort konnten sie anschließend das perfekte Kleidungsstück für die Teilnahme an der Challenge bestellen, ohne die TikTok-App tatsächlich verlassen zu müssen. Mit 134,3 Millionen Aufrufen hat H&M so in kurzer Zeit eine enorme Reichweite generiert.

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Bild: Screenshot TikTok

Überflieger oder Strohfeuer: Lohnt sich das Netzwerk für Ihre Marketingstrategie?

Im ersten Quartal 2018 überflügelte TikTok seine Kontrahenten Facebook, Instagram und YouTube und legte mit 45,8 Mio. App-Downloads vor. Das Video-Portal zählt derzeit 500 Mio. aktive Nutzer pro Monat und befindet sich eindeutig auf dem Vormarsch.

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Bild: Mediakix

Vor allem Marketer sollten sich Gedanken darüber machen, ob sie schon jetzt auf den Zug aufspringen wollen. Die noch überschaubare Landschaft könnte ein enormer Vorteil für jene Unternehmen bedeuten, die sich frühzeitig mit der TikTok-Marketingthematik vertraut machen und sie nutzen – denn noch ist es relativ leicht, eine große Reichweite aufzubauen. Doch ist die Community erst einmal übersättigt, wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger werden, ihre Zielgruppen über TikTok zu erreichen.

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Bild: Screenshot TikTok

Vor- und Nachteile des Videonetzwerkes TikTok:

Vorteile:

  • Das Netzwerk befindet sich in der Wachstumsphase. Die Nutzer sind noch recht empfänglich für den Content und einfach zu begeistern.
  • Bis dato sind vor allem Unternehmen aus den Branchen Mode, Beauty, Food, Travel, Fitness und Elektronik vertreten. Zunächst scheint es, als wären B2B-Unternehmen hier fehl am Platz. Doch es gibt viel verstecktes Potenzial, was durch eine passgenaue Strategie genutzt werden kann.
  • Recruiting-technisch bietet die App die besten Voraussetzungen, um junge Leute anzuziehen. Scheitern Sie daran, Generation Z von Ihrem Unternehmen zu überzeugen? Vielleicht erreichen Sie Ihre potenziellen Nachwuchskräfte nicht da, wo diese wirklich aktiv sind. Durch eine durchdachte und lockere Ansprache auf TikTok können Sie sich von der Konkurrenz abheben und Ihr Image verändern.

Nachteile:

  • TikTok bietet Marketern derzeit noch keine Optionen für das Monitoring entsprechender Performancedaten. Bei der rasanten Entwicklung des Netzwerks ist jedoch davon auszugehen, dass dieses Feature nur eine Frage der Zeit ist.
  • Es ist schwer, Nutzer zu finden, die in die Zielgruppe über 30 Jahre fallen. Auch wenn TikTok zunehmend bemüht ist, auch ältere Nutzer anzuwerben, wird der Fokus der App wohl auf der Generation Z bestehen bleiben.
  • Bei TikTok ist „Real-Time-Marketing“ gefragt. Dies mag zunächst nicht nach einem Nachteil klingen, doch sollten Sie sich bewusst sein, dass lange Entscheidungswege und Abstimmungsperioden den Erfolg auf der Plattform maßgeblich behindern.

Die Gegenüberstellung zeigt, dass TikTok nach wie vor ein unerprobtes Terrain ist. Nichtsdestotrotz bietet es Unternehmen die Chance, innovativ zu werden und sich auf eine Zielgruppe einzulassen, die schon heute anders mit Werbung umgeht. Falls Sie eine junge Zielgruppe erreichen wollen, sollten Sie auf den fahrenden Zug aufspringen und sich im Vorhinein eine spezifische Strategie überlegen: Definieren Sie dazu, welche Ziele Sie mit TikTok erreichen wollen und inwieweit Sie sich des Tons und der Themen der jungen Nutzer annehmen wollen.

Wie Sie sich auch entscheiden: Allenfalls gilt es, das Videonetzwerk nicht wie sein Fotopendant Instagram zu unterschätzen. Die Möglichkeiten für Werbetreibende sind enorm. User-generated Content rückt zunehmend in den Fokus, was spannende neue Möglichkeiten für das Marketing bietet.

Da das Netzwerk keiner Anmeldung bedarf, lohnt es sich allemal, den neuen Trend zunächst zu beobachten. Eine Integration von TikTok in Ihr Marketing kann Ihnen definitiv viel Aufmerksamkeit und Reichweite schenken. Ob die App jedoch auch das Potenzial zur Verkaufsförderung besitzt, bleibt bisher noch abzuwarten.

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Headerbild: Jupiterimages / Creatas / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 6. September 2019, aktualisiert am September 06 2019

Themen:

Social-Media-Marketing