Was bringen White-Label-Produkte und -Lösungen?

Erfolgreicher Markenaufbau
Iulia Natrapei
Iulia Natrapei

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Wer möglichst schnell und ohne Umschweife mit einem Produkt durchstarten und erste Verkäufe erzielen möchte, setzt oft auf White Labeling. Gleiches gilt für Hersteller von Produkten und Waren, die nicht von einem Vertriebsweg abhängig sein möchten. Doch was bringen White-Label-Produkte und wo liegen die Vor- und Nachteile?

Weiße Flasche mit einem White Label

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White Labeling im Detail

Der Begriff White Label oder White Labeling kursiert vor allem mit zunehmender Bedeutung von E-Commerce immer stärker im Handel. Dabei muss das Konzept von zwei Seiten betrachtet werden: aus Perspektive der Produktion der Produkte oder Leistungen und aus der Perspektive der Vermarktung. Letzteres ist wichtig sowohl bei der anfänglichen Produktion, als auch bei den Einsatzbereichen.

So funktionieren White-Label-Produkte

Gerade für Unternehmer und Unternehmerinnen, die keine Zeit oder kein Kapital für mühsame und kostenintensive Produktentwicklungsprozesse haben, ist White Labeling eine attraktive Option. So können beispielsweise Stärken in der Vermarktung und im Vertrieb ausreichend sein, um eine wirkmächtige Brand aufzubauen.

Die Funktionsweise beim White Labeling ist im Vergleich zu einem Unternehmen, das seine Produkte entwickelt, selbst produziert und vermarktet, einfach. Das herstellende Unternehmen bietet die White-Label-Produkte – meist in großen Mengen und mit gestaffelten Preisen – zum Verkauf an. Diese werden ohne erkennbaren Herstellerhinweis geliefert.

Die beziehende Firma kümmert sich nun nur noch um die Vermarktung. Produkte werden etikettiert und Websites gebrandet; Anschließend können die eingekauften Produkte und Dienstleistungen direkt weiterverkauft werden. Verbraucher und Verbraucherinnen vertrauen der verkaufenden Marke – und kennen den Hersteller dahinter in den wenigsten Fällen.

Einsatzbereiche von White-Label-Lösungen

White-Label-Lösungen werden in den verschiedensten Branchen, von der Musik- bis zur Finanzindustrie, genutzt.

Bei physischen Produkten erhalten beispielsweise mehrere Drogeriemärkte das gleiche Shampoo und vertreiben es jeweils unter ihrer eigenen Marke. Dieses Konzept sieht bei allen haptischen Produkten ähnlich aus.

Im Dienstleistungssektor findet sich White Labeling überwiegend online. Unternehmen bieten zum Beispiel eine markenlose Weboberfläche an, die die beziehende Firma nach ihren eigenen Vorstellungen und ihrem Corporate Design gestalten kann.

Private Label vs. White Label

In der Praxis werden die beiden Geschäftspraktiken Private Label und White Label oft gleichgesetzt. Dabei gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied.

Während White-Label-Produkte für alle Kaufenden gleich sind, können Private-Label-Produkte individualisiert werden. Das bedeutet: Große Unternehmen nehmen bei Private-Label-Herstellern eine große Menge teils individueller Ware ab, die einzig und allein für dieses Unternehmen produziert wird.

Beim White Labeling hingegen werden die Produkte und Leistungen nicht für ein bestimmtes Unternehmen, sondern den gesamten B2B-Markt produziert.

Eine 2020 erschienene Studie der Dr. Wieselhuber & Partner Unternehmensberatung beschäftigt sich mit dem Konsumgütermarkt und den Verkaufszahlen von Markenprodukten gegenüber Private- und White-Label-Produkten. Der Bericht kommt zum Schluss, dass White- und Private-Labeling in Kombination mit Markenprodukten die besten Verkaufsergebnisse erzielt.

Vor- und Nachteile von White-Label-Produkten

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, White-Label-Produkte oder -Dienstleistungen unter einer eigenen Marke anzubieten, sollten Sie abwägen: Lohnt sich der Einkauf fertiger Leistungen? Die Vorteile dieser Strategie sind unter anderem:

  • Keine Kosten für Produktentwicklung
  • Kein eigener, personalintensiver Vertrieb erforderlich
  • Verschiedene Zielgruppen können erreicht werden
  • Weniger Abhängigkeit
  • Start einer Geschäftstätigkeit ohne komplett eigene Geschäftsidee
  • Möglichkeit, Produkttrends für sich zu nutzen
  • Möglichkeit, eigene Produkte unter einer bestehenden Marke anzubieten (diese Option wählen beispielsweise Influencer und Influencerinnen gerne)

Demgegenüber stehen folgende Nachteile:

  • Kein (detaillierter) Einblick in Produktionsprozesse
  • Teilweise hohe Mindestbestellmengen
  • Das gleiche Produkt wird auch unter anderen Markennamen verkauft

Gerade der letzte Punkt kann auf Dauer in der Markenbildung und dem Aufbau von Vertrauen auf Seite der Kaufenden zu einem Hindernis werden. White-Label-Produkte sind beliebig austauschbar – schließlich gibt es sie in gleicher Form mit anderem Logo dutzendfach zu kaufen.

White-Label-Beispiele aus der Praxis

Im Alltag gibt es diverse Beispiele für White Labeling. Vor allem im Dropshipping-Business hat sich diese Art der Produktbeschaffung und des Handels durchgesetzt. Konkrete Beispiele aus der unternehmerischen Praxis sind:

  • Bosch, baden-württembergischer Hersteller von Elektrowerkzeugen, vertreibt seine eigenen Produkte unter den zwei verschiedenen Marken Bosch und Skil
  • BSH produziert europaweit Haushaltsgeräte und vertreibt diese unter verschiedenen Markennamen wie Neff, Junker, Gaggenau oder Ufesa
  • Der IT-Dienstleister niiio IT-Services bietet für Finanzhäuser einen White Label Robo Advisor an, ein Finanzprodukt, über das Anlegerinnen und Anleger ohne Vorkenntnisse in den Kapitalmarkt investieren können

Auch in der Musikindustrie findet White Label Branding Anwendung. Musiklabels veröffentlichen neue Musik ohne „Herstellerangabe“, wenn unklar ist, ob sie erfolgreich wird oder nicht. Floppt die Veröffentlichung anschließend, verhindert das Label so einen Imageschaden.

Fazit: White Label Branding kann sinnvoll sein, muss aber nicht

Für viele Unternehmen ergeben White Labeling oder White Label Branding Sinn, weil Kosten und Mühen gespart werden. Wer jedoch nachhaltig mit einer Marke und nutzenschaffenden Produkten und Dienstleistungen erfolgreich sein will, wird sich in Sachen Brand Management und Markenführung früher oder später mit der Herstellung individueller Produkte beschäftigen.

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Titelbild: Catherine Falls Commercial / iStock / Getty Images Plus

Themen: Branding

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