Die Maslowsche Bedürfnispyramide ist seit Jahrzehnten weit über die Grenzen der humanistischen Psychologie hinaus bekannt. Ob in Selbsthilfe-Ratgebern, auf Cornflakes-Packungen oder in der Populärwissenschaft: Abraham Maslows Modell der menschlichen Bedürfnisse wird immer wieder herangezogen, wenn es um die eigene Selbstverwirklichung und psychische Balance geht.

Wie sich die Pyramide genau zusammensetzt, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Was ist die Bedürfnispyramide nach Maslow? 

Was sich hinter der Bedürfnispyramide im Groben verbirgt, ist relativ simpel: Sie versucht, die Motivation und Bedürfnisse des Menschen zu erklären – und das Zusammenspiel eben dieser beiden Faktoren.

Quelle: Die Merkhilfe Wirtschaft

Menschliche Schwächen: Zur Entstehung der Bedürfnispyramide nach Maslow

Die Geschichte der Bedürfnispyramide geht bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Damalige Psychologen bescheinigten den Menschen eine grundsätzlich pessimistische, teilweise seelenlose Einstellung. Die Liste menschlicher Schwächen und deren Zusammenstellung hing wahrscheinlich auch mit dem Ersten, später dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Abraham Maslow sah das grundsätzlich anders und bezeichnete die Menschen vom Grundsatz her eher als gut. Er meinte, das Schlechte sei nicht in der Natur des Menschen verankert. 

Vor diesem Hintergrund entwickelte Maslow sein Modell. Erste Ideen wurden bereits 1943 veröffentlicht und in den folgenden Jahren immer weiter von ihm verfeinert. Maslow hielt durch sein bekanntes sozialpsychologisches Modell fest, dass es bestimmte Bedürfnisse gibt und einige wichtiger als andere sind.  

Die Stufen der Bedürfnispyramide

Wird ein Bereich erfüllt, gibt dieser den Antrieb für den nächsten Bereich – nach diesem Prinzip baut sich die Bedürfnispyramide nach Maslow auf.

Existent sind dabei, zumindest was das Grundmodell betrifft, fünf Stufen:

  1. Grundbedürfnisse: Diese sind zum Überleben unbedingt notwendig, wie beispielsweise Essen, Trinken, Schlaf und Wärme.
  2. Sicherheitsbedürfnisse: Es geht dabei um materielle und berufliche Sicherheit, aber auch den Schutz der eigenen Person.
  3. Soziale Bedürfnisse: Unter diese Bedürfnisse fallen Familie, Freundschaft sowie die Zugehörigkeit zu Gruppen.
  4. Individualbedürfnisse: Sie umfassen Geltung, Macht, Freiheit, einen gewissen Status und die positive Wahrnehmung durch andere.
  5. Selbstverwirklichung: In der fünften Stufe möchte man eigene Ideen in die Tat umsetzen und eine Persönlichkeit entwickeln.

Die ersten drei Bedürfnisse bezeichnet Maslow als sogenannte Defizitbedürfnisse. Die Individualbedürfnisse und die Selbstverwirklichung dagegen sind Wachstumsbedürfnisse.

Während die Defizitbedürfnisse erfüllt werden sollten, da eine Nichterfüllung ansonsten zu körperlichen und geistigen Störungen führen kann, sind die Wachstumsbedürfnisse nahezu nie gänzlich erfüllbar. 

Nach einigen Jahren fügte Maslow seinem Modell noch die Stufe Transzendenz hinzu. Diese Stufe beinhaltet das Streben danach, Teil von etwas Größerem zu werden und ist ebenfalls ein Wachstumsbedürfnis. 

Beduerfnispyramide nach Maslow im DetailBild: HubSpot

Die Maslowsche Bedürfnispyramide in der Praxis 

In der heutigen Zeit stellt sich nun die Frage: Wie lässt sich die Bedürfnispyramide auf das geschäftliche Leben generell übertragen? Welche Bedürfnisse haben beispielsweise Kunden, Führungskräfte oder Mitarbeiter? 

  • Bezogen auf den Vertrieb spielt die erste Stufe eigentlich überhaupt keine Rolle. 
  • Die zweite Stufe ist dagegen interessant: Sicherheit kann sich beispielsweise auf das Investment eines Kunden beziehen.
  • Die dritte Stufe der sozialen Bedürfnisse lässt sich ebenfalls auf die heutige Geschäftswelt adaptieren. Die Beziehungen der Mitarbeiter untereinander und zu den Führungskräften sowie eventuell stattfindende Firmen-Events stellen Beispiele für diese Stufe dar.
  • Stufe vier kann sich in der Anerkennung von beruflichen Leistungen wie nach einem positiven Verkaufsgespräch oder einer Verbesserung des Umsatzes widerspiegeln. Aber auch ein Verkäufer kann seinem Kunden Anerkennung entgegenbringen.
  • Stufe fünf stellt bei Mitarbeitern zum Beispiel die Möglichkeit dar, sich weiterzubilden oder mehr Verantwortung zu erhalten. 

Im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld gilt: Die nächsthöhere Stufe der Bedürfnispyramide nach Maslow lässt sich nur dann erreichen, wenn die vorherige Stufe sozusagen erfolgreich absolviert wurde. Alle Stufen der Bedürfnispyramide hängen voneinander ab und bauen aufeinander auf. 

Gerade für Führungskräfte in Unternehmen können die einzelnen Stufen darauf bezogen werden, was Mitarbeiter motiviert, um erfolgreicher zu sein – und damit auch den Gesamterfolg des Unternehmens zu steigern. 

Ist die Maslowsche Bedürfnispyramide überhaupt noch zeitgemäß? 

In bestimmten Bereichen des Lebens oder Kulturen sind die Formen des Antriebs und der Motivation sicherlich noch anwendbar.

Das Bedürfnis zu (über-)leben, existiert nach wie vor. Ebenso verhält es sich mit den Sicherheitsbedürfnissen und dem Wunsch nach Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung. Nur geschieht dies zuweilen auf einer anderen Basis, da sich im Laufe der Jahre auch die Wertvorstellungen geändert haben.

Aus diesem Grund sind heutzutage Werte relevant, die es zu Maslows Zeit teilweise noch gar nicht gegeben hat. Darunter fallen in etwa die Akzeptanz auf Social-Media-Kanälen, eine nahezu komplette Vernetzung sowie eine sich verändernde Arbeitswelt. Hinzu kommen unterschiedliche Ansichtsweisen, die mitunter kulturell bedingt sind. 

In der heutigen Zeit ist die Maslowsche Bedürfnispyramide also nur noch bedingt anwendbar. Sicherlich ist noch aktuell, dass bestimmte Bedürfnisse nur mit der entsprechenden Motivation erreicht werden können und einzelne Faktoren andere bedingen.

Aber: Die Theorie ist kaum empirisch überprüfbar, ärmere Teile der Weltbevölkerung werden nicht von diesem Modell erfasst und es gibt keine Hinweise darauf, wie bestimmte Stufen erreicht werden können.

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Ursprünglich veröffentlicht am 4. November 2019, aktualisiert am November 04 2019